Protestplakate in Kapstadt: «Unsere Eltern bekämpften die Apartheid – wir heute die Korruption» © FF

Klima: Unaufhaltsame Zunahme des CO2-Ausstosses in Afrika

Benno Büeler / 20. Jan 2020 - Ein Versagen der Eliten, die enorme Zunahme der Bevölkerung und wirtschaftlicher Nachholbedarf vereiteln eine Klimaschutzpolitik.

Red. Afrika-Kenner Benno Büehler wollte mit anderen Schweizer Investoren in Südafrika eine Siedlung mit einer solaren, autarken Stromversorgung bauen. Doch die Hindernisse erwiesen sich als zu gross. Er schildert sie im Folgenden für Infosperber.

Der Infosperber-Artikel von Beat Gerber «Wo Klimaschutz chancenlos ist» zeigt am Beispiel Benin eindrücklich, wie ein wirksamer Klimaschutz in Afrika erschwert wird. Der Artikel fokussiert auf die unfaire Dominanz des Westens, welche sich vielfältig auswirkt und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse verunmögliche, weshalb auch die Ressourcen für den Klimaschutz fehlten. Bei dieser selbstkritisch europäischen Sicht darf jedoch eine andere Realität nicht vergessen gehen: Die Unfähigkeit vieler afrikanischer Regierungen und Eliten sowie die Folgen von grassierender Korruption und Misswirtschaft.

Nachfolgend soll am Beispiel Südafrika gezeigt werden, weshalb eine Senkung der CO2-Emissionen auch im sonnenreichen Afrika so schwierig ist. Südafrika ist beim Thema Klimaschutz relevant, weil es pro Kopf mit rund 7 Tonnen pro Jahr den höchsten CO2-Ausstoss aller afrikanischer Länder hat; es emittiert insgesamt mehr CO2 als Länder wie UK, Italien oder Frankreich und steht innerhalb von Afrika mengenmässig mit Abstand an der Spitze. Rund 60 Prozent der nationalen CO2-Emissionen stammen aus der Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen, 2/3 davon aus Kohlekraftwerken, welche hauptsächlich inländische Kohle verfeuern.

Südafrika wird seit dem Ende der Apartheid 1994 von schwarzen Präsidenten des ANC regiert, die Minister und höhere Staatsbeamte sind weitgehend schwarz oder farbig. Der staatliche Elektrizitäts-Monopolist Eskom wurde in den letzten zehn Jahren entsprechend dem Black Economic Empowerment (BBBEE) fast nur von Schwarzen geführt. In der Periode von Präsident Zuma 2009 – 2018 wurde Eskom komplett heruntergewirtschaftet. Die Schulden stiegen von ZAR 105 Milliarden in 2008 auf heute rund ZAR 450 Milliarden (knapp USD 30 Milliarden), die Mitarbeiterzahl stieg von 37'800 (2009) auf 46'700 (2019) um 23 Prozent, während die Elektrizitätsproduktion von 240'000 GWh (2008) auf noch 219'000 GWh (2019) um 9 Prozent sank – obwohl in der gleichen Zeitspanne die Bevölkerung von 50,4 Millionen auf 58,8 Millionen um fast 17 Prozent zunahm. Als Folge der sich massiv öffnenden Schere zwischen sinkendem Angebot und steigender Nachfrage sind heute Netzabschaltungen in Südafrika Alltag und wie in der DDR eine wichtige Stütze des Humors geworden.

Korrupte und selbstsüchtige Politiker

Die Gründe für diesen brutalen Niedergang eines einstmals gut funktionierenden Elektrizitätsversorgers haben nichts mit Europa oder den USA zu tun, sondern sind das Resultat des typischen Amalgams vieler afrikanischer Länder. Dreh- und Angelpunkt sind dabei korrupte, selbstsüchtige Politiker, welche – wie die Beispiele Mbeki und Zuma drastisch zeigen, häufig schlecht gebildet sind. Diese umgeben sich mit ebenfalls inkompetenten Steigbügelhaltern («Cronies») deren Hauptzweck der Erhalt von Macht und Pfründen ist und von oben her Staat und Unternehmen zerstören. Das Ganze wird ergänzt um populistische Geschenke, welche Wählerstimmen garantieren (wie hier in Form von Arbeitsplätzen und hohen Löhnen an die ANC-nahen Gewerkschaften) und damit Eskom von unten her zerstören.

Erst in einem solchen tiefkorrupten Umfeld können dann weitere Verstärkungsfaktoren wie die Gupta-Familie Einfluss gewinnen, welche sich wie Geier an schlecht geführten Organisationen bereichern. Zusätzlich tragisch an solchen Entwicklungen ist, dass fachlich kompetente Leute über kurz oder lang gehen – entweder weil sie müssen (da sie die Missstände anprangern) oder wollen (weil sie den Niedergang nicht ertragen). Ist es erstmals so weit, wird ein Neuaufbau sehr zäh und schwierig.

Die Folgen dieses politischen Versagens können kaum überschätzt werden: Der Elektrizitätsmangel schadet der lokalen Wirtschaft massiv, kleinere schwarze KMUs leiden dabei besonders darunter, da sich die grösseren Firmen Notstromaggregate leisten können, welche sie über teurere Produktpreise auf die Konsumenten überwälzen. Man darf annehmen, dass eine stabile Stromversorgung das Bruttosozialprodukt über die letzten zehn Jahre um 5 bis 10 Prozent höher hätte werden lassen und Millionen von Arbeitslosen zusätzlich eine Stelle hätten. Trotz der angehäuften Schulden hat die Misswirtschaft von Eskom gleichzeitig die Strompreise auf durchschnittlich über 10 Rappen pro kWh hoch gedrückt, was wiederum die Wirtschaft belastet und die schon schmale Kaufkraft vieler Schwarzer weiter schwächt.

Ungenutztes Potenzial der Photovoltatik und Windenergie

In scharfem Kontrast zu dieser Misere steht das herausragende Potential von Wind und Sonnenkraft in Südafrika. In Kapstadt scheint pro Jahr die Sonne an rund 3’000 Stunden, zusammen mit der geografischen Lage ergibt dies etwa 70 Prozent mehr Photovoltaik-Strom pro Quadratmeter Photovoltaikanlage verglichen mit der Schweiz. Darüber hinaus scheint sie auch im Winterhalbjahr viel mehr. Aber auch der Wind wäre an der dünn besiedelten Küste von Südafrika eine interessante Quelle. Keine Frage, Südafrika hätte ein riesiges Potential zur CO2-Einsparung und könnten zugleich unnötige Tote durch Luftverschmutzung verhindern und gleichzeitig die Wirtschaft stark ankurbeln. Dieses Potential liegt zum grössten Teil brach, tragen Photovoltaik und Wind doch nur je knapp 2 Prozent zur Stromproduktion bei. Zum Vergleich, im sonnenarmen Deutschland liegen die entsprechenden Werte bei 7,4 Prozent (Sonne) und 21 Prozent (Wind).

Woran es liegt, dass das riesige Potential für erneuerbare Energie wenig genutzt wird, durfte ich als Verwaltungsrat einer kleinen südafrikanischen Landentwicklungsfirma erfahren. Schweizer Investoren haben 2018 rund 42 Hektaren Bauland in Kapstadt mitten in einem farbigen Quartier gekauft, um rund 1800 Wohneinheiten, Büroflächen, Handwerkerhops, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen usw. zu erstellen. Aufgrund einer ersten Studie wollten wir die Elektrizitätsversorgung autark und grün machen, indem 70 bis 80 Prozent mittels Photovoltaik und der Rest mit Dieselgeneratoren erzeugt worden wäre. Dies hätte den CO2-Ausstoss um 80 bis 85 Prozent reduziert, hätte eine sichere 24-Stunden-Versorgung gebracht und lokale Arbeitsplätze generiert.

Problematische Einspeisung ins Netz

Die Rechnung zeigte, dass wir – notabene ohne Subventionen – etwa 25 Prozent günstiger gewesen wären als der unzuverlässige Strom von Eskom. Entsprechend waren Investoren, Verwaltungsrat und Management überzeugt, dass wir das gleich von Anfang an einplanen und realisieren sollen. Es zeigte sich schnell, dass nicht technische oder wirtschaftliche Hindernisse im Weg stehen, sondern Eskom und eine absurde Regulierung der Elektrizitätsbranche. Als Einzelhausbesitzer kann man in Südafrika auf sein Dach zwar PV-Module bauen, aber als Entwickler einer Siedlung, der gerne grünen Strom erzeugen möchte, stellt sich die Situation viel schwieriger dar. So erhält man kaum eine Genehmigung zur Netzeinspeisung innert nützlicher Frist, weshalb dies keine realistische Option ist. Eine Netzeinspeisung von Photovoltaikstrom hätte ausserdem den Nachteil, dass man die häufigen Blackouts ebenfalls erleiden würde, ausser man installiert teure Schaltanlagen und dazu Dieselgeneratoren für die autarke Netzregulation und -stabilisierung. Die Kosten einer Netzanbindung mit Einspeisung sind in der Praxis deshalb deutlich höher als eine autarke Versorgung.

Hindernisse für autarke Lösungen

Die nächste, ökonomisch und ökologisch besonders vielversprechende Idee, die Siedlung autark mit grünem Strom zu versorgen, scheiterte am Verbot, öffentliche Strassen mit eigenen Kabeln zu unterqueren, da dies dem Monopolisten Eskom vorbehalten ist. Dazu muss man einerseits wissen, dass erst ein Verbund von hunderten von Wohnungen und grösseren kommerziellen Flächen den Stromkonsum genügend ausgleicht und eine kritische Grösse ergibt, um wirtschaftlich eine autarke Stromversorgung bauen zu können. Andererseits müssen Landentwickler zwar alle Strassen und Infrastruktur auf eigene Kosten bauen, diese aber nach Fertigstellung in der Regel der Gemeinde als öffentliche Strassen übergeben, um aus sozialen Gründen abgeschlossene Siedlungen zu vermeiden. Wir hätten also die grüne Strominsel auf dem eigenen Land bauen können – wären aber schlagartig illegal geworden, sobald wir die Strassen der Gemeinde übergeben hätten.

Deshalb hat vor zwei Jahren die sonnenreiche Stadt Kapstadt beim Verfassungsgericht eine Klage gegen Eskom eingereicht mit dem Ziel, den Gemeinden mehr Selbstbestimmungs-möglichkeiten bei der Elektrizitätsversorgung zu geben, namentlich bei Wind- und Sonnenenergie. Die Economic Freedom Fighters (EFF), welche unter armen Schwarzen und Studenten erheblich Unterstützung erhält und gemäss Eigendarstellung eine ‘«radical, leftist, anti-capitalist and anti-imperialist movement» ist, haben den Wunsch von Kapstadt scharf kritisiert und wollen keine freien Erzeuger von erneuerbaren Energien zulassen.

Widersinnige und zerstörerische Politik

Man kann es aus europäischer Sicht fast nicht glauben: In Südafrika hätten Wind- und Sonnenenergie ein viel grösseres Potential als in Zentraleuropa, zugleich gäbe es international viel Kapital und Wissen, um schnell und wirkungsvoll die Situation zu verbessern, es wäre wirtschaftlich interessant, und schliesslich würde es auch noch Druck von der überlasteten Eskom nehmen und so dem übrigen Land helfen. Aber die dominanten Hindernisse (Korruption der herrschenden Eliten, ideologische Verblendung linker Kreise, stark behindernde Regulationen, unfähige Verwaltungen) sind so stark, dass man im Moment hilflos einer widersinnigen und zerstörerischen Politik zuschauen muss.

Es ist keine Frage, Südafrika hat dies selbst zu verantworten. Wer stattdessen eine imaginäre westliche Schuld der reichen Länder für die miese Klima- und Energiepolitik betont, verschleiert nur die relevanten Zusammenhänge und hilft den korrupten Eliten, sich hinter Ausreden zu verstecken und nichts zu tun. Wer das Wohlergehen der Menschen in Afrika effektiv fördern möchte und Klimaschutz ernst meint, muss aber die Haupthindernisse erkennen und nennen, um den gordischen Knoten durchschlagen zu können. Nett sein und wegschauen hilft nicht.

Afrika wird die CO2-Emissionen nicht in den Griff bekommen

Aber auch wenn ein neuer Mandela kommen würde und ein reinigender Wind durch die verkrustete Südafrikanische Politik fegen liesse, sollte man sich beim Thema Klimapolitik für ganz Afrika keine Illusionen machen. Die Rahmenbedingungen sehen düster aus:

  1. Von Afrika, das heute nur 3,6 Prozent der CO2-Weltemissionen ausmacht, bis 2050 aber 2,4 Milliarden Menschen oder ein Viertel der Weltbevölkerung stellen wird, muss auch bei bescheidener Wirtschaftsentwicklung und Mobilitätszunahme in Zukunft eine sehr grosse Emissionssteigerung erwartet werden. Dies auch deshalb, weil verschiedene afrikanische Länder selbst fossile Brennstoffe haben und billig nutzen können.
    Noch beklemmender ist der Ausblick auf das Jahr 2100, wenn die UNO in Afrika eine Bevölkerung von 4,3 Milliarden Menschen erwartet.Das sind über dreimal soviel wie heute. Eine wirksame Klimapolitik ist unmöglich, ohne dass das rasante Wachstum der Bevölkerung angegangen wird mit einem flächendeckenden Zugang zu Verhütungsmitteln und mit Aufklärung. Dass gemäss UNO fast die Hälfte aller Schwangerschaften in Afrika ungeplant sind und je nach Land rund ein Drittel aller Teenies Kinder bekommen und teilweise 12-Jährige schwanger werden, müsste die internationale Gemeinschaft zu einer massiven Investitionen in reproduktive Gesundheit veranlassen.
  2. Die grosse Mehrheit in Afrika hat einen sehr tiefen materiellen Wohlstand und möchte diesen möglichst schnell heben. Politiker in den armen Ländern müssen diese Priorität ihrer Wähler wenigstens ein Stück weit befolgen, sonst riskieren sie die Abwahl. Die zögerliche Förderung von Familienplanung in vielen armen Ländern seit den 1960er Jahren fordert im 21. Jahrhundert deshalb nun ihren riesigen Tribut. Ein bisschen pointiert gesagt, hat eine riesige Zahl Menschen existentielle Nöte und kein Interesse an Klimawandel; wenn afrikanische Politiker an Klimakonferenzen schöne Versprechen abgeben, geschieht dies primär um an Geld zu kommen und dabei auch die eigenen Taschen zu füllen.
  3. Fossile Brennstoffe haben gerade in armen Ländern, wo die Infrastruktur noch schwach ist, grosse Vorteile. Ein Kanister Diesel kann problemlos auch über schlechte Wege zum Generator in ein entlegenes Dorf gebracht werden, aber eine leistungsfähige Photovoltaikanlage mit Batterien und Verkabelung aufzubauen ist teuer und erfordert Fachwissen. Wer auf staubigen afrikanischen Strassen unterwegs war, wird Mühe haben, sich vorzustellen, dass dort in naher Zukunft die Mehrheit mit Elektroautos herumfährt und diese an einem Netz von leistungsfähigen Stationen auflädt, welche angeschlossen sind an ein Hochspannungsnetz, das von erneuerbaren Energiequellen gespiesen wird.
  4. Eine bedarfsdeckende Energieversorgung rund um die Uhr, in allen Jahreszeiten, ist ohne fossile Energieträger und ohne Nuklearkraft ausserordentlich schwierig. Bergige, wasserreiche Länder wie die Schweiz haben mit Wasserkraft und Pumpspeicherwerken dabei Vorteile – aber sogar wir sind noch weit, sehr weit von einer CO2-freien Energieversorgung entfernt. Dies u.a. deshalb, weil rund dreiviertel unserer Energieversorgung nicht durch Elektrizität gedeckt wird. Deutschland zeigt mit der Energiewende eindrücklich, wie auch ein massiver Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Netzinfrastruktur noch bei weitem nicht reicht.

Wie sollen die Nicht-Industrieländer, welche schon heute den Löwenanteil der Emissionen und der Weltbevölkerung stellen, aber nicht über die finanziellen, technischen und organisatorischen Kapazitäten der reichen Länder verfügen, dies innert weniger Jahrzehnte schaffen?

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Benno Büeler, Dr. math ETH, Dipl. Ing.-Agr. ETH, ist Vorstandsmitglied von Ecopop.

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13 Meinungen

Aufgrund von frustrierenden Erfahrungen mit einem Investitionsprojekt in einem Quartier in Kapstadt auf ganz Südafrika und den ganzen Kontinent zu schliessen, zeigt ein eigenartiges Weltbild.
Hier einige statistische Zahlen von 2018:
Referenzraum - Bevölkerung in Millionen - CO2-Ausstoss pro Person
Afrika - 1'284 - 960 kg
Südafrika - 55,4 - 7'600 kg
Schweiz - 8,3 - 4'460 kg
Global - 7'405 - 4'580 kg
Dass die Schweiz neben den inländischen CO2-Emissionen noch ca. doppelt soviel CO2 durch Importe verursacht, dürfte bekannt sein.
Viele heutige Probleme Afrikas sind durch dessen Geschichte der letzten 500 Jahre und speziell durch die Kolonialzeit ab 1884 (Aufteilung in Berlin) und die neokolonialen Strukturen ab Mitte letzten Jahrhunderts verursacht. Dass in dieser Zeit mehr als 50 Millionen Menschen aus Afrika durch unsere europäischen Vorfahren umgebracht wurden oder als Sklaven umgekommen sind ist vielen von uns nicht bewusst. Dies sollte uns demütig stimmen und unser Besserwissen gegenüber Afrika sofort zum Schweigen bringen. Die rasant zunehmende Klimaerhitzung wurde und wird nicht in Afrika verursacht und die Bevölkerungszahl in Afrika hat damit auch kaum etwas zu tun. Wer das Klima schützen will, sollte hier, bei sich und in der Schweizer Politik beginnen.
Heini Glauser, am 20. Januar 2020 um 13:14 Uhr
Vielen Dank. - Macht macht Korruption möglich.
Auch die Schweiz ist nicht korruptionsfrei. (Transparency Int. in der NZZ)
Whistleblower sind kaum geschützt und erleiden viele Nachteile.
Korruption wird erschwert, wenn Personen in Machtpositionen (Parlament etc.) Transparenz herstellen müssen.
Markus Ursprung, am 20. Januar 2020 um 15:57 Uhr
"Noch beklemmender ist der Ausblick auf das Jahr 2100, wenn die UNO in Afrika eine Bevölkerung von 4,3 Milliarden Menschen erwartet. Das sind über dreimal soviel wie heute.» Was das für die Migration und den Klimawandel bedeutet, ist das grösste Problem des 21. Jahrhunderts!
Pedro Reiser, am 20. Januar 2020 um 19:05 Uhr
Passend zu diesem Artikel:

David Signer, Dakar (NZZ, 20.01.2020 )

«Luanda Leaks» zeigen: So dreist plünderte die Präsidententochter Isabel dos Santos Angola aus...

Die internen Dokumente, die unter dem Namen «Luanda Leaks» veröffentlicht worden sind, werfen ein grelles Licht auf Isabel dos Santos, die Tochter des ehemaligen Präsidenten von Angola, angeblich die reichste Frau Afrikas, mit einem geschätzten Vermögen von 2,2 Milliarden Franken.

>Dubiose Transaktionen zwischen Luanda, Genf und Zug

Lesenswerter Artikel in der NZZ: ähnliche Zustände wie in Südafrika,
mindestens bis 2017

https://www.nzz.ch/international/raubzuege-auf-hohem-niveau-ld.1535169

.
Ernst Debrunner, am 20. Januar 2020 um 19:53 Uhr
Ich finde es bemühend, wie gewisse Kreise (ECOPOP et.al.) immer wieder das Bevölkerungswachstum als oberste Priorität ansehen. Dabei sollte man einmal den pro Kopf des CO2 Verbrauhsc ansehen (z.Bsp. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_CO2-Emission_pro_Kopf). Eine weisse Person (Europa/USA/KANADA/Australien) produziert soviel CO2 wie ca. 20 Afrikaner. So wie man sagt, man solle Sonenkollektoren dort aufstelllen, wo am meisten Sonne scheint, müsste man bei der Bevölkerungsplanung konsequenterweise dort ansetzen wo die Bevolkerungsreduktion am meisten pro Person bringt, also bei den Weissen.
Des weiteren zeigt die Statistik, dass je reicher die Menschen sind, desto weniger Kinder haben sie. Man sollte als die Afrikaner nur reicher machen - aber dann konsumieren sie mehr und produzieren mehr CO2.
Ein wesentlicher Einflussfaktor ist auch die Bildung: besser gebildet Menschen haben weniger Kinder und sind auch eher in der Lage die Problem zu sehen und zu lösen.
Schlussfolgerung: Afrika nicht weiter ausrauben wie bisher (Rohstoffe, Zölle, subventionierte Agrarexporte, etc.) sondern den Afrikanern gelegnehit geben, selbst reich zu werden. Des weitern Bildung in Afrika fördern. Und schlussendlich den CO» Ausstoss in den weissen Ländern reduzieren, das ist eher machbar (?) und bring viel mehr.
Rene Burkhardt, am 20. Januar 2020 um 22:02 Uhr
@Glauser: Herzlichen Dank für diesen wissens- und erkenntnisreichen Kommentar!

Zwei Punkte möchte ich hervorheben:

1. «die Schweiz neben den inländischen CO2-Emissionen noch ca. doppelt soviel CO2 durch Importe verursacht»: Absolut korrekt! Was dazu führt, dass die effektive CO2-Emission eines Schweizers auf das Dreifache, also rund 13'000 kg ansteigt.

Statt sich diese Tatsache einzugestehen, fällt vielen nichts Besseres ein, als den Finger auf den 'bösen Chinesen' zu zeigen, 'bei dem doch die CO2-Emissionen so stark zugenommen haben, so dass er unsere Anstrengungen gleich wieder zunichte macht'. Hier wird verkannt (oder gleich bewusst Augenwischerei betrieben?), dass unsere (sic) importierte CO2-Emission dem 'Chinesen' zugerechnet wird. Und zwar nur aufgrund dessen, dass er an der Werkbank zur Herstellung unserer (!) Waren arbeitet und hierbei hohe Mengen an fossilen Energien/Ressourcen verbraucht.

Diese Zurechnung ist so falsch/verlogen, wie wenn wir behaupten würden, dass der Arbeiter einer Schweizer Zementfabrik eine viel schlechtere CO2-Bilanz als ein Banker aufweise, da ersterem die CO2-Emission seiner Arbeit (Zementherstellung) zugerechnet werden müsse - und nicht dem Banker, der sich mit jenem Zement gerade ein Haus bauen lässt (natürlich «voll Minergie").

https://ourworldindata.org/co2-and-other-greenhouse-gas-emissions#consumption-based-trade-adjusted-co2-emissions
Stephan Kühne, am 21. Januar 2020 um 00:37 Uhr
2. Was ist das Wesen von «Korruption"? Eine (kleine) Gruppe unterstützt/"hilft» sich gegenseitig bei der Ausbeutung einer andere (grossen) Gruppe Menschen. Bei den «Weissen» firmiert Korruption unter Begriffen wie «Apartheid», «Sklaverei», «(Neo-)Kolonialismus». Sie war (und ist weiterhin) um Dimensionen grösser, verheerender, Elend & Tod bringender als was Schwarze unter sich veranstalten. Das entschuldigt nichts, aber sollte auch nicht dazu führen, dass jegliches Bewusstsein von Geschichte und Grössenordnungen flöten geht.
Stephan Kühne, am 21. Januar 2020 um 00:38 Uhr
Ich habe vor jahrzehnten ein nachdiplom über entwicklungsländer gemacht und auch dort gearbeitet. Rasch wurde mir klar, dass «bad governance» das krebsübel der entwicklungsländer ist. Und viel weniger die koloniale vergangenheit oder «westliche ausbeutung». Meine these: entwicklungshilfe sollen nur länder mit «good governance» bekommen. Und dort soll sie diese gute verwaltungsführung stützen. In allen anderen ländern beschränken wir uns auf humanitäre hilfe bei grosser not.
Christian von Burg, am 21. Januar 2020 um 08:59 Uhr
@von Burg. Zu den «Luanda Leaks» kommentierte Fabian Urech in der NZZ treffend: «Eine Tatsache, die in Europa gerade mit Blick auf Afrika oft vergessen geht: Für Korruption braucht es immer zwei – einen der nimmt, und einen der gibt.» Im Fall Uganda fand Isabel dos Santos auf internationaler Ebene immer wieder Verbündete auch unter westlichen Unternehmen und Banken. Der Wirtschaftsprüfungskonzern PricewaterhouseCoopers arbeitete jahrelang mit ihr zusammen.
Urs P. Gasche, am 21. Januar 2020 um 09:41 Uhr
Diese Überheblichkeit der Imperialisten diesen dummen Wilden gegenüber!
Danke für die guten und verständnisvollen Kommentare (Glauser, Burkhardt, Kühne)!
Paul Jud, am 21. Januar 2020 um 10:24 Uhr
Der Vorwurf an Benno Bühler, er unterschätze die Bedeutung des CO2-Ausstosses der Industrieländer, wirkt an den Haaren herbeigezogen. Soll man das Thema CO2-Ausstoss in Afrika nicht behandeln dürfen, nur weil es ein anderes Thema gibt, das noch wichtiger wäre?

Der Artikel wird gleich zu Beginn als Ergänzung zum früher erschienenen Artikel von Beat Gerber bezeichnet. Die Feststellungen von Gerber werden nicht bestritten, sondern ausdrücklich gewürdigt. Benno Bühler will jedoch an einem Beispiel zeigen, dass auch die einheimische Elite einen Teil der Schuld trägt. Er betont auch, dass die Bekämpfung der Armut selbst im Angesicht des Klimawandels nicht einfach hintenan gestellt werden kann.

Gemäss Wikipedia: Korruption bezeichnet Bestechlichkeit, Bestechung, Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung.
Daniel Heierli, am 21. Januar 2020 um 15:10 Uhr
Die westlichen Investoren als selbstlose Helfer in der Not sowie Schützer der Natur. Passend zur Fasnachtszeit, verkleidet sich der Infosperber als NZZ.

Wie bekam man die Grünen in DE dazu, den Krieg zu wollen? In dem man ihnen sagte, es gehe um die Menschenrechte.

Wie bekommt man den Infosperber dazu, Berichte zu veröffentlichen die das Wirtschaftswachstum propagieren und Imperialismus (Globalisierung) befürworten? Indem man ihm sagt, es gehe um Klimaschutz.
Stöckli Marc, am 21. Januar 2020 um 23:29 Uhr
@Gasche: Ja natürlich braucht es immer zwei um korrupt zu sein. Und was Sie schreiben, dem widerspreche ich nicht.Der Zweite ist aber nicht immer ein «Westler». Sondern sitzt meist im eigenen Land. Die Korruption durchzieht die ganze Gesellschaft, nicht mal einen Fahrzeugausweis oder ein Flughafenvisum kriegt man ohne Bestechung. Ich weise darauf nicht mit dem Moralfinger hin. Ich habe mich daran (leider)gewöhnt. Und die Einheimischen sowieso. Sie tun dies mit einem Schulterzucken ab, sie haben keine andere Wahl. Ein Amt das man missbrauchen kann kriegt man oft nur selber durch Bestechung. Nachher muss man dieses Amt melken, um das Bestechungsgeld wieder hereinzubekommen. Es ist ein Teufelskreis.
Meine Erfahrungen stammen allerdings aus Südamerika und Asien, nehme aber an, dies wird in Afrika nicht anders sein, wie ich auch von Betroffenen vernommen habe. Es gibt Regierungen die gegen dies ankämpfen und zum Schwerpunkt erhoben haben. Diese und nur diese sollte man unterstützen. Es ist aber sehr schwierig. Wie wir alle wissen, leben Saubermänner gefährlich: Sie sind den Profiteuren ein Dorn im Auge und ihre Herrschaft dauert selten lange.
Christian von Burg, am 22. Januar 2020 um 18:25 Uhr

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