KKW Beznau I + II: Atomausstieg erhöht Import von Strom im Winterhalbjahr © Ch. Hurni
Importsaldo 2007 bis 2018 © Guggenbühl/Südostschweiz

Mangel an Strom im Winter – kein Problem? Oder doch?

Hanspeter Guggenbühl / 16. Dez 2018 - Stromimport macht die Schweiz erpressbar, sagt die ElCom. Kein Problem, der Markt wird's richten, sagt Doris Leuthard. Was jetzt?

Eines ist unbestritten: Die Schweiz muss im Winterhalbjahr schon seit 2001 mehr Strom importieren, als sie exportieren kann. Im Winterhalbjahr 2017/18 zum Beispiel, so zeigt die folgende Grafik, betrug dieser Import-Saldo 6,7 Milliarden Kilowattstunden (kWh); das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent am inländischen Stromverbrauch.

Strom-Importüberschuss der Schweiz in den Winterhalbjahren 2007/08 bis 2017/18, in Mrd. kWh. Grafik: Guggenbühl/Südostschweiz

Dieser Importüberschuss wird zunehmen, wenn die alten Atomkraftwerke ausfallen oder stillgelegt werden. Gleichzeitig steigt der Anteil der Elektrizität am Energiemix, weil die Klimapolitik einen Umstieg von Erdöl auf Elektrowärme und Elektromobilität fördert. Das Wetter kann die Importabhängigkeit temporär zusätzlich verstärken, wenn tiefe Temperaturen den Heizbedarf erhöhen und Trockenheit die Stromproduktion aus Wasserkraft senkt.

Die vermehrte Verstromung von erneuerbarer Energie im Inland vermag diese Lücke nur bedingt zu stopfen. Denn Solaranlagen erzeugen im Winter weniger Strom als im Sommer, Biomasse ist begrenzt und die Nutzung von Windkraft stösst im Inland auf politischen Widerstand. Die Steigerung der Stromeffizienz wird kompensiert durch das Wachstum von Bevölkerung und Stromanwendungen. Suffizienz hat keine Lobby. Damit stellt sich die Frage: Ist die zunehmende Abhängigkeit von Stromimport im Winter ein Problem für die Versorgungssicherheit?

Leuthard: Europäischer Markt wird's richten

Nein, meinen das Bundesamt für Energie (BFE) und Energieministerin Doris Leuthard. Dabei stützen sie sich auf Studien der Universität Basel und der ETH-Zürich. Das Fazit darauf fassten Leuthard und BFE-Direktor Benoit Revaz Ende Oktober 2017 mit folgendem Satz zusammen: "Die Schweiz wird bis 2035 ausreichend Strom zur Verfügung haben, sofern die Integration in den europäischen Strommarkt gelingt, die Energieeffizienz gesteigert wird und der Anteil der erneuerbaren Energie wächst."

In diesem Markt, der über das weiträumige europäische Stromnetz abgewickelt wird, haben die Länder je ihre eigenen Stärken und Abhängigkeiten: Deutschland und Frankreich etwa verfügen über einen hohen Anteil an Kohle-, Atom- und Gaskraftwerken, die viel Bandstrom rund um die Uhr erzeugen können. Die Schweiz bietet überschüssige Leistung in Wasser-Speicherkraftwerken und kann damit – solange das Wasser reicht – kurzfristige Engpässe im In- und Ausland überbrücken. Zudem ist die zentral gelegene Schweiz mit ihren grenzüberschreitenden Leitungen die Stromdrehscheibe in Europa.

ElCom: Politische Abhängigkeit von Europa wächst

Ja, die Importabhängigkeit im Winter wird zum Problem, entgegnet die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom); die ElCom ist das Aufsichtsorgan, das die Einhaltung des Strommarkt-Gesetzes und die Versorgungssicherheit mit Strom in der Schweiz überwacht. In ihrer jüngsten Medienmitteilung vom 29. November konstatierte sie: Der Rückgang der steuerbaren Stromproduktion, den die Stilllegung von fossilen Anlagen nach sich zieht, "kann nur schwerlich mit fluktuierender (nicht steuerbarer) Produktion aus den erneuerbaren Energien kompensiert werden". Darum fordert die ElCom "neben der strategischen (Strom-) Reserve (in Stauseen) weitere Massnahmen, um auch in Zukunft eine substantielle Energieproduktion in der Schweiz im Winterhalbjahr aufrecht zu erhalten." Dass es sich bei diesen "Massnahmen" nur um Gaskraftwerke oder gasbetriebene Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen (WKK-Anlagen, die gleichzeitig Strom und Wärme produzieren) handeln kann, schreibt die ElCom nicht, weil sie "technologie-neutral" bleiben muss.

Brigitta Kratz, Vizepräsidentin der Elektrizitätskommission, präzisierte die vom BFE abweichende Haltung am diesjährigen ElCom-Forum vom 29. November mit folgenden Argumenten:

o Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland und Frankreich wächst der Anteil an nicht steuerbarer Stromproduktion aus Wind- und Solarkraft, während der Anteil aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken abnimmt. So will Deutschland bis 2022 alle Atomkraftwerke abstellen, und Frankreich plant ebenfalls, die Abhängigkeit vom Atomstrom zu senken. Aus klimapolitischen Gründen werden langfristig auch Kohlekraftwerke wegfallen.

o Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied, und das Stromabkommen mit der EU hängt (mit dem Rahmenabkommen) in der Luft. Der steigende Importsaldo von Strom im Winter mache die Schweiz zunehmend von der Versorgungssituation im Ausland und vom Goodwill der Nachbarländer abhängig, analysiert ElCom-Vizepräsidentin Kratz und sagte, ergänzend zum schriftlichen Redetext: "Im schlimmsten Fall werden wir erpressbar."

Die Blickwinkel unterscheiden sich

Damit kommen wir zur zweiten Frage: Wie kommen zwei Fachgremien wie das BFE und die ElCom zu derart ungleichen Einschätzungen?

Einerseits liegt das an den unterschiedlichen Aufgaben der beiden Gremien: Die Energieministerin und das ihr unterstellte BFE denken und handeln energie- und klimapolitisch. Sie verfolgen das Ziel, im Inland die Abhängigkeit von nuklearer und fossiler Energie zu reduzieren und die Nutzung von erneuerbarer Energie zu fördern. Darum ist der Umstieg von Atom- auf inländische Gaskraft ein grösseres Tabu als der Import von Strom, selbst wenn dieser aus Kohlekraftwerken stammt. Die ElCom hingegen ist primär der Versorgungssicherheit verpflichtet und beurteilt deshalb die Abhängigkeit von Stromimporten skeptischer.

Anderseits gewichten die beiden Gremien unterschiedlich: Die Studien, auf die sich das BFE stützt, richten ihren Fokus primär auf die (Spitzen-) Leistung von Kraftwerken und Stromleitungen. Mit dieser verfügbaren Leistung lassen sich Nachfragespitzen kurzfristig problemlos decken. Weiter setzt das BFE auf einen funktionierenden Strommarkt, bei dem die Preise die Schwankungen von Angebot und Nachfrage ausgleichen.

Die ElCom hingegen orientiert sich stärker an der mittelfristig verfügbaren Strom-Menge sowie an der Politik. ElCom-Geschäftsführer Renato Tami bringt diese Sicht auf den banalen Punkt: "Wir können nur dann Strom importieren, wenn die Nachbarländer exportieren können und wollen." Tatsächlich fragt sich: Wird Deutschland, wenn es einmal eng wird, alle verfügbaren fossilen Ersatzkapazitäten über längere Zeit auf den Markt werfen und damit ihre eigenen klimapolitischen Ziele preisgeben, um das wachsende Winterstrom-Defizit in der Schweiz auszugleichen? Oder sorgen sich die Nachbarstaaten im Konfliktfall lieber um ihren eigenen Bedarf und zwingen damit die Schweiz, ihren importabhängigen Stromkonsum mit temporären Lastabwürfen (sprich: Stromausfällen) im inländischen Versorgungsgebiet zu senken?

Unterschiedliche Sicht auch von Infosperber

Und wer hat Recht? Ist die Winter-Stromversorgung für die Schweiz gesichert oder gefährdet? Je nach Blickwinkel kam auch der Schreibende auf Infosperber zu unterschiedlichen Schlüssen. Unter dem Titel "Trotz geplünderten Stauseen genügend Strom" beruhigte ich im kalten Januar 2017: "Die aktuelle Situation bestätigt die alte Regel: Innerhalb Europas fehlt es der gut vernetzten Schweiz an Strom zuletzt, weil sie neben hohen Importkapazitäten und hoher Kaufkraft auch über überschüssige Spitzenleistung in ihren Speicher- und Pumpspeicher-Kraftwerken verfügt. Selbst wenn alle inländischen Atomkraftwerke einmal stillgelegt sind, kann sie ihren Strombedarf in der Regel mit Importen decken."

Ende November 2018 hingegen, als ich unter dem Titel "Die Hürden, wenn alle vom Öl- aufs Stromauto umsteigen" den Strombedarf der Schweiz bis zum Jahr 2050 mit dem sinkenden Angebot verglich, fiel meine Schlussfolgerung skeptischer aus: "Der klimapolitisch konsequente Umstieg auf Elektromobilität, verknüpft mit dem Beharren auf bisherigem Verkehr mit übergewichtigen und übermotorisierten Autos, verstärkt die Abhängigkeit der Schweiz von Stromimporten im Winterhalbjahr. Diese Importe aber sind unsicher und teuer, wenn die umliegenden Staaten klimapolitisch ebenso konsequent ihre Kohle- und Gaskraftwerke abschalten."

Wer also bekommt Recht, Leuthards BFE oder die ElCom, Infosperber 2017 oder Infosperber 2018? Die Antwort folgt – spätestens 2050.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Trotz geplünderten Stauseen genügend Strom
Die Hürden, wenn alle aufs Elektroauto umsteigen
Dossier: Klimapolitik
Dossier: Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke
Dossier: Die Politik der Stromkonzerne
Im Wasserschloss verschärft sich der Kampf ums Wasser

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9 Meinungen

Der Artikel beleuchtet gut den Spagat zwischen Wunschdenken und Realität. Die Schweiz sollte vorsichtshalber NICHT davon ausgehen, daß sie nach akutem Bedarf immer Strom importieren kann. Allein die deutschen Netze, werden immer instabiler. Mußten die Netzbetreiber früher nur alle paar Wochen oder sogar Monate, stabilisierende Eingriffe vornehmen, um Zusammenbrüche/Blackouts zu verhindern, ist dies inzwischen offenbar sogar täglich, bis zu dreimal nötig. Ursache ist die unstete «Flatterstrom-Einspeisung» mit mal ganz viel Windstrom, mal fast gar keinem und auch der Solarstrom tagsüber. Noch können die deutschen Netzbetreiber, das meistens haarscharf ausbügeln. Die Sekundenreserve ("dreckige» Gasturbinen) muß immer öfters eingeschaltet werden.

Mit jedem abgeschalteten Wärmekraftwerk, fehlt dann nicht nur dessen regulierbare Stromerzeugungskapazität. Es fehlt damit auch deren «automatische» Ausgleichsleistung durch die «Trägheit der Schwungmassen» in den grossen Generatoren (man verzeihe mir diese Vereinfachung zur besseren Verständlichkeit).

In Deutschland rechnet sich kurioserweise gerade durch den starken Ausbau für Solarstrom, praktisch kein Stausee-Speicherkraftwerk mehr. Für einen wirtschaftlichen Betrieb, würden Strom-Abnahmen daraus nicht nur Morgens und Abends in den «Spitzen» benötigt, sondern auch die frühere Menge in den Mittagsspitzen. Da aber Mittags oft genug Solarstrom verfügbar ist, fehlt dieses wichtige Geschäft für Speicherkraftwerke nun als Einnahme.
Werner Eisenkopf, am 16. Dezember 2018 um 13:39 Uhr
Heute stammen rund 80% des schweizerischen Energieverbrauchs aus Karbon-Quellen. Diese müssen so rasch wie möglich durch Windkraft und Solarenergie ersetzt werden. Strom von ausländischen CO2-freien Erzeugern und wird nicht ausreichend erhältlich sein, da sich unsere Nachbarländer noch lange nicht nuklear- und CO2-frei selbst versorgen können. Die Abhängigkeit von der knappen verfügbaren Menge und von den Preisen ausländischer Erzeuger ist hoch problematisch und riskant. Deshalb muss die Schweiz in eigene saubere Energieanlagen viel Geld investieren. Mit schwimmenden Windfarmen, z.B. im Golfe du Lion vor Marseille — weit draussen auf dem Meer — könnte das möglich sein: 5000 Windturbinen à 6 MW. Die Erfahrung von EQUINOR (Norwegen) mit bereits bewährten Pilotanlagen ist vielversprechend. Die Übertragungsdistanz von 700 km ist mit HVDC verlustarm technisch möglich. Eigene schweizerische Anlagen sind ein sicheres und ein gewinnbringendes Geschäft. Ein grosses 30 GW Pumpspeicherwerk am Lac Léman (Lac de Lovenay/ Saint-Gingolph VS) wäre ein interessanter international wirksamer Puffer. Die Investitionskosten werden über 120 Milliarden Fr. betragen. Die Schweiz verfügt über die notwendigen finanziellen Ressourcen.
Siehe: https://www.equinor.com/en/what-we-do/hywind-where-the-wind-takes-us.html
Andreas Speich
aspeich@mailarchi.it
Andreas Speich, am 16. Dezember 2018 um 13:51 Uhr
Ich weiss nicht inwieweit zum Beispiel, das Stromsparen per Obligatorium aller Standby-Funktionen in den privaten Haushalten berücksichtigt sine. Da hört man ja verrückte Zahlen, was das ausmachen würde. Auf der anderen Seite warte ich im Aargau noch immer darauf dass die Dächer unserer Familie mit Fotovoltaik ausgerüstet werden können mit einer sinnvollen Subvention, oder Stromabnahme-Preis. Ich denke, da ist in der Schweiz noch lange nicht alles ausgeschöpft. Übrigens gibt es bereits Elektro-Autos mit sehr guten Battereien, die einerseits mit dem eigenen überschüssiggen Strom geladen werden können, um sie bei Bedarf (falls das Auto grad in der Garage steht) wieder abzapfen zu können.
Carlos Werner Schenkel, am 16. Dezember 2018 um 13:54 Uhr
Vielleicht wäre es nützlich, immer wieder zu fragen: Brauchen wir das?
Brauchen wir wertvollen Strom, um Boilerwasser zu heizen? Wärmekollektoren haben einem sehr viel grösseren Wirkungsgrad und sind technisch erprobt, robust und wirtschaftlich interessanter als Photovoltaikanlagen.
Brauchen wir überhaupt so viel Heizenergie? Bessere Isolation und Fenster schliessen nach dem Lüften spart.
Brauchen wir an sonnenexponierten Hanglagen auch ausserhalb von historischen Dorfkernen starre Vorschriften für Dächer - Brauchen wir flächendeckend nostalgischen Chalet-Look, der die geeignete Nutzung der gratis Sonnenenergie verunmöglicht?
Brauchen wir die Freiheit, heute noch neue Ölheizungen einzubauen, auch in Gegenden mit immer wieder sturmbedingtem Überfluss an Energieholz?
Kriege um Erdöl. Wer braucht das?
Brauchen wir billigen Strom, um einen beträchtlichen Anteil davon einfach zu verschwenden?
Maja Beutler-Vatter, am 16. Dezember 2018 um 15:43 Uhr
Die Schweiz WIRD? erpressbar?
Produziert die Schweiz Uran?
Oder Erdoel?
Hat die Schweiz genug zu Essen ohne Importe?
Hat sie genug Futter für das Vieh?
Alles Nein!
Das löst das Stromproblem nicht, ist aber wegen der Erpressbarkeit mind. so wichtig.
Heiner Graafhuis, am 17. Dezember 2018 um 00:26 Uhr
Die isolierte Betrachtung von Strom anstelle des gesamten Energieverbrauches der Schweiz führt in die Irre. Strom liefert nur einen Viertel der Energie. Mehr als ein Drittel der Gesamtenergie wird vom Verkehr, bisher als Treibstoff verbraucht. Heizöl beansprucht 15% und Erdgas 14%. Alles Zahlen vom 2017.
Dramatisch sind die riesigen Energieverluste, die als ungenutze Abwärme anfallen. So entsprechen die 39 TWh AKW-Abwärme und die 64 TWh Auspuff-Abwärme der dreifachen Energiemenge des gesamten Heizöls!
Neben der Förderung und dem Ausbau der Solarenergie kann viel Strom gewonnen und Abwärmeverluste reduziert werden, wenn die Energien besser, kombiniert und effizienter genutzt werden.
Das heisst v.a. Heizungen, die gleichzeitig Strom und (Ab-)Wärme dort produzieren, wo geheizt wird: sogenannte Gas-Wärmekraftkopplung (WKK). Dieser Strom fällt genau dann an, wenn wir ihn in der Schweiz am meisten brauchen, im Winter.
Der zunehmend üppig anfallende Strom im Sommer und an Wochenenden kann mittels Elektrolyse und Wasser Gas produzieren, das gespeichert werden und das Erdgas ersetzen kann. Diese Technologie heisst Power to Gas (PtG).
Wenn solche Anlagen in der richtigen Grösse und am richtigen Ort stehen und treibstofffressende durch hocheffiziente Elektro-Fahrzeuge ersetzt werden, braucht die Schweiz die Energiezukunft nicht fürchten. Atom, fossiles CO2 und Ineffizienzen können so in 2-3 Jahrzehnten eliminiert werden. Daneben weniger verbrauchen erhöht noch die Lebensqualität.
Heini Glauser, am 17. Dezember 2018 um 14:57 Uhr
Frau Beutler-Vatter, Boilerwasser heize ich seit diesem Jahr mit Solarthermie. Ab März-April hat es wunderbar funktioniert, und bis ende Oktober wesentlich 100% geliefert, dank einer etwas überdimensionierten Anlage und des allgemein schönen Wetters. Seit November ist es aber eine ganz andere Geschichte, schätzungsweise 10-20% - Stratus lässt grüssen!
Man kann zwar den Sommer-Überschuss im Untergrund speichern, wenn man eine Erdsonde-Wärmepumpe hat, aber das wird viel teurer…
Thomas Maeder, am 18. Dezember 2018 um 10:59 Uhr
Ich vermute, auch das Windkraftpotential ist noch unausgeschöpft da, wo kein Widerstand zu gewärtigen wäre. Die Überlegungen und Rechnungen sind hier völlig auf Grossanlagen fixiert, deshalb kommen günstige Standorte für kleine Windräder (z.B. bei Häusern, die im thermisch bedingten Talwind stehen) gar nicht in den Blick. Wind weht auch im Winter und nachts, in manchen Lagen sehr regelmässig und mit kleinräumigen konstanten Differenzen bei der Geschwindigkeit. Hier bräuchte es Modelle, Abnahmemöglichkeiten, vielleicht sogar Subventionen, um das so anzuschieben, dass es sich irgendwann rechnet. Dass sich so eine Produktion von Anfang aus dem Stand rechnet, ist eine Illusion, das hat die Erfahrung mit Deutschland in der Solarenergie gezeigt, da ging es nicht ohne Subventionen und die Schweiz hat zugeschaut und über den deutschen Etatismus gemäkelt. – Bislang ist das eine Liebhaberszene, aber da wird sich was tun und die Strategen sollten sich drum kümmern.
Brigitte Hilmer, am 18. Dezember 2018 um 13:23 Uhr
Tja, erpressbar sind wir schon heute, wenn ich mir die Energieversorgung ansehe, die zu 2017 zu 75% aus fossilen Energieträgern bestand. Übrigens aus Ländern geliefert, deren oberste Representanten ich sicher nicht zum Nachtessen bei mir im Hause haben wollte. Allein schon wegen des Reputationsrisikos.
Dann wäre es an der Zeit kollektiv etwas zu unternehmen. Mit der Annahme der «Energiestrategie 2050» wurde dieser Willen auch grossmehrheitlich demokratisch legitimiert.
Allerdings kann ich nicht verhehlen, das einige meiner Zeitgenossen noch nicht begriffen haben, das es jetzt ernst gilt. Positiv abstimmen darüber «Wollt ihr einen Marathonlauf starten?», aber dann das nötige Trainingslager verweigern und statt dessen erst einmal Sport schauen im TV auf der Couch mit ein paar Flaschen Bier und Tüten voll Chips - so war das nicht gemeint.
Und es nützt auch nichts, dann sich vorzunehmen, morgen dafür viel härter zu trainieren.
Wir haben die Techniken zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Speicherung, zur Umstellung, zum Übergang auf Erneuerbare Energieformen.
Also: «Hopp de Bäse!»
Statt irgendwelche Wüstenpotentaten zu finanzieren, sollte wir lieber unser lokaler Gewerbe stärken.
Jürgen Baumann, am 21. Dezember 2018 um 16:04 Uhr

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