Wer klug ist, hat keine Kinder

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Robert Ruoff / 14. Aug 2013 - TA-Autorin Bettina Weber schafft bemerkenswerte Verbindung zwischen kinderlosen Frauen und ihrer Intelligenz und Klugheit.

Bettina Weber ist die Fahnenträgerin des Neo-Feminismus auf den Textseiten des «Tages-Anzeigers». Sie widmet sich dem Anliegen mit unverdrossener Ernsthaftigkeit und manchmal mit einem Hauch von Militanz. Zum Beispiel in ihrem Text: «Sie wollen alles – aber keine Kinder» (TA vom 13. August. Link siehe unten). Es geht um Kinder oder Karriere. Entweder – oder. Weil Karriere und Kinder nach wie vor unvereinbar sind. Sagen manche.

Um die gröbsten Macho-Missverständnisse gleich auszuschliessen: Selbstverständlich gibt es noch Einiges zu tun: Tagesschulen, Männeranteil an Hausarbeit, kindgerechte Gestaltung der Arbeitswelt. Undsoweiter undsofort.

Aber Bettina Weber präsentiert uns den klassischen Dreisatz, aus dem die Trends oder doch wenigstens die Hypes erzeugt werden. Man nehme die Statistik und mache daraus eine Theorie.

Erstens: In der Schweiz waren im Jahr 2000 «unter den 36- bis 40-jährigen Frauen 15,5 Prozent kinderlos» (Volkszählung). Zweitens: «Unter Akademikerinnen haben mehr als doppelt so viele keine Kinder (38,6 Prozent)». Drittens (Schlussfolgerung): «Gut ausgebildete Frauen» kommen, so Fachleute, «immer öfter zum Schluss, dass der Preis für den aufreibenden Spagat zwischen Beruf und Familie für Mütter nach wie vor zu hoch sei», und so «verzichten sie dann eben auf Kinder».

So weit, so klar und auch gar nicht zu werten. Es geht hier ja nicht um die polit-ökonomische Frage, was das für eine «Befreiung» ist, in der der Mensch oder die Menschin ihre Arbeitskraft dem Kapital global-total-mobil zur Verfügung stellen muss. Oder um die Frage, ob Karriere-Feminismus die echte Alternative zu Karriere-Machismus ist. Nein, es geht um die eigentümliche Schlussfolgerung, in der Bettina Weber selber über die auf Kinder verzichtenden Frauen sagt: «Es ist ein demografisches und damit ein politisches Problem, dass es vor allem die Klügsten unter den Frauen sind, die dies immer häufiger tun.»

Die «Klügsten» - das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und dann zu Herzen nehmen: Klug ist, wer einen hohen Intelligenzquotienten (IQ) hat, wie Weber referiert, und möglichst einen akademischen Abschluss. Und folglich, statistisch gesehen, wahrscheinlich keine Kinder.

Wie Frauen darauf reagieren, mag ich nicht einmal mutmassen. Ich weiss es aus meinem Umfeld. Zu dem Frauen mit und ohne Kinder gehören, Hausfrauen und Karrierefrauen, Putzfrauen und Ärztinnen, Medienfrauen und Bauersfrauen, Akademikerinnen und ungeschulte, grenzenlos Neugierige mit überragender Bildung, allesamt inspirierend mit ihrer ganz und gar unterschiedlichen formalen Ausbildung. Aber bei allen Unterschieden: Klug sind sie alle.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Zum TA-Artikel «Sie wollen alles - aber keine Kinder» vom 13.8.2013

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3 Meinungen

Danke! Für diese gelassene Antwort auf diesen etwas unbedarften Artikel, der offensichtlich nur auf einer «Recherche» beruht: Google-Suchlauf.

Tragisch ist dabei, dass Frau Weber aber offensichtlich nicht einmal kappiert, wie Google funktioniert: «... aber Googles Algorithmus hat schlicht das angeboten, was im Zusammenhang mit Nichtmüttern am häufigssten erwähnt wird, und das ist offenbar: egoistisch.» Nein, möchte man der guten Frau (hat sie wohl Kinder, weil nicht so gescheit?) zurufen, im Dropdown-Menue wird ihr angeboten, was SIE gerne findet, nicht was «im Zusammenhang mit Nichtmüttern am häufigsten erwähnt wird". - Gebe ich «childless women» ein, bekomme ich: «childless women, childless women support group, schildless women in the bible» und erst jetzt kommt «childless women selfish". Allerdings kein «childless women are selfish"!, wie Bettina Weber zur Einleitung ihrs Artikels schreibt.

Provokation ist schlechter Journalismus, finde ich. Da ist die Journalistin Klick-Generator und sonst nicht viel. - Und Artikel aus beliebigen Google-Suchläufen-Fundstücken zusammenschustern ist auch schlechter Journalismus.

Ne, als kluge, gebildete Frau (und Mutter) habe ich es mir abgewöhnt, Frau Webers Artikel zu lesen. Ausser ich möchte mich nerven. So ist das leider.
Charlotte Heer Grau, am 14. August 2013 um 12:35 Uhr
"...was das für eine «Befreiung» ist, in der der Mensch oder die Menschin ihre Arbeitskraft dem Kapital global-total-mobil zur Verfügung stellen muss". Dieser Halbsatz birgt Explosionsstoff und verdient, in weiteren Ruoff-Kommentaren offensiv vertieft zu werden.
Fred David, am 14. August 2013 um 12:40 Uhr
@ charlotte heer grau, @ fred david: das ist ja eine schöne bestärkung. motivation auf jeden fall, aber auch ein stück Pression. herzlichen dank auf jeden fall.
Robert Ruoff, am 15. August 2013 um 18:57 Uhr

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