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Stepan Bandera, immer öfter auf Fahnen und Transparenten: ein Held der Ukraine

Ukraine: Stepan Bandera ist wieder ein Held

Christian Müller / 18. Apr 2015 - Was 2010 noch zu europaweiten Protesten geführt hat, ist 2015 plötzlich akzeptiert. Der Geisteswandel lässt aufhorchen.

Wladimir Putin ist derzeit sicher der meistbeobachtete Machthaber der Welt. Seine Erklärungen und erst recht seine Entscheidungen werden meist gleichentags weltweit rapportiert und kommentiert. Und das ist auch gut so! Auch wenn Obama verbal und leicht höhnisch Russland zur «Regionalmacht» zu degradieren versucht hat: Russland ist noch immer einer der ganz grossen Global Player.

Die aufmerksame Beobachtung Putins durch alle grossen Medien der westlichen Welt, das sei hier zur Vermeidung von Missverständnissen ausdrücklich festgehalten, ist der Grund, warum auf der Informationsplattform infosperber.ch – mit dem Claim «sieht, was andere übersehen» – wenig über Putin berichtet und kommentiert wird. Es gibt bei Putin kaum etwas zu sehen, «was andere übersehen».

Ganz anders verhält es sich im Konflikt in der Ostukraine allerdings mit der politischen Gegenseite. Nur ganz wenige Medien haben in Kiew einen eigenen Korrespondenten und die Beobachtung Kiews aus der Ferne ist nicht einfach: Wer versteht denn schon Russisch und Ukrainisch? Welcher westliche Journalist schaut ukrainisches Fernsehen?

Was allerdings dazukommt: Hier wird nicht selten absichtlich weggeschaut!

So zum Beispiel wieder letzte Woche. Am Donnerstag, 9. April, hat das ukrainische Parlament in Kiew nämlich beschlossen, Stepan Bandera, Roman Schuchewytsch und Konsorten, konkret: die nationalistische Organisation OUN und ihren militärischen Flügel UPA zu nationalen Helden zu erheben und Kritik an diesen Organisationen und deren Repräsentanten und Kämpfer unter Strafe zu stellen.

Stepan Bandera ein Held?

Stepan Bandera war eine echt üble Figur. 1909 in Galizien, damals noch zu Österreich-Ungarn gehörend, geboren, schloss er sich schon in jungen Jahren der Organisation Ukrainischer Nationalisten OUN an, in der er schnell die Karriereleiter hochstieg. Dabei scheute er sich nicht, vor und auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit dem Ziel einer «ethnisch reinen Ukraine» eng mit den deutschen Nazis zusammenzuarbeiten. Er war an etlichen politischen Morden und an einem Massaker in Lemberg beteiligt, obwohl er es immer verstand, andere die Drecksarbeit machen zu lassen. Trotzdem wurde er schon 1934 zum ersten Mal in Polen zum Tode verurteilt, kam dann aber wieder frei. Da sein extremer ukrainischer Nationalismus, insbesondere die durch ihn erfolgte Ausrufung einer unabhängigen Ukraine am 30. Juni 1941 in Lemberg, den strategischen Plänen der Nationalsozialisten dann aber doch nicht entsprach, steckten sie ihn ein paar Tage später ins Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er 1944 allerdings auch wieder freikam – mit dem Auftrag, sich mit seinen Partisanen gegen die vorrückenden Truppen der Sowjetunion zu wehren. Doch es war zu spät, genützt hat es nichts mehr. Die OUN und ihr militärischer Arm UPA kümmerten sich aber auch nach dem formellen Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 nicht um die verfügte Waffenruhe, sondern plünderten und mordeten fleissig weiter. Sie hatten den Ruf, erheblich brutaler zu sein selbst als die deutsche SS, denn sie metzelten nicht nur die Einwohner ganzer Dörfer nieder, sondern taten dies bewusst – als Abschreckung für andere – auf grausamste Weise. Männer etwa wurden zuerst verstümmelt, schwangeren Frauen die Babies aus dem Leib geschnitten...

Selbst das Europäische Parlament protestierte

Dieser Stepan Bandera, menschlich ein Scheusal, wurde schon im Januar 2010 vom damaligen Staatspräsidenten Wiktor Juschtschenko per Dekret zum Staatshelden erklärt. Damit schockierte Juschtschenko – gewollt – grosse Bevölkerungsteile der Ukraine, aber auch Russland und Polen; beide reagierten scharf. Der polnische Präsident Lech Kaczynski distanzierte sich klar von seinem ukrainischen Amtskollegen und erklärte, die OUN und die UPA seien in den Mord von über 100’000 polnischen Zivilisten verwickelt gewesen, die Vergabe des Heldentitels an Bandera sei ein Schlag «gegen den Prozess des geschichtlichen Dialogs und der Versöhnung» beider Länder (zitiert nach Münch; siehe Fussnote am Ende des Artikels).

Und natürlich reagierten 2010 auch jüdische Organisationen auf diese Heroisierung Banderas, der OUN und der UPA durch Wiktor Juschtschenko. Die Jüdische Gemeinde Berlin etwa veröffentlichte einen langen Artikel über Bandera. »Volk! Das musst Du wissen, Moskowiten, Polen, Ungaren und Juden – sie sind deine Feinde. Vernichte Sie! Das musst Du wissen! Deine Führung – das ist die Führung der ukrainischen Nationalisten, die OUN. Dein Führer – Stepan Bandera«, so lautete die Propaganda für diese Gräuel in einer Ansprache aus dem Führungskreis am 1. Juli.» (Zitat aus dem Artikel der Jüdischen Gemeinde Berlin)

Auch das Simon Wiesenthal Center, eine internationale Organisation zur Auffindung versteckter Nazis und zur Beobachtung und Bekämpfung des Antisemitismus mit Büros in den USA, in Kanada, Argentinien, Paris und natürlich in Jerusalem, reagierte empört. Mark Weitzman, Leiter des Wiesenthal-Zentrums in New York, drückte in einem offenen Brief an den ukrainischen Botschafter in den USA seinen «tiefsten Ekel gegenüber der aktuellen Ehrung von Stepan Bandera, der im frühen Stadium des Zweiten Weltkrieges mit den Nazis kollaborierte und dessen Anhänger mit den Morden an tausenden Juden und Anderen in Verbindung stehen» würden. Es sei eine Schande, dass Juschtschenko sich «mit dem Erbe Banderas und der Täter verbünden» würde (zitiert nach Münch).

Selbst das Europäische Parlament wehrte sich mit einer formellen Verurteilung der Heroisierung Banderas gegen die Entscheidung Juschtschenkos: «Das Europäische Parlament bedauert zutiefst die Entscheidung des scheidenden ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko, Stepan Bandera, einem Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), der mit Nazideutschland zusammengearbeitet hat, posthum den Titel «Nationalheld der Ukraine» zu verleihen; das Europäische Parlament hofft, dass die neue ukrainische Führung derartige Entscheidungen erneut prüfen und den europäischen Werten weiterhin verpflichtet bleiben wird.»

Das Dekret Wiktor Juschtschenkos wurde in der Amtszeit seines Nachfolgers Wiktor Janukowytsch erwartungsgemäss wieder aufgehoben. Janukowytsch wurde im Jahr 2010 nicht zuletzt mit den Stimmen der russischsprachigen Bevölkerung der Ukraine zum neuen Präsidenten gewählt, und für diese, die russischsprachigen Ukrainer, war Bandera nicht nur nie ein Held, für sie war er immer schon ein Faschist.

Wo ist der Aufschrei Polens heute? Und wo der Aufschrei der Juden?

Jetzt, am 9. April 2015, also gut fünf Jahre nach Banderas Heroisierung durch Wiktor Juschtschenko, hat das Parlament in Kiew mit 271 Stimmen (bei 52 Abwesenden) von total 323, im Saal also einstimmig, die OUN und die UPA und ihre Repräsentanten und ehemaligen Mitglieder erneut zu Staatshelden erklärt. Sie zu kritisieren ist ab sofort unter Strafe gestellt. Leute wie Stepan Bandera oder auch Roman Schuchewytsch, der berüchtigte Kommandeur des mit der deutschen Wehrmacht zusammenarbeitenden Bataillons «Nachtigall», sind also erneut ukrainische Staatshelden!

Hat man in Deutschland darüber lesen können? Wo ist diesmal der Aufschrei der Polen? Und der jüdischen Organisationen? Was sagt Deutschland zur Heroisierung von Kollaborateuren der Nazis? Was sagt das Europäische Parlament dazu? Man schweigt allenthalben. Als ukrainischer Nationalist kämpfte Bandera ja immerhin auch gegen die Russen...

In einem Artikel des Moskauer Korrespondenten der NZZ, Daniel Wechlin, unter dem Titel «Kiew will Lenin vom Sockel stürzen», wird, das sei nicht unterschlagen, im letzten Abschnitt die Heroisierung der OUN und der UPA durch Kiew immerhin erwähnt. «Diese Verbände kämpften nicht nur gegen die Sowjets, sie kollaborierten auch mit dem Dritten Reich und waren an der Ermordung von Juden beteiligt», kann man da lesen. «Die Entfremdung zwischen West- und Ostukraine», so Wechlin, droht damit weiter voranzuschreiten.»

Wie wahr! Man könnte es auch direkter sagen: Kiew tut alles, um den Graben zwischen der Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung und der russisch sprachigen Minderheit – immerhin rund ein Drittel der Bevölkerung – noch tiefer werden zu lassen.

Warum schweigt Europa? Sind jetzt auch Faschisten wieder akzeptiert, weil sie, unter anderem, auch gegen Russland gekämpft haben?

* * * * *

Nachtrag vom 18. April 2015:

Am Donnerstag, 16. April, also genau eine Woche nach dem skandalösen Entscheid des ukrainischen Parlamentes, ist in Kiew der Journalist Oles Buzyna auf offener Strasse erschossen worden. Buzyna hatte offen die von der ukrainischen Regierung verhängte Zensur kritisiert und galt als Russland-freundlich. Nur wenige Stunden vor diesem Attentat wurde auch Oleg Kalaschnikow, ein ehemaliger Parteigänger von Janukowytsch, erschossen (mit gleichem Kaliber und gleicher Methode: vier Schüsse in die Brust und der fünfte in den Kopf). In den letzten Wochen sind mindestens drei weitere ehemalige Mitarbeiter von Janukowytsch zu Tode gekommen, gemäss ukrainischer Polizei durch Selbstmord. Letzten Meldungen zufolge soll es mittlerweile einen «Bekennerbrief» der UPA an den Politologen Volodymyr Fesenko geben, in dem alle diese Fälle als gezielte Tötungen bezeichnet werden. Es soll auch eine im Internet zugängliche Liste von Russland-freundlichen Personen geben, die umgebracht werden sollen, wenn sie die Ukraine bis am 21. April nicht für immer verlassen haben. – Die Besorgnis erregende Situation in Kiew muss gut beobachtet werden. Wegzuschauen kann sich da auch der Westen nicht mehr leisten.

Nachtrag 2 vom 18. April 2015

Immerhin: In der polnischen Zeitung Gazeta Prawna erklärte jetzt der polnische General und seit 2012 Stellvertretende Verteidigungsminister Waldemar Skrzypczak in einem Interview, er nehme alle seine Aussagen der letzten Zeit, wonach Polen die Ukrainer mit Waffen unterstützen sollte, zurück, nachdem das Parlament die OUN und die UPA heroisiert habe. Sein eigener Onkel sei von diesen Milizen auf bestialischste Weise mit einer Mistgabel an eine Tür genagelt und so umgebracht worden. Der Tod sei, nach seinen Kenntnissen, erst drei Tage später erfolgt...

* * * * *

Die Zitate «nach Münch» stammen aus «Felix Münch: Der letzte Kampf um Anerkennung. Die Geschichtspolitik Wiktor Juschtschenkos im Januar 2010 als Spiegelbild seiner Amtszeit als Präsident der Ukraine», in: Engel, Ulf/Middell, Matthias/Troebst, Stefan (Hrsg.): Erinnerungskulturen in transnationaler Perspektive. Leipzig 2012: Universitätsverlag, S. 199-217. Der hochinteressante Artikel des Wissenschaftlers der Universität Giessen über den Missbrauch der Geschichte zu politischen Zwecken kann unten eingesehen und als pdf downgeloadet werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Verstimmung zwischen Polen und der Ukraine (auf Infosperber)
Die ukrainischen Faschisten werden wieder salonfähig (auf Infosperber)
Die sieben wichtigsten Fehler in der Ukraine-Krise (auf Infosperber)
Zum Dossier "Die Ukraine zwischen Ost und West" (auf Infosperber)
Felix Münch: Der letzte Kampf um Anerkennung

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10 Meinungen

Sehr interessanter Beitrag, einige Anmerkungen:
Nicht erwähnt wird, dass Poroschenko die Gesetze noch unterschreiben muss. Dürfte aber nach «neues Deutschland» (http://www.neues-deutschland.de/artikel/967631.dekommunisazija-der-ukraine.html) nur Formsache sein.
Auch nicht erwähnt wird die Kritik der Abteilung für Rechtsexpertise, die diverse Verstösse gegen die ukrainische Verfassung in den Gesetzen anprangert (http://jungle-world.com/artikel/2015/16/51798.html).
Zudem ist die Absicht hinter dem Gesetz eindeutig auf geplante Demonstrationen am 9.Mai (Ende 2.WK) gerichtet: Es werden grosse Proteste gegen die neoliberale Umgestaltung der Ukraine erwartet. Linke Organisationen sind in den Fabriken weiterhin sehr aktiv. Da der Nationalismus in der Ukraine eher von «oben» aufoktroyiert wird als von «unten» kommt (siehe letzte Wahlen) ist die Gefahr von Protesten der Arbeiterklasse weiterhin gross. Diese versuchte Verbindung von Nationalismus und Neoliberalismus dürfte uns als SchweizerInnen ja wohl bekannt sein. Hinzu kommen in der Ukraine auch klar imperialistische Absichten (von allen Seiten, Putin ist wohl der letzte Antiimperialist). Der Kampf um die letzten Profite jagt das Kapital vom Trikont zurück nach Europa, Griechenland, TISA, Ukraine, die Liste ist lang. Hannah Arendt und Rosa Luxemburg nehmen in ihren Schriften viele dieser Entwicklungen vorweg.
Lars Herzer, am 18. April 2015 um 13:09 Uhr
Das erklärt doch eigentlich, die massive Unterstützung der Deutschen: Retourkutsche für den verlorenen Russlandfeldzug.
Hermann K.J. Fritsche, am 18. April 2015 um 17:02 Uhr
Danke, Christian Müller, für diesen Beitrag. Wieder einmal schwimmen Sie damit gegen die Mainstreammedien. Was derzeit in der Ukraine abläuft, ist schlicht unerträglich, tritt ein demokratisches, humanes, ehrliches Menschenbild mit Füssen. Bandera war ein Faschist. Juschtschenko, der (im Westen) als Gallionsfigur der so genannten «orangen Revolution» herumgebotene Säufer und totale Versager hat das Scheusal Bandera zum Helden hochstilisiert. Bloss Ansätzen - viel zu wenig! - hat man im Westen dagegen protestiert, immerhin. Der weggeputschte Janukowytsch hat die dämlich, abstossende Heldenverehrung wieder rückgängig gemacht. Und nun kommt ein anderer Bewunderer Banderas, der Fascho Jazenjuk, seines Zeichens Ministerpräsident der Ukraine. Lässt die KP verbieten und droht alle zu betrafen, die es wagen, den Massenmörder Bandera zu kritisieren. Die Rote Armee habe 1944 die Ukraine angegriffen, hat Jazenjuk am 07.01.2015 in einem Interview im ARD zum Besten gegeben.
https://www.youtube.com/watch?v=AGJZ5bfeLA4
Ein Proteststurm blieb im Westen aus. Diese Ungeheuerlichkeit wurde von unseren Mainstreammedien weitgehend verschwiegen.
Gestern trat Jazenjuk Arm in Arm mit Merkel in der Öffentlichkeit auf. Nicht zu fassen!
Peter Beutler, am 18. April 2015 um 17:39 Uhr
Wieso, nicht zu fassen? Gleichgesinnte !
Hermann K.J. Fritsche, am 18. April 2015 um 17:47 Uhr
Ob Poroschenko halbjüdisch, arisch oder meinetwegen slawisch ist, hat uns eigentlich nicht zu kümmern. Dass er ein Oligarch und sein Volk bestohlen hat, allerdings schon. Dass Max Blumenthal und David Sheen selber Juden sind, schützt sie nicht davor, von den derzeitigen israelischen Machthabern als Antisemiten verunglimpft zu werden. Antisemiten sind Leute, die rassistische Vorurteile gegen Semiten haben. Nun ja, auch die Araber sind Semiten, wie die meisten Menschen jüdischen Glauben. Folgt man dieser Logik, dann dominieren das Regierungsviertel in Jerusalem wie die Trutzburgen der Hamas in Gaza Antisemiten. Doch diese Logik hat im Mainstream keine Geltung. Wer als Antisemit zu gelten hat, das wird derzeit von Hardlinern in Israel und ihren Vernündeten in der westlichen Welt bestimmt. Der Judenhasser und Nazisympathisant Bandera mutiert in der gegenwärtigen politischen Großwetterlage posthum zum Verbündeten des offiziellen Israel. Hat nicht Goebbels seinerzeit gesagt, wer Jude ist, das bestimmen wir.
Peter Beutler, am 18. April 2015 um 23:15 Uhr
@Wick
Ja Friedensengel Ken Jebsen ist ein Unterdrückter, wie so viele weisse, priviligierte Männer plötzlich zu den Unterdrückten gehören. (Ich empfehle: «Das wird man wohl noch sagen dürfen» von Gabriel Kuhn/Regina Wemper). Dass seine Kritiker ebenfalls tätlich angegriffen und ihnen im Internet regelmässig mit dem Tod gedroht wird stört die Friedensengel nicht. Und das Neusprech von «auch Araber sind Semiten» bleibt auch hundertfach wiederholt hölzern: JEDER WEISS DAS! Jeder weiss aber auch was mit dem Begriff Antisemitismus gemeint ist, Erkenntniswert ihrer Kritik: 0

Dann ist der Sprecher der «Wahrheit» (TM) also kein Antisemit? Das kann man auch anders sehen: Hier eine Zusammenstellung: https://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/kenfm-rassistischer-zionismus
Den kritisch aufgeklärten «Erleuchteten» (was für ein faschistischer Begriff) dürfte es ja leicht fallen, auch ihre Götzen mal kritisch zu hinterfragen.

Ansonsten rennen ihre Anhänger einer verkürzten Kapitalismuskritik nach, die Folgen sahen wir bereits einmal. Die Stärke der Finanzindustrie ist nicht abkoppelbar von der gesamten Produktionsweise im System begreifbar. Seit dem Ende des Fordismus in den 70er Jahren sucht sich das Kapital (nur noch etwa 30% Industrie ist kapitalistisch) neue Profitmöglichkeiten. Die Imperialismustheorien von Lenin (Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus) treffen nach wie vor zu. Zu koppeln sind sie etwa mit den Theorien der «Neuen Landnahme» der BielefelderInnen.
Lars Herzer, am 19. April 2015 um 09:52 Uhr
Herr Herzer, ein Schmunzeln kann ich ja nicht unterdrücken. Sie bestätigen, sicher ungewollt, meine Aussage. «Jeder weiss, was mit Antisemitismus gemeint ist.» Sie müssten aber sagen, «jeder müsste wissen, was als Antisemitismus zu gelten hat.» Tut uns leid, das akzeptieren wir so nicht. Wenn z. B. der israelische Aussenminister Avigdor Lieberman unflätige Attacken gegen die Palästinenser reitet, ist das Antisemitismus in Reinkultur. Nicht zu bestreiten: Antisemitismus gibt es als Spielart des Rassismus und der Menschenverachtung. Man muss ihn auch bekämpfen. Aber wenn Leute aus aus dem derzeitigen Machtzirkel in Jerusalem dieses Wort in den Mund nehmen, ist es ein absoluter Hohn, ein Schlag ins Gesicht aller, die für Frieden und Völkerverständigung kämpfen. Und darunter gibt es auch markante jüdische Persönlichkeiten in Israel, z. B. Uri Averny oder ein David Grossmann. Ob jemand anständig oder unanständig handelt, ist nicht eine Frage der Abstammung oder der ethnischen Zugehörigkeit. Das, was sich derzeit in der Ukraine abspielt, geht allerdings weit über den «Antisemitismus» hinaus. Man kann es als unverkennbare Anzeichen der Götterdämmerung des Kapitalismus verstehen. Es sind Oligarchen, Diebe und Menverächter, die in Zusammenarbeit mit ihren Freunden aus den USA und Europa auf Teufel komm raus die Vorherrschaft des (westlichen) Wirtschaftssystems retten möchten, das jetzt auch mit militärischen Mitteln. Es sieht ganz danach aus, dass sie scheitern werden. Gut so.
Peter Beutler, am 19. April 2015 um 10:48 Uhr
@Oliver Bregy »..., der dann als NS-Chefideologe den synonymen Gebrauch von «Jude» und «Bolschewist» etablierte. «
Der Gebrauch ist aber älter:
- Die zaristische Geheimpolizei machte das zur Zentralidee in den «Weisen von Zion» (nach noch älteren französischen Quellen)
- Es gehörte zu Propaganda der weissen Armeen im russischen Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution

MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 19. April 2015 um 13:01 Uhr
Ganz Unrecht hat Olivier Bregy nicht. Es stimmt schon, die internationalen Gerichte müssten früher eingreifen. Und nicht dort Augen zudrücken, wo man allzusehr Rücksichten nehmen muss. Auch gegen einen Jazenjuk müsste von Den Haag aus ein Haftbefehl erlassen werden, wegen Kriegsverbrechen. Auch gegen einen Netanyahu. Gegen den Sudanesen Omar El Bashir hatte man es getan, wenn auch wirkungslos, aber man hat es getan. Gegen einen afrikanischen Menschenrechtsverbrecher, der nicht auf Seiten des Westens steht, gehört das zum guten Ton. Es gab auch Serben, die vom Gericht in Den Haag angeklagt und verurteilt wurden und allenfalls noch werden. Sie standen halt auf der «falschen» Seite, bei den kroatischen Verbrechern hat man dann beide Augen zugedrückt ...
Peter Beutler, am 19. April 2015 um 14:15 Uhr
...und Frau Merkel und Herr Gauck schweigen dazu...Schlussfolgerung: auch diese beiden halten diese Mörder für Helden!
Was ja auch die «Geschichtsaufarbeitung» hierzulande beweist: lächerlicher Prozess nach 70 Jahren! für einen SS-Buchhalter und die vielen weiter in Ruhe ihre tollen Renten beziehenden Altnazis und Kriegsverbrecher Und nicht zu vergessen die Renten, die die BRD an SS-Kämpfer im Baltikum zahlt!
Elisabeth Tymoshenko, am 27. April 2015 um 19:19 Uhr

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