Zur «Russenpeitsche»: Lieber Helmut Scheben

Amalia van Gent © cc
Amalia van Gent / 03. Mär 2018 - Amalia van Gent schreibt Helmut Scheben: «Die Russen sind heute eine Kriegspartei. Tun sie alles, um den Krieg zu beenden?»

Der folgende Kommentar ist eine Replik auf den Artikel «Die 'Russenpeitsche» von Helmut Scheben vom 28. Februar 2018.

Lieber Helmut,

was bei der Lektüre Deines Berichts geradezu heraussticht, ist Deine offenbar unerschütterliche Gewissheit, wer im Syrien-Krieg die «Guten» und wer die «Bösen» sind. Wer einen Krieg nicht nur aus TV-Bildern in der warmen Stube oder aus Trockenübungen kennt, teilt solche Gewissheiten allerdings nur selten. Das Bild des «immer währenden Guten» und des «ewigen Bösen» entpuppt sich schon bei den ersten Frontbesuchen als Illusion. Zu oft und zu schnell tauschen die «Guten» und die «Bösen» ihre Rollen an der Front.

Vor genau einer Woche hat der UNO-Sicherheitsrat eine einmonatige Waffenpause für Syrien einstimmig beschlossen. Genauso lange setzen sich die Bombardements der syrischen und türkischen Luftwaffe auf Wohngebiete in Ost-Ghuta und in Afrin fort. Die Türkei und Syrien fühlen sich vom UNO-Beschluss nicht betroffen, glauben zumindest, diesen ignorieren zu können. Damit verkommt die Weltgemeinschaft einmal mehr zu einem machtlosen, zahmen Tiger. Die grobe Verletzung eines immerhin einstimmigen UNO-Beschlusses zu kritisieren, wäre für die Betroffenen vor Ort willkommen, kommt in Deinem Bericht aber nicht vor. Ausführlich angeprangert werden stattdessen die «Weisshelme», jene jungen syrischen Männer und Frauen, die nach den Bombardierungen Ost-Ghutas Verletzte aus den Trümmern zu holen versuchen. Als eine von «westlichen Staaten aufgestellte und finanzierte Organisation» bezeichnest Du sie und prangerst gleich auch die Bilder von Kindern an, die aus Schmerz und Entsetzen zu erstarren scheinen. Du bezeichnest sie als reines Propagandainstrument. Das fühlt sich für mich grenzenlos zynisch und zutiefst beschämend an.

Russland ist im Syrienkonflikt eine Kriegspartei wie die USA, wie die Türkei, wie Saudi-Arabien, wie Kuweit, Iran und wer auch immer. In diesem Moment könnte Russland vor Ort gar die besseren Karten als alle übrigen haben. Für Moskau wäre es ein Einfaches, den Luftraum über Afrin für die türkische Luftwaffe zu schliessen und damit der Zerstörung und dem Morden in dieser nordwestlichen syrischen Provinz einen Riegel zu schieben. Das tut Moskau aber nicht. Als Gegenleistung dafür bleiben die Proteste aus der Türkei gegen das Morden in Ost-Ghuta unter Kontrolle. In diesem Theater des Wahnsinns bestimmen «schmutzige Deals» den Alltag. Und davor ist auch Russland, leider, nicht gefeit.

Schliesslich die Frage nach den «modernen» Staaten Irak, Syrien und Libyen, die Du als leuchtende Beispiele aufführst. Eigentlich ist es wie die Frage 'Was zuerst da war, das Huhn oder das Ei'. Wurde der Irak tatsächlich wegen der westlichen Intervention (1991) destabilisiert? Oder geht diese Destabilisierung auf Saddam Hussein zurück, der Jahrzehntelang die schiitische Mehrheit seines Landes wirtschaftlich und politisch buchstäblich drangsalierte und im Rahmen der Operation Anfal (1988) über 180'000 Kurden kaltblütig ermorden liess? Wenn der Irak unter Saddam Hussein ein «moderner» Staat war, dann war auch das Chile Pinochets «modern». Und in diesem Sinne «modern» ist heute auch die Türkei Erdogans.

Mit freundlichen Grüssen

Amalia van Gent

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Amalia van Gent und Helmut Scheben sind beide regelmässige Autoren auf Infosperber.

Weiterführende Informationen

Karin Leukefeld, eine Beobachterin vor Ort, auf NDS

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17 Meinungen

Frau van Gent schreibt: «Russland ist im Syrienkonflikt eine Kriegspartei wie die USA, wie die Türkei, wie Saudi Arabien…» Und genau das ist schon im Ansatz falsch. Gehen Sie einmal der Frage nach, welche der genannten Parteien in Syrien gegen das Völkerrecht verstösst. Allen voran sind jene zu nennen, die ohne Einladung Syriens und ohne UNO-Mandat dort aktiv sind. Würden sich alle ans Völkerrecht halten, wäre der Syrien-Konflikt längst vorüber oder vermutlich gar nicht erst entstanden.

Weiter fragt Frau van Gent, was eigentlich Russland tue, um den Konflikt zu beenden. Lesen Sie doch einmal bei Leuten nach, die sich mit Syrien und diesem Krieg seit vielen Jahren intensiv befassen, zum Beispiel bei Karin Leukefeld. Sie werden vermutlich staunen.
Thomas Müller, am 03. März 2018 um 10:27 Uhr
Geschätzte Amalia van Gent. Vielen Dank für diese Replik an die Adresse dieses sehr einseitigen Beitrages von Helmut Scheben. Auch wenn unsere Leitmedien in der Regel USA und NATO freundlich berichten, heisst das nicht, dass dieses «Mainstream"-Narrativ völlig an der Realität vorbeigeht. Und diejenigen, welche dieses «Mainstream"-Narrativ zT sehr leidenschafltich anprangern, selber Gefahr laufen, sich von der anderen Seite einseitig-propagandistisch instrumentalisieren zu lassen. Als Vertreter für fundierte und faire Berichterstattung schätze ich Sie, Ihren Mann Werner van Gent und auch Andreas Zumach sehr. Und Sie sind letztlich auch der lebende Beweis dafür, dass unsere westliche Presse nicht nur dumbe NATO-Vasallen-Propaganda ist, wie uns das gewisse Leute (sowohl Autoren als auch Kommentarschreiber) auch hier im IS weismachen wollen.
Thomas Oberhänsli, am 03. März 2018 um 12:37 Uhr
Beitrag von Amalia van Gent
Klar ist es so, dass es bei den Kriegsparteien letztendlich keine Guten oder Bösen gibt.
Aber klar ist auch, dass es diesen Konflikt in Syrien so nicht geben würde, hätte der Westen letztendlich nicht die Waffen und Logistik dazu geliefert. Direkt oder indirekt über die Saudis oder Türkei. Und die sogenannten «Weisshelme» tauchen immer da auf, wo es besonders gute Bilder für die westliche Presse gibt. Wo waren diese Personen in dem heute von Nato Bomben und der Irakischen Armee völlig zerstörten Mossul, und wo sind die Bilder von diesen Greuel? Oder lebten da keine Menschen?
Hermann Naegele, am 03. März 2018 um 15:33 Uhr
In Syrien bomben mehrere Länder und es herrscht totales Chaos. Ich kann nicht beurteilen, wer momentan die Bösen und Guten sind. Aber ich weiss, wer das alles zu verantworten hat und wer diesen Krieg gestartet hat. Der momentane Krieg in Syrien und der zukünftige gegen Iran sind lange vorbereitet. Und alle müssten es wissen.!!! Der ehemalige NATO-Oberbefehlshaber Wesley Clark, der 1999 den völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg befehligte, gab am 3.Oktober 2007 im amerikanischen Fernsehen ein Interview. Ca. 6 Wochen nach 9/11 ging er ins Pentagon zu Rumsfeld und ein hoher General zeigte ihm ein Schriftstück auf dem stand: Wir werden in den nächsten 5 Jahren 7 Länder angreifen und die Regierungen stürzen. Diese Länder sind Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und Iran. Der letzte auf der Liste, ist aktuell in Vorbereitung. Dieser ungeheuerliche Kriegs-Fahrplan ist seit 10 Jahren bekannt.
Wurde dieses Interview in den deutschsprachigen Medien veröffentlicht und thematisiert? Nein. Alle Journalisten, die das tun würden, wären bald arbeitslos. Dieses Interview mit weiteren Ausführungen ist im Internet auf YouTube abrufbar. Dank Internet sind allen Menschen alle Informationen zugänglich. Vorbei die Zeit, in der der Pfarrer, der Fürst oder die gelenkten Medien das Informations-Monopol hatten.
Paul Stolzer, am 03. März 2018 um 17:20 Uhr
Frau Gent unterstellt Herrn Scheben das, was die etablierten Medien seit Beginn des Syrienkonflikts betreiben: die Anwendung eines Gut-Böse-Schemas - mit dem bösen Diktator Assad, der sein Volk unterdrückt und den Oppositionellen, die die demokratischen Bedürfnisse des syrischen Volkes repräsentieren sollen.

Zurecht stellt Herr Scheben diese Erzählung in Frage. Es gibt mittlerweile einfach zu viele Belege, dass in diesem Narrativ gewichtige Ungereimtheiten bzw. Unterlassungen enthalten sind:

- die dubiosen, parteiischen Quellen (SBfM, Weisshelme, Aleppo Media Center)
- offensichtliche Propaganda (z. B: der Junge Omran; das Mädchen Bana Alabed; nachweisliche Falschbilder)
- die offiziellen Statements des Westens (US-Ex-General, nach dem Syrien schon in den 00ern auf der Regime-Change-Liste der USA war / deklassifizierter DIA-Lagebericht, der den IS als willkommenes Phänomen in Syrien bezeichnet / diverse Wikileaks-Enthüllungen etc.)
- die Legitimität der Regierung unter Assad (gemäss Wahlen und Umfragen)
- die Aussagen von Syrern/-innen, die das West-Narrativ auf den Kopf stellen (Stichwort Befreiung von Ost-Aleppo durch Regierungstruppen, die zu Volksfesten auf den Strassen führte)
- die Giftgaseinsätze, die Assad bis heute nicht schlüssig nachgewiesen werden können (US-VM J. Mattis hat es neulich an einer Tages-PK im DoD selbst zugestanden)

Fazit: das Gut-Böse-Schema hat nicht Scheben entworfen, sondern die Westmedien, und zwar in einer äusserst verlogenen Weise.
Mirko Allemann, am 03. März 2018 um 20:50 Uhr
Exakt Herr Müller, Russland wurde von der amtierenden Regierung in Syrien, um Hilfe gebeten.
Türkei, Saudi Arabien und USA unterstützten Extremisten.

2003 arbeite ich in Syrien. Niemand hatte offenbar ein Problem damit, das ich nachmittags ein Bier im Park trank. Nicht einmal die vorbei kommende Polizei.
Auf meine Nachfrage hieß es, wenn Du ein Moslem bist, verhälst Du Dich wie einer, wenn nicht ist das Dein Problem.
Frauenrunde in der Gaststätte, die eine Flasche Wein leerten, waren keine Seltenheit.
Syrien war ein sehr weltoffenens Land.


Zum Thema Saddam Hussein, empfehle ich das Interview vom US Army Geheimdienstchef Michael T. Flynn zu lesen !

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ex-us-geheimdienstchef-mike-flynn-ueber-den-is-wir-waren-zu-dumm-a-1065038.html



"SPIEGEL ONLINE: Den IS gäbe es nicht, wenn die Amerikaner nicht 2003 in Bagdad eingefallen wären. Bedauern Sie…

Flynn: …ja, absolut…

SPIEGEL ONLINE: …den Irakkrieg?

Flynn: Das war ein riesiger Fehler. So brutal Saddam Hussein war - ihn nur zu eliminieren, war falsch. Das Gleiche gilt für Gaddafi und Libyen, das heute ein failed state ist. Die große historische Lektion lautet, dass es eine strategisch unglaublich schlechte Entscheidung war, in den Irak einzumarschieren. Die Geschichte sollte und wird über diese Entscheidung kein mildes Urteil fällen."
Dieter Gabriel, am 03. März 2018 um 21:19 Uhr
Sehr geehrte Frau van Gent

„Russland ist im Syrienkonflikt eine Kriegspartei wie die USA, wie die Türkei, wie Saudi Arabien, wie Kuweit, Iran und wer auch immer.“
Nach dieser Logik sind SDF, YPG, YPJ, IS und Al-Nusra (wie immer sie sich auch nennen) ebenso Kriegsparteien. Jedoch agieren nur Syrien, Russland, Iran und die Hezbollah im Sinne des Völkerrechts - alle anderen nicht.
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Die Resolution 2401 des UNSC war vage, sie besagt u.a.: „would not apply to military operations against ... (ISIL/Da’esh), Al-Qaida, Al-Nusra Front and all other ... associated with terrorist groups, as designated by the Council“. (https://goo.gl/GAV2xa)
Sie schreiben: „... setzen sich die Bombardements der syrischen und türkischen Luftwaffe auf Wohngebiete in Ost-Ghuta und in Afrin fort. … Die grobe Verletzung eines … UNO-Beschlusses ..."
Waren Sie diese Tage in Ost Ghouta vor Ort? Falls nicht, auf welche Quellen berufen Sie sich, wenn sie der SAA vorwerfen die Resolution 2401 zu verletzen?
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Zu den Weisshelmen, aus der warmen Stube heraus: Niemand kann „Sarin Opfer“ ohne Schutzmasken mit blossen Händen retten. Ergo: Fake und Propaganda. Für weitere infos siehe Vanessa Beeley.

P.S.
Im Sinne einer Meinungsvielfalt ist es zu begrüssen, dass sich im Infosperber regelmässig drei Autoren zum Syrienkrieg äussern. Ich meine aber, Frau van Gent hätte ihr Missfallen zur «Russenpeitsche» in einem normalen Leser-Kommentar bekunden sollen. Ich empfinde diese 3088 Zeichen als polemisch und tendenziös.
Christoph Meier, am 04. März 2018 um 04:48 Uhr
Guten Morgen, werde aus diesem Beitrag von Frau van Gent nicht schlau. Wird jetzt hier ein journalistischer Gesinnungskrieg geführt- und falls ja, um die Deutungshoheit vielleicht?
Guido Besmer, am 04. März 2018 um 07:57 Uhr
Der Westen schürt bereits seit Jahren Hass gegen die Russen und die russische Regierung. Die gängigen Westmedien verbreiten nur zu oft Inhalte, die alles andere als der Wahrheit entsprechen. Und derzeit nehmen die Hasstiraden gegen Russland ein erschreckend übles Niveau an.

Wenn gar Jeannette, die Wetteransagerin von Tele Zürich, wohl artig im Gehorsam ihrer Vorgesetzten, locker – wie immer – die „Russenpeitsche“ über die Wettervorhersage schwingt, womit sie natürlich die einbrechende Kälte von Russland herkommend meint, aber augenfällig beabsichtigt, gleich den üblichen Mainstream-Hass gegen Russland mit zu servieren, dann will sie das Publikum mit diesem Hass entsprechend einspritzen. Dann wird hier auf einem entsetzlich billigen Niveau auf eine mehr als – für Europa – gefährliche Situation hingearbeitet.

Westeuropa ist von den USA über die NATO besetzt, jawohl militärisch besetzt, das haben viele Europäer bis heute nicht begriffen. Die westlichen Regierungen verhalten sich us-servil und arbeiten gegen ihre eigenen Bevölkerungen. Westeuropa wird entsprechend von den USA ständig mehr und mehr mit Atomwaffen bestückt, vor allem entlang der russischen Grenze auf dem Boden der europäischen Länder. Die Bevölkerungen haben dazu gar nichts zu melden, sondern sich dies ganz einfach gefallen zu lassen. Das ist verheerender Machtmissbrauch gegenüber den Menschen. Wer hier also übelste Kriegstreiberei betreibt, dürfte klar sein, ganz sicher nicht die Russen.
Elisabeth Krail, am 04. März 2018 um 09:33 Uhr
Hervorragend der sachliche und ausgewogen argumentierende Text von Amalia van Gent. Befremdend aber die zynischen realitätsverweigernden Entgegnungen darauf.
Rolf Zimmermann, am 04. März 2018 um 10:02 Uhr
Sehr geehrte Amalia van Gent
Ihre Sichtweisen und Behauptungen sind genährt von den westlichen Mainstream-Medien, die uns täglich verzerrte Nachrichten servieren. Was nicht derer vermeintlichen Darlegung entspricht, wird entweder als irrelevant oder falsch ausgelegt oder gleich unterschlagen. Von neutraler Berichterstattung keine Spur. Wäre höchste Zeit, dass Sie sich auch mal in den alternativen Medien umsehen. Wer über Konfliktsituationen urteilen möchte, sollte sich auch um die Meinungen und Sichtweisen der betroffenen Konfliktparteien kümmern.

In jedem ablaufenden Prozess werden Kläger und Beklagte angehört, dazu kommen entsprechend Zeugen beider Parteien. Stichhaltige Behauptungen müssen mit Beweismaterial unterlegt werden. Entsprechend fällt das Urteil aus. Und was machen Sie? Sie vertreten bedenkenlos und einseitig die hetzerischen Beurteilungen des Mainstreams. Ist ja bequem, man hat damit immer den kollektiven Zuspruch, und die eigene berufliche Position ist kaum damit gefährdet.

Nachrichtensperre der Leitmedien über Giftgas-Dementi der USA | 02. März 2018 | www.kla.tv/12031

Kriege durch mediale Meinungsmache vorbereitet | 02.03.2018 | www.kla.tv/12032
https://www.youtube.com/watch?v=_svlC7lrZL4

http://www.anonymousnews.ru/2018/03/01/russische-regierung-warnt-usa-bereiten-atomwaffen-einsatz-in-europa-vor/

https://de.sputniknews.com/politik/20180303319789899-usa-europa-aufmarschgebiet-zusatzgruppierung-vorraete/
Elisabeth Krail, am 04. März 2018 um 10:56 Uhr
Die guten Russen und die bösen Amis - da muss ich einfach lachen ob so viel Eifer. Beides sind geopolitische Halunken ohne Zweifel. Allerdings gibt’s einen kleinen Unterschied: Die einen haben einen hochentwickelten Rechtsstaat, einen mittelmässigen bis hohen Lebensstandard und eine Wissenschaft auf höchstem Niveau, die anderen haben einen Unrechtsstaat, eine marode Wirtschaft und eine verarmte Bevölkerung, die nichts zu sagen hat. Da ist mir das kleinere Übel allemal lieber als ein Staat, wo sich die Kirche zusammen mit dem Diktator an der Spitze schamlos am Volk bereichert.
Thomas Ferber, am 05. März 2018 um 14:49 Uhr
Was mich auch noch interessieren würde ist, von WEM genau Saddam Hussein im Krieg 1980-88 gegen Iran unterstūtzt wurde, und WER ihm das Giftgas, das er gegen die Kurden einsetzte, geliefert hat.
Ruth Obrist, am 05. März 2018 um 23:23 Uhr
«Krieg in Syrien. Die katastrophale Rolle der USA muss ein Ende finden
Das Vorgehen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten im Nahen Osten ist in hohem Maße für die blutige Gewalt verantwortlich, von der Syrien in den letzten sieben Jahren heimgesucht wurde.» Von Jeffrey D. Sachs
http://de.qantara.de/inhalt/krieg-in-syrien-die-katastrophale-rolle-der-usa-muss-ein-ende-finden
Ruth Obrist, am 06. März 2018 um 14:08 Uhr
Viele der Kommentare bestätigen exakt die zentrale Aussage des Artikels von Amalia van Gent. Es ist verlockend und einfach, in «good guys» und «bad guys» zu unterteilen, aber es wird der Sache nicht gerecht.
Wenn man den Russen Vorwürfe macht, heisst das ja nicht, dass man das Verhalten der NATO billigt. Wenn heute die Verhältnisse in Syrien und im Irak schlimmer sind als zu den Zeiten, wo Baschar al Asad und Saddam Hussein noch unbestritten herrschten, so heisst das nicht, dass jene damals gute Herrscher waren.
"E löl, e blöde siech, e glünggi un e sürmel» haben sich einmal in einem Lied von Mani Matter gegenseitig «eis uf e gring» gegeben. Bei Kriegen gibt es manchmal mehr als zwei Parteien und meist mehr als einen «bad guy». Und dazwischen ganz viele Unschuldige (und auch dies auf allen Seiten), die es ausbaden müssen. Das ist verstörend und kompliziert. Aber es entspricht der Realität.
Daniel Heierli, am 06. März 2018 um 16:36 Uhr
@ Heierli: Stimmt inhaltlich - nur: Das Inhaltliche ist nicht das Entscheidende. Schiessen sich westliche Medien auf die Verbrechen Anderer ein, und mag es noch so den Tatsachen entsprechen, so besagt das nicht, dass sie damit «doch nichts Falsches gemacht» hätten.
Wir werden nicht einfach nur über ein Geschehen informiert (inhaltlicher Aspekt). Gleichzeitig tritt ein weiterer - meist bedeutsamere - Wirkung ein: Unsere zeitlichen/emotionalen Kapazitäten (bzgl. Aufmerksamkeit) werden 'eingenommen/abgefüllt' bzw. von anderen möglichen Aspekten 'abgezogen'. Andere Themen/Aspekte bekommen nicht mehr unsere (volle) Aufmerksamkeit, werden also 'verdrängt' (so z.B. unsere Verbrechen, die - da unsere - wir stoppen könnten und müssten).
Letztlich wollen (!) wir wohl Meldungen, die die Schuld bei Anderen ausmacht wie damit auch, dass unsere Aufmerksamkeit derart stark mit solchem in Beschlag genommen wird, dass bei uns 'schlicht' keine Kapazitäten mehr frei sind, um uns - gähn, auch noch - ernsthaft mit unseren Verbrechen beschäftigen zu müssen. Letzteres hat ja so einen 'unschönen' Haken: Da wären wir gefordert, wir (!) müssten etwas bei uns verändern. Das ist mühsam, viel anstrengender als sich genüsslich zurückzulehnen und den Stinkefinger auf andere zu richten. Es würde ein Verzicht auf so manch lukratives Geschäftchen bedeuten (das bei näherer Betrachtung/Berichterstattung sich als eine Förderung von Elend, Verbrechen und Krieg erwiese).
Stan Kurz, am 10. März 2018 um 18:09 Uhr
Mmmh. Lesen sie Stan Kurz' unbequemen aber ausgezeichneten Kommentar (direkt vor diesem) noch einmal durch.
Caio Gutzwiller, am 13. März 2018 um 17:16 Uhr

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