Benjamin Netanjahu zeigt in München ein Stück Blech einer iranischen Drohne © RFE/RL
Petro Poroshenko am WEF 2015 mit Blech der MH17 © WEF

Wenn Machtpolitiker die Tricks anderer nachäffen …

Christian Müller / 18. Feb 2018 - Vor allem bei TV-Übertragungen sind inszenierte Shows medienwirksamer als alle Erklärungen. Clevere Politiker nutzen diese Chance.

Man kann Machtpolitikern Vieles vorwerfen – und Vieles zu Recht. Dummheit gehört nicht dazu. Zumindest sind die meisten von ihnen gut beraten, zum Beispiel von PR-Agenturen. Treten sie öffentlich auf und werden ihre Reden dann auch im Fernsehen übertragen, dann gehört – als Beispiel – nicht nur ein gut und verständlich formulierter Text dazu, dann heisst es, auch die nonverbalen Signale genau zu planen: Die meisten Fernsehzuschauer lassen sich von Bildern mehr beeindrucken als von Worten.

So geschehen auch wieder an der Sicherheitskonferenz in München. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte als «Beweis» für die Aggression des Irans ein Stück Blech von einer iranischen Drohne: siehe Bild oben.

Die Idee dazu hat er – oder haben eben seine PR-Berater – allerdings geklaut: vom ukrainischen Staatspräsidenten Petro Poroshenko. Dieser zeigte an seiner Rede am WEF in Davos im Januar 2015 ein Stück Blech eines nach seiner Aussage von den Russen beschossenen Busses bei Volnovakha.

Petro Poroshenko beeindruckt die Zuschauer mit einem Stück Blech eines von den Russen beschossenen Busses.

Die echte Aussagekraft der beiden mediengerechten Show-Einlagen ist allerdings nahe Null. Wer den Bus beschossen hat (sofern das Blech wirklich von jenem Bus stammte), ist bis heute nicht klar. Und wo die iranische Drohne abgeschossen wurde – wenn überhaupt – steht ebenso in den Sternen. Israel selber ist in Entwicklung und Produktion von militärischen Drohnen weltweit führend, siehe zum Beispiel hier. Auch die in der Schweizer Armee eingesetzten Drohnen enthalten Technik aus Israel.

– – – – –

Das oben gezeigte Bild von Benjamin Netanjahu mit dem Blech der iranischen Drohne stammt übrigens vom US-Propagandasender «RadioFreeEurope»/«RadioLiberty» beziehungsweise von dessen Website RFE/RL – siehe hier. Auch dort wird gegen den Iran Stimmung gemacht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor hat in den 1980er Jahren beim israelischen Pantomimen und Körpersprache-Experten Samy Molcho einen dreitägigen Körpersprache-Kurs für Manager absolviert.

Weiterführende Informationen

Die Körpersprache, die sprachlos macht (auf Infosperber)

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3 Meinungen

Hey, dass erinnert mich an Scharping ( Hufeisenplan Jugoslawien ) Mr. Powel Atombombe Irak ) die Kinder von Syrien welche alle gefäkt waren (Aleppo White Helmet )Für diese Verbrechen sind über Million Menschen ermordet worden. Man kann nur noch verrückt werden. MfG Werner Kämtner
Werner Kämtner, am 19. Februar 2018 um 12:50 Uhr
Leserbriefe solchen Inhalts werden von der BZ-Basel nicht mehr veröffentlich.
Ich lese in der BZ-Basel, eine Drohne offenbar iranischer Provenienz sei israelischen Angaben zufolge in den Luftraum über dem Golan gelangt und abgeschossen worden. Durch diese Luftraumverletzung seien die Souveränitätsrechte Israels in Frage gestellt worden und Israel habe dehalb darauf reagieren müssen. Nur, der Golan ist, so man sich erinnert, internationaler Rechtssprechung zufolge von Israel besetztes syrisches Gebiet und eben nicht Teil Israels. Und es stellt sich die Frage, ob es nicht etwas gesucht ist, wenn man ausgerechnet Israel, welches über ein ganzes Arsenal Aufklärungs- und Killerdrohnen verfügt und offenbar genau weiss, was man im Nachbarlend effizient bombardieren kann, sich durch eine Aufklärungsdrohne in seiner Souveränität bedroht sieht. Dann, der Abschuss eines israelischen Kampfjets, der sich im syrischen Luftraum befand, sei eine schwere Aggression gegen Israel. Also, nicht das Bombardieren fremden Territoriums durch israelische Kampfbomber ist Aggression sondern die Abwehr des Angriffs ist es. Schuld an der Eskalation soll der Iran sein. Dies ungeachtet der Tasache, dass der Iran noch nie in der Geschichte Israel militärisch bedroht hat. Es geht mir nicht darum das Mullah-Regime oder den syrischen Diktator zu verteidigen, aber ich bin dagegen, den Unterschied zwischen Angriff und Verteidigung derart zu verdrehen, wie das im Falle Israel leider unablässig der Fall ist.
Hanspeter Gysin, am 19. Februar 2018 um 13:40 Uhr
Es gab noch andere, lāngst widerlegte „Beweisstūcke“, wie die Massenvernichtungswaffe in Irak, die kuweitischen Brutkastenbabys...
Ruth Obrist, am 19. Februar 2018 um 21:18 Uhr

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