Direkte Demokratie à la Appenzell: Der 35jährige Ukrainer ist fasziniert. © AP

Direkte Demokratie à la Appenzell: Der 35jährige Ukrainer ist fasziniert.

So erklärt ein junger Ukrainer die Schweiz: den «idealen» Staat

Christian Müller / 01. Nov 2019 - Es ist immer interessant und informativ, zu sehen, wie Menschen aus anderen Ländern unsere Schweiz sehen und beurteilen.

Wissen wir Schweizer und Schweizerinnen, in welchem Paradies wir leben? Anton Ptushkin, ein junger, sympathischer Ukrainer, hat einen Film über die Schweiz gedreht, mit dem er allen Russisch sprechenden Leuten dieses Land in wunderschönen Bildern zeigt und mit viel Humor erklärt, wie es funktioniert und wie die Schweizerinnen und Schweizer mental ticken. Den absolut idealen Staat gebe es natürlich nicht, sagt Ptushkin, jeder Staat habe auch Nachteile, meint er. Aber wenn es einen Staat auf dieser Welt gebe, der dem Ideal ganz nahe sei, dann sei es die Schweiz!

Ein Punkt dabei ist besonders interessant: Die Ukraine – nein: die ukrainische Polit-Elite in der Hauptstadt Kiev – versucht ja seit Jahren auf Teufel komm raus, aus der Ukraine, einem historisch zusammengewürfelten und multikulturellen Land, eine einheitliche, einsprachige und zentral gesteuerte «Nation» zu machen. Selbst die in etwa einem Drittel der Ukraine gesprochene russische Sprache soll zugunsten der ukrainischen Sprache verdrängt oder gar verboten werden. Der Bürgerkrieg in Donetsk und Luhansk ist nicht zuletzt wegen dieser kulturell unsinnigen Sprach-Vereinheitlichung entstanden. Anton Ptushkin ist aber genau aus dieser Region: aus Luhansk! In seinem 50minütigen Video zeigt er – wohl nicht ganz zufällig – in Bildern und humorgeladenen Kommentaren, wie die Schweiz gerade nicht zentralistisch funktioniert und wie jeder Kanton und jede Region ihr Eigenleben leben darf.

Leider redet Anton Ptushkin in seinem Film über die Schweiz in seiner Muttersprache Russisch. Aber das Video hat wenigstens englische Untertitel, kann also auch von uns mehrsprachigen Schweizern und Schweizerinnen mit Vergnügen verfolgt werden: unser Land, die Schweiz, touristisch ein Traumland, aber auch politisch nachahmenswert. Mit sehr vielen Eigenheiten und politischen Kompetenzen in den verschiedenen Regionen. Oder, um die Terminologie der Diskussion in der Ukraine zu verwenden: mit viel regionaler Autonomie. Gäbe es in der Ukraine auch nur ein Körnchen Verständnis für unseren (Schweizer) Föderalismus – für das System «Subsidiarität», wie es in der wissenschaftlichen Politologie heisst – , der ganze bald sechsjährige Bürgerkrieg in Donetsk und Luhansk mit bisher etwa 13'000 Toten und andauerndem Elend der Betroffenen wäre nie ausgebrochen.

Es lohnt sich, in diese Liebeserklärung an die Schweiz hineinzuschauen. Das Thema Föderalismus erscheint ab Minute 14.30. Und es wird mit viel Humor vorgetragen:

(Damit das Bild auf dem Bildschirm gross erscheint, muss man unten rechts aussen auf das Rechteck klicken. Und wenn die englischen Untertitel nicht erscheinen, kann ebenfalls unten rechts das Kästchen mit Punkt/Strich Strich/Punkt angeklickt werden. Die Werbung kann mit einem Klick auf das x weggeputzt werden.)

Bis heute haben sich bereits über 3,6 Millionen Erdenbürger dieses positive Bild der Schweiz zu Gemüte geführt!

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  • Nachtrag:

    Der Autor dieses Artikels hat im Jahr 2006 eine Informationsreise in die Ukraine gemacht und dabei mit etlichen Polit-Grössen des Landes reden können. Zu diesem Zweck hatte er eine kleine Präsentation gemacht, die zeigt, wie die Schweiz politisch funktioniert. Zum Anschauen hier anklicken.

    Siehe auch:

  • Begegnungen in Transkarpatien (in der Ukraine) (von Christian Müller, publiziert in DIE GAZETTE Nr. 41)

  • Die internationale Diskussion läuft falsch (auf Infosperber)

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    Zum Autor. Es gibt keine Interessenkollisionen.

    Weiterführende Informationen

    Zur Info der Ukrainer: So funktioniert die Schweiz

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    4 Meinungen

    Besten Dank Herr Müller. Ihr Bericht berührt mich. Ptushkin spricht mir aus dem Herzen. Aus dem Herzen eines Schweizers, der mit der EU ein Freund-nachbarschaftliches Verhältnis wünscht. Mehr nicht. Schon gar kein Kolonialvertrag. Das ist das Gegenteil von dem, das unser Aussenminister samt einer erdrückenden Mehrheit der Bundesverwaltung und der führenden Politiker vorantreiben. Es wäre schön, wenn ihr Bericht auch unsere Euroturbos erreichen würde.
    Peter Geissmann, am 01. November 2019 um 22:20 Uhr
    "Gäbe es in der Ukraine auch nur ein Körnchen Verständnis für unseren (Schweizer) Föderalismus – für das System «Subsidiarität», wie es in der wissenschaftlichen Politologie heisst – , der ganze bald sechsjährige Bürgerkrieg in Donetsk und Luhansk mit bisher etwa 13'000 Toten und andauerndem Elend der Betroffenen wäre nie ausgebrochen.» Wieder mal ein guter Versuch, Ursache und Wirkung zu verwechseln. So lange die Ukraine mit seinen unmittelbaren Nachbarn, den Russen, gut zusammenarbeitete, so lange funktionierte der Handel un so lange gab es keine Toten. Erst als die USA, die NATO und ihr Vorkämpfer die EU versuchten, einen Keil zwischen Russland und die Ukraine zu treiben, dafür die USA allein mal eben 5.000 Millionen «investierten» um einen rechten Mob zu bezahlen, erst dann kam es zu Krieg und Verderben - aber das DARF ja so nicht gesehen werden.
    Günther Wassenaar, am 03. November 2019 um 00:41 Uhr
    Diese Schweizer sind bestimmt kein Vorbild für Anton Ptushkin:

    http://blauerbote.com/2019/11/02/nazi-freiwillige-toeten-untermenschen/
    Bernhard Ramp, am 03. November 2019 um 17:23 Uhr
    Das vaterländische Gesäusel um die ach so direkte und föderalistische Demokrartie in der Schweiz nervt echt. Diese «Demokratie» gab es schon im alten Griechenland, aber eben nur nicht für die 80% Sklaven! Genau wie heute hat der lohnabhängige Teil dieser Gesellschaft nichts zu sagen, was eine wesentliche Änderung zum Guten bringen würde. Das ist eine Plutokratie (Herrschaft der Reichen) oder eine Oligarchie (Herrschaft der Wenigen). Darum melden sich bei Abstimmungen und Wahlen jeweils mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten ab. Davon hat der naive Ukrainer nichts gesehen.
    Paul Jud, am 04. November 2019 um 18:33 Uhr

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