Der US-Kampfjet Lockheed Martin F-35 – für die Schweiz unnütz © Gov
Militärisches GPS aus dem Jahr 1993 © cm

Darum braucht die Schweiz keine neuen Kampfjets

Christian Müller / 06. Sep 2020 - Die Abstimmung am 27. September über den Kauf von neuen Kampfjets gibt der Schweiz die Chance, das Geld sinnvoll zu investieren.

Wann immer es um die Strategie der Landesverteidigung geht, müssen – oder eben müssten – die Fragen lauten: Wer kann ein möglicher Angreifer sein? Welches Interesse kann ein anderes Land haben, unser Land anzugreifen? Und wie wird ein anderes Land vorgehen, um seine Interessen in unserem Land nach einer eventuellen Niederlage der Schweiz tatsächlich umzusetzen? Im Nahen Osten zum Beispiel sind alle Länder, die Erdöl oder Erdgas haben, wirtschaftlich interessant und also auch gefährdet, weil andere, stärkere Mächte daran interessiert sind, diese fossilen Energiequellen in den eigenen Machtbereich zu bringen. Eine relativ leicht verständliche Situation.

Was aber hat die Schweiz zu bieten, das für andere Länder oder Militärbündnisse interessant sein könnte, also die Motivation für einen militärischen Angriff auf die Schweiz liefern könnte? Über Erdöl und Erdgas oder andere Bodenschätze verfügt die Schweiz in ihrem Territorium bekanntlich nicht.

Die Schweiz hat vor allem drei «Stärken», die relevant sein könnten.

1. Die Nord-Süd-Verbindungen

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Die Nord-Süd-Verbindung, also die Alpenpässe, die Brücken und heute die Tunnels können strategisch wichtig sein. Nicht zuletzt deswegen hat schon der Wiener Kongress 1815 entschieden, dass die Alpenübergänge nicht in die Hände einer Grossmacht, sondern unter die Kontrolle eines neutralen Staates kommen sollen. Um die Beherrschung der Alpenübergänge als Grund für einen Angriff von aussen zu vermeiden oder wenigstens zu reduzieren, hat die Schweiz im Zweiten Weltkrieg den Materialtransport zwischen Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien per Eisenbahn erlaubt und sichergestellt – eine schlaue, wenn auch nicht gerade mutige Massnahme. Vor allem aber weiss heute jeder theoretisch denkbare Angreifer, dass die Schweiz die Kunstbauten – die Brücken und Tunnels – der Nord-Süd-Verbindungen innerhalb weniger Stunden zerstören kann und es anschliessend viele Jahre militärisch geschützte Bauarbeiten bräuchte, diese Kunstbauten zu reparieren und wieder begeh- und befahrbar zu machen. Also besser gar nicht nicht angreifen, um so die Alpenübergänge zu erhalten und keine Zerstörung zu bewirken.

2. Die Präzisionsindustrie

Nicht viel anders verhält es sich mit der Präzisionsindustrie, die zu den Highlights der Schweizer Wirtschaft gehört. Auch sie funktioniert nur, wenn die Gebäulichkeiten und Maschinen dieser Industrie intakt sind und ihre Funktion gewährleistet ist, und nicht zerbombt. Auch hier hat die Schweiz im Zweiten Weltkrieg einem Angriff von aussen vorgesorgt und am 9. August 1940 mit Hitler-Deutschland einen umfangreichen Handelsvertrag abgeschlossen, wonach die Schweizer Industrie ihre Produkte, vor allem auch Waffen, an das Deutsche Reich zu liefern bereit und verpflichtet war. (Siehe dazu den Bericht des Schweizer Historikers Hans Ulrich Jost auf Infosperber hier.) Warum sollte also damals unser Land mit seiner technologisch hochstehenden Industrie angegriffen werden, wenn diese doch lieferte, was man brauchte?

3. Die Banken

Die Schweiz war in Kriegs- und ist jetzt auch in Friedenszeiten immer auch ein geeigneter Platz für erlaubte und nicht zuletzt auch für unerlaubte Bankgeschäfte: zum Verstecken von Geld, zum diskreten Verschieben von Geld, nicht zuletzt auch zum Waschen von kriminellem Geld. Dieses «Dirty Business» war und ist, so zynisch es klingen mag, einer unserer «Standortvorteile». Aber gerade auch dieses Business funktioniert eben am besten in einem Land, das nicht in einen Krieg involviert ist, weil die Gefahr, dass das Geld – ob ehrlich oder schmutzig – irgendwie verloren geht, hier deutlich kleiner ist als in einem Kriegsland. Auch hier lassen die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges grüssen …

Warum also soll die Schweiz militärisch angegriffen werden?

Sollte aus unvorhergesehenen geopolitischen Gründen die Schweiz aber eines Tages doch angegriffen oder «erobert» werden, dann geschähe – oder geschieht – das zeitgerecht hybrid: mit Cyberattacken, mit Drohnen, mit «Unmanned Ground Vehicles» UGV, mit Robotersoldaten und anderen AI-gesteuerten Maschinen, und – gerade in diesen Wochen wieder aktuell – mit heimlicher und unheimlicher finanzieller und «moralischer» Unterstützung der inneren Opposition, mit der Aufhetzung der Massen zu Demonstrationen und Aufständen – man denke etwa an den Maidan in Kiev.

Was, wenn etwa ausländische militärische Hacker die Stromversorgung unseres Landes lahmlegen? Was funktioniert in der Schweiz noch ohne elektrischen Strom? Die Wasserversorgung, die Küchen, die Heizungen, die wichtigsten Transportsysteme, der Geldverkehr (mit Ausnahme des Bargeldes): alles steht still. Auch das GPS – das sogenannte «Navi» in den Autos und in den Flugzeugen – kann von den USA aus einfach abgeschaltet werden (siehe Box unten). Selbst der Einsatz von chemischen oder gar biologischen Kampfmitteln ist trotz Verbot nicht undenkbar. Ist die Schweiz gegen all diese «Waffen», gegen all diese Kampfmittel gerüstet?

Genau weil die Schweiz eigentlich weiss, dass ein Krieg heute in Europa nicht mehr so stattfinden würde wie damals in den 1940er Jahren, sind bereits unzählige unterirdische militärische Festungsbauten und Bunker geschlossen oder zu touristischen Sehenswürdigkeiten umgebaut worden. Sie sind als militärische Bauten zur Verteidigung unseres Landes sinnlos geworden.

Aber Kampfjets sollen wir haben?

In einem CH-Media-Interview mit dem Chef der Schweizer Luftwaffe, Bernhard Müller, sagte dieser auf die Frage, warum die Schweiz denn mit dem Kauf von neuen Kampfjets auf die Zusammenarbeit mit der NATO angewiesen sei, der sogenannte NATO-Datalink 16, zu dem es einen Zugangscode braucht, könne nur von den USA erhalten werden. Und an anderer Stelle, auf die Frage, warum die Schweiz nicht selbständig operieren könne, wörtlich: «Schauen Sie, die USA sind nun mal technologisch führend. Es ist für kleinere Staaten nicht möglich, eigene Hardware und Software zu entwickeln. Man hat das bei der Mirage-Technologie gesehen, als die Schweiz versuchte, eigene technische Entwicklungen zu finanzieren. Das ist zu teuer.»

Es ist also auch von Luftwaffen-Seite klar und eingestanden, dass der Kauf neuer Kampfjets auch ein militärischer «Einkauf» in die NATO ist. Und das heisst: Sollte irgendeinmal ein NATO-Land die Schweiz angreifen wollen, kann der Zugangscode zum NATO-Datalink für die Kampfjets geändert werden, und schon bleiben unsere neuen Kampfjets am Boden. Oder erwartet die Schweiz vielleicht einen Angriff von Russland, das dann zuerst mindestens zwei NATO-Länder für den Durchmarsch besiegen müsste? Und welches Interesse sollte Russland an einer Eroberung der Schweiz denn haben?

1938, also kurz vor dem kriegerischen Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durch den Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen, haben England, Frankreich und Italien die Tschechoslowakei trotz gegenseitigem Hilfsabkommen im Stich gelassen. Die Tschechoslowakei kapitulierte darauf kampflos vor Deutschland, wodurch die ganze technologisch hochstehende tschechoslowakische Industrie Hitler in die Hände fiel. Und nicht zuletzt der vielen ursprünglich tschechischen Panzer «Škoda LT vz. 35» wegen war die deutsche Wehrmacht in Polen und anfänglich auch gegen Russland erfolgreich – also weil die tschechoslowakische Industrie in voller Funktion und nicht zerbombt übernommen werden konnte.

Die Schweiz braucht eine glaubhafte Neutralität

Was die Schweiz braucht, ist ein spürbarer und glaubhafter Wille, neutral zu bleiben und ihre Stärken nicht einfach an ein USA-dominiertes Militärbündnis auszuhändigen. Die Bereitschaft, sich mit dem Kauf von neuen Kampfjets noch mehr in den NATO-Verbund hinein «zu verkaufen», ist aber das gegenteilige Signal.

Die sechs Milliarden Franken, die für den Kauf neuer Kampfjets vorgesehen sind, können auch im Inland sinnvoller angelegt werden: zur Stärkung des Zivilschutzes zum Beispiel. Für ein Notspital für künftige Pandemien, eine wirksame IT-Mauer gegen Cyberangriffe, eine besser gegen Hacker gesicherte Stromversorgung. Vor allem aber auch für internationale Missionen zur Erhaltung des Friedens, wo auch immer auf dieser Welt – als neutrales, als glaubhaft neutrales Land.

Global Positioning System / GPS

Wie so viele technische Errungenschaften dieser Welt wurde auch das GPS – das «Navi», wie es heute oft genannt wird – im Interesse militärischer Überlegenheit entwickelt. Ab 1972 wurden vom US -«Department of Defense» das dafür notwendige Satelliten-System geschaffen und die Apparaturen entwickelt, mit denen man aus der Position der Satelliten, die kontinuierliche Signale senden, die eigene genaue Position ermitteln kann, auf wenige Meter genau.

Anfang der 1990er Jahre war es erstmals möglich, solche militärischen GPS-Navigationsgeräte auch für den zivilen Gebrauch zu kaufen, was der Autor dieses Artikels, der über die «Private Pilot Licence» PPL verfügte, im Hinblick auf mehrere internationale Flüge als Pilot-in-Command im südlichen Afrika auch tatsächlich nutzte. Auf einem Flug von Bulawayo in Simbabwe zum «International Airport Pilanesberg» nördlich von Pretoria in Südafrika, als wegen eines Generator-Defekts die ganzen Instrumente im Cockpit der Cessna ausfielen, hat ihm dieses Gerät vielleicht sogar eine Notlandung im afrikanischen Busch erspart.

Damals musste man das Ziel noch gemäss dem geografischen Koordinatensystem in Grad, Minuten und Sekunden westlicher oder östlicher Länge und nördlicher oder südlicher Breite eingeben, die man in einem gedruckten Handbuch der zur Verfügung stehenden Start- und Landepisten finden konnte.

Ein militärisches «Trimble TransPacGPS» aus dem Jahr 1993, das auch heute, im Jahr 2020, so rubust wie es gebaut ist, immer noch funktioniert. (Foto Christian Müller)

Heute, 27 Jahre später, ist das «Global Positioning System» GPS dank viel mehr Satelliten unendlich viel besser und genauer und die Basis der Fernsteuerung der Drohnen. Aber, und dies darf nicht vergessen werden, es ist in den Händen der USA und kann von einer Minute auf die andere auf «ungenau» umgestellt oder sogar ganz ausgeschaltet werden.

Allein schon diese Technologie zeigt, wie sehr sich die Kampfmittel in den letzten Jahrzehnten geändert und weiterentwickelt haben.

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Siehe dazu auch

«So schaffte sich die NATO ihren notwendigen Feind» (auf Infosperber)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Zum Autor deutsch und englisch. – Der Autor war im Militärdienst Radarist bei der Fliegerabwehr. Privat verfügte er etliche Jahre über die «Private Pilot Licence» PPL.

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19 Meinungen

Sehr geehrter Herr Müller
Ihre Ausführungen zum GPS sind meiner Ansicht nach nicht mehr aktuell. Es gibt einfache, billige Empfänger, die alle Satellitensysteme (GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo) nutzen, nicht nur das amerikanische GPS.
Die USA können diese Systeme nicht einfach abschalten.
Gilbert Magnin, am 06. September 2020 um 11:21 Uhr
Ich bin überzeugt davon : Ist die Schweiz in einen Krieg verwickelt, ist vieles kaputt und zerstört. SchweizerInnen stehen vor einem Scherbenhaufen.Kauf von extrem hochgerüsteten Kampfjet bedeutet dass mit einem Krieg gerechnet wird, auch wenn es unrealistisch ist. Verzichten wir auf diesen Kauf gäbe das ein weltweites positives Signal für den Frieden. „Seht her, die Schweiz rechnet nicht mit Krieg sondern mit Frieden“. Mir ist klar, dass wir von anderen damit belächelt würden. Es würde der Schweiz aber gut anstehen, diesen Weg zu gehen und sich damit gegen Aufrüstung zu stellen.
Ruedi Basler, am 06. September 2020 um 11:58 Uhr
Danke, Christian Müller, für die klare Gedankenführung gegen mehr als eine Überwachungsflotte.
- Wir brauchen keine 'moderne Luftwaffe', welche ohne NATO nicht funktioniert + damit faktisch unter NATO-Befehl stehen würde.
- Aber wir brauchen eine klare Neutralitätspolitik, wie BR Didier Burkhalter sie reaktivieren wollte. Richtig umgesetzt, hat sie auch wirtschaftlich Zukunft.
Konrad Staudacher, am 06. September 2020 um 12:21 Uhr
Alles sehr gescheit und auch einigermassen «überzeugend» Aber, was sagte seinerzeit BR Ueli Maurer, als er auf die zukünftige Sicherheitslage der Schweiz angesprochen wurde: «Sicher ist nur eines, es passiert immer das Unerwartete». Das «Unerwartete» ist in obigem Artikel nicht angesprochen.
Und; das Geld für die Kampf-Jets stammt aus dem Armeebudget. Kann also nicht einfach so in «andere Bereiche» investiert werden.
Während der Dauer meines Lebens habe ich als Kind den zweiten Weltkrieg in der Schweiz, behütet, erlebt.
Als Erwachsene habe ich, wieder aus sicherem Gebiet heraus, den Balkankrieg mitverfolgt.
Haben wir uns je vorgestellt, dass eine Pandemie die Welt überzieht? Jetzt haben wir sie und mühen uns ab, die Schutzmassnahmen so zu integrieren, dass wir als Gesellschaft damit weiterleben können.
Deshalb, bei allen bedenkenswerten Überlegungen von Christian Müller: ich werde Ja stimmen für den Erwerb von Kampfjets!
Wir haben eine Armee. Zu einer Armee gehört, für mich, als Nichtexpertin, auch eine effiziente Luftverteidigung. Die wirksamste, die wir uns leisten können.
Judith Stamm, am 06. September 2020 um 12:31 Uhr
Vielen Dank! Hier noch ein interessantes Interview in der SRF-Rendez-vous Sendung vom 19.8. Dort kam der Brigadegeneral Zvika Haimovich zu Wort, bis vor zwei Jahren Kommandant der israelischen Fliegerabwehr. Er wiess darauf hin, dass die grösste Terror-Bedrohung aus der Luft von Marschflugkörpern, Raketen und vor allem billigen Drohnen kommt. Gegen diese alle sind Kampfflugzeuge nutzlos. In einer Entgegnung streitet Bernhard Müller zwar die Kritik ab, muss aber zugeben, keine Abwehr gegen kleine Drohnen zu besitzen, das sei Aufgabe der Polizei! https://www.srf.ch/news/abstimmung-27-september-2020/kampfjetbeschaffung/abstimmung-vom-27-september-kritik-an-kampfjetbeschaffung-zehn-stueck-reichen-aus
Theo Schmidt, am 06. September 2020 um 12:47 Uhr
@Judith Stamm: Liebe Frau Stamm, ich kenne Sie aus meiner LNN-Zeit natürlich und war in den letzten Jahren politisch oft bei Ihnen. Und natürlich dürfen Sie eine andere Meinung haben. Den Vorwurf, dass ich das Unerwartete nicht in Betracht ziehe, muss ich aber zurückweisen. Genau für den unerwarteten Fall muss sich die Schweiz rüsten, aber eben anders: gegen einen terroristischen Angriff mit Drohnen, gegen einen Cyberangriff, etc. – Dass wir die Kampfjets ja aus einem schon bestehenden Budget bezahlen können, ist eine doch eher seltsame Argumentation. Gerade darum gibt es eine Abstimmung, damit nicht alles einfach «von oben» programmiert und diktiert wird. – Auch ich bin noch im WKII geboren und habe später ein paar Lebensjahre ins Studium der Geschichte investiert. Wir müssen aus der Geschichte lernen – aber eben nicht, dass wir alles wieder gleich machen, sondern dass wir daraus intelligente Schlüsse für die Zukunft ziehen. Mit freundlichem Gruss, Christian Müller.
Christian Müller, am 06. September 2020 um 12:48 Uhr
Danke! Ich bin überzeugt, dass modernes Kriegsgerät per Mausclick schachmatt gesetzt werden kann, sobald es elektronische Komponenten enthält. Jeder moderne Personenwagen kann vom Hersteller obsolet gemacht werden, dank Internetvernetzung. Aus bestens orientierten Insiderkreisen weiss ich, das die MilSich sich nicht bewusst ist, dass der Hersteller ihre Dienstfahrzeuge jederzeit orten und abschalten kann, ein Hersteller kann gehackt werden. Weiter weiss ich von derselben Quelle, dass das Polycom-Funknetz aus Bequemlichkeit von den Armeekadern nicht genutzt wird, die ziehen das Handy vor. Es dürfte in der Schweiz maximal 3 Personen geben, die mit Polycom umzugehen wissen! Im Krisenfall hat das Handynetz eine Autonomie von einer Stunde. Danach müsste auf Polycom umgestiegen werden, wozu kaum ein Befehlshaber imstande ist. Es ist an der Zeit, dieser Verschwendung von Steuergeldern ein Ende zu setzen! Ferner: Die Israelis reissen aus jedwelcher importierten Rüstungsgüterbeschaffung die gesamte Elektronik heraus, um sie durch eigene zu ersetzen, die wissen, weshalb. Ein Kampfjet, der keine Eigenentwicklung ist, bleibt aus genannten Gründen taktisch höchst unsicher und mit hoher Wahrscheinlichkeit wertlos. Dafür zig Milliarden auszugeben, ist Wahnsinn. Die Coronakrise zeigt, wie unzulänglich unsere Krisenprävention ist: Kein Schutzmaterial, kein Desinfektionsmittel - einfachste Vorkehren fehlen. Das Vorwort des Pandemieplans endet mit «Viel Vergnügen». Das ist symptomatisch.
Urs Lauper, am 06. September 2020 um 14:06 Uhr
Ja, die Schweiz braucht eine glaubhafte Neutralität und diese ist eine «bewaffnete Neutralität» und nicht eine entwaffnete Neutralität!
Die Schweiz muss glaubwürdig bleiben, nicht nur in ihren «Guten Diensten"!
Beda Düggelin, am 06. September 2020 um 14:44 Uhr
Was eigentlich praktisch nie erwähnt wird, ist dass in der Schweiz die Hauptwasserscheide Europas liegt. Aus der Schweiz fliesst Wasser in Rhein, Rohne, Donau und Po. Hätte Hitler die Schweiz angegriffen, wäre wohl ein «Chemieunfall» à la Schweizerhalle schon viel früher möglich gewesen.
Christian Solèr, am 06. September 2020 um 15:03 Uhr
Es ist schon beinahe peinlich, wie einseitig und vor allem unvollständig der Autor argumentiert - wie wenn eine drohende militärische Eroberung der Schweiz der einzige Grund für eine leistungsfähige Luftwaffe wäre...
Patrick Hafner, am 06. September 2020 um 17:19 Uhr
Danke, Herr Müller, für diesen sehr lesenswerten Artikel. Er zeigt klar und fundiert auf, warum die Milliarden für Kampfjets (es sind weit mehr als 6 Mia., manche gehen von 24 Mia. aus) weggeworfenes Geld sind, das andernorts fehlen wird. Sie haben lediglich vergessen zu erwähnen, dass Kampfjets auch bei der Bekämpfung von Coronaviren rein gar nichts nützen.
Alois Amrein, am 06. September 2020 um 20:24 Uhr
Klar muss man auch über Unwahrscheinliches nachdenken. Aber Priorität muss das Wahrscheinliche haben und das ist nicht ein Luftkrieg, der mit Kampfjets zu gewinnen ist. Die Armee braucht eine Boden-Luftverteidigung. Sie braucht ein sicheres Kommunikationsnetz, Mittel um Angriffe durch Terrorgruppen am Boden abzuwehren. Die Steuerungen der Stromnetze und vielem anderen Infrastrukturen muss gesichert werden. Hier sind die 6 Milliarden besser investiert.
Jürg Schmid, am 07. September 2020 um 14:32 Uhr
Geld wird kaum je weggeworfen, es haben nur andere.
Es muss auch ein US-Hersteller sein, sonst gibts harte Embargos aus den USA u. die meisten US-Kapitalgewaltigen sind mit den meisten CH-Kapitalgewaltigen eh Brüder im Geiste und/oder es ist Verschwörungs-Praxis.
Die F35 wäre der totale Overkill u. mit 6 Mrd. ist da die geplante Stückzahl nicht zu finanzieren. Die F18 kommt von Boeing und da gibt es zunehmend gewaltige strukturelle Qualitätsprobleme.
Die bürgerlichen Spitzenpolitiker wissen genau warum sie nur über die Freigabe von mehr als 6 Mrd.CHF abstimmen lassen. Wurde je ein bürgerlicher CH-Spitzenpolitiker sanktioniert, wenn ein Grossvorhaben deutlich teuerer wurde ? Das fleissig arbeitende Schweizer Volk hätte es schon verdient, dass man genauer wüsste wofür so viel Geld fliesst. Transparenz ist ein guter Indikator für wirklich demokratische Verhältnisse, auch in der CH-Gesellschaft.

Dann gibt es CH-Kapitalgesellschaften, die vor allem an den verbundenen Kompensationsgeschäften und Gewinnen interessiert sind u. die verbundenen bürgerlichen Politiker in wechselseitiger Vorteilsnahme oder späteren Parteispenden aus Dankbarkeit tun ein übriges.
Autoritäre Machtmenschen lieben gewaltige Kampfmaschinerien, gezielt 'verunsicherte' Menschen und Menschen mit geschürten Ängsten aber kaum Angstkontrolle, lassen sich nun mal leicht 'instrumentalisieren und bewirtschaften'.
Ludwig Pirkl, am 07. September 2020 um 15:00 Uhr
Ich kann nicht verstehen, wie Menschen mit christlicher oder evangelischer Prägung, wie Frau Stamm oder auch Marianne Streif der EVP, sich für Kampjets aussprechen. Das ist doch keine Verteidigung, das sind MORD-Instrumente!!
Theo Schmidt, am 07. September 2020 um 20:09 Uhr
@Judith Stamm: Liebe Frau Stamm, bitte kommen Sie im Jahr 2020 an, 1986 war vor 34 Jahren und der Kalte Krieg ist seit spätestens 1989 zu Ende. Es scheint mir, dass Sie das verpasst haben. Die Schweiz braucht keine superteuren Kampfjets, die im Ernstfall von den USA blockiert werden können. Das viele Geld wird andernorts dringend benötigt, für die AHV, für Bildung, für bessere Pandemievorbereitung (da nützen Kampfjets rein gar nichts). Und in einer wirtschaftlich schwierigen Situation wie heute mit Corona, wo viele Mitbürger Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen wegen der Corona-Massnahmen, kann man nicht einfach 6 Milliarden Fr. oder noch viel mehr einfach zum Fenster rauswerfen. Das ist volkswirtschaftlich (und ethisch) verantwortungslos.
Alois Amrein, am 07. September 2020 um 23:13 Uhr
Für alle, die des Englischen mächtig sind gibt es Pogo. org. Eine Webseite, Die mit dem «Government Accountability Office» (GAO) zusammenarbeitet. Dort gibt es Ellenlange Artikel, wie Lockheed Martin die verfügbarkeits- und Fähigkeitstests manipulierte, und Ihre eigenen Regeln für die Tests durchboxten. Zum beispiel, dass die Testflugzeuge keine Ausreichende Sekundärbewaffnung mitnahmen, um genügend Munition und Treibstoff für einen Test mitnehmen zu können. Jedoch fliegt kein Kampfflugzeug ohne Diese in einen realistischen Kampfeinsatz. Lockheed Martin scheint das anders zu sehen. Und an die 50 Lobbyisten in Kongress und Senat tun das Ihre genau so dazu, wie bei uns die Armasuisse.
Dazu kommt noch eine ebenso lange Mängelliste (über 800 Punkte, von denen rund 1 drittel als kritisch, schwerwiegend oder potenziell tödlich für den Piloten eingestuft werden). Unter anderem der 5 Kg Helm der dazugehört, und Piloten bei der Flugiträger-landung fast das Genick bricht, und beim Start so heftig gegen die Stütze knallt, dass der Pilot orientierungsschwierigkeiten erfährt.) Von «Doppelbildern» Die das Bordcomputersystem ALIS an das HUD liefert, und die bereits entdeckte «Ungenaugkeit der Bordkanone» tun ihr übriges dazu. Würde man damit auf einen Terroristen beim Sprengstoffattentat schiessen, träfe man wahrscheinlich all die Leute, die er in die Luft sprengen wollte.
In Afghanistan bombt man seit 20 Jahren. ABER: Der «Friedensprozess» findet Lösungen am Verhandlungstisch.
Claude Fontana, am 10. September 2020 um 08:18 Uhr
Guter Artikel Herr Müller!
Rüstungsausgaben sind verschleierte Wirtschaftshilfe. Der Politik geht es nicht um die Sicherheit sondern um Gegengeschäfte. Darum ist die USA sehr interessant und BR Maurer hat den Deal mit Trump ja schon abgesprochen. Es geht doch nur darum was Roche und Novartis als Gegengeschäfte bekommen zum Kauf des F35.

Je schlechter es einer Volkswirtschaft geht, desto mehr wird nach dem alten Muster in Rüstung investiert- leider mit katastrophalen (wirtschaftlichen) Folgen.
Daniel Bertschi, am 15. September 2020 um 07:49 Uhr
Wir sind ein paar alte „Militärköpfe“, 75 – 85 Jahre alt, die noch heute bei jedem Treffen auch über die letzten Neuigkeiten zu unserer Armee diskutieren. Wir hatten zusammen Fliegerabwehr und Raketenabwehr bei den Briten und in den USA ansehen und evaluieren können und haben auch bei solchen Projekten mitgearbeitet, als Ingenieure.

Wir sind „erschüttert“, mit welcher Unverfrorenheit man uns jetzt wieder anlügt und eine nochmals 30-jährige Verlängerung des Luftverteidigungs-FAKE vorschlägt. Es fehlt jede militärisch-fachliche Diskussion über das technische Ungenügen unserer Luftverteidigung und die falschen taktischen Konzepte.

Deshalb habe ich alte Diskussions-Notizen zusammengesucht und hoffe, man könnte den vielen Ehemaligen, die ja alle auch technisch etwas verstehen von Zielbekämfpung allgemein, und ev auch von Flab im Besonderen, mit militärisch-fachlichen Argumenten zeigen, dass wir andere Lösungen „erzwingen“ sollten. Und auch die Jungen sollten die wenigen Grundüberlegungen nachvollziehen können. (Nach ihren War games.)

Bitte geht an die Urne und stimmt NEIN zu «zusätzlichen 30 neuesten Kampfjets» !!
Und überzeugt Eure Mitbürger; schickt das Email weiter, an möglichst viele.

Unser Land braucht endlich wieder einsatzfähige Langstrecken-Boden-Luft-Raketen, wie in der Armee 61 !

Auf die nächsten 30 Jahre in Sicherheit !

F.Voegeli, www.rapport-zwo.ch
Fridolin Voegeli, am 15. September 2020 um 20:46 Uhr
Militärisches gegen Militarismus für drei Krankenkassenprämien

Wir alle sehen uns als zivilisierte Wesen und mögen prinzipiell Friedensarbeit. Aber was ist, wenn Friedensarbeit gegen unerwünschten, unzivilisierten Militarismus nicht ankommt? Die Jet-Initiative wurde (äusserst knapp) angenommen. Somit siegt die kalte Ratio über die “richtige Gesinnung”. Die Welt ist um ein My sicherer geworden. Die vom Author diskutierten Szenarien können so zutreffen, sie können aber auch ganz anders sein. Argumentationen mit “Wahrscheinlichkeiten” können in die Irre führen. Wie die aktuelle Pandemie zeigt, sind existentielle Entscheide aufgrund von Diskussionen über Szenarien/Wahrscheinlichkeiten problematisch. Und angesichts des Versäumnisses und Versagen bei den simplen Masken , wie gross erst wird das Versagen sein bei Unterlassungen in richtig komplexen Systemen? Ich als Laie sehe die Jets als „Versicherung“ (wo ich mich nicht mit Versicherungsmathematik herumschlagen muss, oder so tue, als würde ich etwas verstehen). Wir sollen im schlimmsten Fall die Sprache der Feinde auch sprechen können. Und was kostet diese Versicherung? Die Beschaffung der Jets kosten den Steuerzahler drei Monatsprämien der Krankenkasse. Und ein paar Monatsprämien mehr für die Maintenance.
Lorenz Trachsel , am 10. Oktober 2020 um 07:16 Uhr

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