Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan in Afrika auf Goodwilltour. © SRF

Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan in Afrika auf Goodwilltour.

Neu in China: La Belle et la Bête

Peter G. Achten / 07. Apr 2013 - Was Amerika schon lange hat, hat jetzt auch China: eine veritable First Lady. Strahlend, stilsicher, elegant. Aber nicht arrogant.

Dass sich die Frau des Staatschefs gewollt in der Öffentlichkeit zeigt und sich bewusst inszeniert, ist in der «sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung» nicht ganz selbstverständlich. Die Frauen der Mächtigen pflegen, ähnlich wie in der Schweiz, unsichtbar zu sein.

Der neue Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping setzt, wie in Politik und Wirtschaft, aber auch hier bereits zu Beginn seiner Amtszeit ein klares Zeichen. Bei seinen Staatsvisiten in Russland und in Afrika trat an seiner Seite erstmals prominent, medial in China x-fach vergrössert, seine Frau Peng Liyuan ins Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit. In der Presse, am Fernsehen und im Internet wurde sie strahlend zusammen mit einem ebenso strahlenden Ehemann in Bild und Ton gezeigt. Das freute die parteiamtlichen Propagandisten, denn die zurückhaltende, doch elegante Peng Liyuan mit ihrer charismatischen Ausstrahlung kommt nicht nur innerhalb von China, sondern rund um die Welt gut an. Ein Microblogger auf dem chinesischen Twitter-Ersatz Sina-Weibo frotzelte unbarmherzig über den Auftritt des ersten Paares der Nation: «The Beauty and the Beast».

Hunderte von Millionen kennen sie bereits

Doch Peng Liyuan ist nicht nur die Ehefrau an der Seite des zusammen mit US-Präsident Obama mächtigsten Mannes der Welt. Lange bevor nämlich Parteifunktionär Xi Jinping über den Schatten seines damals noch kleinen, provinziellen Machtbereichs sprang, war Peng bereits ein Superstar. Sie trat etwa an der Gala des Zentralen Fernsehens zum chinesichen Neujahr vor Hunderten von Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern auf. Als Sängerin von Volksliedern und süssen Balladen kennt sie im Reich der Mitte Jung und Alt.

Xis Vorgänger Hu Jintao (2002-2012) versteckte seine Frau so gut wie in der Schweiz etwa Bundespräsident Ueli Maurer die seine. Auch Xis Vorvorgänger Jiang Zemin (1989-2002) zeigte sich nicht oft mit seiner Frau, etwa so oft wie Bundesrat Didier Burkhalter Händchen haltend mit seiner Frau Friedrun Sabine auf Auslandreisen.

Nicht die erste First Lady

Peng Liyuan jedoch ist beleibe nicht die first First Lady Chinas. Mit der letzten chinesischen First Lady vor Peng Liyuan machte China allerdings weniger gute Erfahrungen. Es war die schöne Jiang Qing, die vierte Ehefrau des Grossen Steuermanns Mao Dsedong. Sie war als Anführerin der sogenannten Viererbande eine der treibenden Kräfte der «Grossen Proletarischen Kulturrevolution» (1966-76). Nach dem Tod von Mao wurde sie 1976 verhaftet und fünf Jahre später zum Tode auf Bewährung verurteilt. 1991 wurde sie wegen einer schweren Krankheit aus dem Gefängnis entlassen und wählte kurz darauf den Freitod.

Und jetzt der ganz grosse, erste Auftritt Peng Liyuans als First Lady. Nicht nur die chinesischen Propagandazaren sind hell begeistert. Auch die Textilindustrie und die heimischen Modemacher wittern Morgenluft. Normalerweise kleiden sich in der Volksrepublik die Schönen, Reichen und Berühmten in feines Tuch ausländischer Prestigemarken, weil sie laut Umfragen die «hohe Qualität» in Entwurf und Verarbeitung estimieren. Nicht so die schöne Sängerin Peng. Mit sicherem Stilgefühl und einer Vorliebe für Exklusives wählte sie heimische Stoffe und chinesische Couturiers.

Die Modeschöpfer wittern Morgenluft

Die Aktien von im Ausland unbekannten chinesischen Modehäusern zeigten an den Börsen in Shanghai und Shenzhen sofort Richtung Nord, und die bekanntesten Modedesigner – Ma Ke, Wang Yutao, Xie Feng oder Gao Yang – jubilierten. Modekritiker Jiang Xingyi frohlockte ganz im derzeitigen nationalistischen Trend, dass jetzt endlich die chinesische Haute Couture anstatt ausländisches Schaffen zum Zuge komme. Ökonomen wiederum weisen darauf hin, dass ähnlich wie jetzt mit dem Designerfolg in der Textilindustrie auch andere Industrien durch Innovation sich weiter entwickeln müssten, also auf der Wertschöpfungskette weg vom einseitigen Produktionsstandort hin zur kreativen Produkteentwicklung.

Was Peng Liyuan jedenfalls bei der Ankunft in Moskau beim Herunterschreiten der Flugzeugtreppe trug, war in der Tat Klasse: Ein dunkelblauer Mantel mit einem feinen hellblauen Seidenschal, passender Tasche und dezenten Schuhen. Nicht weniger elegant und stilvoll war der Auftritt bei der Ankunft in Südafrika mit einem hellen, wunderbaren Deux-Pièces. Modekritiker Jiang Xingyi interpretierte das, wohl doch etwas weit hergeholt aber politisch korrekt, als Entwurf «inspiriert von chinesischer Kultur und ethnischen Elementen». Bereits wird die Mode der ersten Dame der Volksrepublik in den chinesischen Medien als «Liyuan-Stil» bezeichnet. Der Ausdruck bezieht sich aber nicht nur auf die Bekleidung, sondern auch auf das Auftreten der First Lady. «Elegant, doch nicht arrogant» war das lobende Verdikt eines «Volkszeitung»-Kommentators. Er fügte hinzu, dass «Peng alle Vorzüge einer chinesischen Frau hat und sie jetzt auf die internationale Bühne» hebe.

Auch der Parteichef selber superkorrekt

Staats- und Parteichef Xi Jinping war natürlich auch korrekt gekleidet wie alle hohen Funktionäre auf höchstem internationalen Parkett: westlicher Anzug, weisses Hemd, dezente Krawatte. Nach Mass ist zu vermuten, aus allerbestem Tuch und – vor allem dies – angemessen und genäht von chinesischen und nicht von ausländischen Herrenausstattern. Längst vergangen sind die Zeiten, als Mitte der 1980er-Jahre bei oberen Parteikadern und Unternehmern italienisch massgefertigte Anzüge die eben aus der Mode gekommenen Mao-Anzüge zu ersetzen begannen. Der ehemalige Premier und Parteichef Zhao Zyiang machte 1987 Schlagzeilen, als er bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Parteitages verkündete, er trage keinen italienischen Anzug mehr, sondern einen, der im Reich der Mitte entworfen und sorgfältig genäht worden sei.

Fazit des Modewandels – auf gut chinesisch ausgedrückt: Tempora mutantur et nos mutamur in illis (Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen).

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