«Nationalität kommt vor Qualität»

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Jürg Müller-Muralt / 17. Jun 2014 - Die Wissenschaftsgemeinde reagiert sarkastisch auf die blockierten Gespräche über EU-Forschungszusammenarbeit.

Die EU zeigt der Schweiz in Sachen Forschungszusammenarbeit weiterhin die kalte Schulter. Eine Zeitlang sah es danach aus, dass das Dossier deblockiert werden könnte und die Gespräche wieder aufgenommen werden; als Schmiermittel diente das Angebot der Schweiz, Arbeitnehmende aus Kroatien mit Kontingenten in der Schweiz zuzulassen. Doch nun bleiben die Gespräche blockiert. Das Ja zur «Masseneinwanderungsinitiative» vom 9. Februar 2014 hat für die Schweizer Forschung gravierende Konsequenzen.

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und die Akademien der Wissenschaften Schweiz, zwei ehrwürdige und üblicherweise in ihren Aussagen eher zurückhaltende Institutionen, schlagen sarkastische Töne an: Das Editorial ihres gemeinsamen Magazins «Horizonte» vom Juni 2014 trägt den Titel «Allein im Eigenheim». In einem Beitrag im Innern des Hefts heisst es, der neue Verfassungsartikel «verletzt die Universalismusnorm, die dem Wissenschaftssystem zugrunde liegt». Der Schaden des Volksverdikts «droht um einiges grösser zu werden als die Millionen, die nun den Hochschulen fehlen werden, die in den letzten Jahren viel Geld aus Brüssel eingeworben haben». Aber eben: «Nationalität kommt nun definitiv vor Qualität.»

Das Magazin zeigt auch anhand detaillierter Studien, wie die Internationalität als Treiber der Forschung in den verschiedenen Wissenschaftszweigen wirkt, dies insbesondere in einem Kleinstaat wie der Schweiz. Die Studien weisen unter anderem auch nach, dass gut zwei Drittel der Schweizer Forschungsprodukte nur dank internationaler Kooperation zustande kommen. In anderen europäischen Ländern ist das nur rund die Hälfte.

Mit anderen Worten: Wer derart stark international vernetzt ist wie die Schweizer Forschung und in den Bereichen Bildung und Forschung zu den leistungsstärksten Nationen gehört, wird durch Abschottungstendenzen auch überdurchschnittlich stark betroffen.

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Keine

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Forschungsmagazin «Horizonte»

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Eine Meinung

Wenn der Wille eines eigenständigen Landes, nämlich die Migration selbst zu steuern und evtl. sogar zu drosseln als Abschottungstendenz wahrgenommen wird - nun denn. Die Blockierung der Forschungszusammenarbeit seitens der EU zeigt vor allem eines, nämlich das mehr und mehr imperialistische Gehabe eines ursprünglich zur Friedensförderung gegründeten Staatenbundes. Sarkastisch ist vor allem, wenn man nicht einsehen will, dass für die Schweiz eine 5 Mal höhere Einwanderung als die EU Länder im Durchschnitt haben längerfristig zur Hypothek wird.
Wirth Sabine, am 17. Juni 2014 um 20:59 Uhr

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