Nationalismus oder: Wenn die Ex des Freundes...

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 09. Aug 2012 - An Versuchen, die Ecopop ins braune Lager zu rücken, fehlte es nie. Der «Tages-Anzeiger» liefert jetzt den ultimativen Beweis.

Ich bin entlarvt. Ich bin ein Nationalist. Das kam so: Ich habe kürzlich einen Mann kennen gelernt, der mich in meinem Anliegen, dem Naturschutz, unterstützt. Dieser Mann war vor vielen Jahren mit einer Frau liiert, die sich für den Tierschutz engagierte. Nun ist bekannt geworden, dass seine Ex-Frau in alten Tagen eine nationalistische Organisation unterstützt. Und eben darum bin ich jetzt auch ein Nationalist.

Auf diese zirkelschlüssige Logik bin ich nicht selbst gekommen. Auf die Idee hat mich Res Strehle gebracht. Res Strehle ist Co-Chefredaktor des «Tages-Anzeigers». Der «Tages-Anzeiger» (TA) ist eine Zürcher Tageszeitung, die sich Reisereportagen des TA-Mitarbeiters und «Bund»-Chefredaktors Arthur K. Vogel von Fluggesellschaften und Reisebüros sponsern lässt (u. a. TA vom 9. August, Seite 23), weil beim TA der zweistellige Millionengewinn nicht reicht, um die Spesen von Reisereportagen oder Autotests selber zu zahlen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Zurück zum Thema. Res Strehle fragt im Titel seines Tageskommentars vom 9. August 2012: «Wird Ecopop salonfähig?» (siehe Link unten) Aha, schliesst der Leser, bisher war Ecopop nicht «salonfähig». Der Anlass für Strehles Kommentar: Im Inlandteil der gleichen TA-Ausgabe berichtet Redaktor Fabian Renz, dass Franz Weber die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative mit dem Titel «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» unterstützt, welche die Ecopop vor einem Jahr lanciert hat. In dieser Initiative verlangt die Ecopop, dass die Schweiz einerseits den Einwanderungssaldo auf durchschnittlich 0,2 Prozent pro Jahr begrenzt, andererseits mit zehn Prozent ihrer Entwicklungshilfe auch die freiwillige Familienplanung im Ausland fördert.

Die Ecopop ist eine Organisation, die – wie der Name sagt – sich sowohl für den Naturschutz als auch für die Begrenzung der Bevölkerung einsetzt: «Eco» steht für Ökologie, «Pop» für Population. Denn Ecopop vertritt die Meinung, Umweltbelastung resultiere aus dem Konsum pro Kopf, multipliziert mit der Zahl der Köpfe, gemildert respektive dividiert durch das Ausmass der Umwelttechnik. Vergleiche von globalen und nationalen Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Umweltstatistiken belegen, dass diese grobe technokratische Formel weitgehend stimmt.

Es ist allerdings nicht die technokratische Formel, die Journalisten wie Res Strehle zweifeln lässt, ob die Ecopop «salonfähig» sei. Der Umstand, dass Ecopop nicht nur eine Begrenzung der ökologischen Belastung pro Person, sondern auch eine Begrenzung der Personenzahl anstrebt, hat ihr den Ruf eingetragen, sie sei ausländerfeindlich, nationalistisch oder gar rassistisch.

In ihren Statuten hält die Ecopop zwar ausdrücklich fest: «Ecopop distanziert sich klar von fremdenfeindlichen und rassistischen Ansichten.» Trotzdem erscheinen immer wieder Berichte oder Kommentare, in denen Medienschaffende die Ecopop in die braune Ecke stellen, ohne aber Belege für diese Rufschädigung zu liefern.

Doch am Schluss seines Kommentars erbringt Res Strehle nun den ultimativen Beweis: Der Umweltschützer Franz Weber unterstützt neu die Ecopop-Initiative. Der gleiche Franz Weber hat sich 1976 zusammen mit Brigitte Bardot gegen die Abschlachtung von Robbenbabys engagiert. Und heute unterstützt Brigitte Bardot die französische Rechtspartei «Front National». Also ist die Ecopop respektive ihre Initiative ebenfalls nationalistisch, getreu dem Motto: «Wenn die Ex meines neuen Freundes in alten Tagen nationalistisch wird, bin ich auch ein Nationalist.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Hanspeter Guggenbühl ist passives Mitglied der Ecopop, aber auch Mitglied von Organisationen, welche die Ecopop-Initiative bekämpfen.

Weiterführende Informationen

Statt Jammern: Auswandern!
TA-Kommentar von Res Strehle

Eine Meinung

... das sind eben die nachteile der hochgejubelte «freie Meinungsäusserung» ... jeder darf sein Senf (auch sein Blödsinn), verteilen, verstreuen, verbreiten ... und abdr(u/ü)cken … smile
Frau Carmey Bruderer, am 09. September 2012 um 12:28 Uhr

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