Aus der rechten Ecke Richtung Grün: Valentin Oehens Sohn Guido, zertifizierter Bio-Bauer in Sessa. © GO

Aus der rechten Ecke Richtung Grün: Valentin Oehens Sohn Guido, zertifizierter Bio-Bauer in Sessa.

«Grün» und «links» sind nicht immer deckungsgleich

Jürg Müller-Muralt / 27. Jan 2020 - Die Grünen haben verschiedene historische Wurzeln, nicht nur linke. Auch heute könnten Rechtsparteien die Ökologie wiederentdecken.

Grüne Welle bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2019, grüne Regierungsbeteiligung in Österreich seit Anfang 2020, und gemäss jüngsten Umfragen sind die deutschen Grünen fast gleich stark wie die CDU/CSU: Grün ist längst zu einer erfolgreichen Politmarke geworden, aber diese ist, etwa im Gegensatz zur Klimastreik-Bewegung, keine junge Erscheinung. In der Schweiz gehen die organisatorischen Anfänge auf die Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück, in Deutschland begingen die Grünen Mitte Januar 2020 ihr 40-Jahre-Jubiläum. Heute werden «links» und «grün» meist als weitgehend deckungsgleich betrachtet, sowohl von der Politikwissenschaft wie im allgemeinen Sprachgebrauch. Doch die Wurzeln und politischen Traditionen der grünen Parteienfamilie sind unterschiedlich und reichen von weit links bis weit rechts.

Lukas Bärfuss’ Rundumschlag

Einen Hinweis auf die Komplexität des Themas findet man in einem Interview der Online-Zeitung Republik vom 28.12.2019 mit dem Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss. Der Georg-Büchner-Preisträger ist nicht gut auf die Grünen zu sprechen. Er kritisiert sogar den Zweckartikel der Grünen Partei der Schweiz, weil dort steht, dass die GPS «der langfristigen Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen Priorität einräumt». Die Partei setze «sich damit in einen Widerspruch zur humanistischen Tradition des aufgeklärten Staates. Eine ökologische Politik kann auch totalitär grundiert sein, das lehrt die Geschichte», findet Bärfuss. Der Schutz der ökologischen Rahmenbedingungen sei nur dann sinnvoll, wenn er im Interesse des einzelnen Menschen liege, denn es gebe keinen Selbstzweck in der Ökologie. Und: Der «ökologische Antihumanismus trat hierzulande mit der Ecopop-Initiative in Erscheinung». Das ist insofern unfair, weil sich zum einen die GPS klar von dieser Initiative distanziert und sie auch bekämpft hat, und weil die heutige Ecopop-Bewegung sich von ihren rechten Wurzeln weitgehend abgenabelt hat.

«Politischer Tausendfüssler»

Doch die stark zugespitzten Aussagen von Bärfuss verweisen eben auf die sehr unterschiedlichen, teils auch problematischen Ursprünge der breitgefächerten ökologischen Bewegung. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet die frühen deutschen Grünen als «politischen Tausendfüssler». Zu Beginn der Siebzigerjahre waren die Grünen ein bunter Haufen von Hippies, Kommunisten, Feministinnen, Friedensaktivisten, Atomkraftgegnerinnen, Öko-Sozialisten, Sympathisanten der Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF), bürgerlich-konservativ geprägten Umweltschützern – und ja, vereinzelt auch einstigen Nationalsozialisten.

Schwierige Gemengelage

Die linke Anti-AKW-Bewegung beispielsweise stützte sich auf technik- und industriekritische antikapitalistische Konzepte, die zwar teilweise auch von bürgerlich-konservativen Atomkraftgegnern geteilt wurden. Letztere griffen dagegen häufiger auf Traditionen von Ökologie, Natur-, Umwelt- und Heimatschutz zurück, die sich nicht selten auf ein reaktionäres und sozialdarwinistisches Gesellschaftsmodell stützte. In der Stuttgarter Online-Publikation Kontext: Wochenzeitung vom 15.01.2020 geht der auf die Wissenschaftsgeschichte der Biowissenschaften spezialisierte Philosophieprofessor Michael Weingarten dieser schwierigen Gemengelage in Deutschland nach. Um zu verstehen, wie es zum zeitweiligen Zusammengehen, zu einem «taktischen Bündnis auf Zeit» dieser «sich in ihren Leitvorstellungen eher ausschliessenden Strömungen kam», müsse man die frühen Siebzigerjahre in den Blick nehmen:

«Da erschienen nahezu zeitgleich und mit grossem publizistischen Erfolg Bücher wie ‘Die Bevölkerungsbombe’ von Paul R. Ehrlich (1971) und ‘Das Selbstmordprogramm’ von Gordon R. Taylor (1971); in diese Linie gehört auch Herbert Gruhls Buch ‘Ein Planet wird geplündert’ (1975). Für den deutschsprachigen Bereich noch wirksamer war Konrad Lorenz' Schrift ‘Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit’ (1973), zumal es in demselben Jahr erschien, in dem Lorenz den Nobelpreis für Medizin erhielt. In diesen Büchern werden die schon unübersehbar gewordenen ökologischen Probleme sozialdarwinistisch thematisiert mit Verweis auf eine ‘Übervölkerung’, verursacht durch die hohen Geburtenraten in Asien und in Teilen der arabischen Welt einerseits bei gleichzeitiger ‘Überfremdung’, ‘Entvolkung’ und drohendem ‘Aussterben’ der ‘weissen Rasse’ (der Deutschen, der Europäer) andererseits. Damit verbunden seien die ‘Verwüstung des natürlichen Lebensraums’ der Menschen sowie die Erschöpfung der natürlichen Ressourcen der Erde. In seiner drastisch-bildreichen Sprache versuchte Lorenz deutlich zu machen, dass die ‘Zivilisierung’ der Menschheit zu deren ‘Verhausschweinung’, also zu ‘Degeneration’ und ‘Entartung’ führe. Ökologisch sei es geboten, diesen Prozess rückgängig zu machen, die Menschheit zu ‘entzivilisieren’, damit sie sich wieder in das Gleichgewicht der Natur einpassen und überleben könne.»

Konrad Lorenz als Leitfigur der Grünen

Die beiden österreichischen Wissenschaftsjournalisten Benedikt Föger und Klaus Taschwer dokumentierten schon vor rund zwanzig Jahren, dass Konrad Lorenz zeitlebens ein überzeugter Nationalsozialist war. Wikipedia wiederum hält zur Bedeutung von Lorenz für die Grünen fest: «Im hohen Alter äusserte er sich zudem als zivilisatorisch-ökologischer Gesellschaftskritiker und wurde in Österreich zu einer Leitfigur der Grünen-Bewegung.»

Umweltschutz als konservatives Thema

Auch der Historiker Peter Hersche räumt mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: «Der Umweltschutz hat seine Wurzeln nicht bei den Grünen». Unter diesem Titel schlägt der emeritierte Professor für Neuere Allgemeine Geschichte an der Universität Bern in der NZZ vom 08.05.2019 den grossen historischen Bogen: Von der deutschen Romantik (unter anderem eine Reaktion auf Aufklärung und industrielle Revolution), über den Beginn des modernen Kapitalismus zwischen 1870 und 1914 bis in die jüngste Vergangenheit, also bis etwa 1980, sei Umweltschutz eine vorwiegend konservative Bewegung gewesen. Schliesslich war der Konservatismus historisch die Gegenströmung zum Liberalismus und später zum marxistischen Sozialismus.

Ökologie und Bevölkerungsfrage

In den Siebzigerjahren wurde die Ökologie dann mit der Einwanderungs- und Bevölkerungsfrage gekoppelt. Die «Nationale Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat» lancierte fremdenfeindliche Initiativen und forderte eine massive Reduktion der ausländischen Bevölkerung. Parteipräsident Valentin Oehen forderte gleichzeitig beispielsweise ein Ende des Wachstumszwangs und bleifreies Benzin. In den Siebzigerjahren gründete er die Arbeitsgemeinschaft für Bevölkerungsfragen (ab 1987 unter dem heutigen Namen Ecopop). Heute tritt Oehen gemäss NZZ vom 25.10.2019 «tatsächlich an Versammlungen der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) auf».

Für Sozialdemokratie lange kein Thema

Spätestens 1990 hatte sich die Schweizer Umweltbewegung klar links positioniert, «und zwar auf der Linie der nach 1968 entstandenen neuen Linken», wie Hersche schreibt. Die Grünen profilierten sich nach und nach zu einer Sammelbewegung verschiedenster Strömungen der neuen sozialen Bewegungen, also nebst Umweltschützern aller Art auch Friedensaktivisten, Feministinnen, Alt-Achtundsechziger und diverse Alternative. Die Sozialdemokratie dagegen verhielt sich gemäss Hersche mehrheitlich «gegenüber Umweltanliegen noch lange abweisend, so dass die neuen Grün-Linken eine Lücke zu schliessen schienen.»

Rechtes Spektrum marginalisiert

Doch was geschah mit dem bürgerlich-konservativen und rechten Spektrum der Umweltbewegung? «Die Allermeisten wurden nach 1980 marginalisiert, richtiggehend ausgebootet; in Deutschland etwa Herbert Gruhl, der Verfasser des Bestsellers ‘Ein Planet wird geplündert’», schreibt Hersche und schliesst seinen Artikel wie folgt: «Ihre Positionen stiessen bei den Linksgrünen auf grundsätzliche Ablehnung: Wer in der Schweiz, wie etwa Nationalrat Valentin Oehen oder später die Umweltorganisation Ecopop, auf den Zusammenhang zwischen Ökologie und Einwanderungspolitik pochte, kam für eine Zusammenarbeit nicht mehr infrage. An diesem offensichtlichen Widerspruch in der ökologischen Argumentation hat sich bis heute nichts geändert. Er ist nicht der einzige im Programm der heutigen Grünen. Aber diese Inkohärenzen werden tunlichst unter den Teppich gekehrt. Auflösen könnte sie vielleicht eine konservativ-ökologische Partei. Über die Gründung einer solchen Alternative zu den Grünen wird zwar gelegentlich geredet. Noch aber fehlt sie im politischen System der Schweiz wie ihrer Nachbarländer.»

Anknüpfen an historische Vorbilder

Eine konservativ-ökologische Partei gibt es zwar tatsächlich nicht, aber immerhin eine bürgerlich-liberal ausgerichtete Alternative zu den Grünen: die Grünliberale Partei (GLP). Das Problem der Konservativen und vor allem der Rechten liegt darin, dass sie in ihren Reihen Exponenten haben, welche die Klimaerwärmung herunterspielen oder gar leugnen. Doch ist es nicht ausgeschlossen, dass die politische Rechte versuchen wird, an historische Vorbilder anzuknüpfen und die Klimaproblematik in einseitiger Weise mit der Bevölkerungsfrage und vor allem mit der Zuwanderungsfrage zu koppeln.

Wird Begrenzungsinitiative umgedeutet?

Derzeit geben sich Rechtsparteien wie die SVP noch klimaskeptisch. Doch es gibt Anzeichen dafür, dass sich das ändern könnte. SVP-Nationalrat Roger Köppel, Kämpfer an vorderster Front gegen die «Klimahysterie», forderte jüngst in einem Tweet nun doch Massnahmen gegen den Klimawandel, nämlich Antibabypillen für Afrika. Das Bevölkerungswachstum dort zu stoppen sei wirksamer «als Schweizer CO2-Verbote». Auch Christoph Blocher versuchte sich an der SVP-Kadertagung vom Januar 2020 in Bad Horn am Bodensee in Ökologie: «Man muss den Leuten klarmachen, dass die Zuwanderung der Umwelt schadet». Vielleicht versucht die SVP, mit diesem Argument ihre Begrenzungsinitiative, welche die Personenfreizügigkeit ausser Kraft setzen und notfalls kündigen will und im Mai 2020 zur Volksabstimmung kommt, zu Propagandazwecken ökologisch umzudeuten oder zumindest argumentativ aufzuladen. Ob ein solches Manöver vom Stimmvolk goutiert würde, bleibt fraglich. Denn ein Blick in die Homepage der SVP-Initiative zeigt klar, dass die Umwelt kein Kernanliegen des Volksbegehrens darstellt.

Österreich machts vor

In Österreich dagegen werden Zuwanderung und Klimaschutz mittlerweile von höchster Stelle in einem Atemzug genannt: «Man kann gleichzeitig die Grenzen und das Klima schützen», sagte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz zu seinem Regierungsprogramm, das er zusammen mit den Grünen ausgearbeitet hat. Philipp Loser schreibt dazu in seiner Kolumne im Magazin (Nr. 3/2020): «Der ÖVP-Chef hat es ganz offensichtlich fertiggebracht, die Furcht vieler Wählerinnen und Wähler vor dem Fremden mit der neu entdeckten Furcht der gleichen Wählerinnen und Wähler vor der Klimakatastrophe zu kombinieren».

Natürlich ist der globale Bevölkerungsdruck für Umwelt und Klima ein Problem. Wer allerdings behauptet, bevölkerungspolitische Massnahmen seien der zentrale Hebel zur Behebung der aktuellen Klimakrise, streut den Menschen Sand in die Augen und braut vor allem ein unappetitliches Politsüppchen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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9 Meinungen

Das gedachte politische Rechts- Links- Schema steht in keiner Beziehung zu anderen Kategorien wie 'Grün', 'Sozial', 'Sozialistisch'.

Grün kann man von ganz Rechts bis ganz Links sein. Man sieht es schon daran, dass es zwar überall Grüne, aber seit 30 Jahren keine Linken mehr gibt. Linke Grüne, wenn überhaupt, gab es nur bis gegen 1990, dem Ende des Kalten Krieges. Danach verschwand alles Linke weltweit aus der politischen Öffentlichkeit. Heutige Grüne sind ganz überwiegend bürgerlich, also dediziert nicht links.
Ralf Schrader, am 27. Januar 2020 um 11:41 Uhr
Links/Grün: Mit ideologischem Internationalismus ins Abseits

Es ist bitter anzusehen wie die Linken und Grünen ihre guten Programmpunkte mit ihren internationalistischen Positionen bei den Schwergewichtsthemen EU/Migration aus ideologischen Gründen aufs Spiel setzen.
Alex Schneider, am 27. Januar 2020 um 14:29 Uhr
Ein Blick zurück in die Vergangenheit zeigt es: «Grün» und «Rechts» waren keineswegs immer unvereinbare Gesinnungen. Höchstrangige Nazifunktionäre wie Himmler und Hess beispielsweise waren nachweisbar bekennende Grüne, deren Weltbild perfekt in die im Dritten Reich propagierte «Blut und Boden"-Ideologie passte. Des Weiteren wäre auch auf den wenig bekannten finnischen Theoretiker Pentti LInkola hinzuweisen, der in seinen 1972 respektive 1990 publizierten programmatischen Schriften «Unelmat paremmasta maailmasta (Die Träume von einer besseren Welt)» und «Johdatus 1990-luvun ajatteluun (Einführung in die Philosophie der 1990er Jahre)» ganz offen die Errichtung einer ökofaschistischen Diktatur zur Rettung der natürlichen Umwelt fordert. Schliesslich wäre auch noch ein Seitenblick auf Rudolf Steiners teilweise deutlich braun gefärbte Esoterik aufschlussreich, welche die Anthroposophie prägt und mit zahllosen Zitaten ihres Begründers belegt werden kann.
René Edward Knupfer-Müller, am 27. Januar 2020 um 15:12 Uhr
Das Kurz-Zitat, man könne durchaus gleichzeitig die Grenzen und das Klima schützen, zeigt, genauso wie das Blocher-Zitat, dass Zuwanderung der Umwelt schade, dass da einige Leute (vielleicht auch Herr Müller-Muralt?) nicht verstanden haben bzw. nicht verstehen wollen, was «grün» im Zusammenhang mit der Grünen Partei der Schweiz bedeutet: «Grün» ist «ökologisch» in einem umfassenden, insbesondere transnationalen(!) Sinne! Damit wäre die Sache mit «Ecopop» und «Antibabypille für Afrika» wohl geklärt! In Kurzform (z.B. für Herrn Kurz): «grün» und «nationalistisch» bzw. «chauvinistisch» verträgt sich nicht! Und ja: «Grün» und «links» ist tatsächlich nicht deckungsgleich - aber wer kommt schon auf eine solche Idee?!
Dieter Kuhn, am 27. Januar 2020 um 16:01 Uhr
Versucht man, das Thema «Umwelt» nicht politisch, sondern sprachlich zu betrachten, führt das zu folgender Definition: «Umwelt» meint die «Welt um den Menschen». Dies kann sauberes Wasser, frische Luft, eine schöne Wiese oder auch ein Kraftwerk bedeuten. Je mehr Menschen (oder eben Füsse) auf der Erde, desto weniger «Umwelt» hat es pro Menschen. Und je besser es den Menschen geht, desto grösser wird der Fussabdruck, desto mehr «Umwelt» wollen sie sich leisten.
Die linken Grünen kämpfen für einen kleinen Fussabdruck, die rechten Grünen für weniger Füsse. Ecopop ist in der Schweiz die einzige Organisation, die sich um das Bevölkerungswachstum (Anzahl Füsse) und die Umwelt (Grösse des Fussabdrucks) kümmert. Deshalb finden die Linken Ecopop rechts und die Rechten links. Ecopop hat etwas Besseres zu bieten und hat etwas Besseres verdient.
Hans Geiger, am 27. Januar 2020 um 22:33 Uhr
@Kuhn: Herr Levrat (Präsident SP) sagte nach verlorenen SP Wahl 2019 dass SP und Grüne praktisch immer gleich stimmen. Der kommt offenbar auf die Idee.
Die grösste Sozialistische Gesellschaft hat massive Geburtenkontrollen eingeführt, das muss also auch nicht rechts sein. Ich habe nie verstanden warum gerade die Grünen dagegen waren, Frauen in Entwicklungsländern zu helfen, ihre Familien zu planen (ecopop). Ich habe aber auch nicht verstanden warum die SP dagegen war. Sowohl ökologisch als auch feministisch war es eine sehr gute Initiative.
Harald Buchmann, am 28. Januar 2020 um 01:36 Uhr
@Herr Müller: 'Wer allerdings behauptet, bevölkerungspolitische Massnahmen seien der zentrale Hebel zur Behebung der aktuellen Klimakrise, streut den Menschen Sand in die Augen und braut vor allem ein unappetitliches Politsüppchen.'
Das widerspricht der Logik: Der menschengemachte Klimawandel wird von wem gemacht? Der Mensch baut, betoniert, rottet aus und macht Kriege. Er ist Täter und die Anzahl der Täter, wie auch ihre Taten sind relevant. Beides zählt! Das ist nicht 'unappetitlich' sondern logisch. Jedes exponentiell wachsende System wird in einer begrenzten Welt zusammenbrechen. Nachhaltigen Wohlstand für alle Menschen gibt es erst, wenn weniger Menschen weniger Schaden anrichten.
Markus Ursprung, am 29. Januar 2020 um 00:09 Uhr
Danke für den wiederum sehr guten Text von Jürg Müller-Muralt. Ich erlaube mir einen kritischen Hinweis zum darin zitierten NZZ-Artikel von Peter Hersche, der behauptet, die Sozialdemokratie hätte sich «lange abweisend» zu grüner Politik verhalten. Für die SP Schweiz stimmt das nicht. Spätestens ab dem Basler Parteitag von 1978 war sie (gegen den eigenen sonst allseits beliebten Bundesrat Willi Ritschard) immer klar mehrheitlich im Anti-Atom-Lager und bei jeder entsprechenden Initiative engagiert. Etwa zur gleichen Zeit – im Nachgang zur Ölkrise – nahm der Widerstand gegen den ungesund wachsenden motorisierten Strassenverkehr in der SP Schweiz zu. SP-Exponenten (u.a. Hämmerle und Bodenmann) waren federführend bei der (notabene erfolgreichen) «Alpeninitiative». Nicht früher, sondern etwa gleichzeitig entstanden die 'linken' Grünen in der Schweiz. Und eine den ÖV priorisierende Partei war die SP auch immer. Zudem nicht ganz unbedeutend: Die «Naturfreunde Schweiz» sind seit 1905 eine naturverbundene linke Freizeitorganisation, die von Beginn an zu den klassischen «Vorfeldorganisationen» der SP Schweiz gehörte.
Rolf Zimmermann, am 29. Januar 2020 um 17:14 Uhr
Zu den Grünen findet Bärfuss: Die Partei setze «sich damit in einen Widerspruch zur humanistischen Tradition des aufgeklärten Staates. Eine ökologische Politik kann auch totalitär grundiert sein, das lehrt die Geschichte.»
Das macht er es sich doch allzu einfach. Auch linke Politik kann totalitär grundiert sein. Rechte ebenso, und religiöse Politik natürlich auch. Die Rundum-Sorglos-Garantie gegen Totalitarismus gibt es nirgends. Auch das lehrt die Geschichte. Da müsste man einen Totalitarismus-Vorwurf gegen eine einzelne Strömung schon ein bisschen substanzieller begründen können.
Daniel Heierli, am 31. Januar 2020 um 19:06 Uhr

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