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Untersuchungen von «Avaaz» zeigen «Rechtsextreme Netzwerke der Täuschung», die Facebook dominieren

Facebook sperrt Hunderte falsche Profile und Seiten

Tobias Tscherrig / 25. Mai 2019 - Nach Hinweisen von «Avaaz» sperrt Facebook Fake-Seiten aus dem rechten Milieu – um eine Beeinflussung der Europawahl zu verhindern.

Das international tätige Kampagnennetzwerk «Avaaz» hat im Vorfeld der Europawahl eine Studie zu Desinformation und Fake-News im sozialen Netzwerk «Facebook» veröffentlicht. Die Studienergebnisse haben es in sich: Demnach wurde ganz Europa vor der Europawahl 2019 gezielt mit Falschnachrichten geflutet, welche insgesamt 500 Millionen Klicks generierten. Und das, obwohl «Avaaz» darauf hinwies, bei der Untersuchung nur an der Oberfläche gekratzt zu haben.

«Avaaz» meldete die Studienergebnisse an «Facebook», woraufhin der Technologiekonzern Hunderte falsche «Facebook»-Profile und -Seiten löschte. Viele dieser Fake-News-Schleudern stammen aus der rechten Ecke.

Rechtsextreme Netzwerke der Täuschung

«Die Netzwerke verbreiteten entweder Desinformationen oder setzten Taktiken ein, um Inhalte zu verstärken, die hauptsächlich gegen Immigration gerichtet, EU-feindlich oder rassistisch waren», schreibt «Avaaz» in einer Medienmitteilung. Viele davon hätten gegen die Richtlinien von «Facebook» verstossen: gefälschte Konten, Spamming, irreführende Änderung von Seiten-Namen oder die «wahrscheinliche Koordination unethischen Verhaltens».

Gemäss der «Tagesschau» von «ARD» sagt Christoph Schott, Kampagnen-Direktor von Avaaz: «Nur wenige Tage vor den Europawahlen ertrinkt Europa in Desinformation. Die Grösse und Komplexität dieser Netzwerke macht sie zu Massenvernichtungswaffen für die Demokratie, die auf Europa zielen. Das Beunruhigendste ist, dass wir nur an der Oberfläche gekratzt haben. Es könnte noch viel, viel mehr da draussen geben.»

Die Löschung von Fake-News genügt nicht

Wie «Avaaz» mitteilt, habe man europaweit über 500 verdächtige Seiten und Gruppen an «Facebook» gemeldet. Gemeinsam seien diese Seiten von rund 32 Millionen Menschen verfolgt worden und hätten allein in den letzten drei Monaten 67 Millionen Interaktionen ausgelöst.

«Facebook» habe auf die Hinweise schnell reagiert und viele der beanstandeten Seiten beziehungsweise Profile geschlossen, schreibt «Avaaz». So seien insgesamt 77 Seiten und 230 Konten aus Deutschland, Grossbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und Polen gesperrt worden. Trotzdem kritisiert «Avaaz» den blauen Riesen aus dem Silicon Valley. Die Löschung der Fake-News reiche nicht aus. Vielmehr solle «Facebook» sicherstellen, «dass jeder, der diese Desinformation gesehen hat, unverzüglich eine Richtigstellung erhält.» Im Übrigen solle «Facebook» verhindern, dass seine Algorithmen «dieses Gift aktiv verbreiten».

Zu dem auf «Facebook» verbreiteten Gift gehört zum Beispiel ein Video, das insgesamt zehn Millionen Mal angeklickt wurde. Es soll Migranten in Italien zeigen, die ein Polizeiauto zerstören. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um die Realität, der Videoausschnitt stammt aus einem Spielfilm – die Quelle ist nicht angegeben.

AfD von Löschungen betroffen

Gemäss den Ergebnissen der Studie fielen in Deutschland vor allem Seiten und Profile bezüglich der Alternative für Deutschland (AfD) negativ auf. Mit duplizierten und gefälschten Accounts sei die Reichweite der Beiträge gezielt erhöht worden. Die Tagesschau von «ARD» liefert ein Beispiel: «Durch das gegenseitige Teilen der immer gleichen Botschaften wie etwa ‹Merkel hat gelogen› konnten sie dem Facebook-Algorithmus eine höhere Popularität vorgaukeln und die Botschaften so besser im sozialen Netz positionieren.»

Die Untersuchungen von «Avaaz» ergaben in Deutschland rund 130 derartige Profile und Seiten. Darunter fanden sich auch illegale Inhalte wie etwa Hakenkreuz-Postings oder Beiträge, die Holocaust-Leugner unterstützen. Auch diese seien von Accounts geteilt worden, die auf «Facebook» die AfD unterstützen.

Die Studie zeigt auch, wie die AfD in Deutschland «Facebook» dominiert. Keine andere Partei erreicht mit ihren Beiträgen eine ähnlich grosse Reichweite. Das zeigt auch eine Analyse, die das «ZDF» mithilfe des Social Media Monitoring-Tools «Spike» durchgeführt hat: «Vergleicht man die Beiträge aller Bundesparteien der letzten zwei Monate nach der Zahl der Likes und Kommentare, belegen AfD-Accounts acht der zehn Spitzenplätze.»

«Facebook»: von rechts gekapert

Neben der AfD in Deutschland, nennt «Avaaz» im Zusammenhang mit den Fake-News auch die italienische «Lega», die spanische «Vox», die britische «Brexit-Partei», den französischen «Front National» und die Regierungspartei «Recht und Gerechtigkeit» aus Polen. Daraus ergebe sich ein starkes «Netzwerk der Täuschung», das die Stimmung gegen Migranten und gegen die EU gezielt aufhetze.

Die Kaperfahrt der Rechten in «Facebook» und die gezielte Streuung von Falschinformationen ist das Gegenteil dessen, was Gründer Mark Zuckerberg mit seinem sozialen Netzwerk erreichen wollte: die globale Gemeinschaft. Aber der blaue Riese ist weit vom Wunschtraum seines Gründers entfernt. Seit Jahren steht das soziale Netzwerk wegen seiner Anfälligkeit für Manipulationskampagnen im Fokus.

Deshalb hat sich «Facebook» zusammen mit anderen grossen Technologie-Firmen gegenüber der EU verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen, damit es im EU-Raum im Vorfeld der Wahlen zu keiner politischen Manipulation kommen kann. Allerdings basieren die Verpflichtungen, die «Facebook» eingegangen ist, auf der Freiwilligkeit des Technologiekonzerns.

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8 Meinungen

Es scheint sinnvoll, gegen Desinformation und Fake-News vorzugehen. Aber wer sagt, was Information und was Desinformation ist?
Wenn im Hinblick auf die Europawahl „Anti-EU-Gruppen“ fake und damit böse sind, „Pro-EU-Gruppen“ dagegen offensichtlich nicht böse sind, dann ist das eigenartig. Dann ist das Parteipolitik. Wenn „Rechtsextreme“ Fake-News verbreiten, „Linksextreme“ dagegen offensichtlich nicht, dann positioniert sich Avaaz einfach als linke Pro-EU-Organisation. Das ist nicht verboten. Aber wie kommt Facebook dazu, der linken Pro-EU-Seite zu folgen? Sind die Facebookers links, oder sind sie kommerziell, oder einfach opportunistisch?
Hans Geiger, am 25. Mai 2019 um 12:45 Uhr
Guten Tag Redaktion Sperber,
können Sie mir sagen um was für ein Verein Avaaz sich handelt ?
Von wo bezieht dieser Verein sein Geld außer seiner Mitglieder ??
Mir fehlen dazu die nötigen Informationen. Vielen Dank Werner Kämtner
Werner Kämtner, am 25. Mai 2019 um 16:59 Uhr
Unwahrheit ist Unwahrheit.
Wahrheit ist Wahrheit.
Die Frage, die sich mir stellt, haben auch andere Gruppierungen gelogen/manipuliert und: wurde überall nach Unwahrheiten gesucht. Dies lässt der Artikel leider im Dunkeln. Aber die Unterscheidung von Wahrheit und Lüge.... die gibt es und die ist nicht verhandelbar.
Anna Baur, am 25. Mai 2019 um 23:53 Uhr
@Krämtner. Geben Sie doch einfach im Google «Avaaz» ein. Sie finden dort unter anderem auch deren Homepage.
https://secure.avaaz.org/page/de/
Urs P. Gasche, am 26. Mai 2019 um 12:49 Uhr
Was ist Wahrheit und was ist Gelogenes?
Wer kann das genau definieren oder festlegen? Wer kennt die Wahrheit und kann den Unterschied zu «Fakes» machen?
Hier scheint es sich ja gezielt um eine «Institution» zu handeln, die davon ausgeht, dass NUR DIE VON RECHTS Unwahrheiten verbreiten. Und was ist mit den FAKES von LINKS?
Wie war es mit den ehemaligen kommunistsichen Diktaturen? Die konnten sich doch nur mit «ideoogischen Lügen» an der Macht halten. Und heute - fast 30 Jahre danach - laufen ihre «Fans» noch immer hier herum und verbreiten als «Saubermänner» Infos und Nachrichten über «angebliche» Rechte. Nicht nur nach rechts gucken, auch von links kann es zum Desaster kommen.
Franz Balzer, am 26. Mai 2019 um 13:51 Uhr
Avaaz wird nach meinen Informationen unter anderem von George Soros finanziert und
ist auf alle Fälle mit Vorsicht zu geniessen.
Nähere Infos:
https://www.nachdenkseiten.de/?page_id=47542
http://www.wrongkindofgreen.org/?s=Avaaz
Daniel Fahm, am 26. Mai 2019 um 15:46 Uhr
Wer sagt, was Information und Desinformation ist? Ganz «einfach»:
1. Faktenchecks gibt es auf seriösen journalistischen Plattformen und vielen öffentlichen TV-Sendern.
2. verschiedene Informationsquellen konsultieren, um ein Behauptungen zu prüfen.
3. Gesunder Menschenverstand bedeutet, unterscheiden zu können, ob eine Information dem sozialen Gesamtwohl der Bevölkerung dient oder nicht.
4. Wenn Aussagen verallgemeinert werden oder komplexe Sachverhalte so stark vereinfacht werden, dass es nur schwarz oder weiss ist, dann ist die Info falsch.
5. Wer negative Emotionen schürt (Wut, Hass), Denunziation oder Diskriminierung betreibt, tickt disfunktional.
Avaaz ist die grösste weltweit funktionierende Internetorganisation, die keine Spenden von Unternehmen annimmt, sondern nur von privaten Personen gesponsert werden. Die Steuererklärung ist frei einsehbar. Ihre Kampagnen lassen sich transparent verfolgen.
Marco Guidon, am 26. Mai 2019 um 16:37 Uhr
Wir leben in einer Welt die durch PR und Meinungsmache vergiftet ist. Wenn in FB Profile gelöscht werden, heisst das nur, dass diese Profile nicht dem herrschenden Narrativ folgten. Man sollte sich keine Meinung machen, ob es sich dabei um Rechte Hetze handelt oder nicht, dann damit muss es absolut nichts zu tun haben (es kann aber). Der Grund, wieso rechts nationalistische Parteien aktuell derart am Pranger stehen ist meiner Meinung nach folgender: Rechte Parteien sind die einzigen welche sich dem neoliberalen, imperialen Megaprojekt EU entgegen stellen. Natürlich machen sie das nicht aus Gerechtigkeitsgedanken oder dergleichen. Offensichtlich haben einige national organisierte «Oligarchen» keine Lust auf internationale Konkurrenz. Sie wollen ihre Pfründe schützen vor noch reicheren Anlegern. Die pseudo Linken Parteien haben ihren Kampf für Freiheit und Gleichwertigkeit schon lange aufgegeben und zeigen sich als willige und vor allem unbewusste und ungebildete Helfer der global organisierten Kapitalisten. Alles was es braucht, um eine linke Partei für etwas zu gewinnen sind Trigger wie Grün oder Gleichberechtigung.

Mal wählen wir rechts, mal wählen wir links. Am voran im Gleichschritt ändert sich nichts. Wie lange wir wohl noch die Umweltzerstörung und die Ausbeutung sowie das Nichthandeln von Politik und Wirtschaft kritisieren bis wir begreifen, dass in der aktuellen Systemlogik Reformen und Wahlen nichts ändern? Manchmal denke ich: Bis in alle Ewigkeit.
Stöckli Marc, am 27. Mai 2019 um 09:21 Uhr

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