Rickli, SVP-Nationalrätin, Deutsche, Einwanderung © Screenshot

Einwanderungs-Debatte

Die Masse der Deutschen vs. Natalie Rickli

R. L. / 30. Apr 2012 - Wie die SVP-Nationalrätin den Unmut unserer nördlichen Nachbarn auf sich gezogen hat - ein Blick in deutsche Online-Foren.

Traditionell stösst die Schweiz in Deutschland auf grosses Verständnis. Die Bewunderung der direkten Demokratie übertüncht so manche Meinungsverschiedenheit. Selbst in Steuerfragen finden sich immer Deutsche, die die Gründe für die Steuerflucht eher bei der eigenen Abgabenlast als dem Businessmodell der Schweizer Banken orten. Um so bemerkenswerter ist in deutschen Online-Foren - von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen - die einhellige Kritik an der Aussage von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, in der Schweiz habe es zu viele Deutsche. Eine Auswahl der besten Konter.

«Frau Rickli, willkommen in der Globalisierung!»

«Wenn ich in der Schweiz bin, stört mich der einzelne Schweizer auch nicht. Aber in der Masse, in der sie da anzutreffen sind, sind sie schon sehr störend.»

«Sie darf gerne gegen Überfremdung von Deutschen wettern, es steht ihr in einer Demokratie zu. Nur kommen die Klagen ein wenig spät. Ich hätte es witziger gefunden, wenn sie sich ueber deutsche Steuerfluechtlinge aufgeregt hätte, die noch vor 5 Jahren Schweizer Bankschalter verstopft haben.»

«Wer so demagogisch argumentiert wie Frau Rickli, ist entweder strunzdoof oder menschenverachtend, aber ganz gewiss nicht klug. Dass dieser Dame tausende beschränkte Bünzlischweizer nachrennen, ist dann aber ein Schweizer Problem, kein Deutsches.»

«Rechnen wir den Anteil Deutscher in der Schweiz in Schweizer in Deutschland um, wären 2,7 Millionen Schweizer in Deutschland, sagt Rickli. Wenn das Zahlenspiel abschrecken soll ist es aber daneben gegangen: Ich glaube kaum, dass 2,7 Millionen Schweizer in Deutschland zu grossen Diskussionen führen würden.»

«Vielleicht könnte man mit der Schweiz einen Deal vereinbaren: die «Masse der Deutschen» wird aus der Schweiz abgezogen und konsequenterweise die Masse deutschen Geldes auf schweizer Bankkonten ebenso. Dann hätten auch wieder mehr Schweizerinnen Interesse an einem Job als Serviertöchter.»

«Ich finde es einerseits gut, dass sich Frau Rickli öffentlich so unverblümt äussert - schließlich denkt sie ja auch so. Meist sind es ja leider immer wieder Politiker, welche die Zwietracht schüren. Trotzdem werde ich mich vorläufig der Schweiz enthalten - mein Auto mag keine Kratzer. Solange bleibe ich fern, bis sich die Schweizer wieder etwas beruhigt haben. Schöne Ziele gibt es auch anderswo - und noch dazu deutlich preiswerter.»

«Ich bin Urberliner und Arzt und habe eine Zeit am Uni-Spital-Zürich gearbeitet. Es war schon beeindruckend, wie viele deutschen Ärzte sich vom Schweizer Personal den ein oder anderen Kommentar bieten lassen mussten. Äusserst befremdlich war auch, dass einem in Zürich und Umgebung klar gemacht wurde, dass man hier als Dütscher nicht willkommen ist. Auf eine Frage an einen Schweizer Oberarzt, wieso so wenig Schweizer in der Medizin praktizieren, erfuhr ich: Für den Schweizer Staat ist es viel kostengünstiger, hochqualifiziertes Personal, d.h. gut ausgebildete Ärzte aus Deuschtland abzuziehen, als selber auszubilden.»

«Gehen sie mal nach Konstanz. Die Masse der Schweizer, die dort Aldi und Konsorten übervölkern um sich dann an der Grenze die gezahlte Mehrwertsteuer rückerstatten zu lassen, spottet jeder Beschreibung. Als Folge der Schweizerschwemme sind die Preise speziell in der Gastronomie in atemberaubende Höhen gestiegen.»

«Zur Steetparade, zu der ich schon mein Ticket gebucht habe. Früher gab es immer Slogans wie «Everybody welcome» - war immer geil mit Leuten aus allen umliegenden Ländern. Soll ich stornieren? Ich verspreche, nur Kohle auszugeben und keine Arbeit anzunehmen!»

«Es wird endlich Zeit, dass das verlogene Image der Schweiz in Deutschland (à la Heidi, Berge, Schokolade, Reichtum und Weltoffenheit) mal auf ein realistisches Mass zurechtgestutzt wird. Es dürfte kaum ein Land in Europa geben, das seinen Wohlstand so rücksichtslos auf Kosten seiner Nachbarn pflegt. An den Erträgen des gezielt angeworbenen Schwarzgelds aus der ganzen Welt (völlig egal, ob von Bürgerkriegsgewinnlern, Diktatoren oder deutschen Gierhälsen) mästet sich dieser Zwergstaat seit Jahrzehnten.»

«Ich halte u.a. den Satz «Einzelne Deutsche stören mich nicht, mich stört die Masse», den Frau Rickli zum Ausdruck bringt, für ein absolutes Paradoxon. Eine Masse resultiert doch nur aus dem Verbund von einzelnen. In gewisser Weise spricht sie jedoch an, was der Schweiz schon lange zum Problem geworden ist, nämlich die drastische Überfremdung und somit der Verlust an Identität. Jetzt aber die mangelhafte schweizerische Integrationspolitik an der deutschen Bevölkerung auszulassen ist salopp gesagt eine Frechheit.»

«Ist doch so einfach: die Schweiz den Schweizern! Schweizer - Kauft nur Schweizer Zitronen, Schweizer Nutella, Schweizer Autos... Grenzen schliessen, keinen Schweizer ausreisen lassen in EU Länder. Aber mal ehrlich: die hat sie doch nicht alle!»

«Ich habe von 1972 bis 1977 als Deutscher in einem Schweizer Spital gearbeitet. Schon damals hat es mich sehr geärgert, dass wir Deutsche immer gern als Dräckschwoobe bezeichnet wurden. Aber was soll's. Resentiments gegen Ausländer gibt es überall. Bei uns gegen Türken, Osteuropäer, Chinesen, Afrikaner, was weiß ich. Wir Deutsche sind in kaum einem Land wirklich beliebt. Mich stört das nicht (mehr). Die Schweizer wissen genau, was sie an uns haben. Sie müssen uns nicht lieben, aber sie brauchen uns.»

«Ich lebe als Deutscher nun schon seit fast 13 Jahren in der Schweiz und verfolge die Politik der SVP sehr genau. Wenn man sich die Politiker der SVP von Blocher über Maurer bis Brunner anschaut, dann ist die Masche immer die gleiche: mit Themen, die die Gesellschaft spaltet und auf polemische und unsachliche Art dem Volk vermittelt, soll DER Teil der schweizer Bevölkerung gewonnen werden, der nicht in der Lage ist, sich ein differenziertes Urteil zu bilden.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

3 Meinungen

Frau Rickli ist noch zu unerfahren um die Folgen ihrer Aussagen bewerten zu können. -
Afin: Vielleicht ist es gar nicht die Jugend, vielleicht ist es bloss die Taktik der SVP die sie brav und gehorsam und mit wenig eigenem Gedankengut vertritt.
Gruss Salerno
Paul Spätig, am 30. April 2012 um 22:35 Uhr
Bevor das Thema versandet:
Ich versuche, mit Augenmass auf diesen Blog zu antworten. Es ist natürlich sehr viel Polemik dabei. Aber man darf auch nicht ausser Acht lassen, dass die Deutschen in ihrem kollektiven Verständnis das verwundete Tier sind. In die Ecke gedrängt von „faulen EU-Mitgliedern“, welche die Membership nicht mehr zahlen können. Da Deutschland vom Export in die EU lebt, andererseits aber auch mit dem gleichen Geld die europäischen Banken füttern muss, besteht eine unheilige Schicksals-Allianz im grossen Massstab. Die Europäische Union als Elitenprojekt sägt in vollem Bewusstsein am eigenen Ast. Es werden gewissermassen noch schnell die Kassen geleert. Der Letzte löscht das Licht. Ist es Angela?
Dass der Deutsche trotz harter Arbeit immer weniger Netto vom Brutto hat, stösst ihm sauer auf. Verständlicherweise. Aber das hat er sich selber zuzuschreiben; wie sozial kann man sein, ohne sozialistisch zu werden? Wie grün kann man sein, ohne rot zu werden?


Hier ein paar Antworten zum Blog:

«Natalie Rickli darf gerne gegen Überfremdung von Deutschen wettern, es steht ihr in einer Demokratie zu. Nur kommen die Klagen ein wenig spät. Ich hätte es witziger gefunden, wenn sie sich über deutsche Steuerflüchtlinge aufgeregt hätte, die noch vor 5 Jahren Schweizer Bankschalter verstopft haben.»

Da müsste Deutschland endlich mal ihr Steuersystem überdenken. Neue Steuern zu erfinden, ist das Verdienst schlechter, deutscher Politiker. Wenn ein gut ausgebildeter Mensch bis Juli für den Fiskus arbeiten muss, versucht dieser eben, die hart verdienten Euros in Sicherheit zu bringen. Das ist menschlich! Wir Schweizer würden es auch tun. Übrigens; warum stellt keiner die EU-Schwarzgeld(?)Banken in Jersey, Guernsey, Bermudas, Isle of Man oder Monaco in Frage?




«Wer so demagogisch argumentiert wie Frau Rickli, ist entweder strunzdoof oder menschenverachtend, aber ganz gewiss nicht klug. Dass dieser Dame tausende beschränkte Bünzlischweizer nachrennen, ist dann aber ein Schweizer Problem, kein Deutsches.»

Frau Rickli hat Rückgrat und ist schlau. In Tat und Wahrheit sind sehr viele Deutsche, vor allem aber die Wohlhabenden, einfach neidisch auf unser funktionierendes Schweizer Prinzip. Das Prinzip der Achtung des Steuerzahlers und der Achtung des Staates. Wir sind sogar bereit, auf zusätzliche Wochen Urlaub zu verzichten. Die Schweizer Bürger haben das Minarettverbot durchgesetzt. Der Schweizer darf sagen, was er denkt. Und die Politiker müssen sich mehrheitlich fügen. Das irritiert die Deutsche und die EU-Politik nachhaltig. Neid ist ein schlechter Ratgeber. Besser machen sollte das Ziel sein.




«Vielleicht könnte man mit der Schweiz einen Deal vereinbaren: die «Masse der Deutschen» wird aus der Schweiz abgezogen und konsequenterweise die Masse deutschen Geldes auf Schweizer Bankkonten ebenso. Dann hätten auch wieder mehr Schweizerinnen Interesse an einem Job als Serviertöchter.»....

Das viele (schwarze) Deutsche Geld auf Schweizer Konten ist ein Mythos. Die Zahlen sind leicht abrufbar. Die Schweizer Banken machen grundsätzlich nur, was das Schweizer Gesetz erlaubt. Wir sind ein souveräner Staat und handeln entsprechend. Da lassen wir uns zuallerletzt von Deutschland sagen, wie wir das tun. Wenn das Geld nicht aus dubiosen Geschäften erwirtschaftet wurde, dann darf es bei uns seinen Dienst tun. Auch zu unserem Wohl! Auch unsere zigtausende Schweizer Bankangestellten geben ihr Geld in der Schweiz aus und zahlen hier ihre Steuern. Zum Wohle von Ihnen und mir. Zu den Serviertöchtern: Es reicht nicht, Interesse an einem Job als Serviertochter zu haben. Die Arbeitszeiten, die Wertschätzung der Gäste und vor allem die schlechte Bezahlung können sich nur Ausländer/innen leisten, welche mit den monatlich dreihundert gesparten Franken nach zwanzig Jahren ein Häusle daheim im Osten Deutschlands oder in Portugal bauen können. Für Schweizer/innen in der Schweiz unerreichbar!
Renato Stiefenhofer, am 14. Mai 2012 um 15:31 Uhr
Fortsetzung:

«Gehen sie mal nach Konstanz. Die Masse der Schweizer, die dort Aldi und Konsorten übervölkern um sich dann an der Grenze die gezahlte Mehrwertsteuer rückerstatten zu lassen, spottet jeder Beschreibung. Als Folge der Schweizerschwemme sind die Preise speziell in der Gastronomie in atemberaubende Höhen gestiegen.»

Ja was ist denn daran so falsch, wenn die deutsche Grenzregion durch die Schweizer Einkaufstouristen mehr Geld einnimmt? Der Markt wird es richten. Die Politik ist gefordert. Ich kaufe da ein, wo ich preiswert das gleiche Produkt bekomme. Die Schweiz ist einfach viel zu teuer. Ich selber bin jeden dritten Tag auf einem anderen Kontinent und weiss, wie viel die exakt gleichen Produkte im weltweiten Vergleich kosten. Schutzzölle und fantastische Margen sind schuld, dass die Schweiz so teuer ist. Da ist, wieder einmal, unsere Politik gefragt.




«Es wird endlich Zeit, dass das verlogene Image der Schweiz in Deutschland (à la Heidi, Berge, Schokolade, Reichtum und Weltoffenheit) mal auf ein realistisches Mass zurechtgestutzt wird. Es dürfte kaum ein Land in Europa geben, das seinen Wohlstand so rücksichtslos auf Kosten seiner Nachbarn pflegt. An den Erträgen des gezielt angeworbenen Schwarzgelds aus der ganzen Welt (völlig egal, ob von Bürgerkriegsgewinnlern, Diktatoren oder deutschen Gierhälsen) mästet sich dieser Zwergstaat seit Jahrzehnten.»

Dieser Person empfehle ich, ein paar Wochen Urlaub zu machen. Nicht unbedingt bei uns, sondern in einem armen Land, wo es keine frustrierten Deutsche hat. Unser Image ist nicht verlogen, sondern eben ein Image. Immerhin funktioniert unsere Masche seit bald hundert Jahren einwandfrei. Auch, oder vielleicht eben wegen unseres Alleingangs. Die Welt besteht nicht nur aus der EU. Deutschland hingegen muss sich gefallen lassen, dass ihr Konzept mit der EU nicht wirklich aufgegangen ist.




«Ich habe von 1972 bis 1977 als Deutscher in einem Schweizer Spital gearbeitet. Schon damals hat es mich sehr geärgert, dass wir Deutsche immer gern als Dräckschwoobe bezeichnet wurden. Aber was soll's. Ressentiments gegen Ausländer gibt es überall. Bei uns gegen Türken, Osteuropäer, Chinesen, Afrikaner, was weiß ich. Wir Deutsche sind in kaum einem Land wirklich beliebt. Mich stört das nicht (mehr). Die Schweizer wissen genau, was sie an uns haben. Sie müssen uns nicht lieben, aber sie brauchen uns.»

Dieser Herr hat bestimmt Recht. Nur ist es auch so, dass Deutschland die kleine Schweiz braucht. Mehr denn je; als grösster Handelspartner ausserhalb der EU. Das ist ja nichts grundsätzlich Schlechtes. Machen wir doch einfach weiterhin Verträge mit der EU und dem Rest der Welt. Ein Vertrag ist nur so gut, wie seine Partner sind. Alles zeitlich begrenzt, alles legal, alles paletti. Never change a winning team. Und wenn das Team Schweiz nicht mehr gewinnt, muss man eben die Strategie ändern. Die EU und Deutschland würden dies gerne tun, haben aber kein Geld mehr dazu. Also haut man mal prophylaktisch auf den Aussenseiter. Auch um von den eigenen Problemen abzulenken. Die kleine, dynamische Schweiz wird aus diesem Sturm im Wasserglas gestärkt herausgehen. Der Euro und die EU wohl eher nicht.


Gruss aus Korea
Renato Stiefenhofer, am 14. Mai 2012 um 15:34 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.