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Sprachrohr TS: Griechenland kommt nicht zu Wort

Urs P. Gasche / 17. Feb 2015 - Die Tagesschau bringt breit die Position von Deutschland & Co. Griechenlands beste Argumente werden dem Publikum vorenthalten.

Griechenland habe die Gespräche mit der Euro-Gruppe über eine Verlängerung des Kredite platzen lassen, meldete die Tagesschau am 16.2.2015 um 19.30 Uhr.

Im fast dreiminütigen Beitrag kamen zu Wort

  • zweimal Jeroen Dijsselbloem, der Vorsitzende der Euro-Gruppe, und
  • einmal Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble und
  • einmal Luxemburgs Finanzminister Pierre Gramegna.

Alle schoben die Schuld für das Scheitern der Verhandlungen Griechenland zu.

Der Standpunkt Griechenlands hat die Tagesschau dem Publikum vorenthalten. Es kam weder ein Vertreter des betroffenen Landes zu Wort noch wurde einer zitiert. Die Tagesschau begründete nicht, weshalb sie keinen Vertreter der griechischen Delegation befragen konnte.

Brüssel-Korrespondent Sebastian Ramspeck erklärte lediglich, die Euro-Gruppe habe einen «Kompromissvorschlag» präsentiert, der für Griechenland «unannehmbar» gewesen sei. Er sagte nicht warum.

Damit hat die Tagesschau die Rolle eines Sprachrohrs der Euro-Gruppe übernommen. Ein Mediensprecher der Euro-Gruppe hätte diesen Beitrag kaum anders produziert.

10vor10 informiert ebenso wenig über den griechischen Standpunkt

Am gleichen Abend berichtete «10vor10», der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis habe (zu) hoch gepokert und wollte den Vorschlag der EU-Finanzminister nicht akzeptieren. Damit habe er die Euro-Gruppe «brüskiert». Korrespondent Sebastian Ramspeck warf Varoufakis vor, «unprofessionell» in die Verhandlungen gestiegen zu sein, weshalb sich innerhalb der Euro-Gruppe «die harte Linie durchgesetzt» habe.

Worum es denn überhaupt ging, und um welche Bedingungen denn konkret gestritten wird, erfuhren die Zuschauenden nicht. Zwar brachte «10vor10» einen kurzen Ausschnitt einer Pressekonferenz von Varoufakis, jedoch nur mit einer allgemeinen Aussage.

Über die wichtigsten Argumente Griechenlands müssten Tagesschau und 10vor10 informieren, bevor man sie allenfalls in Frage stellt oder Griechenland den schwarzen Peter zuschiebt.

Was Varoufakis u.a. konkret gesagt hat

Infosperber informiert im Folgenden, was Yanis Varoufakis nach dem Scheitern der Verhandlungen am Montag gesagt hat:

  • die Auflagen der Euro-Gruppe würden eine humanitäre Krise in Griechenland verschärfen;
  • eine weitere Kürzung der tiefsten Renten sei inakzeptabel;
  • eine nochmalige Erhöhung der Mehrwertsteuer würge Wachstumsmöglichkeiten Griechenlands ab.

Der griechische Finanzminister erklärte, er sei am Montag bereit gewesen, in Brüssel eine gemeinsame Vereinbarung zu unterschreiben, die Pierre Moscovici von der EU-Kommission ausgearbeitet hatte. Doch «Minuten vor der Unterzeichnung» habe der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, dieses Einigungspapier zurückgezogen und ersetzt durch einen andern Vorschlag, der nur undefiniert «some flexibility» versprochen habe, an den harten Auflagen aber festhielt.

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Verfolgen Sie selbst die Pressekonferenz von Finanzminister Varoufakis, mit deutscher Übersetzung.

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In Griechenland hungern Kinder Infosperber vom 16.2.2015

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine http://www.infosperber.ch/Artikel/Gesellschaft/Euro-Uberschuldung-FMI-EZB-In-Griechenland-hungern-Kinder

Weiterführende Informationen

DOSSIER: «Griechenland fordert EU heraus»

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12 Meinungen

Wie es Herr Schaeuble schon im Vorfeld auf den Punkt gebracht hatte: Niemand zwingt Griechenland irgendetwas auf.
Und: vom Prinzip des «Geschenkten Gauls» hat man in Athen wohl noch nie etwas gehoert...
Und: mit nicht finanzierbaren Geschenk-Versprechen ist leicht eine Wahl zu gewinnen
Hanspeter Bodmer, am 17. Februar 2015 um 12:03 Uhr
Griechische hungernde Kinder, welch abstruse, unmenschliche Lage! Jede Volkswirtschaft ist darauf angewiesen, dass Ihre Bürgerinnen und Bürger konsumieren, so Wachstum generieren, mit Hilfe ihrer Unternehmen Arbeitsplätze schaffen.
Grossbanken retten, die an die vorherigen Regierungen wissentlich faule Kredite gewährt haben, welch ein Wahnsinn! Das Papier von Pierre Moscovici muss umgesetzt werden, damit das Leiden der Zivilbevölkerung so rasch wie möglich reduziert und mittelfristig beseitigt werden kann.
Wichtig ist, dass die vernunftbegabten Leute in der EU sich endlich durchsetzen und die Plutokraten ins Abseits stellen.
Willi Herrmann, am 17. Februar 2015 um 13:15 Uhr
Roger de Weck in Sippenhaft zu nehmen ist eine unsachliche Argumentation und eine unnötige Herabsetzung. Deshalb haben wir Meinungen dazu gelöscht.
Urs P. Gasche, am 17. Februar 2015 um 13:33 Uhr
Herr Bodmer, da haben wir es wieder einmal. Den Mainstreammedien hörig sein. Man darf sie ja schon konsumieren, vielleicht sollte man sie bisweilen auch hinterfragen. Und Herr Schäuble. Er tut so als ob er nicht wüsste, dass das so genannte Rettungsprogramm für Griechenland in Wirklichkeit eines für deutsche Banken und Unternehmer ist. Besser «war», denn die neue griechische Regierung hat uns allen klar gemacht: Diese deutschen Investitionen wurden während Jahren Griechland aufgehalst, ohne dass man die dortige Bevölkerung fragte. Es wurden irrwitzige Strassenprojekte finanziert, größtenteils mit nicht-griechischen Arbeitskräften, überdimensierte «Ferienparadise», für deutsche Urlauber, die viel zu tiefe Preise zahlten - auf Kosten der griechischen Bediensteten. Sie nennen das «geschenkter Gaul». Nun, wer möchte schon einen geschenkten Gaul, der zu nichts taugt? Die neue griechische Regierung handelt bewundernswert. Sie wird dem menschenverachtenden, umweltzerstörenden Turbokapitalismus den Garaus machen. Statt unschuldige Kinder hungern lassen, Finanzhaie hinter Schloss und Riegel sicherstellen ...
Peter Beutler, am 17. Februar 2015 um 14:19 Uhr
Ihre Kritik an der einseitigen Orientierung ist berechtigt. Aber in der Sendung Maibritt Illner vom 19.02. (ZDF) wurde die Position Griechenlands (u.a.) von La Fontaine überzeugend vertreten. Der CSU-Mann Söder vertrat die bekannte arrogante CDU/ CSU-Meinung, auf verlorenem Posten! «La Fontaine sagte: «Ich bete zum Himmel, dass die CDU/ CSU diesen Irrsinn eines Tages versteht....» Immerhin.
Walter Schenk, am 23. Februar 2015 um 16:44 Uhr
Der EURO und EUROPA:

Die ursprüngliche Absicht war eine «Währungsunion» und nicht eine «Schulden-Haftungsunion» !
Und schon gar nicht wenn man sich mit «gezinkte Karten» dazu gesellt hat ... ist wie es eben Griechenland getan hat !
Frau Carmey Bruderer, am 27. Februar 2015 um 02:49 Uhr
Die griechischen Oligarchen haben im Verbund mit globalen Banken und Revisionsfirmen mit gezinkten Karten diese «Schulden-Haftungs-Unionen» installiert. Wer leidet? Die hungernden griechischen Kinder auf der Strasse in der Grundschule, die Arbeitslosen und RentnerInnen! Wer profitiert? Die Bankster und der Casino-Kapitalismus; sie werden immer wieder zu Lasten der Steuerzahler gerettet!
Ich möchte nicht alle Bankangestellten in denselben Topf werfen; es gibt zum Glück auch eine Mehrzahl von vernunftbegabten, ethisch verantwortlich handelnden Bankiers.
Willi Herrmann, am 27. Februar 2015 um 09:01 Uhr
@ Herrmann

Banken, hier meine Definition:

„Virtuelle Gebühren schluckende Panzerschränke ohne Wert“ …

Seit der Mensch das „Geld selbst“ zum spekulations Objekt erkoren hat, sind der kreativität keine grenzen mehr gesetzt,… matemathik sei Dank.
Banken sind von schlauen Menschen geleitet. Das Credo ist dort „die dummen mit kompliziertere „konstrukte“ zu rupfen“, …geködert und danach abgezockt.
Der gewinner ist (wie im Casino), immer die Bank.

Die Fa. Züblin bietet solide feuerfeste Kassenschränke an, behält euer Geld zu Hause, es wird nicht mehr, aber euch auch nicht weniger …
Frau Carmey Bruderer, am 27. Februar 2015 um 16:17 Uhr
Und noch etwas, immer wieder werden diese Gespenstische Banken beschuldigt das Desaster angestellt zu haben, aber wer hat das Geld dann «VERKONSUMIERT» wo ist es hin ? Jemand hat doch diese horrende Summen doch «VERBRAUCHT» ... mir immer noch ein Rätsel !!!
Frau Carmey Bruderer, am 27. Februar 2015 um 16:24 Uhr
Zum Verständnisnotstand von Frau Carmey Bruderer, am 27. Februar 2015 um 16:24 Uhr
Wohin ist das Geld verschwunden? Griechenland ist bekanntlich einer der wichtigsten Waffenkunden von Deutschland. ("Die Verträge müssen eingehalten werden, wichtig für die deutschen Arbeitsplätze (so Merkel...) Das nicht vorhandene Geld borgt sich Griechenland bei der EZB und die Schulden steigen in Griechenland. In welcher Bilanz sollen nun die Waffen verbucht werden? Volksreichtum der in wenigen Jahren verrottet sein wird. Nutzen null in Griechenland, aber in Deutschland «Exportüberschuss».
Walter Schenk, am 27. Februar 2015 um 17:53 Uhr
@ Walter Schenk
Mein «Notstand» ist tatsächlich immer noch hoch, ich kann es immer noch nicht glauben dass die Griechen für 240 Milliarden «Panzer & Co.» gekauft haben sollen.
Wie viele Stücke gäbe es davon für diese Summe ? Und wer ist der Gegner der die Griechen so gerüstet unbedingt bekämpfen müssen ?
Frau Carmey Bruderer, am 02. März 2015 um 14:12 Uhr
Man kann es ja auch mal anders sehen. Allerdings nicht bei SRF, sondern auf ARD. Sehenswert, um sich eine eigene Meinung zu bilden:
http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Die-Spur-der-Troika/Das-Erste/Video?documentId=26963948&bcastId=799280
Fred David, am 11. März 2015 um 16:09 Uhr

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