Wo Masten sich erheben

Daniel Goldstein © Valérie Chételat
Daniel Goldstein / 27. Jul 2013 - Wanderwege am Bildschirm erleben: Google machts möglich. Die Folgen sind leicht auszudenken.

Google® schickt sich an, Bergwanderwege auf Street View® zu erfassen, das damit zu Path View® wird. Die schweisstreibende Kameraarbeit sollen der Alpenclub und andere Tourismus-Organisationen erledigen. Die freut's, denn so eine virtuelle Bergtour ist eine feine Sache: Man kann sie vorher oder nachher erleben, oder anstatt, falls zum Beispiel das Wetter nicht mitmacht.

So weit, so gut - aber natürlich will der Handy-bewehrte Berggänger auch während der Wanderung am Bildschirm sehen, was er in natura sieht, um sich zum Beispiel an einer Weggabelung beraten zu lassen. Und dazu ist eine Mobilverbindung nötig, die grosse Datenmengen zulässt. Kurzum: Antennen müssen her - je schöner und begehrter die Landschaft, desto grössere. Das mag die mit eigenen Augen schauende Wanderin stören, aber sie muss sich damit abfinden: Die Nachfrage wird nun einmal da sein.

Aber auch Abhilfe lässt sich leicht schaffen: So, wie es heute am Bildschirm «augmented reality» gibt, in der Informationen über örtliche Attraktionen passgenau eingeblendet werden, so lässt sich auch «corrected reality»® schaffen. Per Knopfdruck verschwinden Antennen und auch gleich Skilifte und dergleichen, und mit einem weiteren Knopfdruck ist das störungsfreie Erinnerungsbildchen geknipst - dank Antennenwald bereit zum sofortigen Versand an den Freundeskreis.

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5 Meinungen

So ist es doch kein Wunder dass die Menschheit langsam aber sicher am total verblöden ist, wenn sie sich nur noch per Knopfdruck orientieren sollen und nicht mehr mit dem eigenen Hirn. Ich glaube kaum das auf diese weise das Wandern noch Spaß machen soll. Viel schöner und besser wäre es, wenn die nicht gerade ästhetischen Antennen per Knopfdruck real verschwinden würden in Naturgebieten und nicht nur am Bildschirm... :)
Doris Dreier, am 28. Juli 2013 um 11:49 Uhr
Google sei Dank! Kommt das Unternehmen doch einer Empfehlung (mit einem Lächeln auf den Lippen) von Jorgen Randers in seinem Buch „2052“ für Investitionen in Unterhaltungselektronik nach, mit deren Hilfe man Natur virtuell statt real erleben kann. Wenn immer mehr heute noch verschonte Naturgebiete der Zerstörung durch den Menschen nahe sind, wird der beste Schutz und einzig gangbare Weg ein striktes Besuchsverbot sein. Dazu, Naturschönheiten nur noch elektronisch von zu Hause aus zu erleben, dürften schliesslich auch immer mehr Leute bereit sein, als die Strapazen einer Reise dorthin, Mückenstiche, harte Nächte im Schlafsack usw. auf sich zu nehmen.
Andreas Mathys, am 28. Juli 2013 um 14:23 Uhr
Ich schliesse mich Herrn Mathys an. Grossartiger Effekt, wenn die Masse nur noch am Monitor wandern geht, dann bleiben die Wanderwege für die echten Wanderer unberührt. Da die Anfahrt zum Naturschutzgebiet entfällt, dürfte auch die CO2-Bilanz des Google-Ausflugs stimmen.
Sam Mueller, am 28. Juli 2013 um 17:00 Uhr
Dieses «Path View®» dürfte sich wohl auf wenige populäre Wege beschränken, z.B zu den SAC-Hütten. Die Google-Karten erfassen auch viel weniger Fusswege als der freie, editierbare Karten-Dienst http://openstreetmap.org.
Theo Schmidt, am 29. Juli 2013 um 16:46 Uhr
Und schon kommt das WLAN auf der Skipiste, damit man im Nebel mit Path View® schauen kann, wie es ohne wäre: http://www.20min.ch/schweiz/bern/story/21500182
Daniel Goldstein, am 09. Oktober 2013 um 16:47 Uhr

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