Social Media, Facebook, Targeting, Leichtgläubig © Gerd Altmann, Pixabay

Wer alles glaubt, ist ein willkommener Käufer, wenn es um Anzeigen auf Social Media geht.

Facebook löscht Werbekategorie für Leichtgläubige

Daniela Gschweng / 08. Jun 2020 - Anbieter auf Facebook konnten noch Mitte April Anzeigen für «Pseudowissenschaft» schalten.

Mit der Ausbreitung des Corona-Virus nimmt auch die Anzahl der vermeintlichen Wundermittel gegen die Krankheit Covid-19 zu. Während einige eher harmlos sind wie Vitamin C, sind andere direkt gefährlich. Im besten Fall schaden sie nur dem Portemonnaie des hoffnungsvollen Käufers.

Nicht, dass es vor der Corona-Pandemie einen Mangel an seltsamen bis haarsträubenden Gesundheits- und Wellnesstipps gegeben hätte. Das Internet macht es einfach, Aluhüte oder Kochsalzlösung gegen alle möglichen Gebrechen zu verkaufen. Um sie an den Mann oder die Frau zu bringen, suchen Anbieter eine möglichst reichweitenstarke Plattform, inserieren dort und warten auf Käufer.

Leichtgläubige finden einfach gemacht

Wer aber interessiert sich zum Beispiel für Kristalle gegen böse 5G-Strahlung? Facebook zumindest gab auf der Suche nach Leichtgläubigen Hilfestellung, fand das Online-Magazin «The Markup» Anfang April heraus. Die Plattform erlaubt es, die Zielgruppe einer Anzeige nach Interessen zu kategorisieren. Eine davon ist «Pseudoscience», fanden die Journalisten.

Die Grösse der Zielgruppe gab Facebook mit 78 Millionen Nutzern an. Ein Test-Inserat, das das Medium im April für «Pseudoscience»-Interessierte schaltete, wurde umgehend von Facebook und Instagram angenommen.

«The Markup»

ist ein 2020 in Betrieb gegangenes Online-Magazin. Gründungsmitglied ist unter anderen die Investigativjournalistin Julia Angwin, die als Chefredaktorin die Arbeit fortführt, die sie zuvor für die Plattform «ProPublica» geleistet hat. Das Non-Profit-Unternehmen, das sich als anwaltschaftliche Vertretung der Öffentlichkeit versteht, beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung. «The Markup» untersucht beispielsweise die Algorithmen im Gesundheitswesen, nutzerangepasste Preisgestaltung auf dem Online-Marktplatz von Amazon oder das digitale Meldesystem für Arbeitslose in den USA.

Nur eine Woche zuvor hatte Facebook-CEO Mark Zuckerberg verschärfte Massnahmen gegen die Fake-News-Schwemme auf Facebook angekündigt, um, so Zuckerberg, «die Leute mit akkurater Information» zu versorgen.

Nicht die erste fragwürdige FB-Kategorie

«The Markup» kontaktierte zusätzlich einen Anbieter, der Facebook-Anzeigen für Nutzer geschalten hatte, «die sich für Pseudowissenschaft interessieren». Die Werbekategorien habe Facebook selbst zugeordnet, antwortete er auf Anfrage. Sein Angebot: Mützen, die angeblich gegen Handystrahlung schützen sollen.

Wie viele Anzeigenkunden bis dahin Anzeigen für Pseudowissenschaft gebucht hatten, liess sich nicht feststellen. Nach Berichten des Tech-Mediums «The Verge» hat Facebook die Kategorie «Pseudoscience» inzwischen gelöscht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook fragwürdige Werbekategorien verwendet. Vor vier Jahren deckte Julia Angwin für «ProPublica» auf, dass auf Facebook Werbung gezielt an Antisemiten oder nur an Weisse ausgespielt werden konnte. Facebook stellte in der Folge seine Werbekategorien um.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Want to Find a Misinformed Public? Facebook’s Already Done It», The Markup
«Facebook just killed its ‘pseudoscience’ category for ad targeting», The Verge

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3 Meinungen

Ein weiterer Grund um konsequent auf Fakebook und andere asoziale Medien zu verzichten.
Felix Mattenberger, am 08. Juni 2020 um 22:30 Uhr
Ich glaube nicht, dass es in dieser Aktion von FB darum geht, leichtgläubige Menschen von unseriösen Angeboten zu schützen. Ich denke es geht viel mehr darum, alternative Medizin zu verdrängen.

Frau Gschweng, wo kann man den Aluhüte für die Gesundheit kaufen? Können Sie dafür noch eine Quelle nachliefern oder ist das einfach nur dummes Geschwätz in journalistischem Gewand?
Stöckli Marc, am 09. Juni 2020 um 09:21 Uhr
@Marc Stöckli: Ich habe bewusst keine Anzeige verlinkt oder abgebildet, um keinen Anbieter herauszustellen und nicht auf diesem Umweg ebenfalls Werbung für Unsinn zu machen. Das Wort «Aluhut» ist ein Beispiel, die Kochsalzlösung gibt es leider wirklich. Ob dafür auf Facebook geworben wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. «The Markup» hat die erwähnte Anzeige für die Anti-Strahlungs-Mütze abgebildet.
Daniela Gschweng, am 09. Juni 2020 um 09:38 Uhr

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