kontertext: Hass ist kein Menschenrecht

Ariane Tanner © cc
Ariane Tanner / 30. Sep 2020 - Berichte über «Coronademonstrationen» laufen Gefahr, antidemokratische, antisemitische und rechtsextreme Tendenzen zu legitimieren.

Wie viele andere bin auch ich voll gegen Corona. Ich kritisiere diese Krankheit aufs Schärfste, weil sie heimtückisch und mitunter sogar tödlich ist. In diesem Sinne bin ich massive Coronagegnerin, weshalb ich auch gar nichts gegen den Versuch habe, COVID-19 mit geeigneten Massnahmen einzudämmen, vor allem wenn diese so billig zu haben sind wie beispielsweise mit Maskentragen und Abstandhalten. Menschen, die jetzt als «Coronakritiker» an «Coronademonstrationen» gehen, haben also schon einmal den falschen Namen beziehungsweise den falschen Adressaten. Ruedi Widmer hat dies in einem Cartoon in der WOZ vom 3. September 2020 auf den Punkt gebracht: «Die Pest im Mittelalter hätte es nicht gegeben, wäre genug dagegen demonstriert worden.»

Es ist aber nicht nur Name und Adressat dieser Kundgebungen schief, sondern auch die Fragestellung, die gewisse Medien an das Protestphänomen herantragen. Der Tages-Anzeiger vom 10. September 2020 wollte wissen: «Entsteht hier eine neue politische Kraft?» Die Online-Ausgabe desselben Artikels doppelte nach: «Eine Schweizer Querfront?» Was «Querfront» meint, wird nicht erklärt, lediglich auf Deutschland verwiesen, wo diese «extrem vernetzt in den sozialen Medien» sei. Unerläutert bleibt die Geschichte des Begriffs und der damit gemeinten Personen. Eine erste «Querfront» gab es bereits in der Weimarer Republik. Seither taucht sie immer da wieder auf, wo sich linke und rechte Gruppierungen und Parteien in Antidemokratie, Nationalismus und Antisemitismus sowie Rassismus treffen. Adäquater wäre demnach zu fragen: Wie kann man verhindern, dass hier eine politische Kraft entsteht? Denn aus einem Mix aus Rechtsextremismus, Neonazis, Verschwörungstheoretikerinnen, ein paar Impfgegnern und Esoterikerinnen, ein bisschen Antisemitismus und wahlweise etwas Homophobie ist keine demokratische Politik zu machen.

Offen für ideologische Übernahmen

Auf diese Personenmischung spielte wohl auch der im oben genannten Tages-Anzeiger-Artikel indirekt zitierte «Internetaktivist und Kampagnenexperte Daniel Graf» an, der gesagt habe, «es werde spannend zu beobachten sein, ob dieser bunte Haufen von Corona-Kritikern von irgendwem aufgesogen werde – oder ob eine eigene Bewegung entstehe.» Dieser so genannte «bunte Haufen», und das ist schon lange bekannt, ist in seinen eigenen Reihen gut organisiert. Mit der Studie von 2015 des Publizisten Wolfgang Storz kann man nachvollziehen, wie diese «Gegen-Öffentlichkeit» bereits vor 10 Jahren als ein «politisch-publizistisches Netzwerk» aktiv wurde, zu dem der aktuell bekannte Ken Jebsen bereits zählte. Gemäss Storz war es gar nie das Ziel dieser Gruppierungen, «in den traditionellen Massenmedien präsent zu sein», sondern von Anfang an sollte eine eigene mediale Öffentlichkeit geschaffen werden. «Querfront» meint dabei, dass auch klassische Rechts-links-Positionen kein Kriterium mehr zur politischen Einordnung liefern, vielmehr die «grundsätzliche Gegnerschaft zur bestehenden Gesellschaftsordnung».

«Ist die Demokratie in Gefahr?»

Was demnach die «Querfront» eint, sind keine klaren politischen Forderungen, die man in einem demokratischen Prozess diskutieren könnte, sondern eine «diffuse politische Unzufriedenheit», wie auch die Republik am 30.05.2020 schrieb. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Beliebigkeit, sondern ein Angebot an ideologische Übernahmen. So gibt auch die Republik eindringliche Warnungen von Beobachterinnen, Netzaktivisten und Publizistinnen wieder: Die Inhaltsleere sei die grösste Gefahr, und Verschwörungsmythen würden hier als «Radikalisierungsbeschleuniger» funktionieren, die sogar dazu benützt werden, Gewaltanwendung zu legitimieren.

Die richtige Frage zu diesem Protestphänomen lautet deshalb so, wie sie von der Historikerin Birte Förster und dem Soziologen Armin Nassehi in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeine Zeitung am 09.09.2020 gestellt wurde: «Ist die Demokratie in Gefahr?» Sie beantworteten dies mit einem tendenziellen «Ja»: «Der gezielte wie unbedarfte Schulterschluss von selbsternannten ‹Querdenkern› mit hasserfüllten Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die Indienstnahme des Corona-Stresses der Gesellschaft durch ‹Reichsbürger› und andere rechtsradikale Gruppen deuten darauf hin.»

Zehn Jahre «Wutbürger»

Wenn heutige Medien so genannte «Corona-Skeptiker» besuchen und zu Wort kommen lassen (Blick, 10.09.2020), machen sie den gleichen Fehler wie damals, als debattiert wurde, ob man «die Sorgen der Bürger» ernst nehmen müsse. Das Auftauchen der zugehörigen gesellschaftlichen Spezies kann mit einer Ausgabe des Spiegel vor zehn Jahren am 11.10.2010 genau datiert werden: «Eine neue Gestalt macht sich wichtig in der deutschen Gesellschaft: Das ist der Wutbürger.» Entgegen seiner Bezeichnung, so der Spiegel damals, habe dieser Mensch mit dem bürgerlichen Vorbild nicht mehr viel zu tun: «Er bricht mit der bürgerlichen Tradition, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört, also Gelassenheit, Contenance. Der Wutbürger buht, schreit, hasst.» Dem Wutbürger gehe es auch nie um das Gemeinsame (seine Stadt, seine Gesellschaft), sondern um das Eigene und um seinen Hass.

Im Misstrauen gegen die so genannte «Lügenpresse» oder die «Mainstreammedien» samt den «Eliten» zeigt sich eine hohe Kontinuität in den ganzen zehn Jahren; gleichfalls eine verquere Idee von (Meinungs-)Freiheit, die sich in Bezug auf die Coronademonstrationen so zusammenfassen lässt: «Jeder darf seine Theorie verbreiten.» (SWR aktuell, 9.5.2020) Darin klingt das Echo der gesamten «Man-wird-ja-wohl-noch-sagen-dürfen»-Fraktion nach, ebenso wie das derjenigen, die «Fake News» schreien, um selber welche zu verbreiten. Der performative Widerspruch darin ist augenfällig: Während man die «Mainstreammedien» diskreditiert, profitiert man gleichzeitig von deren Berichterstattung.

Es gibt kein Menschenrecht auf Hass

Es ist deshalb falsch, die Gründe für die Motivation, an Coronademonstrationen teilzunehmen und sich Verschwörungstheorien anzueignen, durch eine persönliche Befindlichkeit oder die Psyche erklären zu wollen, wie das der Tages-Anzeiger am 8./9.9.2020 machte. Unter dem Titel «Nichts ist, wie es scheint» wird ein Tour d’Horizon über die Verschwörungstheorien seit den Hexenverbrennungen bis zur Gegenwart versucht. Zur heutigen Lage steht: «In unsicheren Zeiten finden Verschwörungstheorien nicht nur mehr Anhänger, auch eine grössere Anzahl von Menschen fühlt sich ohnmächtig. Und wer sich ohnmächtig fühlt, der ist leichter von Verschwörungstheorien zu überzeugen.» Eine solche Darstellung suggeriert, dass es eine legitime Kausalität zwischen Virus und prekärer Wirtschaftslage einerseits und Verschwörungstheorien andererseits gibt. Wird aber das Phänomen, dass Rechtsextreme und ImpfgegnerInnen gemeinsam durch die Strassen ziehen, damit erklärt, dass sie durch «die unsicheren Zeiten» emotional etwas deroutiert seien, legitimiert man diese Gruppierungen, ohne hinzusehen, woraus sie ihre Überzeugungen schöpfen. Aber aus Existenzängsten muss kein Rechtsextremismus resultieren. Aus einer Wirtschaftskrise folgt kein Antisemitismus. Hass ist kein Menschenrecht.

Selbstbestimmt in die Verschwörung

Auf Meinungsfreiheit wird an Coronademonstrationen zwar gepocht, gleichzeitig haben verschiedene Teilnehmende das eigene Nachdenken an den Glauben an die rechtsextremistische und antisemitische Verschwörungstheorie «QAnon» oder «Q» abgegeben. Diese Verschwörungstheorie geht auf 2016 und die Erfindung des «Pizzagate» in den USA zurück; seither wird daran weitergestrickt, wobei sie in diesem Jahr vor allem dadurch AnhängerInnen gewann, dass sich die Coronapandemie ins Gedankengerüst gut integrieren liess und dass sich Donald Trump der Sache nicht abgeneigt zeigte. Er wird inzwischen als inkarnierter Erlöser am «Tag der grossen Enthüllung» gehandelt. Was fast wie ein «alternative reality game-like phenomenon» begonnen habe, hat sich inzwischen zu einer sektenhaften Glaubensgemeinschaft ausgewachsen, die ihre Energien darauf verwendet, diese äusserst krude kommunizierte, aber auf klassische antisemitische, rechtsradikale und völkische Ideologien sich abstützende «Theorie» mit selbst recherchierten Indizien weiter abzustützen (ABC News 22.9.2020). Das «full commitment to free-speech» bedeutet auf den einschlägigen Kanälen ungebremsten hate speech und Aufruf zu Gewalt; mehrere Massenmörder der USA verwendeten sie.

Mehr «rationale Debatte»

Diese Gruppierungen sind für eine «rationale Debatte», wie sie Yves Wegelin in der WOZ vom 17. September 2020 forderte, verloren. Unter dem Titel «Die illusorische Selbstermächtigung» analysierte er, dass es durchaus berechtigte Ohnmachtsgefühle in Anbetracht der Tatsache gebe, dass das «Demokratieversprechen westlicher Länder» durch den globalisierten Markt enorm unter Druck geraten sei: Der Anspruch der Menschen auf Selbstbestimmung zerbreche an der Realität. Um die Ursachen dieser Gefühle zu bekämpfen, benötige es aber gerade mehr Demokratie: «Einerseits braucht es Antworten auf die grosse Frage, wie der entgrenzte Kapitalismus unter demokratische Kontrolle gebracht werden kann. Andererseits braucht es Wege, die rationale Debatte zu stärken.»

Medien sitzen eigentlich an einer guten Stelle, um diese «rationale Debatte» zu den drängendsten Fragen der Gegenwart innerhalb einer Demokratie sachbezogen und wissensbasiert mitzugestalten. Wenn sie aber die Aufmerksamkeit ständig in sensationslüsternem Eifer auf das Defilée von Verwirrtheiten an Coronademonstrationen lenken, arbeiten sie an der Destabilisierung der Demokratie mit.

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  • DOSSIER: kontertext: Alle Beiträge
  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    Ariane Tanner ist Historikerin und Texterin aus Zürich.

      Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe Autorinnen und Autoren über Medien und Politik. Sie greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Zur Gruppe gehören u.a. Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann (Redaktion, Koordination), Silvia Henke, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger, Felix Schneider, Linda Stibler, Martina Süess, Ariane Tanner, Rudolf Walther, Christoph Wegmann, Matthias Zehnder.

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    21 Meinungen

    'Hass ist kein Menschenrecht'
    Hass ist ein privates Gefühl, welches wie jedes Gefühl im öffentlichen Raum immer fehl am Platz ist. Privat aber darf man hassen und lieben, nur öffentlich nicht,
    Selbstverständlich aber darf man antidemokratisch sein. Das werden täglich immer mehr, denn die Zeit der Demokratie ist seit mindestens 200 Jahre vorbei.
    Ralf Schrader, am 30. September 2020 um 11:41 Uhr
    Das ist eine grotesk schiefe Polemik gegen diejenigen, die sich für Demokratie und Freiheit einsetzen. Sollte sich die Corona-Diktatur durchsetzen, hat diese in der Person von AT ja schon mal eine beflissene Texterin.
    Werner Furrer, am 30. September 2020 um 12:16 Uhr
    Grüezi Frau Tanner
    Ihr Apell für mehr Demokratie in Ehren, aber mittels einer reinen Analyse der Mainstreammedien geraten Sie damit auf die falsche Schiene. Dort wird nämlich seit langem ein schwarz-weiss-Bild aufgebaut, das jegliche Kritik an den Massnahmen gegen Corona per se als falsch und somit jegliche Menschen, die solche äussern (ja, darunter tatsächlich auch wenige «Extreme» und «Hasser") sofort unterschiedslos als «Verschwörungstheoretiker» (ein leeres Schimpfwort) und folgerichtig dann (ein Kurzschluss par excellence) als Faschisten sieht. Mit dieser Pauschalbeurteilung kommen Sie nie zu einer realen Debatte, die Sie sich wünschen. Mein Tipp: Reden Sie mit einer offenen Haltung doch einmal mit Leuten auf einer Demonstration und zwar mit solchen, die sich normal und freundlich verhalten (die riesige Mehrheit).
    Jens Martignoni, am 30. September 2020 um 12:49 Uhr
    Na ja, die liebe Frau Tanner hat da einiges nicht richtig verstanden. Es ging niemand auf die Strasse, um gegen «Corona» zu demonstrieren. Es wurde immer klar kommuniziert, dass sich die Demonstrationen gegen die Massnahmen richteten, die zur Bekämpfung des Coronaviruses eingeführt wurden. Es ist auch schön, dass Frau Tanner an den Nutzen der Maske glaubt. Da handelt es sich in der Tat um eine Glaubensfrage. Tatsache ist, dass die üblichen Alltagsmasken gegen Viren nicht nützen. Das steht so sogar auf dem Beipackzettel. Auch kann dem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt mit dem Titel «COVID-19-Patienten husten Viren durch chirurgische Masken und Baumwollmasken hindurch» entnommen werden, wie sinnlos diese Masken im Kampf gegen Viren sind. Offenbar hat Frau Tanner auch nicht verstanden, dass das «Q» bei den Demonstrationen in Deutschland für Querdenken stand, nicht für QAnon. Und wie der heutigen Statistik des Nachrichtendienstes des Bundes zu entnehmen ist haben wir in der Schweiz ein Problem mit Linksextremismus. So wurden für 2019 genau ein gewaltsames Ereigniss von Rechtsextremen gemeldet. Die Linksextremen haben 115 mal Gewalt angewendet. Da sieht man sehr schnell, woher die Gefahr für unsere Demokratie kommt.
    Reto Derungs, am 30. September 2020 um 14:45 Uhr
    Entweder gilt bei und die Meinungs-, Rede- und Demonstrationsfreiheit oder dann eben nicht. Aber gewissen Leuten diese Freiheiten abzusprechen unter dem Vorwand von Verschwörungstheorien ist diktatorisch. Wer bestimmt denn, was eine Verschwörungstheorie ist? Oft schauen die offiziellen «Erklärungen» eher als Verschwörungstheorien aus, als andere Erklärungsvarianten, wie z.B. bei 9/11.
    Pedro Reiser, am 30. September 2020 um 15:16 Uhr
    ??? Was soll dieser Artikel ???
    Dieser Artikel hat meines Erachtens NULL Aussagekraft.

    Hätte Arine Tanner nur ein wenig Zeit aufgewendet, um die Aussagen dieser kritisierten Gruppierungen um Bodo Schiffmann, Ken Jebsen und Roger Bittel zu verfolgen, wäre es unmöglich mit gutem Gewissen von Hass zu sprechen.

    Dieser Gruppierung geht es nur um die Sache: sind die Restriktionen in dieser Zeit noch verhältnismässig? Kann man noch von Pandemie sprechen? Wieso wird mit Absicht die Panikkelle geschürt?
    Und sie stehen nicht alleine da, kriegen auch Unterstützung von vielen unabhängigen Wissenschaftlern und Ärzten.
    Aber leider gibt es keine Mainstream Plattform welche ihnen eine Stimme oder Dialog erlaubt. Es scheint jeder ein Spinner zu sein, wer das ganze hinterfragt.
    Die Zeitungen und das Fernsehen sind Coronamässig 100%ig gleichgetaktet.

    Haben Sie sich schon mal die Zeit genommen, um die Corona-Zahlen zu studieren und sich eigene Gedanken zu machen?

    Wie wärs mit Hilfe dieser Website:
    https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2020-03-03..2020-06-20&country=CHE~SWE~DEU~ESP~USA&region=World&deathsMetric=true&interval=smoothed&perCapita=true&smoothing=7&pickerMetric=location&pickerSort=asc
    Peter Gander, am 30. September 2020 um 19:07 Uhr
    Scherzartikel? Wie zitieren Sie doch, Frau Tanner; «sachbezogen und wissensbasiert» müssten unsere Debatten in einer Demokratie sein. Ihr Beitrag ist dies nur am Rande. Sie versuchen, wie viele Ihrer Journi-Kollegas, alle kritischen Geister in einen Topf zu werfen. Schwarz-Weiss-Denken in Reinform; oder Ideologieversessenheit ("Alle mit abweichenden Meinungen sind Verschwörungstheoretiker!") und Systemtreue ("Ich geb' doch meinen bequemen, ressourcenverschleissenden West-Lebensstil nicht auf um mich gegen die Obrigkeit zu erheben!")? Dass Wissenschaft und Medizin sich über die Belange des SARS-CoV-2 keines Wegs einig sind, ist Ihnen egal? Vllt fehlt Ihnen auch das statistische Verständnis, um die jetzige Massnahmen-Absurdität zu verstehen. Wichtig ist Ihnen offensichtlich, die Info zu verbreiten, alle Andersdenkenden seien rechte Esoteriker mit Demokratiedefizit. Ist Ihnen vllt einmal die Idee gekommen, die Menschen gingen genau wegen der Demokratie und ihren Freiheitsrechten auf die Strasse? Ich denke, jede/r, der etwas tiefer gegraben hat als im Massenmedienbrei, wird irgendwann feststellen, dass die momentane Situation nicht einfach nur dem Auftreten eines neuen Virusstamms, dessen Ahnen unser Immunsystem zur Genüge kannte, zu schulden ist. «Das Defilée von Verwirrtheiten an Coronademonstrationen», wie Sie es nennen, und wie es die Massenmedien auch gerne formulierten, sah ich nie. Die geistig-ideologische Verwirrung bei den JournalisInnen jedoch, die macht mir Bauchweh.
    Raphael P. Bünter, am 30. September 2020 um 20:54 Uhr
    Sehr geehrte Frau Tanner. Sie warnen vor einer politischen Kraft aus Rechtsextremen, «Verschwörungstheoretikern», Impfgegnern etc., die sie mit Covid-Kritikern verbinden und fordern als Lösung «mehr Demokratie» und «rationale Debatten».

    Persönlich zähle ich zu den «Corona-Skeptikern». Auch stehe ich dazu, dass ich gewissen Inhalten gewisser «Verschwörungstheorien» mehr Glauben schenke, als den «offiziellen» Darstellungen. Ich bin aber weder rechts- noch linksextrem. Was ich bin ist ein Impfkritiker - ich möchte mich nicht gegen Corona impfen lassen.

    Sie beschuldigen «Corona-Skeptiker» - ziemlich pauschalisierend - dem Rechtsextremismus. Ist dies rational oder vielmehr Ausdruck ihrer
    Ablehnung (Hass?) gegen Menschen, welche Ihr Weltbild nicht (mehr) teilen?
    Wie sieht ihr Zukunftsbild aus? Die «undemokratischen» Corona-Skeptiker in die Knie zwingen? Was ist ihre «demokratische» Lösung? Impfpflicht? Widerspricht dieser staatliche Übergriff auf den Körper nicht den von ihnen beschworenen Menschenrechten?

    Ich bin Vater und seit bald 20 Jahren Pfleger. Ich habe auf der Intensivstation auf die Covid-Welle gewartet, die dann (Gott sei Dank) nicht gekommen ist. Sind sie dafür, dass ich in der sich abzeichnenden Corona-Apartheid ausgeschlossen werde von Arbeit/Reisen etc.? Oder wird es meine Arbeitskraft am Ende doch brauchen, wenn
    die Menschen am kommenden RNA-Impfstoff nicht gesunden, sondern noch kränker werden?
    Samuel Peter, am 30. September 2020 um 21:42 Uhr
    Leider ein schlecht gewählter Titel. Hass ist eine emotionale Reaktion wie Lachen oder Weinen. Emotionen, Gefühle, sind weder gut noch schlecht, sie sind eine Gelegenheit um zu entdecken was man braucht, damit man sich wieder wohl fühlen kann. Hass ist nicht das Problem, sondern wie man damit umgeht und was man daraus macht. Hass tötet den eigenen emotionalen Schmerz und erfüllt somit eine wichtige Funktion um emotional in schweren Situationen überleben zu können. Aber in der Schule lernt man sowas nicht, wie das eigene Bewusstsein arbeitet und wie Bedürfnisse sich als Gefühle ausdrücken, und wie man damit umgeht. Nein, das dürfen Kinder nicht wissen, sie müssen nur Marktgerecht funktionieren. Selbstbewusst sein ist nicht erwünscht, brave Bürger schon eher. Ein Staat bekommt die Bürger welche er sich weitgehend heran gezogen und verdient hat. (Erich From, Marshall Rosenberg, C.G. Jung, usw. Jeder kann dort das Nachlesen)
    Beatus Gubler, am 30. September 2020 um 22:15 Uhr
    Was hat dieser Artikel bloss im Infosperber verloren? Diese Art Journalismus entspricht genau dem, was uns seit Monaten von TAMEDIA, Blick und SRF vorgesetzt wird. Will Frau Tanner allen Ernstes behaupten, dass alle Ärzte/Ärztinnen und - bezeichnenderweise fast nur emeritierte - Professoren, welche die Coronamassnahmen kritisch hinterfragen, Rechtsextreme oder Antisemiten sind? Ich bin fassungslos!
    Andrea Fritschi, am 01. Oktober 2020 um 08:40 Uhr
    "Nous sommes en guerre» ist auch so zu deuten, dass wie so oft im Krieg die unentbehrliche Propaganda den Gegner als unzivilisiert, hasserfüllt, als nicht zur Diskussion fähig deklariert – «Mit dem kann kein Frieden gemacht werden». Demokratie bedingt Frieden. Wenn man sich des Widerspruchs derart entledigen will, was hat man im Sinn?

    Wie hier den Widersprechenden Hass angedichtet wird, ist klassisch eine Täter-Opfer-Umkehr, bei der die Täter (z.B. Medien) keinerlei Verantwortung für ihr Tun bezw. ihre Unterlassung übernehmen. Sie machen sich sogar noch lustig über ihre Opfer (Andersdenkende), was jene natürlich merken. Wie man den Widerspruch lächerlich macht und sich nur jene Positionen herauspickt, die keine Substanz haben, spricht ja für sich.

    Warum sind die medialen und politischen Täter derart trunken vor Macht und wollen das Gegenüber einfach nur demütigen und geringschätzen? Ist es die Angst, womöglich auf der falschen Seite zu stehen? Wenn man bedenkt, dass die Opfer von heute die Täter von morgen sein werden, was erwartet uns?
    Andreas Hagenbach, am 01. Oktober 2020 um 09:32 Uhr
    Dieser Artikel ist ein Musterbeispiel für Hass auf Andersdenkende.
    Peter Herzog, am 01. Oktober 2020 um 13:00 Uhr
    Guten Tag Frau Tanner,
    Sehr erstaunt bin ich, wie Sie hier sämtliche Narrative, welche die deutsche Presse übernehmen. Auf den Demos in Deutschland sind sehr wenig Rechtsgerichtete anzutreffen, aber die Medien zeigen ausschließlich Bilder von SchwarzWeissRoten Fahnen. Vielleicht sollten Sie sich mal den Beitrag von Daniele Ganser über „Propaganda“ ansehen, am besten ohne vorher Wikipedia zu befragen, wie er als Mensch einzuordnen sei. Auch von Ken Jebsen bin ich nicht der größte Fan, aber ihn als „Antisemiten“ zu betiteln, ist nicht nur sachlich falsch, sondern einfach diffamierend. Und nun schon seit einigen Jahren ist in den Köpfen und Herzen vielen Mitgliedern unserer Gesellschaft eine Denk-und Verhaltensweise eingepflanzt und zur Normalität erkoren worden: „Menschen, die anders denken als man selbst(„höchstwahrscheinlich und hoffentlich gehört man zur Mehrheit, denn da ist es ja sicher und bequem“), werden abgewertet, diffamiert und erniedrigt. Am 3. Oktober werden wieder Menschen in Konstanz und auch andern Orts auf die Straße gehen, um gegen den aufkommenden und schon herrschenden Coronafaschismus zu demonstrieren. Ich würde mich freuen, Sie würden sich selbst dazugesellen, um sich ein eigenes Bild von den Menschen zu machen, die dort friedlich zusammenkommen, und in Zukunft etwas reflektiertereTexte zu dem Thema schreiben. Bis hoffentlich übermorgen, Jens Müller
    Jens Müller, am 01. Oktober 2020 um 21:58 Uhr
    Sehr geehrte Frau Tanner,
    Sie haben anscheinend das Gefühl, dass Sie ganz genau wissen (oder glauben zu wissen), was wahr und gut ist. Aber wie wäre es, wenn Sie stattdessen einmal mit demütiger Hingabe versuchten, die Wahrheit von Augenblick zu Augenblick, so gut es eben möglich ist zu erfassen? Beides zusammen geht nicht!
    Ah, und à propos : Es gibt auch auch kein Recht auf Verachtung...
    Patrick Jud, am 01. Oktober 2020 um 22:21 Uhr
    Ist hasserfüllte Kommunikation nicht genau daran zu erkennen, dass sie abwertet, beleidigt, ausgrenzt und diffamiert? Wie würde ein Artikel in dieser Tonalität gewertet werden, wenn die Adressaten nicht die «Covidioten», sondern Flüchtlinge, Homosexuelle, ... wären, welche man pauschal als nicht konsensfähig und antidemokratisch hinstellen würde? Aus einer egalitären Sichtweise spielt es keine Rolle, ob die Adressaten Flüchtlinge oder Massnahmenkritiker sind, um fest zu stellen, ob es sich um einen Hassartikel handelt oder nicht. Einzig und alleine der Inhalt zeigt dies an. Wer bei Hassartikeln zwischen Menschen und nicht zwischen Inhalt unterscheidet, offenbart seine chauvinistische Gesinnung.

    Ich denke wirklich nicht, dass Frau Tanner eine chauvinistische Einstellung hat. Aber hin und wieder macht es Sinn, sich bewusst zu machen, was man eigentlich gerade für Gedanken denkt und ob die zum eigenen Weltbild passen. Meiner Erfahrung nach kann gerade Angst dazu führen, dass wir vergessen, sich unserer Gedanken bewusst zu machen. Deshalb: Nur Mut (-:
    Stöckli Marc, am 02. Oktober 2020 um 08:39 Uhr
    "Was hat dieser Artikel bloss im Infosperber verloren?» - wie Andrea Fritschi kommentiert - widerspiegelt den Tenor vieler Kommentarschreiber (und Demonstranten). Die Kommentatoren möchten/fordern also letztlich nichts weiter als dass diesem Artikel (= Meinungsäusserung) kein Raum eingeräumt wird. Die Redaktion hätte die Aufschaltung rundweg ablehnen sollen, allenfalls nun zu entfernen - und ganz sicher dies: Künftig soll das nicht mehr vorkommen.

    Mit anderen Worten: Hier sprechen sich Menschen dafür aus, dass eine ihnen nicht genehme Meinung unterdrückt bzw. ignoriert wird.
    Ironischerweise glauben diese Menschen gleichzeitig von sich, sie wären die letzte verbliebene Sperrspitze im Kampf um die Meinungs(äusserungs)freiheit.

    Es wäre 'schön', wenn das Allgemeinwissen würde:
    Für die Äusserung seiner eignen (!) Meinung zu kämpfen, zeigt nicht (!) an, dass man ein Verteidiger der Meinungs(äusserungs)freiheit ist. Auch Diktatoren setzen sich für ihre Meinungsäusserungsfreiheit ein - sogar äusserst 'vehement'. Nur wer sich für die Äusserung einer Meinung, die er/sie selbst nicht teilt (ja vielleicht sogar verabscheut), einsteht, hat die Idee hinter dem Begriff Meinungsäusserungsfreiheit verstanden!

    „Wenn wir nicht an freie Meinungsäußerung für Menschen glauben, die wir verachten, glauben wir überhaupt nicht daran.“ — Noam Chomsky

    „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, daß Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“ - Voltaire (zugesprochen)
    Stephan Kühne, am 02. Oktober 2020 um 12:25 Uhr
    @Kühne - Ariane Tanner hat durchaus hart und laut in den Wald gerufen, nun kommt es ebenso zurück. Das ist weiter nicht erstaunlich und trotzdem darf man Toleranz einfordern. Was Sie nicht berücksichtigen und darum muss ich Sie kritisieren, weil Sie unterschlagen, dass Ariane Tanner nicht nur eine Meinung kritisierte, sondern auch der sie äussernde Mensch. Da geht sie hart an die Grenze des Sagbaren, durchaus eloquent, doch gerade unter dem Zuckerguss der Sprache muss man das Eigentliche des Gesagten suchen um zu erkennen, was hier Sache ist. Und die hat meiner Ansicht nach wenig mit Toleranz zu tun. Insofern hätte ihre Ermahnung zur Toleranz auch Ariane Tanner einschliessen dürfen. Dass sich einige der Co-Kommentatoren gegen die Herabsetzung ihrer Person wehren, ist durchaus angebracht und verständlich.
    Andreas Hagenbach, am 03. Oktober 2020 um 11:52 Uhr
    Ich beobachte mit Sorge, dass unsere Gesellschaft immer mehr in ein Schwarz-weiss-Denken abdriftet, in dem differenzierte Positionen nicht mehr diskutiert werden können. Und diese Intoleranz kommt leider oft von Links. Bei immer mehr Themen wird bei jeder Widerrede zum linksliberalen Zeitgeist reflexartig die Nazi-Keule geschwungen. In der Corona-Sache hat sich nun leider auch dieser Graben etabliert: Wer nicht als Faschist gelten will, trägt demonstrativ Maske. Die Mainstream-Medien haben es geschafft, den Konsens zu etablieren, dass sich verantwortungsvolle Menschen solidarisch in die Alternativlosigkeit des Corona-Regimes schicken, während auf der anderen Seite nur Spinner zu finden sind. Die Aufgabe von Journalisten wäre es eigentlich, Dingen auf den Grund zu gehen. Doch dazu fehlt ihnen heute offensichtlich die Zeit - oder der Mut.
    Benjamin Hämmerle, am 03. Oktober 2020 um 12:10 Uhr
    mein einziger trost bisher: der kommentar von stephan kühne!
    Franz Wyss, am 04. Oktober 2020 um 00:03 Uhr
    Der grösste Schaden für die Demokratie in dieser Corona-Zeit entsteht durch die Denunziation der Andersdenkenden.
    Gerhard Gstrein, am 09. Oktober 2020 um 20:50 Uhr
    HIERMIT SCHLIESSEN WIR DEN MEINUNGSAUSTAUSCH AB.
    DIE REDAKTIONSLEITUNG.
    Urs P. Gasche, am 11. Oktober 2020 um 09:33 Uhr

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