Überfluss führt Energieproduzenten ins Elend

Hanspeter Guggenbühl © bm
Hanspeter Guggenbühl / 20. Dez 2015 - Axpo sieht rot. Repower baut ab. Die BKW steigt aus. Der Überfluss an Kohle und Atomkraft bringt die Strombranche in Not.

Atomrisiken hin, Klimawandel her – der Energiekonsum wuchs. Mit der wachsenden Nachfrage stiegen ab 2000 die Preise. Ölkonzerne, Kohleverkäufer, Gas- und Stromproduzenten verdienten sich eine goldene Nase. Ohne Rücksicht auf Umweltschäden, die der Abbau von Kohle, Schiefergas oder Ölsand nach sich zog, bauten sie ihre Produktion weiter aus.

Die Bonanza endete 2008 mit der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die globalen Wachstumsraten schrumpften. In den Industriestaaten sank sowohl der gesamte Energie- als auch der Stromkonsum. Die angedrohte Energielücke wandelte sich zur Energieschwemme. Der Überfluss drückte die Preise für Kohle, Erdöl und Elektrizität in den Keller. Dem Boom folgte der Kater.

Vom Preissturz speziell betroffen sind die international tätigen Schweizer Stromkonzerne Axpo, Alpiq, BKW und Repower. Sie produzieren im In- und Ausland schon längst mehr Strom, als sie in ihren inländischen Versorgungsgebieten absetzen können. Diese Stromflut, verbunden mit der partiellen Schleifung der nationalen Monopole, bescherte diesen Stromproduzenten Verluste in Milliardenhöhe und bedroht sogar ihre Existenz. Die Axpo gab am Freitag einen Verlust in Milliardenhöhe bekannt. Die Bündner Repower kündigte am gleichen Tag eine neue Strategie sowie den Ausstieg aus der fossilen und nuklearen Stromproduktion an.

Gegen das Elend, das dieser Überfluss schafft, gibt es nur ein Rezept: den Überfluss abbauen. Wenn wir weniger Kohle aus dem Boden holen und einige Kohle- und Atomkraftwerke stilllegen, bremsen wir nicht nur den Klimawandel und vermindern die nuklearen Risiken. Mit dem Abbau der Überkapazitäten können sich die Stromproduzenten auch ökonomisch sanieren.

Deutschland und die Schweiz, die sich gerne als Vorreiter feiern lassen, sollten voran gehen. Deutschland, indem es aus der Kohlekraft aussteigt und damit seine «schwarze» in eine echte Energiewende umwandelt. Die Schweiz, indem sie die Laufzeit ihrer uralten Atomkraftwerke begrenzt. Einen ersten Schritt hat die BKW mit der terminierten Stilllegung des AKW Mühleberg eingeleitet. Die Axpo kann dem guten Beispiel folgen, indem sie ihre Atommeiler in Beznau gar nicht mehr einschaltet.

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keine

Weiterführende Informationen

Zum Dossier "Die Politik der Stromkonzerne"

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