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Hormontherapie nach Menopause: Frauen reingelegt

Barbara Marti / 23. Sep 2011 - «Mangelnde» Östrogene führen nicht zu Herzkrankheiten, wie lange behauptet. Risiken sind das höhere Alter und mangelnde Bewegung.

Noch vor zehn Jahren liess sich mindestens jede vierte Frau im Alter zwischen 50 und 64 zu einer «Hormonersatztherapie» überreden, nicht zuletzt, um Herzkrankheiten vorzubeugen. Vor fünfzehn Jahren hatte die Pharmafirma Janssen-Cilag (Tochter von Johnson & Johnson) Ärzten Farbfolien zur Verfügung gestellt, die viele der Ärztinnen und Ärzte für das Gespräch mit Patientinnen benutzt haben. Die Folien zeigten, dass die Hormonersatztherapie (HRT) das Risiko von Herzkreislauf-Krankheiten um 44 Prozent senken. Daneben sei die HRT auch gut gegen Alzheimer und Knochenbrüche.

Für die Heils- und Präventionsversprechen auf ihren Folien stützte sich Janssen-Cilag auf schwache Unterlagen, doch mit Hilfe vieler Ärzte lief das Geschäft wie geschmiert.

Das Gegenteil ist wahr

Eine grosse, von der Pharmaindustrie unabhängige Studie vom National Institute of Health NIH, an der 16'000 Frauen teilgenommen hatten, kam im Jahr 2002 zum Schluss, dass von 100'000 Frauen, welche die Hormone schluckten, jedes Jahr 80 mehr an einem Schlaganfall und weitere 70 mehr an einer koronaren Herzkrankheit litten als Frauen, die keine Hormone schluckten.

Der Risikofaktor heisst Alter

Nach den Wechseljahren nehmen bei den Frauen die Herzkreislauf-Erkrankungen zu. Grund sind jedoch nicht die Menopause und die abnehmenden Hormone, sondern – neben den allgemeinen Ursachen wie Bewegungsarmut und Übergewicht – allein das Alter.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Johns Hopkins Universität in Baltimore (USA), welche die Fachzeitschrift «British Medical Journal» kürzlich veröffentlicht hat. Das Forschungsteam analysierte dafür Sterberegister aus England, Wales und den USA. Das Ergebnis: Das Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben, nimmt für die Frauen mit zunehmendem Alter stetig zu. Es gibt keine spezielle Zunahme während oder nach den Wechseljahren.

Die kontinuierliche Zunahme des Sterberisikos bei Frauen erklärt Studienleiter Dhananjay Vidya damit, dass Herzkrankheiten vermehrt auftreten, wenn die Zellen in den Gefässen und dem Herzmuskel altern.

Männer haben laut der Studie das höchste Risiko zwischen dem 40. ungd 45. Lebensjahr. Eine männliche «Menopause» kann nicht der Grund sein, da die Testosteronbildung beim Mann bereits ab dem 30. Lebensjahr abnimmt. Dass Männer in jüngerem Alter häufiger an Herzkrankheiten sterben als gleichaltrige Frauen, führt Dhananjay Vidya auf Geschlechtsunterschiede zurück, die keine hormonellen Gründe haben.

Das geringere Risiko jüngerer Frauen im Vergleich zu gleichaltrigen Männern wurde lange Zeit mit der schützenden Wirkung der Östrogene erklärt. Diese Schutzwirkung war ein wichtiges Argument für die «Hormonersatztherapie» nach den Wechseljahren.

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Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht»

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