Drogensüchtige auf dem «Needle Park» in Zürich, Neunzigerjahre © cc

«Süchtige brauchen Stoff wie Zuckerkranke Insulin»

Klaus Vieli / 16. Mär 2013 - Der Arzt André Seidenberg kämpfte für die Abgabe von Heroin und Kokain an Süchtige. Die Drogenpolitik in seiner Rückschau. (3)

upg. Der Allgemeinpraktiker André Seidenberg war ein Pionier in der Schweizer Drogenpolitik und massgebend daran beteiligt, dass das Verbot der Spritzenabgabe aufgehoben, eine breite Versorgung mit Methadonbehandlungen aufgebaut und Versuche mit der kontrollierten Abgabe von Heroin eingeleitet wurden, um die Süchtigen vom Schwarzmarkt abzuhalten und vor HIV und andern Krankheiten zu schützen. Rund 3000 Heroinabhängige waren bei Seidenberg in Behandlung.

Im ersten Teil des Gesprächs, das Klaus Vieli geführt hat, ging es vor allem um die Abgabe von Spritzen. Im zweiten geht es jetzt um die Abgabe von Heroin und Kokain. Die Drogenpolitik sei auf halbem Weg stehen geblieben.

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GESPRÄCH MIT ARZT ANDRÉ SEIDENBERG

Vieli: Wie kam es zu den Versuchen mit der Abgabe von Heroin?

Seidenberg: Das begann 1990, als wir vom Verein Schweizer Drogenfachleute VSD dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern einen Vorschlag machten für Heroinversuche. Das Bundesamt gab gleichzeitig einen Forschungsauftrag zu den wissenschaftlichen Grundlagen über den Umgang mit Heroin. Das BAG griff unseren Vorschlag auf. Natürlich unter dem Eindruck der AIDS-Epidemie und den zunehmend desaströsen Resultaten der Drogenpolitik.

Was steht es heute mit der Heroinabgabe?

Die Heroinabgabe wurde 2008 durch eine Volksabstimmung in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen. Es sind aber nie mehr als 5 Prozent der Abhängigen in die Heroinversuche aufgenommen worden. Das blieb immer eine marginale Geschichte.

Sind die 5 Prozent eine gewollte Barriere?

Ja eigentlich schon. Der Stoff wird nur in spezialisierten Zentren abgegeben. Ich hab zwar einen Prozess bis Bundesgericht geführt und auch gewonnen, dass ich in meiner Praxis Heroin abgeben könnte. Das Prozedere ist aber so kompliziert, dass es in einer Praxis nicht funktioniert. Der erste Fall, anhand dessen ich das Verfahren einleitete war gar nicht mehr aktuell als das Bundesgericht im Grundsatz zu meinen Gunsten entschieden hatte.

Und beim zweite Fall, einem schwer Pflegebedürftigen bei dem unmittelbar etwas gemacht werden musste, ging es einen Monat, bis das BAG darauf eintrat – zu spät.

Der Weg ist zwar offen, dass auch in einer Praxis in dringenden Fällen Heroin verschrieben werden kann. Aber es funktioniert nicht. Es wird immer von der illegalen Droge Heroin gesprochen, dabei ist die Droge an sich nicht illegal. Es ist nur die Frage, wie sie verwendet wird und wie das legal geregelt ist. Es gibt keinen Zweifel: Opioide könnte man in einem medizinischen Markt kontrolliert so anbieten, dass der illegale Markt weitestgehend ausgesaugt und ausgetrocknet würde.

Die Schweiz ist also irgendwie auf halbem Wege stehengeblieben. Und trotzdem sind wir ein Pionierland.

Wir sind immer noch Spitze. Stand heute sind mehr als die Hälfte der Opioid-Abhängigen in Behandlung. Das ist ein internationaler Spitzenwert. Diejenigen, die nicht in Behandlung sind, sind in Gefahr: Überdosis beim Wiedereinstieg, HIV-Infektion, Hepatitis, eitrige Infektionen, Verlust von Beziehungen und Job.

In den meisten Ländern ist die überwiegende Mehrheit der Abhängigen im Griff des illegalen Drogenmarktes mit all diesen Gefahren. Mit verbesserten Heroinabgabe könnte man in der Schweiz noch mehr Leute ins medizinische System reinbringen.

Denkst du dabei auch an andere Drogen, die illegal angeboten werden?

Ja klar, Kokain ist heute der viel grössere Markt als Heroin oder sagen wir als die Opioide, zu denen neben dem Heroin z.B. auch das Methadon gehört, dass ja auch auf dem illegalen Markt erhältlich ist. Kokain ist aber medizinisch nicht so einfach zu verwalten wie die Opioide.

Wieso das? Ich dachte immer Heroin sei gefährlicher.

Ist es auch, aber das Kokain ist für einen sicheren Konsum die kompliziertere Droge und es gibt noch keine Abgabeform die medizinisch sicher und auch sicher gegen die Alimentierung des illegalen Marktes ist. Wir hatten die Idee, dass ein Kokainspray entwickelt werden könnte, der in einem programmierbaren Behälter ist, der vom Arzt auf die verschriebene Menge und den vorgesehenen Konsumenten eingestellt wird. Analog zu einem Asthmaspray aber mit einem individuellen Fingerchip und einem nicht zu überlistenden Dosimeter. Machbar aber teuer wie alle Medikamentenentwicklungen, die bis Markteinführung rasch mal eine halbe Milliarde Franken kosten.

Wäre das was, um nochmals in die Drogenpolitik einzusteigen?

Nein. Früher habe ich systematisch immer gekämpft. Aber seit etwa 10 Jahren habe ich aus psychohygienischen Gründen damit aufgehört. Der Kontakt zur Politik ist auch schwieriger geworden. Früher könnte man mit etwas Glück direkt mit den Zuständigen reden, wie zum Beispiel mit Emilie Lieberherr. Jetzt ist das nicht mal bei Bagatellfällen möglich, über die ich mich manchmal noch richtig aufregen kann.

Zum Beispiel über das Strassenverkehrsamt. Da habe ich ein Drogenpärchen in der Praxis, die weisen seit 14 Jahren aus, dass sie nie irgendwas anderes mehr nehmen als das verschriebene Methadon. Trotzdem müssen sie um den Führerausweis zu behalten alle 14 Tage mit Urinproben beweisen, dass sie nicht polytoxikoman sind. Das kostet sie 5 Prozent ihres Einkommens. Haarproben wollte das Strassenverkehrsamt auch. Dabei würde ein jährlicher oder halbjährlicher Bericht von mir reichen, solange sie bei mir in Behandlung sind. Die sind keine Gefahr für den Strassenverkehr.

Sie haben einen Stoffwechseldefekt, der nie mehr geheilt wird. Er ist nachgewiesen und muss substituiert werden, wie wenn sie Diabetes hätten und abhängig wären von Insulin. Weil ihre Opioidsysteme dermassen verstellt sind, können sie nie mehr genügend körpereigenes Opioid produzieren um ihren Bedarf abzudecken. Das ist ganz simpel.

Das ist mir aufgefallen in deinen Schriften zur Opioid-Abhängigkeit, Du glaubst kaum an einen echten Entzug mit dauerhafter Überwindung der Drogensucht.

Bei Opioidsucht kann man nie mehr davon loskommen. Diese Systeme im Körper sind dauerhaft verstellt. Ich habe persönlich 3000 Patienten behandelt. Von denen sind nur zwei bis drei Dutzend, die sicher oder mit grosser Wahrscheinlichkeit seit 10 Jahren nichts mehr genommen haben. Und fast alle haben Beschwerden, denen geht es schlecht. Sie haben eine gestörte Schmerzschwelle, du kannst dem auch Fibromyalgiesyndrom sagen, wenn du den medizinischen Fachausdruck willst. Denen tut immer alles weh. Sicher kann man sich sein Leben lang so durchbeissen – aber ob das sinnvoll ist?

Für sie schon, jeder wählt sich seinen Weg. Aber die Abstinenz als Ziel für die Drogenpolitik? Ich muss meinen Patienten dringend davon abraten, denn sie begeben sich auf eine risikoreiche Bahn wenn sie versuchen auf Teufel komm raus aufzuhören. Denn richtig gefährlich wird es immer bei den Rückfällen.

Triffst du noch alte Veteranen des Drogenkrieges?

Wenige und höchstens zufällig. Professor Ambros Uchtenhagen habe ich später noch einige Male getroffen. Er war fast bis am Schluss der Auseinandersetzung dagegen, dass man die Heroinversuche macht. Dann hat er sich an die Spitze der neuen Drogenpolitik gesetzt und sich damit seinen Alterssitz finanziert, indem er für die vom BAG bezahlten Heroinversuche das Institut für Suchtmedizin aufbaute und peinlichst darauf achtete, dass niemand vor ihm etwas publizieren darf. Heute wird er international gefeiert als der Pionier der Heroinabgabe.

Ärgert dich das?

Nein, man muss sehen, dass er, seit er auf diesen Zug aufgesprungen ist, konsequent auch in dieser Richtung arbeitet. Als emeritierter Professor – aber wirklich erst dann - hat er sich sehr grosse Verdienste erworben und ist massgeblich daran beteiligt, dass fast überall im Osten Europas Methadonprogramme installiert wurden. Seit zwanzig Jahren macht er sehr wertvolle Arbeit und ist heute hochbetagt zusammen mit alt Bundesrätin Ruth Dreifuss immer noch in wichtigen internationalen Gremien tätig.

Heute hat sich die Drogendiskussion eher auf den Sport verlagert. Während die Staaten den eskapistischen Drogengebrauch erbittert bekämpften, förderten sie gleichzeitig gezielt den leistungsorientierten Drogenmissbrauch im Sport, z.B. zwecks Aufbesserung der Medaillenausbeute an Olympiaden.

Es gab schon immer einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Drogenszenen. Eine recht grosse Anzahl von Spitzensportlern landete in der Drogenszene, meistens solche die es im Sport nicht in die allererste Reihe geschafft hatten. Häufig wurden die von Heroin abhängig und nicht etwa nur von Kokain oder Stimulantien. Doping kann den Weg ebnen zu unkontrolliertem Konsum.

Wenn du mal eine Türe aufmachst und dein Wohlbefinden, deine körperliche, existenzielle Zufriedenheit mit Pharmaka herstellen willst, dann wird diese Idee so tief in dir drin verankert, dass diese beiden Gebrauchsmuster nahe liegen. Unter diesem Aspekt und nur unter diesem kann man sagen, dass sich eine Suchtpersönlichkeit entwickelt, wenn man täglich sein Wohlbefinden so steuerte.

Das Wohlbefinden ist eigentlich eine gute Sache.

Ich meine, wir alle haben legitime Bedürfnisse, unser Wohlbefinden zu steuern. Der Mensch raucht und säuft und frisst und macht viel Ungesundes, weil es ihm wohl tut. In der grössten Zeit der Menschheitsgeschichte waren die Mittel knapp. Erst seit kurzem stehen sie uns fast unbeschränkt zur Verfügung. Und noch seit kürzerem gibt es potente pharmakologische Abkürzungen auf dem Weg zum Wohlbefinden. Aber unser Belohnungssystem im Hirn ist aus den Jahrtausenden der Knappheit immer noch darauf getrimmt, dem Wohlbefinden ständig nachrennen zu müssen. Das ist korrumpierend und das Bild des korrumpierten Belohnungssystems hilft mir als Arzt, vieles zu verstehen. Dieses Bild passt mir besser als das moralisierende der defekten Suchtpersönlichkeit.

Das ist vielleicht der grösste Fortschritt, im Umgang mit Drogen, es wird nicht mehr soviel moralisiert.

Dass unsere Gesellschaft immer mehr Mittel hat, die zur Steuerung von Wohlbefinden und Leistung zur Verfügung stehen, und dass diese Mittel immer auch negative Effekte haben können, das wird viel gelassener diskutiert, von den klassischen harten Drogen über die akzeptierten Volksdrogen bis zu Stimulantien wie den Amphetaminen oder dem Ritalin.

Zur Zeit der offenen Drogenszene waren in Zürich gesellschaftliche Probleme brutal sichtbar. Jetzt ist die Stadt vordergründig wieder clean und nett. Ist das unbedingt positiv?

Den Abhängigen geht es zweifellos viel besser jetzt. Das ist für mich als Arzt entscheidend.

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Siehe erster Teil: «Drogenpolitik: Ruth Dreifuss attackiert Uno-Gremien»

Siehe zweiter Teil: «Kantonsarzt Kistler hätte Todesfälle vermeiden können»

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Das Gespräch ist im R.E.S.P.E.C.T. erschienen.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor hat als Journalist die Drogenpolitik lange Zeit verfolgt.

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4 Meinungen

Ich kenne persönlich und von Begegnungen an Infoständen zur Drogenprävention etliche ehemals Opiat-Süchtige, welche ein ganz normales Leben führen und KEINE solcher andauernden Schmerzen haben, wie Hr. Seidenberg behauptet. Die meisten haben geäussert, dass sie unter den heutigen Umständen (Methadon-, Heroinabgabe) NIE clean geworden wären, was gleichbedeutend damit ist, dass sie die eigene Selbstachtung, die sie so zurückgewonnen haben, für immer verloren gehabt hätten.
Aber mit diesen Abgabeprogrammen verdient eine Heerschar von Leuten viel Geld, und das auf lange Sicht, also lieber den Süchtigen eine Pseudo-Hilfe geben und sich daran auf Dauer gesundstossen.
Gabrielle Arnold, am 16. März 2013 um 13:22 Uhr
Ein wirklich guter Beitrag, wir können und als Streetworker einer kontrollierten Abgabe nur anschliessen. Darum haben wir vor geraumer Zeit auch eine neue Direktive für unsere Streetwork-Projekte herausgegeben und die lokalen Behörden damit konfrontiert. Doch diese wiesen die Direktive ab. Mit der Begründung, in den Usa hätten solche Versuche auch nicht funktioniert. Das hat die Usa schon beim Methadon behauptet, und bei der Heroinabgabe, und beim offenen Strafvollzug. Und jetzt kommen sie in die Schweiz und machen es uns nach, weil ihre Nulltoleranzpolitik immense Kosten und bleibende Schäden an Suchtpatienten verursacht hat. Es folgt die Direktive:
Beatus Gubler, am 16. März 2013 um 19:29 Uhr
Teil 1:

Unsere Direktive, Arbeit an einer neuen Drogenpolitik betreffend Kokain. 18.06.2012
1. Drogenpatienten sind Menschen wie wir. Sie sind nicht per se einfache Kriminelle. In den meisten Fällen sind Drogenkonsumenten welche Suchtpotenzial haben, Schmerzpatienten. Es ist wie bei der legalen Droge Alkohol. Nur Menschen mit Suchtpotential werden davon abhängig, die anderen nicht. Menschen mit Suchtpotential leiden Schmerzen seelischer, psychosomatischer und körperlicher Natur. Sie konsumieren legale oder illegale Drogen um innere Ruhe und Frieden zu finden, oder um in dieser Leistungsgesellschaft bestehen zu können.
2. Bestrafung und Belohnung von Suchtkonsumenten, um diese dazu zu bewegen legale Drogen zu konsumieren statt illegale, oder um diese dazu zu bringen vollständig abstinent zu sein, funktioniert nicht, denn es sind Menschen und keine Tiere, es funktioniert nur als Abschreckung und Symptombekämpfung, und fordert viele Unschuldige Menschenleben.
3. Die weitaus gefährlichste Droge ist Kokain. Aber nur für Menschen mit Suchtpotential. Die Substanz selber kann für nicht suchtgefährdete Personen als relativ harmlos betrachtet werden. Jedoch bei suchtgefährdeten Personen ist es genau umgekehrt. Da führt ein Mangel an der Droge manchmal zu starken Enthemmungen und Aggressionen, daher die Zunahme an Überfällen und die Zunahme der Drogenkriminalität. Sie können in dieser Situation ja fast nicht anders. Dass die Volksdroge Kokain als relativ harmlos bei nicht suchtgefährdeten Personen betrachtet werden kann, zeigt einerseits die Geschichte aus der Zeit wo Kokain noch rezeptfrei in der Apotheke zu erhalten war, und andererseits das auf 94% aller Geldscheine und sogar im Abwasser dermassen Spuren von Kokain gefunden werden, dass die Konsumentenzahl zwar immens sein muss, aber zu diesem Verhältnis viel zuwenig Kokainkranke oder Abhängige vorhanden sind.
Beatus Gubler, am 16. März 2013 um 19:31 Uhr
Teil 2:

4. Kokainabhängige brauchen eine staatliche Kokainabgabe, wo sie sauberes Kokain erhalten, b.z.w. kaufen können, mit Beratung und Kontakt nicht zur kriminellen Szene, sondern zu Sozialarbeitern, Ärzten und Pädagogen welche Ihnen noch andere Strategien als Kokain anbieten oder aufzeigen können, um mit weniger, kontrolliertem oder gar keinem Konsum leben zu können. Die Erfahrung zeigt, dass 12 bis 15 % auf Ritalin (Phenylphenidat) umsteigen können, da sie an einer bis anhin unentdeckten Adhs oder Pos, über Jahre, gelitten haben. Dem Argument, dass eine Kokainabgabe nichts bringen würde, da durch den Beikonsum dann immer mehr konsumiert würde, bis zu lebensgefährlichen Intoxikationen, können wir uns aufgrund von Erfahrungen nicht anschliessen. Denn dies würde bedeuten dass jeder der genug Kokain hat und ein Suchtpotential vorweist, eigentlich schon verstorben sein müsste.
Es wäre dieselbe Strategie wie bei der kontrollierten Heroinabgabe, und dort funktioniert es. Dies würde ein verschwinden oder minimieren der durch Kokain verursachen Gewalt und Kriminalität bewirken. Die Abhängigen sind in Kontakt mit Personen, Vorbildern, Sozialarbeitern welche Ihnen helfen können aus dem Suchtkreislauf heraustreten zu können. Es würde dem Steuerzahler viel Geld ersparen und weniger Kokaintote oder durch Kokainkonsum Erkrankte geben. Ebenso hinterlässt adäquat konsumiertes sauberes Kokain keine bleibenden Schäden, es sei denn es kommt zu einem Langzeitkonsum über viele Jahre in relativ hohen Dosierungen. Der Ort in der Schweiz wo am meisten Kokain konsumiert wird, so zeigen Messungen im Abwasser und an Geldscheinen, ist St. Moritz. In den Usa ist es Washington. Die Kokainkonsumenten auf der Strasse welche aus einem Leidensdruck Kokain konsumieren und somit Suchtpotential aufweisen, können maximal 5% aller Konsumenten sein. Menschen welche aus Leidensdruck, als Selbstmedikamentierung, um ein unerträgliches Leben besser ertragen zu können, Kokain konsumieren müssen, und diese dann noch zu bestrafen und in Verelendung zu treiben, ist unmenschlich und bringt keinen dauerhaften Erfolg, weder für die Suchtpatienten noch für die Gesellschaft. Kokainabhängigkeit rechtfertigt kein delinquieren, auch kranke Menschen haben eine Verantwortung. Doch haben diese überhaupt eine Wahl? Ein Schutzvollzug ist hier leider unumgänglich.
Das Gewaltpotenzial von schwer kokainabhängigen Drogenpatienten welche Beschaffungs-schwierigkeiten haben ist manchmal immens und wird oft von den Behörden unterschätzt. Auch dem wäre durch eine staatliche Abgabe Einhalt geboten. Die Studien aus den USA, welche behaupten eine staatliche Kokainabgabe würde nicht funktionieren, sollten nicht überbewertet werden. Das Land wo am meisten „Bestraft“ wird wer konsumiert, hat als Resultat am meisten Konsumenten. Zudem spielen bei den Studien aus den Usa noch calvinistische religiöse Hintergründe eine grosse Rolle, welche die aktuellen Studien verfärben oder verzerren.
Projekte: www.streetwork.ch
Beatus Gubler, am 16. März 2013 um 19:31 Uhr

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