Der Corona-Zahlenschrott

Bernd Hontschik © Ute Schendel
Bernd Hontschik / 19. Mai 2020 - Wer die massiven Eingriffe in unsere Leben so fragwürdig begründet, verursacht das wachsende Misstrauen selber. Medien machen mit.

Red. Chirurg und Publizist Bernd Hontschik ist gelegentlicher Gastautor von Infosperber.

Seitdem das Corona-Virus die Flut der Nachrichten und TV-Sondersendungen dominiert, werden wir täglich mit der immer gleichen Zahlenzusammenstellung konfrontiert. Zuerst wird die Zahl der Infizierten genannt, sogenannte «bestätigte Fälle». Das sind die Fälle mit Infektionsnachweis durch einen Labortest. Die Zahl der bestätigten Fälle wird ständig addiert, steigt deshalb ständig bedrohlich an, von Tag zu Tag. Am Montag, dem 11. Mai, gab das Robert Koch-Institut (RKI) für Deutschland 169'575 bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Corona-Virus an, «357 mehr als am Vortag». Doch: Wie viele mehr waren es in den vorherigen Tagen? War die Zahl der Getesteten höher oder niedriger als vorher? Hat man immer vergleichbar viele Menschen mit Symptomen und ohne Symptome getestet? Über welchen Zeitraum verteilt sich das? Ohne Antworten auf diese Fragen ist die Aussagekraft von «357 mehr als am Vortag» gleich null.

Als Nächstes wird die Zahl der Verstorbenen angegeben, am Stichtag waren es in Deutschland 7’417, «22 mehr als am Vortag». Aus unerfindlichen Gründen berechnet das RKI daraus den Anteil Verstorbener mit 4,4 Prozent. Was kann man mit einer solchen Zahl anfangen? Nichts. Denn es ist reine Fantasie, dass 4,4 Prozent der Corona-Infizierten gestorben sind. Denn gestorben sind 4,4 Prozent der positiv Getesteten. Aber wer ist getestet worden? Getestet wurden fast nur Personen mit Risikofaktoren, die ausserdem Symptome einer Atemwegserkrankung aufwiesen. Wir haben es hier mit einer ganz speziellen Teilpopulation zu tun, nämlich mit Menschen mit Atemwegserkrankungen.

Wie viele der Millionen Tests negativ ausgefallen sind, bleibt im Dunkeln. Und daher ist auch keine Angabe darüber möglich, wie viele Menschen infiziert sind, aber nie krank wurden, denn sie wurden mit keinem Test erfasst. Es gibt nur Schätzungen, Studien sind in Arbeit. Nehmen wir an, dass nur jeder zehnte Infizierte zu einem Arzt geht, also getestet wird, dann wäre die Todesrate nicht mehr 4,4 Prozent, sondern nur noch 0,44 Prozent.

Das Gleiche gilt natürlich für die zuletzt immer angegebene Zahl der sogenannten Genesenen. Am Stichtag waren das 145'600. Diese Zahl ist noch nicht einmal eine Schätzung, sie ist eine reine Erfindung. Wenn niemand weiss, wie viele Infizierte es tatsächlich gibt, wie kann man dann eine seriöse Angabe zur Zahl der Genesenen machen?

Den Höhepunkt der Verwirrung aber stellt die sogenannte R-Zahl dar. Sie gibt an, wie viele weitere Infektionen ein bereits Infizierter verursacht. Diese Zahl sollte unter 1,0 liegen, denn nur dann kann die Zahl der Infizierten sinken. Aber spiegelt unsere tägliche R-Zahl auch nur annähernd die tatsächliche Zahl der weitergegebenen Infektionen wider? Mitnichten. Gerade werden wir wieder alle aufgeschreckt, weil das RKI am Stichtag von einem Anstieg der R-Zahl über den magischen Wert von 1,0 zu berichten weiss, natürlich verbunden mit Warnungen vor den schrecklichen Folgen der Lockerung des Lockdowns. Dazu muss man aber wissen, dass das RKI am 29. April das Berechnungsverfahren der R-Zahl geändert und am 6. Mai die Kriterien für die Testung komplett erneuert hat. Jetzt werden ausser allen Menschen mit Atemwegserkrankungen auch gänzlich symptomfreie Menschen breit getestet, darunter auch Fussballmannschaften.

Mit dieser Ausweitung der Getesteten kann man nicht feststellen, ob sich mehr Personen angesteckt haben, sondern nur, dass man mehr Infizierte gefunden hat. Ein himmelweiter Unterschied.

Die Erhöhung der R-Zahl über die magische Grenze von 1,0 beruht also nicht auf einer Zunahme der Infektionen, sondern auf der Ausweitung der Testungen. Und wenn man dann noch weiss, dass die aktuell veröffentlichte R-Zahl auf Daten beruht, die bis zu zehn Tage alt sind, dann kann die Erhöhung der R-Zahl über 1,0 mit Sicherheit nicht auf Lockerungen des Lockdowns zurückgeführt werden, denn diese kamen ja alle erst danach. Neuerdings wird vom RKI daher eine «geglättete» R-Zahl veröffentlicht. Aha. Wer glättet hier was?

Damit wir uns nicht missverstehen: Abstandsregeln, Hygienemassnahmen und Atemmasken sind sinnvoll, Verschwörungstheorien fehl am Platz. Aber wer mit solchem Zahlenschrott täglich aufs Neue den massiven Eingriff in unser aller Leben begründet, der hat das wachsende Misstrauen selbst verursacht.

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Diese Kolumne erschien in der Frankfurter Rundschau vom 15. Mai.

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Bernd Hontschiks neustes Buch: «Erkranken schadet Ihrer Gesundheit», 2019, Westend Verlag, 24.90 CHF / 16 Euro.

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18 Meinungen

Kann ich nur unterschreiben.

Die Erfassungsprobleme der relevanten Daten sind offenbar enorm. Ich habe während eines Monats alle Fall- und Todesfallzahlen des BAG nach Kanton und Altersgruppen erfasst.

Dass Altersangaben schlecht erfasst werden, kann wohl kaum erstaunen, da im Statistikerjargon von «vollendeten Lebensjahren» gesprochen wird. Während «Normalsterbliche» davon ausgehen, dass ein Neugeborenens im ersten Lebensjahr steht, ist es im Statistikerjargon im Jahr «0». In der Normalsprache gehören Leute ab 66 Jahren, welche also den 65. Geburtstag hinter sich haben, zu den Rentnern. Im Statistikerjargon sind das Leute der Altersgruppe «65+».

Konsequenterweise werden diese Werte schlecht erfasst, so dass ich praktisch jeden Tag für diverse Kantone entsprechende Korrekturen nachführen musste.

Die Testkriterien wurden offensichtlich auch verschiedentlich geändert. Mitte April gab es «zusätzliche» Fälle v.a. im hohen Alter. Ab Ende April betrafen «Zusatzfälle» vorwiegend Leute unter dem Rentenalter. Offenbar wollte man die Testergebnisse etwas abrunden.

Selbst «Ostern» scheint in der Statistik Spuren hinterlassen zu haben. In der Tat gab es Fälle und sogar Todesfälle, welche aus der Statistik verschwanden, offenbar auf eine wunderbare Auferstehung hindeuten sollten.

Leider wurden die statistischen Zusammenhänge selten öffentlich klar dargelegt und den Behörden kann der Vorwurf von Mystifikation - ob gewollt oder aus statistischem Unverständnis -- nicht erspart bleiben.
Josef Hunkeler, am 19. Mai 2020 um 11:31 Uhr
Es tut einfach gut, wenn auch einmal eine fachliche Kapazität diesen Zahlenschritt klarstellt mit dem wir täglich bombardiert werden. Klar ist einfach, dass wir seit der ersten Infektion völlig und anhaltend im Blindflug navigieren. Wir haben zwar viele Zahlen, diese sagen aber nichts zur Entwicklung aus und lassen deshalb auch kaum Prognosen zu. Ich begreife einfach nicht, warum das BAG das nicht einsehen will und weiter an diesem völlig aussagelosen Zahlensalat festhält. Trotzdem ist für mich klar, dass ich weiterhin sämtliche Vorsichtsmassnahmen befolgen werde. Denn nur wegen diesen unbrauchbaren Zahlen ist das Virus ja trotzdem vorhanden und hoch gefährlich.
Ueli Custer, am 19. Mai 2020 um 12:14 Uhr
Danke dass Sie dem Zahlensalat noch eine schwer verdauliche Sauce hinzufügen.
Stefan Hugi, am 19. Mai 2020 um 13:44 Uhr
Nun ja, in zwei Punkten überzieht Herr Hontschik seine Kritik:
1. «Wie viele der Millionen Tests negativ ausgefallen sind, bleibt im Dunkeln» - in Wahrheit wird dieser Wert (zumindest in der Schweiz) täglich auf der BAG-Website kommuniziert. Anfangs waren es jeweils etwa 15 % postive Tests, dann sank der Anteil - am heutigen 19. Mai meldet das BAG 10 % positiv ausgefallene Tests (oder 90 % negative). Da bleibt also nichts «im Dunkeln».
2. «Die Zahl der bestätigten Fälle wird ständig addiert, steigt deshalb ständig bedrohlich an, von Tag zu Tag. Am Montag, dem 11. Mai (...) «357 mehr als am Vortag». Doch: Wie viele mehr waren es in den vorherigen Tagen?» - Auch hierüber kann man sich täglich leicht orientieren, in der Grafik der BAG-Website (oder z.B. auf SRF-online). Die Zahlen sind zwar je nach Quelle und Zeitpunkt nicht ganz identisch - aber der Trend, auf den es ankommt, ist klar ersichtlich.
Toni Koller, am 19. Mai 2020 um 13:56 Uhr
Endlich einer, der das Kind beim Namen nennt.
Roger Ernst, am 19. Mai 2020 um 14:02 Uhr
Im Grundsatz gehe ich mit dem Schreibenden einig. Diese Zahlen sagen gar nichts aus, ganz besonders, da alle Länder ihre Zahlen auf eigene Grundlagen bauen, die in keiner Weise mit den Zahlen der anderen Ländern übereinstimmen. Es wäre an der WHO gewsen, die genauen Berechnungsgrundlage zu definieren und durchzusetzen. Nur auf dieser Basis wäre etwas Vergleichbares entstanden.
Aus diesem Grunde sieht man aktuell Zahlen aus Russland und aus Afrika, die im höchsten Grade bezweifelt werden müssen.
Wichtig ist für mich, dass in unserem Lande die Zahlen immer auf derselben Basis ermittelt werden und nicht wie beim R-Wert in Deutschland, dessen Berechnungsformel in einem kritischen Moment verändert wurde, damit es eben nicht mehr kritisch aussicht.
Jean-Pierre Guenter, am 19. Mai 2020 um 14:43 Uhr
Das RKI und das BAG verbreiten beide manipulative Statistiken welche gegen grundlegende, mathematische Gesetze widersprechen. Und zwar immer so, und das ist doch auffällig, dass eine Ausbreitung des Virus' suggeriert wird und dies obschon die Ausbreitung rückgängig oder linear ist. Das ist soweit Fakt.

Wieso sie das tun, ist spekulativ und sollte von unabhängigen Gremien untersucht werden. Aktuell sind Verschwörungsthesen wohl die einzig rationalen Thesen. Der Glaube, die bewusste Manipulation hänge mit einem Virus zusammen, ist abwegig. Wenn das Virus derart gefährlich wäre, würden dies Zahlen belegen und man müsste sie nicht einem Narrativ entsprechend verbiegen.
Stöckli Marc, am 19. Mai 2020 um 17:16 Uhr
Genau! Ist bei diesem Schrott Absicht dahinter oder totale Unfähigkeit eine Gefährlichkeit oder Ungefährlichkeit und dessen Verlauf einigermassen zu berechnen? Dazu nichts tut, um Klarheit in das Wirrwar zu bringen. In beiden Fällen gehören solche Leute von Ihrem Posten abgesetzt. Und die angeblich dritte Macht im Staate ebenso, wenn sie so etwas nicht selber merkt und da noch mitmacht (Infosperper ausgenommen).
Nebenbei aus je einer Studie in Deutschland, Dänemark und den USA kann man die relevanten Zahlen ableiten. Durchschnitt der Studie: unter 0.25% Tote MIT Corona von den Angesteckten! Wird eine Übersterblichkeit einer stärkeren Grippe ergeben.
Beat Schärer, am 19. Mai 2020 um 18:12 Uhr
Bernd Hontschik bestätigt, was denkende Menschen schon lange wissen oder zu mindest vermuteten. Damit bestätigt er aber auch die falsche Informationspolitik der offiziellen Stellen rund um die Welt, auch in der Schweiz. Wenn von «Verschwörungstheorien» gesprochen wird, müsste man in erster Linie die Behörden dafür verantwortlich machen.
Pedro Reiser, am 19. Mai 2020 um 18:15 Uhr
Angesichts des nebulösen Umgangs der Medien (und wohl auch einiger Experten) mit ihrem Zahlenmaterial schlage ich so etwas wie einen «radikalen Empirismus» vor:
Nur noch mit Zahlen argumentieren, die wenig oder keinen Interpretationsspielraum ermöglichen.
Davon gibt es auch in der Corona-Diskussion einige:
-Die Anzahl der aktuell mit Covid-19 Diagnose hospitalisierten Patienten sowie deren Alter
-Die Anzahl der neuen Hospitalisationen
-Die Anzahl der Patienten auf Intensivstationen
-Die Entwicklung der Übersterblichkeit (Abweichung vom langjährigen Trend)

Im Gegensatz zu manchen anderen Zahlen, die herumgeboten werden, sind diese Zahlen zufälligerweise auch die wirklich relevanten.
Was kümmert uns die R-Zahl (die zumindest ich ohnehin nicht verstehe)? Entscheidend ist doch, dass die Patientenzahlen sinken, weniger Menschen sterben. Ist das der Fall, so
sind wir auf dem richtigen Weg. Ob die R-Zahl nun 0.8 oder 1.1 beträgt ist zweitrangig.
Beobachten wir zudem die Entwicklung dieser Zahlen über die Zeit, so können wir auch besser beurteilen, welche Massnahmen wirkungsvoll sind oder waren und welche weniger.
Markus Stadler, am 19. Mai 2020 um 21:31 Uhr
Es ist schon erstaunlich, wieviel Applaus hier ein weder virologisch noch statistisch speziell qualifizierter Doktor erhält - offenbar vor allem, weil er so laut ruft. Herrn Hontschiks Strafpredigt ist nämlich erstens - wie weiter oben ausgeführt - selber nicht frei von allerlei Ungereimtem. Zweitens ist es nun mal so, dass der Anteil Infizierter in der Gesamtbevölkerung leider nicht bekannt (weil schwer zu ermitteln) ist. So arbeitet man halt mit der Zahl der laborbestätigten positiven Fälle. Diese sagt durchaus etwas aus (denn praktisch nur Leute mit Symptomen werden ja überhaupt getestet). Wogegen Herr Hontschik behauptet, die Aussagekraft von «357 mehr als am Vortag» sei «gleich null». Mit Verlaub: Wenn die Zahl der registrierten Ansteckungen steigt - oder wie derzeit in der Schweiz gegen Null tendiert -, dann ergibt sich daraus sehr wohl eine nützliche Information über den Epidemieverlauf. Natürlich mit Unschärfen (wie der erfolgten Kriterienerweiterung für die Testzulassung) und nicht auf den Einzelfall genau. Aber wie Statistiker wissen, kommt es auf diesen im gegebenen Zusammenhang auch nicht an.
Natürlich steht in der Corona-Zahlenflut (und in deren medialer Wiedergabe) manches nicht zum Besten. Wer aber alles pauschal als «Schrott» abtut, pflegt damit wohl vorab das eigene Ego.
Toni Koller, am 19. Mai 2020 um 23:56 Uhr
Der Infosperber-Artikelschrott. Und Infosperber wehrt sich dagegen, dass die Medienwoche sie letzthin kritisiert hat! Was steht z.B. in diesem Artikel wirklich Interessantes und vor allem Neues? Nichts! Herr Gasche, Infosperber bekommt so eine Schlagseite und bei mir schleicht sich langsam das Gefühl ein, dass die Objektivität verloren geht und sich hier ein Sammelbecken bildet, wie bei all diesen «Nachdenkeseiten"!
Jan Holler, am 20. Mai 2020 um 07:21 Uhr
@Toni Koller.
Wenn in einem Kanton 16% der getesteten Männer sterben, 4 mal mehr als in ZH heisst das nicht, dass in diesem Kanton die Patienten zu Tode therapiert werden, sondern einfach, dass in ZH mehr getestet wird.

Wenn solche Zahlen in den Medien hochstilisiert werden, ist das schlicht unverantwortlich. Hier ist - ohne entsprechende zusätzliche Erklärungen - der Ausdruck «Zahlenschrott» sicher angemessen. Die täglichen Agenturmeldungen tun aber genau das.
Josef Hunkeler, am 20. Mai 2020 um 09:33 Uhr
Wie mit Zahlen/Fakten umgegangen wird habe ich selbst erfahren. Mein Kommentar zum Thema Übersterblichkeit in einem CH online Medium wurde nicht aufgeschaltet.

Zum Thema Übersterblichkeit habe ich einen Faktencheck zum Faktencheck gemacht.
Auf https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-uebersterblichkeit-103.html wird versucht eine Übersterblichkeit zu Beweisen.
Der Faktenfinder vergleicht die KW 13-16 für die Jahre 2017 - 2020 und leitet davon eine Übersterblichkeit ab. Meiner Meinung nach ist dies Unsinn. Eigentlich sollte man Ereignisse mit Ereignissen vergleichen. Wenn der Bereich 2 Wochen vor und nach den Spitzenwerten der Jahre 2017-2020 miteinander vergleichen wird, dann sieht es anders aus. Was an den Spitzen der Vorjahre geschah habe ich allerdings nicht recherchiert.
Die Aussage über die Übersterblichkeit dürfte man eigentlich erst am Ende des Jahres treffen.

Beim Osterstau vergleicht man schliesslich auch den Stau an Ostern und nicht den Stau derselben Kalendertag der Vorjahre.

Auf https://www.euromomo.eu/graphs-and-maps unter «Excess mortality» kann man übrigens sehen dass im 2019 veniger gestorben wurde als 2018. Ich schliesse daraus dass Cov2 jetzt diese «Untersterblichkeit» nachholt.

Ich habe den Eindruck heutzutage reichen einfache Erklärungen nicht mehr aus. Selbst für noch so einfache Sachverhalte braucht es eine Studie.

Cov2 ist nicht Harmlos. Die Hygienevorschriften machen sinn. Alles weitere ist Unsinn und Panikmache.
Norbert Kurz, am 20. Mai 2020 um 10:49 Uhr
@Norbert Kurz
Die Graphiken auf Euromomo, auf die Sie verweisen, zeigen sehr deutlich, dass in einigen Ländern tatsächlich nicht zu übersehende Peaks im März erscheinen. Der Schluss liegt nahe, dass dies auf Covid-19 zurückzuführen ist. Auf was sonst?.
Aber: Viele Länder zeigen überhaupt keine Übersterblichkeit in diesem Zeitraum. Und die Übersterblichkeit korreliert zudem kaum mit der Strenge der Lockdown-Massnahmen. In Spanien und Italien (Quarantäne) sehen wir wesentlich höhere Sterblichkeit als z.B. bei uns oder in Schweden. Ebenfalls auffällig: Die Höhepunkte der Excess-Mortality in der Schweiz waren bereits überschritten, als bei uns der Lockdown anfing. Offensichtlich waren also die Massnahmen bis dahin bereits ziemlich erfolgreich.
Markus Stadler, am 20. Mai 2020 um 21:38 Uhr
@Markus Stadler
Euromomo sagt nichts aus über die Todesursache. An was die Leute sterben lässt sich nur durch Obduktionen feststellen. Dies wird/wurde nicht systematisch gemacht.
Könnte es ev. sein dass ein Teil der Patienten an der Behandlung sterben? https://www.wodarg.com/covid-19-medical-detectives/

Die Übersterblichkeit in einigen Ländern dürfte andere Ursachen haben.
Ernährung, Bevölkerungsstruktur, Familienstrukturen, Gesundheitsversorgung, Flugreisen, dreckige Luft usw. zurückzuführen sein.
In Schweden soll es an der Organisation der Altersheime liegen. https://www.tagesanzeiger.ch/schweden-wollte-die-alten-schuetzen-und-scheiterte-705468242240

Hier zwei Studien welche ihre Feststellung zu den Höhepunkte der Excess-Mortality bestätigen. https://www.srf.ch/news/schweiz/professorin-zu-den-lockerungen-ich-habe-ein-mulmiges-gefuehl
https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Hoehepunkt-nach-40-Tagen-Ende-bei-60-Tagen-unabhaengig-von-Massnahmen-4709759.html
Norbert Kurz, am 21. Mai 2020 um 11:52 Uhr
Seltsame wie sich die Debatte im öffentlichen Raum auf ein paar erfasste Daten und deren Interpretation beschränkt. Was bei allen Fragen immer wieder als Vergleich bzw. Rechtfertigung im Raum stehen bleibt sind ökonomische Parameter die schon zur Gewohnheit geworden alles andere recht wirksam begrenzen und somit den Spielraum entsprechend einschränkt.
Was man aber sonst abseits vom Hauptstrom der medialen Ergüsse sehen konnte war, wie schön unser aller Lebensräume plötzlich sein können wenn der homo ökonomicus mal gehindert wird dem Geld nach zu rennen.
Der Himmel blau und ohne milchige Schlieren, Gewässer klar und ruhig, Verkehr - Abgase - Lärm fast auf 0, etliche Erkenntnisse über saubere von Abgas befreite Luft, seismische Daten ohne das Grundrauschen menschlicher Aktivitäten, Ruhe, Stille und was mehr. Erinnert sich sonst noch jemand wie das mehrere Wochen war.
Die Erkenntnis das die neoliberale Globalsierung gestoppt, zumindest behindert und nationale Politik agil und effizient bewegen kann, dies aber sonst kaum jemals tut wenn es darum geht Renditen und Profite für die wenigen zu sichern. Anstatt dessen streitet man sich um ein paar Zahlen und Ansichten und fordert von links bis rechts so schnell wie möglich wieder einen Normalzustand herzustellen aber mal ehrlich für wen genau?
Uwe Borck, am 22. Mai 2020 um 07:35 Uhr
Betreffend Zahlenangaben von Bern: Anzahl Genesene wurden nicht (oder versteckt) veröffentlicht. Und ganz zu Anfang, die Entschuldigung zu den ungenauen Zahlenangaben, sie seien halt altmodisch noch 'per Telefax übermittelt'. Was für eine lächerliche Ausrede! Zahlen ab Telefax werden sich doch wohl noch in eine Datei übertragen und eingeben (also einfach abschreiben) lassen. Das Schreiben und Abschreiben von Zahlen, schon in der Primarschule gelernt. Also: Offensichtlich bestand keine vorbereitete Ablauforganisation, kein installiertes StatistikKONZEPT: Art und Definition der erhobenen Zahlen, Häufigkeit, Zeitpunkt bzw. Abgrenzung der Erhebung, Erfassungsstelle, Weiterleitung, statistische Aussage und Interpretation der Ergebnisse, Darstellungsform, usw.

Und wegen der Gesichtsmasken: Ich persönlich habe vor längerer Zeit Schutzmasken gekauft, 'Hygienemasken gemäss Influenza Pandemieplan Schweiz', Typ II nach EN14683, Hersteller 3M, Einkauf im Migros, Paket zu 50 Masken, total Fr. 4.90, zehn Rappen pro Stück! Die Eidgenossenschaft hätte mit acht Millionen Franken (oder dank Mengenrabatt noch billiger) vorsorglich zehn Masken für jeden einzelnen Einwohner anschaffen können, inklusive Bébés. Aber, wo war der Pflichtlagervorrat an Schutzmasken? Und von Desinfektionsmitteln? Und von Sedativen, Beruhigungsmitteln?

Welch eine Gedankenlosigkeit, mangelnde Voraussicht, Unfähigkeit und Pflichtvergessenheit der zuständigen Bürokraten ...!

Gerhard G. Springer, Dr. oec. HSG, von Basel
GERHARD G. SPRINGER, am 27. Mai 2020 um 19:57 Uhr

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