Gouverneur Andrew Cuomo (r.) mit Gesundheitskommissar Howard Zucker, am täglichen Pressebriefing. © pd

Corona Statistiken – New York macht's vor

Monique Ryser / 19. Apr 2020 - Täglich bereinigte Zahlen aus Spitälern, Altersstruktur und Grunderkrankungen: Gouverneur Cuomo liefert alle verfügbaren Daten.

Er wolle immer zuerst Fakten hören, wiederholt der New Yorker-Gouverneur Andrew Cuomo regelmässig an seinen täglichen Medienkonferenzen zum Corona-Virus. Fakten in der Zeit der CoV-2-Pandemie sind bis jetzt vor allem Zahlen. Die Forschung läuft zwar auf Hochtouren, aber noch immer ist über das neue Coronavirus viel zu wenig verifiziert, als dass Lösungen auf dem Tisch liegen würden. Also lässt der als aggressiv und fordernd bekannte Cuomo sämtliche verfügbaren Daten sammeln. Und präsentiert sie täglich. Seit dem 22. März gilt im Staat an der Ostküste ein ähnliches Regime wie in der Schweiz. «Wenn ich will, dass 19 Millionen New Yorker zu Hause bleiben, muss ich alles sagen, was ich weiss – nur dann wird man mir glauben. Ich kann ja nicht 19 Millionen Menschen verhaften lassen», begründet er. So unterteilt er seine Präsentationen in «Fakten» und «Meinung». Cuomo ist zwar stolz, dass im Staat New York bereits über 500'000 Menschen getestet worden sind (getestet wird bei Symptomen und vor allem in Spitälern und bei exponierten Menschen von Rettungsdiensten und Gesundheitssystem). Aber Zahlen über positiv Getestete erwähnt er – im Gegensatz zu den Behörden und Medien in Europa – nur selten - «denn sie sagen nicht viel aus.» Vielmehr setzt der europäischste der US-Bundesstaaten vor allem auf die Zahlen der Hospitalisationen, auf regionale Unterschiede sowie demografische und gesundheitliche Daten der Verstorbenen. So wird der Verlauf der Epidemie verfolgt und werden Lehren gezogen.

Belastung der Spitäler

Viele Journalistinnen und Journalisten haben in den vergangenen Wochen die Schweizer Behörden vergeblich nach den Zahlen der Hospitalisationen und belegten Intensivplätzen gefragt. Diese würden täglich, wenn nicht stündlich ändern, deshalb seien sie nicht sinnvoll, wurde ihnen vom Bundesamt für Gesundheit beschieden.

New York sieht das anders und veröffentlicht täglich die bereinigte Zahl der Spitaleintritte und -austritte. Die Eintritte betragen zwar immer noch rund 2000 pro Tag. Bereinigt zeigen diese Zahlen aber für alle sichtbar, dass seit dem 3. April die Zahl der Covid-19-Patientinnen und -Patienten stetig sinken. In den letzten Tagen wurden sogar mehr Austritte als Eintritte verzeichnet.

Die bereinigten Zahlen der Spitaleintritte und -austritte.

Cuomo nutzt diese Zahlen, um der Bevölkerung täglich aufzuzeigen, dass die strengen Massnahmen wirken. So ist im ganzen Staat auch immer klar, wie viele Spitalplätze besetzt sind und, mit der regionalen Aufteilung in einer anderen Liste, wo sie liegen. Da er aber täglichen Zahlen nicht vertraut, gibt es immer auch Statistiken, die den Drei-Tages-Verlauf aufzeigen und so mehr Sicherheit geben.

Weiterer Anhaltspunkt sind die belegten Plätze in den Intensivstationen:

Auch hier werden täglich bereinigte Nettozahlen von Ein- und Austritten aufgezeigt. Diese Statistik stellen die Behörden in der Schweiz und in Deutschland nicht zur Verfügung.

Da für die Behandlung der schwer Erkrankten Beatmungsgeräte essentiell sind, gibt es auch hierzu einen täglichen Überblick:

Auch New York musste Beatmungsgeräte zukaufen und von anderen Staaten ausleihen. Jetzt werden sie den Städten und Staaten zur Verfügung gestellt, die sie brauchen.

Der Staat New York hat eine Logistik aufgezogen, die Beatmungsgeräte wenn nötig von Spital zu Spital transportiert, je nach den Bedürfnissen der einzelnen Spitäler und Bezirken. Das vom Militär aufgebaute Notspital Javis diente dabei als Reserve. Bis anhin wurden dort 800 Patientinnen und Patienten aufgenommen.

Die Verstorbenen

Über 12'000 Menschen sind im letzten Monat in New York an Covid-2 gestorben. Gouverneur Cuomo wiederholt immer wieder, er sei nicht bereit, Dollarnoten gegen Leben aufzurechnen. Die Aufgabe des Staates sei es, Leben zu retten und durch geeignete Massnahmen zu schützen. Die genaue Datenerhebung über die Todesfälle ergab erschreckende Resultate: So musste er kommunizieren, dass unter Afroamerikanern die Todesrate höher sei, als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Afroamerikaner machen im Staat New York nur neun Prozent der Bevölkerung aus, sind mit einem Anteil von 18 Prozent unter den Toten aber massiv übervertreten. Bei der weissen Bevölkerung ist es umgekehrt: Sie machen 74 Prozent der Bevölkerung aus, ihr Anteil bei den Todesfällen beträgt jedoch «nur» 60 Prozent. «Dieser Unterschied ist schrecklich und nicht akzeptabel. Wir müssen rasch herausfinden, an was es liegt: An der grösseren Armut der schwarzen Bevölkerung, weil sie enger zusammenleben? Weil sie keine Krankenversicherung haben? An was liegt es – unsere Aufgabe ist es, das zu verhindern. Und zwar rasch.»

Über 12'000 Menschen sind seit Ausbruch der Krise gestorben. Die Statistik zeigt, wer besonders gefährdet ist.

Die genauen Datenreihen zeigen auch, wer übermässig gefährdet ist, am Coronavirus zu sterben: Männer mit hohem Blutdruck, Diabetes und im Alter von über 60 Jahren haben das grösste Risiko. Die Statistik (Stand 17. 4. 2020) der grundlegenden Erkrankungen zeigt deutlich, dass eine Vorbelastung durch hohen Blutdruck (6944 Tote / davon 6200 über 60-jährig) und Diabetes (4571 Tote / 3900 über 60-jährig) die grössten Risikofaktoren sind. Fast 90 Prozent der Verstorbenen litten an einer grundlegenden Erkrankung, fast 85 Prozent waren über 60-jährig. Insgesamt waren fast 60 Prozent der Verstorbenen Männer.

Ein Drittel der Verstorbenen lebte in Altersheimen oder Heiminstitutionen für Erwachsene. Diese statistischen Daten gibt es seit ein paar Tagen und Cuomo entschuldigte sich bei den Medien, diese Zahlen nicht früher erhoben zur haben.

Bei den jüngeren Verstorbenen handelt es sich, laut Cuomo, vor allem um Menschen, die im Gesundheitswesen und bei Diensten tätig sind, die mit Kranken in intensiven Kontakt kommen.

Eine neue Normalität

Für Cuomo ist klar: Bis eine wirksame Impfung vorhanden ist, wird es keine Rückkehr zur gewohnten Normalität geben. «Es wird ein neues Normal geben. Nur mit Testen auf Antikörper, auf den Virus, mit Suchen der Kontaktpersonen, Isolationen und Quarantäne der Betroffenen werden wir einen Ausstieg finden», erklärt er immer wieder. Dafür brauche es viele und frühzeitige Tests auf das Virus und eine «Armee von Trackern», also Personen, die nach der festgestellten Infektion einer Person, deren Kontaktpersonen sehr rasch finden und isolieren können. New York beginnt jetzt mit 2000 Antikörpertests. Ziel müsse sein, pro Tag 100'000 solcher Tests anzubieten. Erst müssten alle diese Kapazitäten geschaffen werden, damit es bei einer Aufhebung des Lockdowns nicht zu einer erneuten Beschleunigung der Ansteckungen komme. «Nach einem Monat strengen Regeln ist es so, dass eine Person im Durchschnitt noch 0,9 Personen ansteckt. Aber schon bei einem Wert ab 1,4 (eine Person steckt im Durchschnitt 1,4 Personen an) besteht wieder die Gefahr einer exponentiellen Ansteckungsrate. Die Marge ist klein, wir haben nicht viel Spielraum», sagt Cuomo.

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5 Meinungen

Besten Dank für diesen Aufruf zur Transparenz.

Immerhin scheint das BAG den Infosperber gelesen zu haben und wenigstens auf die Frage der Darstellung der retroaktiven Korrektur der Fall-Graphiken etwas aufgeholt zu haben.

Die meisten am 18.4.20 nachträglich im Situationsbericht hinzugefügten Todesfallangaben (bis zwei Wochen zurück) betreffen übrigens Spitäler im TI, in BE, ZH und TG. Offenbar funktionieren in diesen Kantonen die Faxgeräte nicht mehr so ganz oder Kopierfehler von unlesbaren Ausdrucken haben zu diesen Ungereimtheiten beigetragen.

Schön zu sehen, dass der Gouverneur von NY in der digitalen Welt angekommen ist.
Josef Hunkeler, am 19. April 2020 um 09:02 Uhr
Danke, ein Betrag den ich für wertvoll halte. Ich stelle mir immer wieder folgende Fragen: Warum wurde in der Schweiz noch kein Echtzeit Online Blog eingerichtet, wo besorgte Bürger 24 Stunden rund um die Uhr Fragen an Fachpersonen stellen können, und umgehend online eine Antwort erhalten, wo alle anderen Mitlesen können. Das vorgefertige Frage-Antwort Portal, wo keine persönlichen Fragen gestellt werden können, und zuerst 3 Stunden lang in den vorgefertigten Fragen und Antworten gesucht werden muss, um womöglich eine Auskunft für das persönliche Anliegen zu erhalten, taugt meiner Ansicht nach nicht viel. Es ist besser als gar nichts, und es wäre schön wenn der Seiteninterne Suchmodus auch auf jedem Browser funktionieren würde. Wer liest schon 3 Stunden lang 200 Fragen/Antworten durch, um am Schluss keine Antwort zu bekommen. Derselbe Webblog fehlt für Fachleute als Think-Tank, denn immer mehr Aerzte gewinnen Erkenntnisse im Umgang mit SARS-2 Patienten, sie können die für die Forschung hilfreichen Erkenntnisse aber nirgends kommunizieren, ausser beim überforderten BAG oder in den sozialen Medien sowie auf der eigenen Webseite. Wenn also eine Person «Non-Grata» wie ich es bin, eine relevante Information hätte, welche für die Behandlung von SARS2 von Vorteil wäre, bekomme ich auf Twitter von Trumps Sekretär eher eine Antwort als vom BAG. Auch wenn unter meiner Information der Name eines europaweit bekannten Arztes steht samt Unterschrift.
Beatus Gubler, am 19. April 2020 um 12:55 Uhr
"Da für die Behandlung der schwer Erkrankten Beatmungsgeräte essentiell sind, ..."
Für mich wäre es eine brennende Frage, ob die obige Behauptung stimmt. Man hört Nachrichten von Intensivmedizinern von der Front, die die Meinung vertreten, dass mit mechanischer Beatmung mehr Schaden als Nutzen angerichtet werde. Man hört von Patienten, die von den Ärzten an ein Beatmungsgerät angeschlossen worden wären, wenn sie sich nicht mit Patientenverfügung dagegen gewehrt hätten, und die anschliessend mit schonenderer Behandlung (Sauerstoff ohne Zusatzdruck) viel besser als erwartet genesen sind.
Man darf nie vergessen, dass Covid-19 eine neue Erkrankung ist, und dass die von der Schulmedizin vorgesehene Standardbehandlung nicht erprobt und validiert ist.
Daniel Heierli, am 20. April 2020 um 08:56 Uhr
Ich möchte Sie zu einem konstruktiven Austausch mit dem Besitzer der Seite https://synergy.think-systems.ch/corona-info.htm auffordern. Da geht es nicht um Journalismus und Diskussionen, sondern um einen Weg hin zu echten Lösungen mit Substanz. Der Schweizer Physiker Dr. Peter Meier zeigt einen möglichen Ausweg aus einem viel grösseren Dilemma unserer Zeit, in welcher unendlich viele Symptome abgehandelt werden, ohne eine Ursache wirklich zu verstehen oder zu kennen. Hier gilt es die Kräfte zu bündeln und an echten Lösungen zu arbeiten. Danke!
Roger Zamofing, am 20. April 2020 um 15:52 Uhr
Weshalb lenken Politik und Leitmedien nicht ein. Langsam muss es doch bei JEDEM Entscheidungsträger angekommen sein, dass die Zeiten in welcher die Parole: «Der Bundesrat empfiehlt und das Volk folgt dem Bundesrat» der Vergangenheit angehören und die Menschen anfangen mündiger zu werden und die Schafwolle abstreifen. Es muss doch auffallen, dass immer mehr Menschen zu alternativen Medien greifen und sich dort «mindestens» ebenfalls informieren um sich ein objektives Bild machen zu können. Zu Beginn war Infosperber noch eher Russland kritisch, das hat sich zu einer tatsächlich neutralen Berichterstattung geändert. Generell ist, wer über einen gesunden Menschenverstand verfügt, gut beraten, sich bei Infosperber zu informieren. Das zeigt auch wieder dieser Artikel. Mir erschliesst sich einfach nicht, weshalb die Entscheidungsträger noch immer an ihren veralteten Strukturen festhalten und nicht dazu stehen was wirklich Sache ist. Die Spaltung wird immer offensichtlicher und durch die Massnahmen der Corona Krise noch massiv verstärkt. Blicke ich in die Zukunft ahne ich deshalb nichts Gutes.
Thomas Huber, am 30. April 2020 um 13:46 Uhr

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