Jedes Jahr kommt es wegen vermeidbarer Fehler zu 60'000 Nachbehandlungen und -operationen © cc

Schwere Körperverletzungen von Ärzten: Von A bis Z.

Urs P. Gasche / 14. Sep 2019 - Medizinische Über- sowie vermeidbare Fehlbehandlungen sind Delikte, die meist ungeahndet bleiben. Infosperber bricht ein Tabu.

Alle unzweckmässigen Eingriffe am menschlichen Körper sind rechtswidrige Körperverletzungen. Dazu gehören alle

  • fahrlässigen Überbehandlungen;
  • vermeidbaren Fehlbehandlungen.

Vermeidbare Fehlbehandlungen, bei denen Patientinnen und Patienten einen gesundheitlichen Schaden erleiden, sind sogar als schwere Körperverletzungen zu qualifizieren. In der Schweiz müssen nach Schätzung des BAG jedes Jahr etwa 60'000 Patientinnen und Patienten, die in einem Spital einen vermeidbaren gesundheitlichen Schaden erleiden, nochmals operiert oder nachbehandelt werden.

Zu einer Prozessflut kommt es nur deshalb nicht, weil es in der Schweiz kein Recht auf Sammelklagen gibt, und weil der betroffene Patient selber beweisen muss, dass die Behandlung nicht zweckmässig oder überflüssig war. Im Einzelfall ist dieser Nachweis sehr schwierig und teuer. Nach heutiger Rechtslage ist es einfacher, einem Arzt nachzuweisen, dass er eine mögliche Diagnose oder Behandlung unterliess, als ihn einer unzweckmässigen Behandlung zu überführen. Das ist einer der Gründe, weshalb Ärztinnen und Ärzte in Zweifelsfällen lieber zu viel diagnostizieren und behandeln als zu wenig («defensive medicine»).

Tessin als Paradebeispiel

Einen einmaligen Anschauungsunterricht für Über- und Fehlbehandlungen bietet der Kanton Tessin. Vor zwanzig Jahren gab es dort weder ein Herzzentrum noch praktizierende Herzchirurgen. Die Abteilung für Kardiologie war im öffentlichen Regionalspital Ospedale Civico in Lugano eingebettet. Patientinnen und Patienten, die einen Herzeingriff nötig hatten, liessen sich vor allem in Zürich, in der Westschweiz oder in Bern behandeln. Doch im Vergleich zum Rest der Schweiz liessen sich die Einwohner des Kantons Tessin nur selten am Herzen behandeln – weit unter dem Schweizer Durchschnitt. Das zeigten Statistiken der Krankenkassen.

1995 spendete der deutsche Arzt Eduard Zwick, der – von den deutschen Steuerbehörden verfolgt – seit 1982 als Steuerflüchtling in der Schweiz wohnte, eine grosse Summe zur Errichtung eines Herzzentrums im Tessin. Dieses neue Cardiocentro Ticino CCT eröffnete den Betrieb im Jahr 1999 in Lugano.
Seither sind die Herzeingriffe sprunghaft gestiegen: Die Zahl der Koronarangioplastien PCI, der koronaren Bypass-Operationen CABG und der eingesetzten Herzschrittmacher ist heute im Tessin 50 bis 80 Prozent höher als im Durchschnitt der übrigen Schweiz.

In den Jahren 2005 bis 2011 wurden die Einwohner des Kantons Tessin doppelt so häufig einer Bypass-Operationen unterzogen wie die Einwohner der Kantone Graubünden, Obwalden oder Zug. In der Hit-Rangliste der Bypass-Operationen lag der Kanton Tessin um 29 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt, nachdem er noch wenige Jahre zuvor abgeschlagen weit unter dem Durchschnitt lag.1

Was ich nicht weiss...

Entlarvend: Für dieses exemplarische Beispiel eines raschen Übergangs von statistisch niedriger Behandlungsintensität zu einer statistisch stark überdurchschnittlichen Zahl von Eingriffen interessierte sich niemand: Weder ärztliche Fachgesellschaften noch Behörden noch Universitäten oder Fachhochschulen haben Vor- und Nachteile für die Tessiner Bevölkerung verfolgt und untersucht.
Die entscheidende Frage: Erkranken, leiden und sterben heute weniger Tessiner Einwohner an Herzkreislaufkrankheiten als vor zwanzig Jahren?

Für das Untersuchen solcher Fragestellungen wären wahrscheinlich keine Drittmittel zu akquirieren gewesen. Wer am Gesundheitsmarkt gut verdient – Kardiologen, Spitalinvestoren, Hersteller von Stents und Pharmafirmen – hat kein Interesse daran zu erfahren, dass ein Teil der Eingriffe wahrscheinlich in die Kategorie Über- und Fehlbehandlungen eingeteilt werden müsste.
Ohne wissenschaftliche Anhaltspunkte können die Leistungserbringer weiterhin behaupten, die Tessiner seien bis vor zwanzig Jahren unterversorgt gewesen und heute besser versorgt als die Einwohner der Kantone Graubünden, Obwalden oder Zug, die nur halb so viele Eingriffe machen lassen.

Die Behörden messen die Qualität des Gesundheitssystems ohnehin nicht an den Resultaten der Behandlungen, sondern am medizinischen Angebot an Ärzten, Spitalbetten, der Zahl der MRI- und CT-Geräte usw.

Doppelt so viele Stents

Stents sind Röhrchen aus Metall oder Kunststoff, die mit einem Herzkatheter in eine Arterie eingeführt und an einer verengten Stelle platziert werden, wo sie diese offen halten sollen, um einen künftigen Herzinfarkt zu verhindern. Das Prozedere birgt Risiken. Zudem verschliesst sich die Arterie mit der Zeit häufig trotzdem und es besteht Gefahr einer lebensbedrohenden Thrombose. Regelmässig kommen neue Modelle auf den lukrativen Markt, meist teurere, die angeblich sicherer sind und länger halten als die jeweils bisherigen. Dies wird jedoch nicht mit Langzeitstudien belegt.

Im Tessin werden heute pro Einwohner fast doppelt so viele Stents eingesetzt wie im Kanton St. Gallen, etwa 40 Prozent mehr als im Kanton Bern und immer noch 25 Prozent mehr als im Kanton Zürich. Insgesamt gehört der Kanton Tessin heute zur Gruppe der Kantone Basel-Stadt, Neuenburg und Luzern, in denen die Bevölkerung in den Jahren 2005 bis 2011 «deutlich häufiger als im Schweizer Durchschnitt» mit Stents behandelt wurden. Das geht aus einer Obsan-Studie aus dem Jahr 2014 hervor2.

Doch niemand zeigte sich und zeigt sich interessiert zu untersuchen, ob die Tessinerinnen und Tessiner heute weniger an Herzkreislaufkrankheiten leiden und daran sterben, oder ob es ihnen angesichts der eingegangenen Operationsrisiken gesundheitlich sogar schlechter geht als früher.

Der Einsatz von Stents ist am nützlichsten und häufig lebensrettend unmittelbar nach einem erlittenen Herzinfarkt. Stents beheben jedoch die Ursache der Erkrankung nicht. Für das Vermeiden von Arterien-Verstopfungen müssen in erster Linie Risikofaktoren verringert werden: Rauchen, zu hoher Cholesterinspiegel, Hypertonie, Diabetes und Übergewicht. In zweiter Linie sind Medikamente zweckmässig.

An einer Herzschwäche oder Herzinsuffizienz leiden viele Patientinnen und Patienten. Falls ihr Zustand jedoch insgesamt stabil ist («stable patients with coronary artery disease»), helfen ihnen Medikamente. Stents bringen ihnen keinen Zusatznutzen. Weder kommt es zu weniger Herzinfarkten noch leben diese Patienten länger.3 Trotzdem kommen die meisten Stents genau bei solchen Patientinnen und Patienten zum Einsatz, denen sie nichts nützen, erklärte Professor Michael Ozner.

Das ist nicht irgendein Professor. Ozner ist ärztlicher Direktor des Herzkreislauf-Präventionsinstituts von South Carolina in Florida und hatte als einziger weltweit Behandlungsergebnisse verglichen. Und zwar diejenigen in den USA, wo Stents sehr häufig verwendet wurden, mit denen in Kanada, wo Stents viel seltener zum Einsatz kamen. Statt eines Zusatznutzens dank häufigem Stent-Einsatz musste Ozner in den USA lediglich viel mehr Opfer von Komplikationen feststellen. 2010 veröffentlichte er das Buch «The Great American Heart Hoax: Lifesaving Advice Your Doctor Should Tell You about Heart Disease Prevention (But Probably Never Will)».

In der Schweiz kommt es ebenfalls zu vielen Über- und Fehlbehandlungen mit Stents, wenn auch wahrscheinlich weniger häufig als in den USA. Denn in der Schweiz sind mehr Patienten, die an Herzinsuffizienz leiden, bei Kardiologen in Behandlung, die selber keine Stents einführen. Eine Statistik darüber fehlt.

Überbehandlungen mit Herzkathetern

Für diagnostische Zwecke werden in der Schweiz jährlich rund 40'000 Koronarangiografien mit Herzkathetern durchgeführt. Dies setzt die Patientinnen und Patienten jedes Mal einem Risiko aus. Obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass Herzkatheter – ausser in Notfällen – erst eingesetzt werden sollen, wenn nicht-invasive Massnahmen nicht helfen4, werden bei über einem Drittel der Patientinnen und Patienten Koronarangiografien durchgeführt, ohne es vorher mit nicht-invasiven Massnahmen versucht zu haben. Das ergab 2012 eine Studie an über 2714 Patientinnen und Patienten in der Schweiz.5

Die US-Kardiologin Leslie Cho von der Cleveland Clinic machte im Jahr 2012 für die vielen Über- und Fehlbehandlungen in den USA das perverse Anreizsystem verantwortlich: «Wenn ich in 5 Minuten einen Stent in eine Arterie platziere, verdiene ich 8000 Dollar. Wenn ich 45 Minuten mit dem Patienten rede und sein Befinden abkläre, verdiene ich 15 Dollar.»

Viele falsche Anreize für Ärzte und Spitäler, wenn auch nicht ganz so krasse, gibt es auch in der Schweiz. Als Folge davon werden Schweizerinnen und Schweizer häufiger überdiagnostiziert, mit Kathetern behandelt und operiert als etwa Holländerinnen und Holländer, Norwegerinnen und Norweger oder Schwedinnen und Schweden. Die Überdiagnosen und Überbehandlungen bringen den Patientinnen und Patienten keinen Nutzen, sondern gefährden sie und schaden ihrer Gesundheit.

Gebärmutter, Kreuzband, Knie- und Hüftgelenke, Meniskus

Was beim Einsatz von Stents und bei Bypass-Operationen zutrifft, ist bei manchen anderen Operationen zu beobachten. Nach Angaben von David Klemperer, Professor für öffentliche Gesundheit in Regensburg, entfernen Chirurgen bei vergleichbaren «normalen» Frauen doppelt so häufig die Gebärmutter als bei Gattinnen von Ärzten. Bei vergleichbaren Kindern unter der «Normalbevölkerung» operieren Chirurgen doppelt so häufig die Mandeln wie bei Kindern von Kinderärzten. Das seien klare Indizien für unzweckmässige Eingriffe.

Unbestritten sind rechtswidrige Körperverletzungen auch bei unzweckmässigen Operationen des Kreuzbands, des Meniskus, der Knie- und Hüftgelenke und des Rückens. So segensreich solche Operationen für Patientinnen und Patienten sein können, die sie wirklich benötigen, so nutzlos und schädlich sind sie für viele andere.

In einer Studie hat man Orthopäden und Radiologen Hunderte Röntgenbilder und Computertomografien gezeigt. Bei jedem Dritten Bild diagnostizierten die Ärzte krankhafte Befunde, bei denen sie eine Operation empfahlen. Was die Ärzte nicht wussten: Sämtliche Aufnahmen stammten von Personen, die völlig beschwerdefrei waren.7 Die «NZZ am Sonntag» kommentierte am 30. Oktober 2016: «Die Überversorgung ist im Schweizer Gesundheitswesen zu einem der grössten Probleme geworden. Darüber gesprochen wird jedoch selten.»8

Festklammern an falschen finanziellen Anreizen

Kaum jemand bestreitet mehr, dass «falsche finanzielle Anreize» unzweckmässige Über- und Fehlbehandlungen begünstigen. Besonders stossend ist zum Beispiel das Zahlen von Boni. Christian Hess, früher Chefarzt für Innere Medizin am Spital Affoltern ZH, zitiert eine FMH-Studie, wonach bei Chefärzten die leistungsabhängigen Prämien bereits einen Viertel der Löhne ausmachen.9

Entsprechend gering sei der Anreiz, Patientinnen und Patienten beispielsweise zu raten, mit einem Ersatzgelenk möglichst lange zuzuwarten und es vorerst beim Bekämpfen der Schmerzen zu belassen. Oder diffuse Rückenschmerzen vorerst mit Bewegung, Physiotherapie oder Osteopathie zu therapieren. Im Gegenteil: Solche Ratschläge schmälern die Einkommen von Chirurgen und Spitälern.

Die «Selbstverantwortung» von Spitälern und Ärzten funktioniert nicht. Deshalb müssen finanzielle Entschädigungen, die von der Zahl der durchgeführten Operationen abhängen, endlich auch in der Schweiz gesetzlich verboten werden. Das ist in unserem Nachbarland Deutschland, in Holland und in ganz Skandinavien bereits der Fall!

Ebenso verwerflich sind Rabatte und Kickbacks an Spitäler und Chirurgen, wenn sie Medizinalprodukte eines bestimmten Herstellers verwenden. Das können Herzschrittmacher, künstliche Gelenke oder Cages zum Stabilisieren der Wirbelsäule sein. Nicht das für den einzelnen Patienten zweckmässigste Produkt kommt dann zum Einsatz, sondern das, mit dem ein Zusatzverdienst möglich ist.

In Umfragen sagte die Mehrheit der Chirurgen, dass sie sich selber von finanziellen Anreizen nicht beeinflussen liessen, viele ihrer Kollegen jedoch schon. Dass viele Chirurgen – wie die meisten Menschen – finanziellen Anreizen erliegen, zeigt sich deutlich daran, dass sie den Halbprivat- und Privatversicherten fast doppelt so häufig eine Knieprothese einsetzen wie Allgemeinversicherten, bei denen es weniger zu verdienen gibt. Ähnlich sehe es bei Eingriffen an der Wirbelsäule oder beim Ersatz von Hüftgelenken aus, erklärte Annina Hess-Cabalzar, Psychotherapeutin und Präsidentin der «Akademie Menschenmedizin».10

Frauen: Abstrich alle drei Jahre genügt

Frauenärztinnen und Frauenärzte in der Schweiz, Deutschland und Österreich verdienen an jeder überflüssigen Handlung. Das ist der wichtigste Grund, weshalb es zu vielen nutzlosen und deshalb rechtswidrigen Eingriffen kommt – mit allen Risiken für die betroffenen Patientinnen. In fast allen andern Ländern Europas hängt der Verdienst von Frauenärztinnen und Frauenärzten nicht davon ab, wie viele Abstriche sie vornehmen, wie viele Gebärmutteroperationen sie durchführen, oder wie viele andere gynäkologische Untersuchungen sie machen.

Ein Beispiel dafür ist der Abstrich der Gebärmutter zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs (Pap-Test). Die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende «Internationale Agentur für Krebsforschung» IARC empfiehlt den Frauen, bei normalem Befund drei bis fünf Jahre zu warten, bis sie erneut für einen Abstrich in eine Praxis gehen. Weil ein jährlicher Abstrich nach einem guten Befund unnötig und unnütz ist, müssen die Krankenkassen in der Schweiz einen Abstrich nur alle drei Jahre übernehmen.

Sogar die Interessenvertretung der Frauenärztinnen und Frauenärzte, die «Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe» SGGG empfiehlt ihren Mitgliedern, den Pap-Test zur Früherkennung nur jedes zweite oder dritte Jahr zu machen.

Trotz dieser Empfehlungen und Richtlinien erliegen viele Ärztinnen und Ärzten offensichtlich den finanziellen Anreizen. Unter dem Titel «Krebsprävention: Frauen werden zu häufig getestet» haben der «Tages-Anzeiger»11 und der «Bund» über «rund eine Million unnötige Abstriche» berichtet. Die Zeitungen stützten sich auf eine Erhebung des Bundesamts für Gesundheit BAG. Danach führen Ärztinnen und Ärzte den Pap-Test bei 78 Prozent der 18- bis 24jährigen Frauen jedes Jahr durch, und bei zwei Dritteln der 25- bis 49-jährigen ebenfalls.

Da es über 2,5 Millionen Frauen im Alter von 21 bis 69 Jahre gebe, komme man auf eine Million unnötiger Abstriche pro Jahr.

Der «Tages-Anzeiger» zitierte Chefarzt Daniel Surbek, der bei der SGGG für die Qualitätssicherung zuständig ist. Er habe sich «überrascht» gezeigt und ermahnte die Gynäkologinnen und Gynäkologen, ihre Patientinnen korrekt zu informieren. «Viele Frauen empfinden den Abstrich als unangenehm und freuen sich, wenn sie ein oder zwei Jahre aussetzen können», meinte Surbek. Offensichtlich müsse sich vor allem etwas in den Köpfen der Frauenärzte ändern. Er erwähnte nicht, dass das Portemonnaie manchen Ärztinnen und Ärzten offensichtlich näher liegt als der Kopf.

Männer: Unnötig impotent und inkontinent

Männern geht es nicht besser. Sie werden häufig unnötig inkontinent und impotent, weil sie sich unnötig die Prostata entfernen lassen. Ein Grund: Urologen verdienen in der Schweiz – im Gegensatz etwa zu Holland – umso mehr, je häufiger sie eine Prostata operieren.

«Die Einzelleistungsvergütung führt zu einem Überangebot an ärztlichen Leistungen», stellt Allgemeinmediziner Felix Huber fest. Nur in Ärztenetzen hätten Ärzte häufig eine Mitverantwortung für das gemeinsame Budget und deshalb «keine Interesse mehr, Überbehandlungen anzubieten». Huber ist Co-Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der mediX Gruppenpraxis in Zürich.

Perverser Anreiz

Die Entschädigung jeder einzelnen Handlung einer Ärztin oder eines Arztes ist ein perverser Anreiz: Ein Arzt, der seine Patienten nicht gesund bekommt, erhöht mit den zusätzlich nötigen Behandlungen sein Einkommen. Eine erfolgreiche Ärztin dagegen, die nur das Sinnvolle macht und keinen unnötigen Schaden anrichtet, wird finanziell bestraft.

Doch bei der Diskussion um eine bessere Qualität der Gesundheitsversorgung sind diese grundlegend falschen Anreize für die Ärzteschaft mit eigener Praxis ein Tabu.

Ärztinnen und Ärzte reagieren empört, wenn man sie darauf anspricht: Sie würden – mit Ausnahme weniger schwarzen Schafe – immer zum Wohle ihrer Patientinnen und Patienten handeln und sich nicht vom Geld beeinflussen lassen. Sobald man aber vorschlägt, sie sollten pauschal entschädigt oder im Fixlohn angestellt sein, oder wie Spezialärzte in Holland pro Minute im Einsatz bezahlt werden – gleichgültig ob aufklärendes Gespräch oder Eingriff –, prophezeihen die gleichen Ärztinnen und Ärzte, dass viele Ärzte ihre Patienten dann nicht mehr genügend behandeln würden. Plötzlich spielt der finanzielle Anreiz beim Behandeln doch eine Rolle.

Pharmakonzerne: Mehr Umsätze und Gewinne mit unerlaubten Anwendungen

Bei Medikamenten limitieren die Behörden die Zulassung für diejenigen Diagnosen, für die sie wirksam und zweckmässig sind. Diese Limitierung schränkt die Umsatz- und Gewinnmöglichkeiten von Pharmakonzernen ein. Deshalb versuchen Hersteller immer wieder, ihre Arzneien rechtswidrig auch für nicht zugelassene Indikationen anzupreisen und zu verkaufen. Ein Auszug aus dem Sündenregister:

  • Der Pharmakonzern Eli Lilly bekannte sich 2009 vor einem Bundesgericht in Pennsylvania schuldig, das Psychopharmakum Zyprexa für unerlaubte Anwendungen beworben, vertrieben und verkauft zu haben. Der Konzern zahlte eine Busse von 550 Millionen Dollar – dazu über 800 Millionen Dollar Entschädigungen an Patientinnen und Patienten.12
  • Der Pharmakonzern Pfizer zahlte 2009 eine Busse von 1,3 Milliarden Dollar wegen Bewerbung des Arthritismittels Bextra für nicht zugelassene Indikationen. Eine zusätzliche Milliarde Busse zahlte Pfizer wegen Bestechung von Ärzten und Übervorteilung der Versicherungen Medicare und Medicaid.13
  • Novartis gab im Jahr 2010 in den USA zu, unter anderen das Medikament Trileptal gegen Epilepsien auch für weitere, nicht zugelassene Anwendungen empfohlen und vermarktet zu haben. Novartis zahlte eine Busse von 185 Millionen Dollar – dazu 237 Millionen Dollar an Zivilkläger wegen Falschanpreisung von Trileptal und fünf weiteren Medikamenten.14

Das verbotene Anpreisen eines Medikaments für nicht bewilligte Anwendungen ist auch in der Schweiz verbreitet. Doch sowohl die Bewilligungsbehörde Swissmedic wie das Bundesamt für Gesundheit blieben und bleiben weitgehend passiv. In der Schweiz können Pharmakonzerne darauf zählen, dass eine (bescheidene) Busse von höchstens 50'000 Franken erst im Wiederholungsfall droht, und dass die Behörden den Namen der verwarnten oder gebüssten Firma und deren Produkt nicht öffentlich bekannt geben. Ein Image-Verlust ist deshalb nur in Ausnahmefällen zu befürchten.

Die lasche Praxis der Aufsichtsbehörden – mindestens in Europa – ist eine Einladung für die Firmen, die Medikamente für Anwendungen zu propagieren, für die sie gar nicht zugelassen sind. Mit den oben erwähnten Medikamenten haben die Konzerne Umsätze von mehreren Milliarden erzielt.

Das fahrlässige Verschreiben von Medikamente für unzweckmässige Anwendungen ist rechtswidrig. Patientinnen und Patienten werden nicht mit den Arzneimitteln behandelt, die für sie am hilfreichsten sind. Bei unzweckmässigen Eingriffen am Körper werden Patientinnen und Patienten sogar Opfer von Körperverletzungen. Nach Angaben der Stiftung für Patientensicherheit geht es bei fast der Hälfte von Fehlermeldungen in Spitälern um Medikamente.

Abhilfe nicht erwünscht

Schliesslich kommen alle als Prämienzahlende zur Kasse, weil jede Überversorgung und Fehlversorgung unnötige Kosten verursacht. Würden alle Ärztinnen und Ärzte, alle Spitäler, Apotheken und die andern Anbieter nur das tun, was im konkreten Fall «wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist», wie es das Krankenversicherungsgesetz KVG vorschreibt, könnten die Prämien massiv gesenkt werden. Darüber sind sich fast alle einig. Um dies zu erreichen, genügt es jedoch nicht, an einzelnen gesetzlichen Verordnungen herumzubasteln. Es bräuchte radikale Massnahmen. Doch die meisten Leistungserbringer sträuben sich dagegen, weil sie befürchten, etwas weniger zu verdienen. Da erhöht man lieber die Mindestfranchisen der Prämienzahlenden:

  1. Freiberufliche Ärzte und Chirurgen sollen nicht mehr an jeder Einzelleistung verdienen können (Tarmed-System), sondern wie in den meisten Ländern Europas entweder pauschal entschädigt (Fall- oder Kopfpauschalen) oder im Lohnverhältnis angestellt werden.
  2. In Spitälern sind alle Kickbacks, Boni und andere Lohnbestandteile zu verbieten, die von der Anzahl der Operationen abhängen.
  3. Ausser in Notfällen sollen Patientinnen und Patienten zuerst einen Grundversorger oder den Arzt einer HMO-Gruppenpraxis konsultieren müssen, bevor sie eine Notfallstation oder einen Spezialarzt aufsuchen. Die Triage durch die Grundversorger hat sich in allen Ländern bewährt, wo sie obligatorisch ist.
  4. Vor nicht dringenden Operationen ist obligatorisch eine Zweitmeinung einzuholen bei einem unabhängigen Arzt. Vermittlung zum Beispiel durch OPcheck.
  5. Behandlungsresultate müssen vergleichbar erfasst und veröffentlicht werden. Das gilt in erster Linie für Operationen. Deren Resultate sind nicht nur bei Spitalaustritt zu erfassen, sondern systematisch und vergleichbar auch ein Jahr nach der Operation.
  6. Einführung einer verschuldensunabhängigen Patientenentschädigung («No-Fault Compensation for Medical Injuries»). Haftpflichtklagen gegen Ärztinnen und Ärzte sollen dann nicht mehr möglich sein, so dass diese keinen Grund für «defensive medicine» mehr haben. Diese Lösung hat sich zum Beispiel in Neuseeland bewährt.
  7. Pharmafirmen sollen den Nachweis erbringen müssen, dass neue Medikamente im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie entweder wirksamer sind oder weniger Nebenwirkungen haben. Meistens fehlt heute dieser Nachweis, denn Pharmafirmen müssen lediglich beweisen, dass ein neues Medikament wirksamer ist als ein Placebo. Weil die Zweckmässigkeit im Vergleich zu bisherigen Therapien unbekannt ist, kommt es zu Fehlversorgungen (und zu unnötig hohen Kosten).
  8. Die Werbung von Pharmafirmen und Apotheken ist einzuschränken und strenger zu reglementieren. Für unlautere und rechtswidrige Werbung sind viel höhere Sanktionen vorzusehen.

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Siehe weiter:

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FUSSNOTEN

1Obsan (Hrsg.) (2014). Statistique médicale, OFS (2011), exploitation propre.

2Obsan (Hrsg.) (2014). Statistique médicale, OFS (2011), exploitation propre.

3William Boden et al. (2007). «Optimal Medical Therapy with or without PCI for Stable Coronary Disease». NEJM 356:1503-1516 April 12.

4O. Gaemperli (2013). «Stellenwert der nicht-invasiven Bildgebung in der Kardiologie», in «Praxis» (2013; 102 (1): 29-37

5Plos (2015). «Appropriateness of Diagnostic Coronary Angiography as a Measure of Cardiac Ischemia Testing in Non-Emergency Patients – A Retrospective Cross-Sectional Analysis»

7Studie zitiert nach Werner Bartens (2012). «Heillose Zustände», Droemer, S. 34

8NZZ am Sonntag (30.10.2016). «Ärzte schlagen Alarm: Ist das wirklich alles nötig?»

9cf Fussnote 8

10cf Fussnote 8

11Tages-Anzeiger (17.7.2015). «Jedes Jahr eine Million Krebsabstriche zu viel»

12Department of Justice (15.1.2009). Eli Lilly and Company Agrees to Pay 1.415 Billion to Resolve Allegations of Off-label Promotion of Zyprexa

13Department of Justice (2.9.2009). «Pfizer to Pay $2.3 Billion for Fraudulent Marketing».

14Department of Justice (30.9.2010). «Novartis Pharmaceuticals Corp. To Pay More Than $420 Million to Resolve Off-label Promotion and Kickback Allegations.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Dieser Artikel ist ein Kapital im Buch «Immer mehr – immer besser? Über-, Unter- und Fehlversorgung im Schweizer Gesundheitswesen», Verlag hofgrefe, 2019, 39.90 CHF, Hrsg. von Oliver Kessler, Kathrin Jehle, Matthias Wächter, Susanne Dedamke und Jonas Willisegger (Hochschule Luzern), mit Beiträgen von 33 Autorinnen und Autoren aus Sicht der Leistungserbringer, Verbände, Krankenkassen, Politik, Verwaltung, Wissenschaft sowie der Patientinnen und Patienten.

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12 Meinungen

Erwähnt werden müsste auch die - in den allermeisten Fällen medizinisch unnötige - Zwangsbeschneidung kleiner Jungen, die aus Furcht vor dem Aufschrei fundamentalistischer religiöser Gruppen nicht als das bezeichnet wird, was sie ist, nämlich : schwere Körperverletzung.
Franz Peter Dinter, am 14. September 2019 um 12:11 Uhr
Danke für diesen tollen Artikel. Ich habe schon so viele Über- und Fehlbehandlungen erlebt in meinem Bekanntenkreis, dass ich wirklich nur noch im Notfall einen Arzt aufsuche. Es geht mir blendend!
Verena Schläfli, am 14. September 2019 um 17:56 Uhr
Eine wichtige zu erwägende Massnahme, die leider nicht erwähnt wird in der Liste unten im Artikel, ist die drastische Einschränkung der Ausbildung von Spezialärzten und bessere (finanzielle) Anreize für die Hausarztmedizin. Die zu hohe Anzahl an Spezialärzten ist der eigentliche Kostentreiber...
Christian Schürch, am 14. September 2019 um 21:14 Uhr
@Schürch. Sie haben recht. Zu viele Spezialärzte treiben nicht nur die Kosten in die Höhe, sondern erhöhen auch die Zahl der Über- und Fehlbehandlungen, weil die Triage der Hausärztinnen und Hausärzte fehlt. In Punkt 3 der «radikalen Massnahmen» schlage ich deshalb ein «Gate Keeper»-Modell vor, das die Rolle der Hausärzte massiv aufwerten würde.
Urs P. Gasche, am 15. September 2019 um 09:47 Uhr
Geburt in Hirslanden-Klinik! Fall mir bekannt. 31jährige gesunde Frau will in einer Hirslanden-Klinik gebären, Termin Oktober, bis heute 15. September: 8 Ultra-Schall, 7 Diabetes-Kontrollen, alle in der Klinik durch Belegärztin. In keiner Phase der Schwangerschaft Unregelmässigkeiten, ausser einmal leicht erhöhte Diabetes-Werte! Überbehandlung und Gewinnmaximierung!
Victor Brunner, am 15. September 2019 um 10:10 Uhr
...sind wir alle doch einfach zu passiv und haben die öffentliche medizinische Versorgung einfach privaten Profitinteressen überlassen? Es hat ja auch sehr viel Überzeugungsarbeit gebraucht um soweit zu kommen... viel Unsinn hat sicher auch die neoliberale Grundordung verursacht die Wettbewerb, Verursachergerechte Kosten, Eigenverantwortung (Krankheiten will oder will man nicht) Eigennutzmaximierung (ja auch bei diesem eigentlich sozialen Thema) als ultimative Antworten für alle Fragen parat hat...
Uwe Borck, am 16. September 2019 um 21:23 Uhr
Ja, alles sehr interessant, nur wie dagegen vorgehen. Wie wollen wir uns als Nicht-Mediziner da in eine Fachdiskussion einlassen?
Vergleich: KMU soll grosse Mengen Material transportieren. Er geht in die Garage «XY» und erkundigt sich nach Lastwagen. Und im Gespräch meint Herr XY, er habe einen wunderschönen Ferrari,
mit allem «Gi gi» der würde doch viel Freude machen, Prestige bringen usw. und letztendlich kauft der KMU den teuren Ferrari. Und wie transportiert er das Material, welches er für seine Arbeit benötigt um Geld zu verdienen?
Wann ziehen wir die Politiker zur Verantwortung, die mit ihren (gekauften?) Beschlüssen die Situation ermöglichen? nicht zu vergessen, Big Food handelt ähnlich wie Garagist XY und ist verbandelt mit Big Pharma. Aber auch die Agrarwirtschaft ist gefragt. Da gibt es die, die uns Gutes liefern und andere, die uns «vergiften». Und wieder
die Frage an die Politik, auf wessen Seite steht sie?

Allerdings es zeigen sich im Bundeshaus Anzeichen von Umdenken: 2016 und 2019 Integrität, Transparenz, Weitergabe von Rabatten, Beschränkung von Geschenken, Wahl der Verschreibung zugunsten Patienten - nicht Umsatz usw. BAG ist für den Vollzug verantwortlich. Und diese neuene Regelungen geben uns die Mittel in die Hand, uns zu wehren. Sperber gibt uns Informationen und wir - der KMU und jeder Einzelne müssen aktiv sein.
Elisabeth Schmidlin, am 17. September 2019 um 16:54 Uhr
Mutig, Herr Gasche! Und es ist an der Zeit, der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen. Ich war schon mehrmals unter dem Messer. Mit unterschiedlichen Gefühlen. Man operierte mir den Blinddarm erfolgreich. Er war nach den üblichen 7 Stellen an der 8.! Es ging alles gut, doch dann «vergass» man nach der OP die Blutverdünnung.Folge: Lungenembolie... Der Verantwortliche musste gehen. Ob er später auch was vergass weiss ich nicht! - Nach einer Op im Unterleib ergab sich etwas später eine Bauchwandhernie. Es musste ein grosser «Schranz» gewesen sein. Dann wurde ein 6x6 cm grosses Netz eingepflanzt. Ich intervenierte wegen dern geringen Abmessungen. Ich soll mir keine Sorgen machen. «Sie werden die Arbeit ein zweites Mal ausführen!» Nein, nein, es ist alles rechtens. 3/4 Jahre später war es dann so weit. Erneuter Riss an einer Randstelle des Flicks. Es gab danach ein um Vieles grösseres Netz! Ich konnte es nicht verkneifen zu sagen, dass ich die zweite OP angesagt hatte und dass er, der Operateur die Arbeit ein zweites Mal machen werde. Nicht ganz, meinte er. Er dürfe nur noch assistieren... Risiko kleiner Spitäler! Ich hörte oder las nie eine Entschuldigung! Von einer Garantieleistung ganz abgesehen. Dabei ist doch fehlerfreie Arbeit eine Frage des Anstandes! Von «Zero defects» hat das Gesundheitswesen offenbar noch nie was gehört! => Ziel fehlerfreier Arbeit: http://mitklarersicht.ch/?p=36
Herbert Odermatt, am 18. September 2019 um 08:47 Uhr
Es ist nicht so, dass einfach nichts untersucht wird. Der Nichtmediziner Dominghetti untersuchte im Tessin seit 1977 die Häufigkeit der Gebärmutterentfernungen in verschiedenen Patientinnengruppen und wies auch nach, dass eine Aufklärungskampagne die Häufigkeit massiv reduzierte. Seine Studien waren Pionierleistungen und erregten internationales Aufsehen. S. z.B. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2904581 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2904581
Lukas Fierz, am 20. September 2019 um 15:01 Uhr
@Fierz. Gianfranco Domenighetti war ein einsamer Pionier. Nachdem wir im Kassensturz darüber berichtet hatten, dass Chirurgen ihre Verwandten und auch Rechtsanwälte bei gleichen Symptomen und Befunden viel seltener operieren als «Normalpatienten», sowie auch Privatversicherte, an denen es mehr zu verdienen gibt, viel häufiger operiert werden als Grundversicherte, verklagte der Verband der Chirurgen das Schweizer Fernsehen bis zum Bundesgericht wegen Diffamierung. Das Bundesgericht gab Domenighetti und dem Kassensturz recht.
Urs P. Gasche, am 20. September 2019 um 15:12 Uhr
@E.Schmidlin: ....Ja, alles sehr interessant...und eigentlich auch bekannt, würde ich sagen.... nur wie dagegen vorgehen?....
Unser Gesundheitssystem ist über eine lange Zeit gewachsen zu dem was es heute ist, notabene auf demokratischem Weg. Es wird eine lange zeit brauchen, bis dieses umgestaltet sein wird. Man fordert in diesem Zusammenhang gerne Selbstverantwortung und Selbstbestimmung, doch wo finden wir die mündigen Patienten? Um «patientenmündig» zu werden muss man einiges wissen, über sich selbst, aber eben auch über Gesundheit, Krankheit und Medizin. Ich sehe da ein riesiges Potential in den Schulen. Es sollte ein Schulfach «Gesundheit und Krankheit» geben, das nicht nur so nebenbei einmal kurz in der Menschnnkunde gestreift wird, sondern seriös mit einigem Tiefgang. Dabei sollten auch Themen aus der Statistik behandelt werden; was kann mit was verglichen werden, was sagt uns der gesunde Menschenverstand usw. Es sind dies eigentlich Themen, die in allen anderen Schulfächern auch und ergänzend aufgenommen werden könnten. Vielleicht kommen wir über die Schulbildung zu einer positiveren Fehlerkultur, ohne die unser Gesundheitswesen wohl kaum reformiert werden kann. Herr Gasche hat das Problem in seinem Bericht mit der «defensive medecine» angesprochen. Wir Alle machen Fehler, da sind die Ärzte nicht ausgeschlossen, und nicht Alle in der Pharma sind Verbrecher.
Felix Speiser, am 24. September 2019 um 17:09 Uhr
Interessant ist auch die Homepage von Dr. Knut Skroka «Die Triebkräfte hinter der heutigen Entwicklung der Herzmedizin sind ganz vorrangig ökonomische Interessen. Man hat eigens einen speziellen Herzinfarkt erfunden – ich nenne ihn den „virtuellen Herzinfarkt“ –, der dafür sorgt, dass der Katheterbetrieb auf höchsten Touren läuft. Fast eine Million Herzkatheter werden pro Jahr in Deutschland geschoben. Das ist kein Pappenstiel, es geht um sehr viel Geld."

http://www.herzinfarkt-alternativen.de/warum-brauchen-wir-alternativen-zur-schulmedizin/

http://www.herzinfarkt-alternativen.de/die-filme/
Edgar Huber, am 24. September 2019 um 21:29 Uhr

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