Das Abendmahl der Wissenschaft mit Albert Einstein und Charles Darwin (rechts) © -

Das Abendmahl der Wissenschaft mit Albert Einstein und Charles Darwin (rechts)

Türkische Schulbücher diffamieren Wissenschafter

Kurt Marti / 15. Nov 2012 - Albert Einstein und Charles Darwin werden in türkischen Schulbüchern mit antisemitischen Anwürfen diffamiert.

Im Distrikt Maltepe von Istanbul erhielten die Primaschüler zum Schulbeginn eine Serie von Schulbüchern, welche gegen die Erkenntnisse der Wissenschaften wettern und Wissenschafter wie Albert Einstein, Charles Darwin, Sigmund Freud und Isaac Newton diffamieren. Dies berichtete die Financial Times und die türkische Tageszeitung «Radikal» (siehe Links unten).

Albert Einstein als «schmutziger» Jude

Der Physiker Albert Einstein wird in einem der Bücher als «schmutziger und unordentlicher» Jude lächerlich gemacht, der gerne Seife gegessen habe. Und das Buch fügt gleich hinzu: «Das war zu jener Zeit als die Gestapo die Juden in den Gasöfen verbrannte, um daraus Seife herzustellen». In einem weiteren Schulbuch wird von Charles Darwin behauptet, er habe zwei Probleme gehabt: Erstens sei er Jude gewesen und zweitens habe er seine vorstehende Stirn, seine grosse Nase und seine schlechten Zähne gehasst. Statt in die Schule zu gehen, habe er die Affen mit Nüssen gefüttert. Darwin war übrigens kein Jude.

Internet-Filter gegen die Evolutionstheorie

Der lokale Bildungsdirektor Faik Kaptan erklärte gegenüber der türkischen Tageszeitung «Radikal», er habe vom Inhalt des Buches nichts gewusst. Es sei «unmöglich alle im Distrikt verteilten Bücher zu kontrollieren.» Aber laut Financial Times ist dieses Schulbuch in einer breiteren Ablehnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sehen, insbesondere der Evolutionstheorie. So habe beispielsweise letztes Jahr ein Internet-Filter den Zugang zu Websites mit der Evolutionstheorie eingeschränkt. Dies sei nur ein Symptom einer weitreichenden Schulreform, welche von der islamisch-konservativen Regierung eingeleitet worden sei. Die Regierung sehe darin eine Garantie der Religionsfreiheit. Kritiker befürchteten, dass dadurch das säkulare Bildungssystem gefährdet werde.

Evolutionstheorie gleich Atheismus

Mehmet Aydogan vom Bildungsministerium forderte den Rückzug des Buches und hielt gegenüber der Zeitung «Radikal» fest: «Dieses Buch denunziert weltweit akzeptierte Wissenschaftler und Künstler und verleitet die Studenten zum unwissenschaftlichen Denken.» Und Yaman Akdeniz, Rechtsprofessor an der Istanbul Bilgi Universität, sieht die Attacken auf Darwin in einem generellen Angriff auf die Evolutionstheorie, welche viele Türken mit dem Atheismus in Verbindung brächten.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Artikel in der Financial Times
Artikel in der türkischen Tageszeitung «Radikal»

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Eine Meinung

So kommt es, wenn die Religioten – gleich welcher Couleur – das Zepter übernehmen. Immer handelt es sich bei den Unfriedenstifter um Extremisten aus den drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam). Ich denke da liegt der Grund für fast alle Kriege in Vergangenheit und Gegenwart…
Rolf Raess, am 19. November 2012 um 14:37 Uhr

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