AI Detects Market Crisis with Real-Time Economic Analytics Spline

Der Aktienboom von KI-Konzernen kann platzen. © ID837653538/Depositphotos

Riskante Wette der Pensionskassen auf Künstliche Intelligenz

Samuel Rockenbach /  Sollte in Kalifornien die KI-Blase platzen, verlieren auch Menschen in Willisau oder Münsingen Geld – bei den Pensionskassen.

Die Pensionskassen finanzieren den Boom im Silicon Valley mit. Erste Pensionskassen ziehen Konsequenzen. Denn bis jetzt sind die Bewertungen der KI-Unternehmen vor allem eine Wette auf die Zukunft. Und diese könnte verloren gehen – womit auch Menschen in Willisau, Delémont oder Münsingen Geld verlieren würden. Geld, von dem sie vielleicht nicht einmal wussten, dass es in US-Tech-Titel investiert ist.

Es geht um ihre Rente, die sie bei einer der insgesamt 1300 Schweizer Pensionskassen angespart haben. Über 1200 Milliarden Franken sind so zusammengekommen.[1] Von diesen Vermögen wurde in den vergangenen Monaten immer mehr in Unternehmen wie Nvidia, Microsoft oder Amazon investiert. 

Wie würde sich ein Crash auf die Schweizer Altersvorsorge auswirken?

Insgesamt ist fast ein Drittel des PK-Vermögens in Aktien angelegt, zwei Drittel davon im Ausland, wobei Titel aus den USA den grössten Teil ausmachen. Das Beratungsunternehmen PPCMetrics schätzt, dass allein Nvidia mit rund 2,7 Prozent im durchschnittlichen Aktienportfolio der Pensionskassen gewichtet ist. Es folgen Microsoft mit 2,5, Apple mit 2,2, Amazon mit 1,5 und Meta mit 1,1 Prozent. Alle diese Unternehmen setzen massiv auf KI.[2]

Die fünf grössten US-Tech-Titel machen elf Prozent des Aktienportfolios und über drei Prozent des gesamten Vorsorgevermögens aus. Sollte sich das Ganze als Blase erweisen und sollten diese Werte um angenommene 30 Prozent an Wert verlieren, gehen den Schweizer Sparerinnen und Sparern fast 12 Milliarden Franken verloren. 

Damit nicht genug. So wie die Tech-Papiere die Börsen weltweit in die Höhe getrieben haben, würden sie diese bei einem Absturz mitreissen. Es droht ein Crash wie 1929, 2001 oder 2008. Womit weitere Milliarden aus der zweiten Säule der Schweizer Altersvorsorge wegbrechen würden. 

Zu diesem enormen Risiko, das die Tech-Titel mitsichbringen, haben die PK-Versicherten nie Ja gesagt. Auch die Stiftungsräte der Pensionskassen mussten meist nicht aktiv zustimmen. Gewöhnlich wird der Entscheid über die Geldanlagen einem Automatismus überlassen: der sogenannten passiven, marktkapitalisierungsgewichteten Indexanlage. Das bedeutet, dass das Geld automatisch so angelegt wird, wie es gemäss dem ausgewählten Index für einen bestimmten Markt, ein Land oder eine Branche sinnvoll scheint. 

Ausschlaggebend ist der Börsenwert der Aktien: Das Geld fliesst mechanisch zu den grössten und scheinbar zukunftsträchtigsten Unternehmen. 2026 sind das die US-Tech- und KI-Firmen. Grösse zieht Kapital an, Kapital erzeugt Grösse, der Boom verstärkt sich selbst. 

Aus früheren Erfahrungen weiss man: So entstehen Blasen. 

Die Stiftung Ethos, die Pensionskassen in Fragen des nachhaltigen und verantwortungsvollen Investierens berät, fordert ein Umdenken. «Das rein passive Investieren bringt echte Risiken mit sich, weil das Kapital möglicherweise in Unternehmen mit stark überbewerteten Kursen fliesst – einfach nur, weil diese gross genug sind, um in einen Referenzindex aufgenommen zu werden», sagt Vincent Kaufmann, CEO von Ethos. Als Beispiel nennt er SpaceX, das «so ziemlich alle schlechten Praktiken in Bezug auf Corporate Governance» vereine. Trotzdem «halten die meisten Pensionsfonds Anteile daran, einfach weil sie die Indizes nachbilden». Eine mögliche KI-Blase gefährde die Pensionskassenvermögen: «Ein wachsender Anteil des Altersvorsorgekapitals hängt vom Schicksal nur weniger Aktien ab.»

Personalvorsorgekasse der Stadt Bern reduziert Aktienquote 

Solche Überlegungen stellt man auch bei den Pensionskassen an, wie das Beispiel Bern zeigt.  Ein mögliches Platzen der KI-Blase spiele in der Anlagestrategie durchaus eine Rolle, erklärt die Berner Pensionskasse. Seit Mai laufe ein mehrstufiges Verfahren, in dem der Anteil Aktien insgesamt etwas reduziert werde.

Andere Pensionskassen setzen dagegen weiter auf den Boom am Aktienmarkt. Jene der Stadt Zürich zum Beispiel, die sogar fast 20 Prozent des Vermögens in US-Aktien investiert hat. Man habe sich bewusst dagegen entschieden, systematisch vom System der Marktkapitalisierungsgewichtung abzuweichen, schreibt die Kasse. Ihr Argument: Trends könnten lange anhalten, und wer zu früh aussteige, riskiere, bis zur Trendwende weitere Kursgewinne zu verpassen. Das Risiko werde aufgefangen, indem «das Portfolio breit über verschiedene Anlagekategorien und Regionen diversifiziert» sei. 

Es ist das Prinzip Hoffnung. Die Hoffnung, dass heute alles besser, grösser und sicherer sei als 1929, 2001 oder 2008.


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FUSSOTEN
[1] Vgl. https://ppcmetrics.ch/wp-content/uploads/2025/09/2025-09-03-Pensionskassen-Jahrbuch-2025.pdf, Tabellen 5&6 auf S. 27.
[2] BFS-Pensionskassenstatistik 2024: https://www.bfs.admin.ch/news/de/2025-0063



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Pensionskassen der Zweiten Säule

Die 2. Säule muss laut BV «die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise» garantieren.

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