Mutter von Spittelrn getroffen,

Einwohnerin in Kiew: «Meine Mutter wurde von Splittern getroffen. Sie musste an Händen und Beinen operiert werden.» © SRF

Über zivile Opfer informiert «SRF» äusserst unterschiedlich

Urs P. Gasche /  Medien sollen nicht nur fliegende Raketen und Drohnen zeigen, sondern auch informieren, was sie bei vielen Unschuldigen anrichten.

Es ist das Schlimmste, was Zivilbevölkerungen passieren kann: Opfer von Kriegen zu werden – egal auf welcher Kriegsseite. 

Militärische Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auf Einrichtungen, die wesentlich der Zivilbevölkerung dienen, verstossen gegen das humanitäre Völkerrecht. Zu den vielen unschuldigen Opfern zählen insbesondere Frauen, Kinder und Alte. 

Es ist Aufgabe der Medien, diese Kriegsverbrechen öffentlich zu machen und anzuprangern – überall. Die Medien sollten versuchen, über das menschliche Leid und die Gräuel zu informieren. 

Im Fall der Opfer in der Ukraine macht dies «SRF» vorbildlich: Regelmässig berichten Korrespondenten vor Ort und lassen Opfer auch direkt zu Wort kommen. Zuletzt am 27. September:


«SRF»-Korrespondent David Nauer berichtete aus Kiew: «Eine russische Rakete ist zwischen einem Wohnhaus und einem Kindergarten niedergegangen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt und weit über hundert Wohnungen beschädigt.» Eine Betroffene klagt: «Meine Mutter wurde von Splittern getroffen. Sie musste an den Händen und Beinen operiert werden.» Eine andere Frau habe ein Haus ausserhalb der Hauptstadt mieten müssen: «Dort gibt es Dieselmotoren, eine Gasheizung und einen Holzofen.» Und eine Vertreterin der Stadtverwaltung kam zu Wort: «Viele brauchen Hilfe von Psychologen.»

Zuschauerinnen und Zuschauer konnten erahnen, welche Leiden und Zerstörungen der russische Krieg in der Ukraine anrichtet.

Was für die Ukraine gilt, muss auch für andere Kriegsorte gelten, wo die Zivilbevölkerung noch viel mehr leidet. Doch über das Schicksal der Zivilbevölkerungen in Gaza, im Westjordanland, in Libanon, Iran, Sudan oder der Republik Kongo berichtet die Tagesschau auffällig selten. Opfer kommen in diesen Ländern praktisch nie zu Wort. 

Von ärztlicher Versorgung, vom Mieten eines Hauses mit Dieselmotoren oder Gasheizung und von helfenden Psychologen können die meisten Opfer in diesen Ländern nur träumen. Dort sterben Hunderttausende Verletzte, weil eine Versorgung fehlt. Unzählige sind unterernährt oder verhungern.

Anders als in der Ukraine hat «SRF» in den anderen Ländern keine ständigen Korrespondenten. Trotzdem übernimmt «SRF» solche Berichte kaum je von anderen Stationen, beispielsweise vom katarischen Sender «Al Jazeera» aus Gaza, Westjordanland, Iran, Sudan oder der Republik Kongo. Auch «CNN« und «BBC» berichten aus diesen Ländern.

Im Mai nahm die «SRF»Tagesschau wie folgt Stellung:

«SRF weist den Vorwurf zurück, dass wir über die Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Gaza oder Libanon weniger berichten als in der Ukraine. Auf den Sudan und die Republik Kongo trifft dies hingegen zu. Dies hängt damit zusammen, dass wir aus diesen Ländern deutlich weniger Informationen und Videomaterial erhalten und wir in dieser Region auch weniger eigene Quellen oder Korrespondentinnen und Korrespondenten haben als in der Ukraine oder im Nahen Osten.»

Die Frage blieb unbeantwortet, weshalb sich «SRF» keine Informationen beschafft bei «Al Jazeera», «CNN», «BBC», «ARD», «ZDF», «Sky News» (London) und «Sky News Arabia» (Abu Dhabi), «Al-Hadath» (Saudi-Arabien) oder auch von «Arte».

Es entsteht der Eindruck, dass «SRF» (und die privaten Schweizer Sender) unter Kriegsopfern zwei Klassen unterscheidet und ethnisch diskriminiert: Das Schicksal von Palästinensern, Muslimen und Schwarzen zählt weniger.


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Die Informationssendung mit den meisten Zuschauenden muss sich von kommerziellen Sendern klar abheben.

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