Sperberauge

Salathé: Medien berichten «einseitig negativ» und nicht neutral

Martina Frei © zvg

Martina Frei /  Späte Erkenntnis: Der Professor, der 2020 auf allen Kanälen präsent war, ruft nun dazu auf, den Medienkonsum zu reduzieren.

Erinnern Sie sich noch an den Wissenschaftler Marcel Salathé von der ETH Lausanne? 

Salathé hatte die «Swiss Covid App» mitentwickelt. Er war Mitglied der Covid Science Taskforce und gilt als «führender Experte im Bereich der digitalen Epidemiologie». 

Während der Corona-Pandemie war Salathé «zeitweise fast täglich zu Gast bei ‹SRF›», schrieben die CH-Media-Zeitungen damals. Rund 3000-mal kam sein Name 2020 laut der «Schweizerischen Mediendatenbank» in den Medien vor. Salathé gab hier ein Interview, dort eine Prognose, da eine Einschätzung ab.

Marcel Salathé
Professor Marcel Salathé stand den Medien 2020 x-mal Rede und Antwort. Hier in «10 vor 10» am 5.November 2021.

Erst Covid, jetzt KI

Universitäten haben solche prominenten Aushängeschilder gern. Medienpräsenz kann die Karriere befördern – falls man nicht so daneben liegt wie Salathé am 25. September 2020. Damals verkündete der digitale Epidemiologe mit Blick auf die Corona-Zahlen: «Die Zahlen stabilisieren sich, wir können mit viel Optimismus in den Herbst und Winter hineingehen, weil wir wissen: Wir können es managen.» Dann kam die zweite Corona-Welle. 

Salathés wissenschaftliche Beiträge zum Thema Covid waren im Vergleich zu seiner Medienpräsenz eher marginal: Nur gerade drei wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema Covid verzeichnete die medizinische Datenbank Pubmed von ihm 2020. Andere Schweizer Wissenschaftler waren in dieser Hinsicht weit bedeutsamer.

Bei der Zahl der Medienauftritte aber zählte er zur Spitze: 75-mal zitierten ihn 2020 allein die Tamedia-Zeitungen. In den vergangenen 12 Monaten wurde Salathé dort nur noch viermal als Experte herangezogen, immer im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz: Salathé ist Co-Direktor des KI Centers an der ETH Lausanne. Im Juni 2026 gab er der «Sonntagszeitung» ein Interview zu KI.

Doch die jüngste Berichterstattung der Tamedia scheint nicht mehr nach dem Gusto des Professors zu sein:

LinkedIn Salathé
Der Co-Direktor des KI Centers an der ETH Lausanne kritisiert die angebliche Panikmache zu KI.

«Mit neutraler Berichterstattung hat das Meiste nichts mehr zu tun»

Schon letzten Monat rief Salathé «Junge und Junggebliebene» auf «Linkedin» dazu auf, ihren Medienkonsum zu reduzieren. Mit neutraler Berichterstattung habe das Meiste nichts mehr zu tun, kritisiert Salathé: «Es wird euch eine einseitig negative Welt vorgegaukelt. Aus einem einfachen Grund: Klicks.»

Er als ehemaliger Covid-Experte in TV und Presse muss es ja wissen. Doch diese Erkenntnis kommt reichlich spät.

Marcel Salathé LinkedIn 7.7.2026

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