Sperberauge

Die Weltwoche-Publizistik hat Methode

Hannes Britschgi © zvg

Hannes Britschgi /  Was immer die Mainstream-Medien publizieren, behaupte das Gegenteil. Roger Köppel erntet mit dieser Methode viel Aufmerksamkeit.

Oft haut Chefredaktor und Verleger Köppel Gegenthesen selbst in die Tasten. Kürzlich hat er seinem Medien-Kolumnisten diese Rolle überlassen. Kurt W. Zimmermann, kein Mann der leisen Töne, schlägt am 2. April gewohnt unbescheiden auf die Pauke. Erster Schlag: «Als einziger Journalist in Westeuropa erwarte ich, dass Viktor Orbán die Wahl in Ungarn gewinnt.» Zweiter Schlag: «Denn als einziger Journalist in Westeuropa kann ich rechnen.»

Ungarn-Wahlen
Prognose von Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche vom 2. April 2026

Dann rechnet er los. Er dividiert Wahlprognosen klein: «All die Journalisten, die sich mit ihren Wahlprognosen auf Umfragen stützen, haben indessen keine Ahnung vom ungarischen Wahlsystem». Er jongliert mit den ländlichen Direktmandaten, findet plötzlich Umfragen ganz ok, weil sie seine Rechnung bei den Listenwahlmandaten stützen, und dann folgt die Schluss-Addition: «Meine Rechnung ist damit klar: Viktor Orbán bleibt für vier weitere Jahre Ministerpräsident Ungarns.»

Und wenn es knapp nicht reichen würde, «hat Orbán zudem noch eine zusätzliche Lebensversicherung, um im Amt zu bleiben. Sie heisst Mi Hazank … Falls es für die Fidesz nicht für die alleinige Mehrheit in der Nationalversammlung reichen sollte, dann wird Folgendes passieren. Mi Hazank schliesst mit Viktor Orbán eine Koalition.»

Jetzt ist wieder die Pauke dran: «Ich bin damit der einzige Journalist aus Westeuropa, der bei den Wahlen in Ungarn einen Sieg von Viktor Orbán erwartet.»

Und weil er vielleicht selbst seinen eigenen Rechenkünsten nicht ganz traut, begründet er noch, weshalb gerade er viel von Ungarn versteht: «Ich habe mit meiner ungarischen Frau viele Jahre in Budapest gelebt. Ich bilde mir deshalb ein, ein bisschen etwas von Ungarn zu verstehen. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass die Ungarn gern mit dem Feuer spielen, doch wenn es dann ernst wird, schnell wieder zum Feuerlöscher greifen.»

Seit Sonntagabend wissen wir, die Ungarn haben in diesen Zeiten gar nichts mit dem Feuerlöscher am Hut. Sie zünden lieber Feuerwerke nach dem überwältigenden Wahlsieg von Peter Magyar. Der erreicht mit seiner Tisza sogar die wichtige Zweidrittelmehrheit.

Ungarn tanzt, während Kurt W. Zimmermann Prügel erwartet, die er selbst gerufen hat: «Wenn ich falschliege, dann erdulde ich alle Prügel, die ich zu Recht bekomme.»


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