Export von Waffen schafft Import von Flüchtlingen (ERL) © ERL

Bombengeschäfte mit Bomben-Geschäften

Christian Müller / 22. Apr 2016 - Die Rüstungsindustrie ist bei Banken und Pensionskassen für Investitionen beliebt. Man erwartet «nachhaltige Gewinne».

Wenn einer mit einem Geschäft viel Geld verdient hat, sagt man hierzulande oft: «Er hat ein Bombengeschäft gemacht.» Die Metapher entbehrt nicht der Grundlage. Eine Studie in Deutschland zeigt: Die deutschen Banken geben sich in ihrer Selbstdarstellung betont friedfertig. Die Realität allerdings ist eine ganz andere: Die Banken sind massiv beteiligt an Rüstungsgeschäften.

So ärgerlich die deutsche Wochenzeitung DIE ZEIT ist, wenn auf deren erster Seite Herausgeber Josef Joffe persönlich die Welt aus der alleinseligmachenden Sicht der NATO erklärt, so informativ ist die gleiche ZEIT oft im Innenteil. In ihrer Ausgabe vom 7. April opferte sie immerhin Dreiviertel einer Seite unter dem Titel «Geld für Bombengeschäfte». Wer etwa wüsste sonst, dass – ein Beispiel nur – im November letzten Jahres immerhin 9 Prozent der Aktien des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall von der deutschen Commerzbank gehalten wurde, von einer Bank also, die ihrerseits im Jahr 2009 vom deutschen Staat mit einer Teilverstaatlichung (25% plus 1 Aktie) bzw. einem Zuschuss von über 18 Milliarden Euro gerettet werden musste?

Ein kleiner Ausschnitt aus dem ZEIT-Artikel vom 7. April:

«Bald schon werden die ersten deutschen Panzer durch die katarische Wüste rollen. 62 schwere Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 A7÷ und 24 Panzerhaubitzen liefern deutsche Rüstungsunternehmen an das Golfemirat. Der Export ist einer der umstrittensten und größten Waffendeals der vergangenen Jahre, fast 1,9 Milliarden Euro verdienen deutsche Panzerbauer damit. Und auch deutsche Geldinstitute profitieren von dem Mega-Deal. Sie finanzieren die Hersteller der Panzer und Haubitzen, geben ihnen Kredite, helfen beim Platzieren von Anleihen oder halten Anteile.

Die Panzerfahrzeuge liefert Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus München, wichtige Teile wie zum Beispiel das Geschützrohr der Panzer kommen von Rheinmetall, Deutschlands größtem Rüstungskonzern. KMW und Rheinmetall werden unter anderem von BayernLB, Commerzbank, Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank (UniCredit) finanziert.»

Vor allem aber kann man der ZEIT auch entnehmen, dass es Organisationen gibt, die den Banken auf die Finger schauen, insbesondere Facing Finance und Urgewald. Diese beiden Organisationen arbeiten gelegentlich auch zusammen, jetzt zum Beispiel bei der Herausgabe einer Broschüre mit dem Titel «Die Waffen meiner Bank». Die 40 Seiten Informationen über die Waffengeschäfte, insbesondere die deutschen, sind beachtlich – und vor allem auch bedenklich. (Die Broschüre kann unten vollumfänglich eingesehen und als pdf auch heruntergeladen werden.)

Es ehrt die beiden deutschen Organisationen Facing Finance und Urgewald, dass sie den Finger auf die deutschen Banken gelegt haben. Vielleicht müsste eine Schweizer Organisation diese Untersuchung auch einmal bei den Schweizer Banken angehen.

Auch Pensionskassen investieren in Rüstungsunternehmen

Falsch wäre allerdings der Eindruck, dass nur die Banken in Rüstungsindustrien investieren. Auch Pensionskassen investieren gerne in Rüstungsbetriebe – offensichtlich in der Überzeugung, dass da «nachhaltige Gewinne» zu erwarten sind. Die Pensionskasse der SBB zum Beispiel bestätigt diesen Umstand unumwunden, wie aus einer Mail von Heinrich Frei an Infosperber hervorgeht.

Aus der Mail von Heinrich Frei, wörtlich:

Nicht verhindert werden konnte bis heute, dass die Nationalbank, die UBS, die Credit Suisse und Pensionskassen in Firmen investieren, die nach dem Schweizer Kriegsmaterialgesetz verbotenes Kriegsmaterial (1) herstellen, wie Atombomben (2), Streubomben und Antipersonenminen. Banken investieren auch sonst in die Rüstungsindustrie. Dank den furchtbaren Kriegen im Nahen und Fernen Osten und in Afrika bringen diese Konflikte Flüchtlinge auch zu uns, und die Aktien der Rüstungsindustrie bringen «schöne» Dividenden. Krieg ist ein Geschäft. (3)

Meine Pensionskasse, die der SBB AG, investiert auch in Atomwaffen, in eigentlich «Verbotenes Kriegsmaterial». Die Kasse schrieb mir: «Die Politik hält auch fest, dass die erwartete Rendite des Anlageportfolios durch entsprechende Einschränkungen nicht geschmälert werden darf, da das finanzielle Ziel, gute und nachhaltige Renditen zu erwirtschaften, vorgängig ist.» «Zurzeit ist die Pensionskasse SBB in die von Ihnen genannten Firmen investiert.»

Ende Zitat aus der Mail von Heinrich Frei.

Zu den Zahlen in der Mail von Heinrich Frei:

(1) Siehe hier

(2) Siehe hier. Vier Schweizer Finanzinstitute investieren schätzungsweise 4,862 Milliarden US-Dollar sogar in Firmen, die an der Produktion von nuklearen Waffen beteiligt sind, mit dem Segen von Bern. Wieviel Pensionskassen in diese Weltuntergangsindustrie investieren, ist nicht bekannt.

(3) Kommentar auch zu den Schweizer Kriegsmaterialexporten.

Und damit zurück zu Infosperber:

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Keine

Weiterführende Informationen

Die Waffen meiner Bank (als pdf zum Runterladen)

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Eine Meinung

Wir exportieren.........Waffen und machen ein gutes Geschäft
Wir importieren.......noch mehr Flüchtlinge und Elend und machen ein schlechtes Geschäft!
Katharina Gattiker, am 22. April 2016 um 13:32 Uhr

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