NZZ nimmt ihren VR-Präsidenten Hummler in Schutz

Urs P. Gasche © upg
Urs P. Gasche / 28. Jan 2012 - Der Interessenkonflikt ist eklatant: Die NZZ nimmt den Mitinhaber der Bank Wegelin in Schutz. Er ist auch VR-Präsident der NZZ.

«Juristisch» könne man Konrad Hummler, dem Inhaber der Bank Wegelin, nichts vorwerfen, meint NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann heute in einem Kommentar zur Bank Wegelin. Es «mag sein», meint Spillmann, dass die «forcierte Aufnahme von ehemaligen ‚amerikanischen’ Kunden der UBS» im Jahr 2008 «leichtfertig» war. Im Klartext meint er die aktiven Helfershelferdienste für Steuerhinterzieher in den USA.

Diese Leichtfertigkeit sei jedoch kein Grund, «die amerikanische Sicht der Dinge einfach als rechtsetzend hinzunehmen», schreibt Spillmann. Denn die Schweiz sei ein Rechtsstaat und der NZZ-Verwaltungsrat habe als Bankinhaber – wie gesagt – «juristisch» korrekt gehandelt.

Der NZZ-Chefredaktor windet Hummler sogar ein Kränzlein: Es zeuge von einem «tiefen staatspolitischen und volkswirtschaftlichen Verständnis», dass er sich «für die Integrität des Finanzplatzes» einsetze.

Lukratives Geschäft mit superreichen Steuerhinterziehern

Fakt ist: Die Privatbank Wegelin mit Konrad Hummler an der Spitze hat wie andere Banken das lukrative Geschäft mit reichen und superreichen Steuerhinterziehern in den USA und anderswo aktiv gefördert und betrieben – selbst nach dem Fall und der staatlichen Rettung der UBS. Die betroffenen Grossbanken, die seit Jahren «Weniger Staat»-Parolen sponsern, rufen jetzt nach dem Staat, nach bundesrätlichen Verhandlungen mit den USA und andern Ländern, und verraten – ohne rechtliche Zwangsmassnahme – ihre ausländischen Kunden den ausländischen Steuerbehörden, damit sie selber mit einem blauen Auge davon kommen.

«Eigenverantwortung» als Feigenblatt entlarvt

Wie kann der NZZ-Chefredaktor seinen VR-Präsidenten in Schutz nehmen mit dem Argument, die Bank Wegelin habe sich an alle Schweizer Gesetze gehalten? War und ist es nicht die NZZ, welche immer wieder schärfere Gesetze ablehnt mit dem Argument, die Bürger seien mündig und die Unternehmen würden in «Eigenverantwortung» richtig handeln?

Wer die Eigenverantwortung hoch hält, muss Unverantwortliche für ihre Taten und Unterlassungen verantwortlich machen, auch wenn sie kein Gesetz gebrochen haben.

Das systematische Abwerben von Steuerhinterziehern – nicht nur von der Schweiz aus, sondern auch mit eigenen «Beratern» im Ausland betrieben – war nicht fahrlässig, sondern grobfahrlässig, moralisch anrüchig und dumm dazu.

Falls die NZZ das Gebaren der Grossbanken und namentlich der Bank Wegelin hauptsächlich daran misst, ob Schweizer Gesetze gebrochen wurden, darf sie künftig kein Gesetz mehr ablehnen mit dem Appell an die Selbstverantwortung, da eine solche Verantwortung offensichtlich nichts wert ist.

Zur Selbstverantwortung würde es als Selbstverständlichkeit gehören, dass Banken die Gesetze anderer Staaten respektieren, auch wenn diese ihnen nicht in den Kram passen. Eine aktive, systematische Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist mit Selbstverantwortung schwer vereinbar.

«Weissgeld-Strategie» ohne Selbstdeklaration

Nach dem Fall der UBS hatten Grossbanken und mit ihnen der Bundesrat eine «Weissgeld-Strategie» verkündet. Auch diese bleibt bis heute der Eigenverantwortung der Banken überlassen. Wie wenig diese wert ist, zeigt sich daran, dass die Banken von ausländischen Kunden nicht einmal eine schriftliche Selbstdeklaration verlangen, dass das Geld in ihrem Land versteuert ist. Es wäre nur eine eigene Unterschrift der Kunden, mehr nicht. Aber im Falle einer falschen Angabe rechtlich relevant.

Nur wer weiterhin mit hinterzogenen Geldern geschäften wolle, behaupte, eine solche Selbstdeklaration sei wertlos. Das sagte der langjährige Economiesuisse-Vorstand und Präsident des Baumeisterverbands Werner Messmer und forderte im April 2010: «Wir müssen offensiv agieren und uns von Beihilfe zur Steuerumgehung distanzieren.» Die FDP solle einer breiten Öffentlichkeit zeigen, dass sie zu Unrecht als Partei der «Geldsäcke» und «als verlängerter Arm des Finanzplatzes» angesehen wird. Auf diesen Tatbeweis der FDP wartet die Öffentlichkeit noch heute.

Die Bank Wegelin hat im Verein mit andern Grossbanken bewiesen, dass die Weissgeldstrategie eine Worthülse bleibt, so lange sie nicht in Gesetze und Verordnungen gemeisselt ist. Nur unter massivem politischem Druck sind die Banken bereit, auf ausländischem Schwarzgeld wenigstens eine Verrechnungssteuer an den ausländischen Fiskus abzuliefern.

Dagegen bleiben Steuerbehörden von Ländern, die keinen massiven Druck ausüben können, chancenlos. Schlimmer noch: Schweizer Banken schicken ihre Agenten jetzt erst recht nach Brasilien, Argentinien, Indien oder nach Afrika, um ihr Geschäft mit unversteuerten Milliarden zu machen.

Eine löchrige Weissgeldpolitik gegenüber den USA und andern Industriestaaten der OECD auf der einen Seite, auf der andern Seite eine knallharte Schwarzgeldpolitik gegenüber dem Rest der Welt.

«Juristisch» kann man den Banken dabei nichts vorwerfen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden an unsere gemeinnützige Stiftung SSUI machen es möglich. Spenden Sie 5 CHF per SMS mit dem Keyword Infosperber 5 an 9889 («Infosperber 5» an 9889).

Grössere Spenden via PayPal oder direkt aufs Spendenkonto IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX
Clearing-Nummer 09000

Ihre Spenden können Sie von den
Steuern abziehen.

Spende von den Steuern abziehen

Sie können Ihre Spende von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Für Spenden über 5 CHF erhalten Sie eine Quittung zu Handen der Steuerbehörden. Die Spenden gehen an die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI, welche die Informations-Plattform «Infosperber» ermöglicht. Infosperber veröffentlicht Recherchen, Informationen und Meinungen, die in der grossen Presse wenig oder gar keine Beachtung finden. Weitere Informationen auf der Seite Über uns

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Spende!

schliessen

2 Meinungen

Was die Bank Wegelin gemacht hat war wirklich dumm und arogant! Die Teilhaber haben die Bank jetzt verkauft, weil sie jetzt noch den grössten Preis erzielten. Das Gerangel mit dem IRS hätte viele Kunden gekostet und der Wert der Bank wäre gesunken. Das Geld war bei diesem Entscheid als auch bei der Übernahme der USA Kunden die Triebfeder. Strafrechtlich haben die Teilhaber nichts zu befürchten. Die Frage ist, wieviel Abgeltung sie an die USA zahlen müssen. Dass der Bundesrat den nun angeklagten Banken nicht einzeln helfen will, ist richtig. Ein abschliessendes Abkommen mit den USA aber dringend nötig.
Marcel Hablützel, am 30. Januar 2012 um 11:21 Uhr
Die Schweiz ist in Gefahr, deshalb brauchen wir eine starke Armee....
Wer gefährdet unser Land? Wir könnten doch eine Grenadierkompanie abkommandieren, um die Finanz-Gnomen zu eliminieren.
Urs Lachenmeier, am 29. Januar 2012 um 18:20 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.

 

Newsletter

Newsletter

Kreuzen Sie Themen an, die Sie interessieren. Den Newsletter dazu senden wir täglich oder wöchentlich. Gratis bestellen

Aktuelle Dossiers

Die Euro- und Währungskrise

Euro-Münzen

Noch mehr Geldspritzen und Schulden bringen die Wirtschaft nicht mehr zum Wachsen. Sie führen zum Kollaps.
Dossier anzeigen

Papst Benedikt XVI und die Kirche

dddddddddddd

In der katholischen Kirche ist der Papst oberster und umstrittener Herr der Gesamtkirche.
Dossier anzeigen

Parteien

Nationalratssaal

Parteien tun nicht immer, was sie sagen und versprechen.
Dossier anzeigen

Alle Dossiers anzeigen

Am meisten gelesen

Am meisten Reaktionen

IN KÜRZE: ANHALTENDER INSERATE-SCHWUND

ss

Im April sanken die Inserate-Einnahmen von Printmedien im Vorjahresvergleich um 13%. Der wirtschaftliche Druck verschärft sich.
weiter

IN KÜRZE: STEUERHINTERZIEHUNG ALS DELIKT

Philosophencafé

Noch vor zehn oder zwanzig Jahre wäre der neue BDP-Präsident mit seiner Aussage in die linke Ecke gestellt worden.
weiter

IN KÜRZE: Medien als Sprachrohr der Finanzmärkte

zvg

Kritik an deutschen Medien, welche die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland im Gleichklang mit den Banken kritisieren.
weiter

BEVÖLKERUNG IN DER SCHWEIZ: PLUS 82'400 MENSCHEN

James Crydland Flickr / Creative Commons

Die Umweltvereinigung Ecopop macht sich Sorgen, weil die Bevölkerung in der Schweiz im Jahr 2011 stark zugenommen hat.
weiter

HÖCHSTE AUSZEICHNUNG FÜR PATRICK CHAPPATTE

ss

Der in Genf lebende Karikaturist Patrick Chappatte bekam in den USA den renommierten Thomas-Nast-Preis verliehen. Wir gratulieren!
weiter

Wer weiss die Antwort?

Was kann ich tun, damit meine Firma möglichst keine Steuern zahlen muss?

Es ist bereits 1 Antwort eingegangen.

Die Qualität unserer gesundheitlichen Versorgung ist schlechter als im Durchschnitt Europas. Das zeigt eine Studie aus Schweden.
weiter

Eine Werbekampagne gegen die Gratis-Zeitungen. Leider ist sie nur von der Solothurner Zeitung ins Blatt gesetzt worden...
weiter

Diese Rubrik enthält noch keinen Artikel