Die indische Regierung hat beschlossen, die Dominanz von Monsantos Gentech-Baumwolle einzuschränken. © CC
Arbeiter beim Säubern der Baumwollernte in einer indischen Spinnerei (2010). © CC

Indien: Monsanto geht es an den Kragen

Red. / 28. Mrz 2016 - Indien hat die Lizenzgebühren für Monsantos Gentech-Baumwolle erhöht und den Preis gedeckelt. Der Konzern droht mit Rückzug.

Die Massnahmen indischer Behörden treffen ausländische Konzerne hart. Monsanto droht sogar das Land zu verlassen.

Indische Behörden hatten eine Untersuchung gegen Mahyco Monsanto Biotech, ein Joint Venture des US-Saatgutkonzerns Monsanto und einer indischen Firma, eingeleitet. Die Amerikaner brachten 2002 genetisch veränderte Baumwolle ins Land, die gegen Schädlinge resistent ist und heute von mehr als sieben Millionen Bauern auf dem Subkontinent genutzt wird.

70 Prozent der Baumwollpflanzen sind inzwischen weltweit genmanipuliert. Allerdings entwickelten die Insekten, die durch die Gen-Veränderung von den Pflanzen selbst getötet werden sollten, Resistenzen.

«Mehr Ernte, ein höherer Gewinn für die Bauern und ein gestiegener Lebensstandard ihrer Familie – das sind die Folgen, wenn Bauern gentechnisch veränderte Baumwollpflanzen anbauen», so werben die Agrargiganten, wenn sie ihre Produkte anpreisen, doch die Realität ist eine neue Form von Versklavung.

Arbeiter beim Säubern der Baumwolle in einer indischen Spinnerei (2010).

In Indien haben schon Tausende von Kleinbauern Selbstmord begangen, weil sie das Saatgut nicht mehr bezahlen können und ihre Familien dadurch hungern müssen.

Samen des Todes und der Versklavung wird das genmanipulierte Saatgut deshalb auch genannt. Die Baumwoll-Bauern leiden unter bitterer Armut. Mit Handarbeit und Holzpflügen gegen Riesen-Traktoren und künstliche Bewässerung. Gegen staatliche Agrarsubventionen wie in Europa oder in den USA und niedrigen Weltmarktpreisen. Doch nicht nur das. Dazu kommt: Es gibt keine natürliche Baumwolle mehr. Nur noch gentechnisch veränderte – genannt BT Cotton.

Jedes Jahr müssen die Bauern das teure Saatgut kaufen. Noch dazu teure Düngemittel und Pestizide.

Doch nun geht es Monsanto an den Kragen: Künftig soll Monsanto 49 Rupien (66 Eurocent) je 450 Gramm Saatgut bekommen – eine Kürzung von 70 Prozent. Damit sinkt die Lizenzgebühr für Monsanto von einem Anteil von 20 auf nur noch 6 Prozent. Der Verkaufspreis der Saatpackung wird bei 800 Rupien gedeckelt, bislang waren es 750 Rupien.

Monsanto droht mit Rückzug aus Indien

«Diese Deckelung würde uns zwingen, jeden Aspekt unserer Aufstellung in Indien zu überdenken», drohte der Konzern nun. Shilpa Divekar Nirula, Monsanto-Chefin in Indien, erklärte, das Unternehmen werde die neueste Generation seiner Saaten nicht in Indien einführen, sollte die Kürzung aufrecht erhalten werden: «Es ist schwierig, neue Technologien nach Indien zu holen, in eine Umwelt, in der Eingriffe der Regierung die Innovationen ausbremsen, es unmöglich machen, diese Innovationen zu refinanzieren, und wo die Heiligkeit von Verträgen nicht geachtet wird.»

Schon im Oktober wurde bekannt, dass neun Saat-Unternehmen, die das genveränderte Saatgut der Amerikaner nutzen, sich weigerten, die volle Lizenzgebühr abzuführen.

Das Joint Venture Mahyco Monsanto Biotech (MMB), in dessen Rahmen Monsanto mit dem indischen Unternehmen Mahyco zusammenarbeitet, lizensiert seine Produkte gegen Lizenzgebühren an lokale Saatgutanbieter weiter. Auch verkauft man direkt an Lizenznehmer vor Ort. Das US-Unternehmen kontrolliert insgesamt 90 Prozent des Marktes und zählt mehr als sieben Millionen Baumwollbauern in Indien zu seinen Kunden.

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Dieser Artikel von Doro Schreier wurde Infosperber vom Portal «netzfrauen.org» zu Verfügung gestellt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

«Netzfrauen.org» ist ein spendenfinanziertes Internetportal, dass sich für die Vernetzung von Frauen und den freien Informationsaustausch einsetzt.

Weiterführende Informationen

«Endlich! Indien räumt auf», netzfrauen.org
«Why Monsanto’s Biotech-Food Business Isn’t Growing in India», Wall Street Journal
«The Seeds Of Suicide: How Monsanto Destroys Farming», Global Research
«India cuts Monsanto cotton seed royalties despite threat to quit», Reuters

Eine Meinung

Wie ausserordentlich wichtig doch Lizenzen, Patente, Urheberrechte, Nutzungsgebühren und ähnliches für einige geworden sind und wie lebensbedrohend für den Rest der Welt. Am Ende sind viele dieser Systeme darauf gebaut den Staat zur Unterstützung, ja aktiven Hilfe, gegen die «eigenen» Bürger zu missbrauchen. Schon immer gab es Brückenzölle, Wasserrechte, Wegelagerer und Betrüger (Gewichtssteine) und immer schon musste die Gesellschaft kollektiv dagegen vorgehen um sich zu befreien.

Von heutigen Staaten, Räten und Regierungen muss das gleiche zu Gunsten aller erwartet werden.

Von wegen mehr Effizienz und Innovation. Es gibt zahlreiche Beispiele die genau das Gegenteil zur Folge hatten. Fortschritt und Innovation, sofern dies überhaupt jemand Grundlegend und Universal definieren kann werden meist von wenigen für alle definiert und bestimmt. Verabsolutiert. Es geht auch Knebelverträge, Gerichte, und Gesetze und steht sodann auch allen anderen frei zur Verfügung. Die herkömmliche Analoge Fototechnik, der mp3 Standard, die Kalaschnikov, viele klassische Werke und so vieles mehr zeigt dies.

In einer Welt in der gar Fotos berühmter Gebäude und Fotos der Beleuchtung des Eifelturms Urheberrechte verletzen muss derartigen Profitschemas einfach der Riegel geschoben werden. Der Mensch lernt am einfachsten und effizientesten durch abschauen, verarbeiten und neu Aufbau von bisherigen am schnellsten und all dies ohne oben erwähnte Profitschemas.
Uwe Borck, am 28. März 2016 um 19:52 Uhr

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