Finanzminister Schäuble wehrt sich gegen die Steuertransparenz der grossen Konzerne © SPIEGEL online

Finanzminister Schäuble wehrt sich gegen die Steuertransparenz der grossen Konzerne

Endlich: die EU will Konzernsteuer-Transparenz

Christian Müller / 02. Jan 2017 - Ein Vorschlag der EU-Kommission zu mehr Transparenz der Konzernsteuern wird von zwölf Ländern bekämpft, darunter auch Deutschland.

Nicht zuletzt die Schweizer wissen es – und profitieren schamlos davon: Die grossen Konzerne produzieren da, wo die Lohnkosten niedrig sind, und zahlen Steuern da, wo die Steuersätze niedrig sind, zum Beispiel in der Schweiz. Das wird in der Wirtschaftswissenschaft als Marktwirtschaft bezeichnet und immer noch für das Ei des (kapitalistischen) Kolumbus gehalten. Schliesslich soll gegeben werden dem, der hat; Rücksichtnahme auf die armen Teufel widerspricht den Prinzipien der alleinseligmachenden Wirtschaftstheorie.

Auch Schäuble ist gegen Transparenz

Am 19. Dezember hat SPIEGELonline darüber berichtet, dass die EU-Kommission für mehr Transparenz bei den grossen Konzernen sorgen möchte. Wörtlich stand da: «Bei Kaffee und Brötchen ging es um einen Vorschlag der EU-Kommission, der es in sich hat: International tätige Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 750 Millionen Euro sollen künftig auf ihren Webseiten offenlegen, in welchen Ländern sie wie viele Steuern zahlen. Das soll für mehr Fairness gegenüber kleineren Unternehmen sorgen und es Konzernen erschweren, Unterschiede in Steuersystemen verschiedener Länder auszunutzen. Unternehmen wie Amazon, Coca-Cola, Facebook, Fiat, Google, Ikea oder McDonald's sparen so Jahr für Jahr Milliarden an Steuern.»

Doch was meinen die einzelnen Staaten dazu? Bereits hat sich eine Gruppe gebildet, die gegen diese Transparenz ankämpfen will, darunter nicht etwa nur Steuerschieberei-Spezialisten wie Zypern, Estland oder Luxemburg, sondern auch Deutschland!

Kein Thema für die grossen Medien

Steuertransparenz der grossen Konzerne, ein Thema für die grossen Medien? Mitnichten. Das von SPIEGELonline angerissene Thema wurde nirgends aufgegriffen. Wer hat schon Lust, sich mit den grossen Konzernen anzulegen?

Eigentlich seltsam: Vor zwanzig Jahren finanzierten sich die grossen Zeitungen zu drei Vierteln von den Inseraten und nur zu einem Viertel von den Abonnement-Erlösen und dem Kioskverkauf. Heute sind sie auf die Einnahmen aus dem Lesermarkt angewiesen. Aber statt dass dies eine Motivation ist, die Interessen der Leserinnen und Leser intensiver wahrzunehmen – auch die wirtschaftlichen Interessen der Leserinnen und Leser, denn diese sind alle Steuerzahler! – wird die Abhängigkeit der Medien von den Banken und von den grossen Industrie- und Handelskonzernen immer deutlicher.

Dass die Finanzämter über die Steuern der Grosskonzerne Bescheid wissen, genügt, wie Deutschland, die Konzerne in Schutz nehmend, zu argumentieren versucht, eben nicht mehr. Ich als kleiner Mann will wissen, welche Konzerne ihre Chefs mit Dutzenden von Millionen vergolden und den Staat um die berechtigten Steuereinnahmen bringen. Auch ICH will es wissen! Ich weiss, warum ich keine Bücher – und auch sonst nichts – bei Amazon bestelle, ich weiss, warum ich keinen Kaffee mehr in einem McDonald's trinke und warum ich keinen Fiat fahre. Diese Freiheit lasse ich mir nicht nehmen. Aber ich brauche, als Konsument, die richtigen Informationen

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

So verschieben Konzerne ihr Geld (auf Infosperber)
Zum Bericht auf SPIEGELonline

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4 Meinungen

"Finanzminister Schāuble wehrt sich gegen die Steuertransparenz der grossen Konzerne». Anderseits presst er Griechenland und andere sūdeuropāische Staaten aus. Solcherart funktioniert die EU. Und jederman will bei diesem Club mit dabei sein!
Ruth Obrist, am 02. Januar 2017 um 22:09 Uhr
Konzerne die weltweit produzieren und handeln,sind weltweit nach einheitlichen Grundsätzen zu besteuern.Die Steuern sind in den Ländern zu entrichten,in welchen die Wertschöpfung generiert wird.
Bedingung wäre, dass alle Länder der Welt ein einheitliches Steuersystem für Konzerne akzeptieren und anwenden!
Wenn man die Länder der Welt anschaut, ist das leider beim herrschenden Misstauen untereinander, wunschdenken !
Niklaus Egloff, am 03. Januar 2017 um 11:14 Uhr
Frage: ist das zufällig der gleich Schäuble der mit der kawalleri in die schweiz einmaschieren wollte ?
Wo sind dann die übrigen kawallerien ? die jetzt in Deutschland einmarschieren ?
Wenns in die eigenen Taschen geht ist es Gut.
Wenns aus der eigenen Tasche geht ist es schlecht.
Wenn nur das einen menschen Qualifiziert Finanzminister zu sein, das bring ich auch noch zustande !
Doppel moral in vollendung.
Transparent sollen also immer die anderen sein, nur ich selbst darf machen was ich will.
Das nennt man KINDERGARTEN Politik.
Als erwachsener wende ich mich ab und lass die kinder es untereinander austragen.
Wer wundert sich das » normale » menschen kein intresse am kindergartenpolitik haben ?
Ich schon lange nicht mehr !
Politikverdrossenheit durch fremdschämen, gut gemacht Elite !
Unssere sind aber auch keinen deut besser.
hanspeter eckart, am 05. Januar 2017 um 10:40 Uhr
Der mit der Kavallerie war Steinbrück, nicht Schäuble.
Es wäre übrigens gar nicht nötig, mit der Kavallerie einzumarschieren. Es wäre auch nicht nötig, gleich die Steuersysteme der ganzen Welt zu harmonisieren (wird ohnehin nicht gelingen). Einzelne Staaten könnten durchaus auch eigenständig beginnen, die Ableger grosser Konzerne gemäss eigenem Gutdünken zu besteuern. So nach dem Motto: Wenn ihr ein Prozent eueres Umsatzes bei uns macht, dann versteuert ihr auch ein Prozent eueres Gewinns bei uns. Mit Firmen, die ihre Daten nicht herausrücken, könnte man genau so umgehen, wie man es schon heute mit renitenten kleinen Fischen macht: Man schätzt sie von Amtes wegen ein. Nicht allzu vorteilhaft für die Firma, versteht sich.
Die Schweiz wird hier kaum mit gutem Beispiel vorangehen, denn sie gehört in diesem unwürdigen Spiel zu den Profiteuren. Und die USR III will dafür sorgen, dass es weiterhin so bleibt.
Daniel Heierli, am 11. Januar 2017 um 09:38 Uhr

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