Datenschutz – einmal so, einmal so

Christian Müller / 22. Feb. 2012 - Es gibt auch den Fall, wo man sich den Datenschutz zum Teufel wünscht!

Dass die sogenannten Social Media sich um Datenschutz kaum kümmern, oder doch nur gerade so viel, wie ihnen von den staatlichen Instanzen aufgezwungen wird, ist bekannt. Aber es gibt auch Unternehmen, die in vorauseilendem Gehorsam Datenschutz betreiben, wo er völlig absurd ist: dann nämlich, wenn man auf die eigenen Daten keinen Zutritt mehr hat. Konkretes Beispiel: der gelbe Riese, die Schweizerische Post.

Das Elend beginnt schon damit, dass man einer Poststelle nicht mehr telefonieren kann. Alles ist zentralisiert, alles geht über die Nummer 0848 888 888. Es ist also nicht mehr möglich, bei der Post, auf die man mehrmals wöchentlich geht, per Telefon eine Auskunft zu erhalten. Nein, man muss über die zentrale Nummer, und dort beginnt dann das hinlänglich bekannte Spiel: «Die Schweizerische Post. Für deutsch, drücken Sie 1». Ich drücke die 1. «Für die Postöffnungszeiten drücken Sie 1, Briefe und Pakete suchen, drücken Sie 2, Adressauskünfte, drücken Sie 3» ....

Ein eingeschriebener Brief. Vom wen denn?

Also: Ich gehe auf Reise, nicht ohne vorher noch mein Postfach zu leeren. Oh Schreck: da liegt ein roter Zettel drin, man möge eines eingeschriebenen Briefes wegen an den Schalter kommen. Der Schalter aber ist geschlossen und die Reise kann nicht aufgeschoben werden. In der Not lege ich einen kleinen Zettel ins Fach, handgeschrieben: Bitte zurückhalten, bin voraussichtlich am 27. wieder hier... (Auf italienisch natürlich, es war ja im Tessin.)

Ich kann mir zwar vorstellen, woher der eingeschriebene Brief kommt, aber so ganz sicher bin ich nicht. Ob die Postfrau den Zettel im hochgelegenen Postfach wohl beachtet hat, bevor sie die nächste Zeitung von innen ins Fach stopft?

Mit ungutem Gefühl im Bauch

Also, ich bin in Prag. Aber irgendwie habe ich ein ungutes Gefühl. Von wem nur war der Brief? Also versuche ich zu telefonieren, um den Absender des eingeschriebenen Briefes zu erfahren. 0041 848 888 888. «Die Schweizerische Post. Für deutsch, drücken Sie 1.» Ich drücke auf die 1. «Für die Postöffnungszeiten, drücken Sie 1. Briefe und Pakete suchen, drücken Sie 2. Für Adressauskünfte, drücken Sie 3....» Ich drücke die Taste 3. Ich suche ja die Adresse eines Absenders...

Eine junge weibliche Stimme nimmt ab. «Ja, das ist so, es muss alles über uns laufen.» «Nein, den Namen des Absenders können Sie nicht erhalten. Datenschutz.» Ich versuche der höflichen jungen Dame zu erklären, dass der Brief ja für mich ist, also niemand etwas erfährt, was er nicht erfahren soll. «Nein, das geht nicht. Datenschutz.» Ich gebe noch nicht auf. «Frau Pozzi, die üblicherweise dort am Schalter ist, im kleinen Tessiner Dorf Magnana, kennt mich. Könnte ich mit ihr selber telefonieren, sie würde mich erkennen und mir freundlich, wie sie immer ist, Auskunft geben.» «Nein, das geht nicht. Das ist Datenschutz. Es gibt keinen Weg, zu diesem Namen zu kommen. Aber Sie können eine Fristverlängerung beantragen, damit der Brief noch da ist, wenn Sie zurückkommen.»

Ich bin ja – siehe oben – nicht ganz sicher, ob die Posthalterin meinen Zettel wirklich gesehen hat. Also «ja, bitte schön...»

Die junge Dame telefoniert nun offensichtlich mit der freundlichen Posthalterin, mit der gerne ich telefoniert hätte. Nach ein paar Minuten meldet sich die Dame zurück. «Als grosse Ausnahme bewillige ich, dass Sie nochmals eine Fristverlängerung beantragen können. Denn Sie haben das ja schon gemacht, und es ist nur einmal erlaubt. Fristverlängerungen sind nur einmal gestattet. Ich mache jetzt für Sie eine grosse Ausnahme!»

Fazit:

Dank einer «grossen» Ausnahme wird der eingeschriebene Brief immer noch auf der Poststelle meines Postfaches liegen, wenn ich aus dem Ausland zurückkomme. Von wem der eingeschriebene Brief ist, der an mich persönlich, an meine persönliche Adresse gesandt wurde, weiss ich aber noch immer nicht.

»Datenschutz» heisst diese besonders freundliche Kundendienstleistung.

* * * * * *

PS: In den gleichen Tagen schicken etliche Schweizer Banken die persönlichen Bank-Daten von Tausenden ihrer Kunden an das US-amerikanische Finanzamt, obwohl diese Kunden genau deshalb ihre Kunden geworden sind, weil diese Banken ihnen versichert hatten, bei ihnen seien diese Daten hundertprozentig geschützt und für immer geheim.

Datenschutz nach dem System «Swiss Banking».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung

Ich finde Herr Müller hat recht, ich habe mich auch schon geärgert und ich finde es einen Sauerei dass dieser Dienst gestrichen wurde. dass ich nicht direkt an unsere Poststelle telefonieren konnte. Ersten dauert es zu lange bis man eine Auskunft erhält und das Gesprächt kostet demnach auch entsprechend denn es ist keine Gratisnummer.
Hans Koller, am 22. Februar 2012 um 12:49 Uhr

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