Axpo Tegra AG in Domat/Ems (GR): Energie-Lieferantin der Ems-Chemie © google earth

Axpo Tegra AG in Domat/Ems (GR): Energie-Lieferantin der Ems-Chemie

Subventionierter Wasserdampf für die Ems-Chemie

Kurt Marti / 06. Apr 2017 - Ems-Chemie-Chefin Martullo-Blocher wettert gegen «Subventionsjäger», zu denen auch die Energie-Lieferantin der Ems-Chemie gehört.

An der Bilanzmedienkonferenz der Ems-Chemie vom Februar 2013 geisselte die Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher die Empfänger von Subventionen aus dem Topf der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) mit harten Worten: «Der Krieg um diese immensen Subventionsgelder ist in vollem Gang. Eine ganze Branche von Subventionsjägern ist hier aktiv.»

Die kritische Haltung der Ems-Chemie-Chefin gegenüber der KEV erstaunt, denn auch die Energielieferantin der Ems-Chemie gehört zu den KEV-«Subventionsjägern». Der Chemie-Konzern bezieht nämlich seine thermische Energie in Form von heissem Wasserdampf von der Axpo Tegra AG, der Meister-Jägerin von KEV-Subventionen.

87 Millionen KEV-Subventionen in vier Jahren

85 Prozent des thermischen Energieverbrauchs der Ems-Chemie stammen aus dem Holzkraftwerk Axpo Tegra, mit welchem die Axpo auf dem Gelände der Ems-Chemie in Domat/Ems Strom und Wärme produziert und welches in den vier Jahren von 2011 bis 2014 total 87 Millionen Franken KEV-Subventionen kassierte, also durchschnittlich rund 22 Millionen pro Jahr. Das geht aus der KEV-Bezüger-Liste des Bundesamts für Energie (BFE) hervor. Damit ist die Axpo Tegra Spitzenreiterin unter den KEV-Bezügern.

Stolz weist die Ems-Chemie in ihrem Umweltbericht darauf hin, dass «dank dieser Zusammenarbeit» mit der Axpo Tegra der CO2-Ausstoss der Ems-Chemie um 85 Prozent gesenkt werden konnte. Dafür erhielt die Ems-Chemie den «Watt d’Or»-Preis des BFE und das Zertifikat der Energieagentur der Wirtschaft (EnAW) für «freiwilligen Klimaschutz und Energieeffizienz».

Bund produzierte flugs eine «Lex Axpo Tegra»

Die KEV-Millionen flossen übrigens auch dann noch ungehindert weiter, als der Wirkungsgrad der Axpo Tegra wegen dem Konkurs eines wichtigen Wärmeabnehmers unter die vorgeschriebenen 70 Prozent fiel. Flugs bastelte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) eine «Lex Axpo Tegra», die bis 2014 befristet war.

Weil 2015 der Mindestwirkungsgrad noch nicht erfüllt war, sanken die KEV-Subventionen auf 3,5 Millionen ab. Im November 2016 hat die Axpo Tegra eine Holzschnitzel-Trocknungsanlage in Betrieb genommen, womit der Wirkungsgrad wieder erhöht wurde. In drei oder vier Jahren will die Axpo Tegra «wieder auf 21 Millionen kommen», wie Axpo Tegra-VR-Präsident Jörg Huwyler gegenüber der «Südostschweiz» erklärte.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

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