«Sieg» jubelt die US-Umweltorganisation «Center for Food Safety» © CFS

«Sieg» jubelt die US-Umweltorganisation «Center for Food Safety»

USA verbieten Herbizid gegen Glyphosat-Resistenzen

Red. / 02. Dez 2015 - Ein «Super-Unkraut» verbreitet sich, das gegen Glyphosat resistent ist. Neues Saatgut und ein altes Herbizid hätten helfen sollen.

Mais, Baumwolle, Soja – ein Grossteil dieser in den USA angebauten Nutzpflanzen ist genetisch so modifiziert, dass sie eine Behandlung mit Glyphosat unbeschadet überstehen während alle anderen Pflanzen dadurch vernichtet werden. Bisher.

Nun verbreitet sich im Mittleren Westen der USA ein Unkraut, dem Glyphosat nichts mehr anhaben kann. Durch die übermässige Benutzung von «Roundup», so der Markenname des Monsanto-Produkts, haben sich Resistenzen herausgebildet.

Die Saatgutindustrie rüstet auf

Das «Super-Unkraut» verbreitet sich, Farmer fürchten um ihre Ernten. Die Industrie verspricht das Problem mit einer neuen Generation modifizierten Saatguts zu lösen – in Verbindung mit neuen Chemikalien.

Das neue Unkrautvernichtungsmittel «Enlist Duo» enthält neben Glyphosat das verbreitete Herbizid 2,4-D (2,4-Dichlorphenoxyessigsäure*) und soll den glyphosatresistenten Pflanzen den Garaus machen. Und zwar zusammen mit dem Saatgut «Enlist», das vom Konzern «Dow Chemical» gegen 2,4-D unempfindlich gemacht wurde. Dieses soll das bisher verwendete «Roundup Ready» von Monsanto ersetzen.

EPA wiederruft die Zulassung von «Enlist Duo»

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat die vor einem Jahr erfolgte Zulassung von «Enlist Duo» jedoch widerrufen. Die Behörde «vertraut nicht mehr darauf, dass «Enlist Duo» keine grösseren Risiken für Nicht-Zielorganismen darstellt», liess die EPA laut der «New York Times» am 24. November wissen.

Bezugnehmend auf Informationen von Dow war die EPA zunächst davon ausgegangen, dass die Kombination von Glyphosat und 2,4-D nicht giftiger ist als beide Bestandteile für sich. Nun seien jedoch Patentunterlagen aufgetaucht, in denen Dow eine Wechselwirkung feststellt. Das Chemikaliengemisch könnte giftiger sein als bisher angenommen.

US-Umweltbehörde EPA: «Wir haben festgestellt, dass wir nicht alle relevanten Daten hatten»

Begrüsst wurde der Entscheid der EPA von den Umweltschutzorganisationen, von denen einige bereits gegen die Zulassung von «Enlist Duo» geklagt hatten. 2,4-D sei bekannt dafür, sich bei Wind weiträumig auszubreiten, kritisieren Farmer, die nicht-modifizierte Pflanzen anbauen. Die getroffenen Schutzmassnahmen in Form von Pufferzonen reichten nicht aus. Dieser Meinung ist nun auch die EPA.

«Wir haben festgestellt, dass wir nicht alle relevanten Daten hatten, als wir die Zulassung beschlossen haben», sagte die Umweltbehörde bei Einreichung der Unterlagen am US-Apellationsgericht. Auch der Frage möglicher weiterer Resistenzen sei man nicht ausführlich genug nachgegangen.

Das Aufrüsten geht weiter

Dow bleibt nun Zeit bis zum 07. Dezember, um zusätzliche Informationen einzureichen. Bis zur kommenden Anbausaison, gibt sich Dow sicher, seien die Unklarheiten beseitigt. Das Chemieunternehmen rechnet nach eigenen Angaben nicht mit einem andauernden Verbot von «Enlist Duo». Der Zeitpunkt dafür wäre auch denkbar ungünstig. Dow erwägt derzeit den Verkauf der Sparte Dow AgroSciences.

Freuen über diese Entwicklung dürfte sich Monsanto, das ebenfalls an resistenten Sorten und neuen Herbizidcocktails arbeitet. Monsantos neustes Wundermittel «Xtend» enthält Glyphosat und Dicamba, ein anderes älteres Herbizid.

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*2,4-D (2,4-Dichlorphenoxyessigsäure) wird seit Jahrzehnten verwendet und ist eines der meistbenutzten Herbizide. Es reichert sich im Körper nicht an und baut sich in der Umwelt schnell ab. 2,4-D steht im Verdacht, auf das menschliche Hormonsystem zu wirken, für eine Krebsgefährdung gab es bisher keine hinreichenden Anhaltspunkte (toxipedia). In der Schweiz wird 2,4-D mit dem Gefahrenhinweis «reizend» vertrieben (siehe Pflanzenschutzverzeichnis BLW).

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts in der «New York Times» und anderer US-Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Bericht der Agentur AP zum Entscheid der EPA

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