Die «Naturfreunde für Atomstrom» behaupten, AKWs seien «sauber, sicher und günstig» © nfa
Atomfreund Silvio Borner: «Sektenhafte Glaubensgemeinschaft» © srf

Die liberalen Freunde des Atoms pöbeln im Internet

Kurt Marti / 26. Aug 2016 - IT-Unternehmer und ETH-Professor Anton Gunzinger hat im Migros-Magazin Klartext über AKWs gesprochen. Die Atom-Freaks toben.

Die Atomkraftwerke können «langfristig gar nicht mehr mit erneuerbarer Energie mithalten», kommt der IT-Unternehmer und ETH-Professor Anton Gunzinger in einem Interview mit dem Migros-Magazin zum Schluss. Gunzingers argumentativer Support für die Atomausstiegs-Initiative, die im nächsten November zur Abstimmung kommt, ging an rund 2,4 Millionen potentielle LeserInnen des Migros-Magazins und lockte gleichzeitig diverse Grüppchen von unbeirrten Atomfreunden aus dem Busch.

Beispielsweise die «Naturfreunde für Atomstrom» (nfa), die sich «Liberal! Was sonst!» nennen und unter dem provokativen Motto «Rettet die Umwelt vor den Grünen. Aller Hirnwäsche zum trotz: Atomstrom ist sauber, sicher und günstig» nach Aufmerksamkeit schielen (siehe dazu Infosperber: «Das Märchen vom billigen Atomstrom»).

Lügenvorwurf der atomaren «Naturfreunde»

Auf Facebook und Twitter bezichtigen die atomaren «Naturfreunde» Gunzinger kurzerhand der Lüge:

Was an den 7 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) gelogen sein soll, begründen die liberalen «Naturfreunde» leider nicht. Auf Anfrage von Infosperber bestätigte Gunzinger diese Zahl für mittlere Photovoltaik-Anlagen (10 kWp - 100 kWp) und verwies auf sein Buch «Kraftwerk Schweiz: Plädoyer für eine Energiewende mit Zukunft». Auch weitere Energie-Experten, die Infosperber angefragt hat, bestätigten Gunzingers Angaben.

Als «Kern der Gruppe» der «Naturfreunde für Atomstrom» sind auf der Internetseite «etwasanderekritik» folgende drei Personen aufgeführt: Alex Baur (Redaktor der Weltwoche), Dani Brandt und Isabella Seemann.

«Bullshiter»-Vorwurf aus der neoliberalen Ecke

Um Gunzinger zusätzlich anzupöbeln, verlinken die «Naturfreunde» auf Twitter zur Internetseite «regulatorymadness.ch» (übersetzt: Regulierungswahnsinn):

Auf der «Regulationswahnsinns»-Seite setzt Markus Saurer in einem Kommentar noch einen drauf, indem er «Gunzinger, Bretschger u.a.» als «Bullshiter» bezeichnet, die von der ETH-Leitung unbedingt gestoppt werden müssten:

Silvio Borners neoliberales CC-Netzwerk

Laut seinen eigenen Angaben ist Markus Saurer «selbständiger ökonomischer Berater» und «geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Carnot-Cournot-Netzwerks (CC-Netzwerk)». Das ominöse CC-Netzwerk, das vom früheren Wirtschaftsprofessor Silvio Borner präsidiert wird, wurde erst im letzten Juni gegründet und propagiert das neoliberale Credo für «individuelle Freiheit» und «minimale Staatseingriffe». Betont staatsgläubig hingegen gibt sich das CC-Netzwerk, wenn es um die zentralistische Atomkraft geht.

Die meisten Artikel des CC-Netzwerks richten sich gegen die Energiestrategie 2050 und propagieren gleichzeitig die Atomkraftwerke. Die bevorstehende Abschlussdebatte zur Energiestrategie im eidgenössischen Parlament und die Abstimmung zum Atomausstieg im November werfen ihre Schatten voraus.

Atomfreund Silvio Borner: «Sektenhafte Glaubensgemeinschaft» (Quelle: srf)

Sämtliche Beiträge des CC-Netzwerks werden von den Facebook- und Twitter-Seiten der «Naturfreunde für Atomstrom» übernommen. Wie die atomaren «Naturfreunde» pöbelt auch Borner kräftig gegen Gunzinger:

«Wie die zuständigen Bundesämter verbreiten sogar ETH-Professoren, wie insbesondere Gunzinger, einen technischen und volkswirtschaftlichen Machbarkeitsglauben, der bewusst die Unkenntnis einer breiten Bevölkerung schamlos ausnützt.»

Zudem schlägt Borner unter dem Titel «Die Kirche von Sankt Doris» wild in alle Richtungen:

«Gepredigt wird sie (die Nachhaltigkeit; Anm. d. Red.) vor allem von der Energie- und Umweltministerin und ihren ­kirchenähnlichen Bundesämtern für Umwelt (Bafu) und Energie (BfE). Dazu kommt eine – gutorganisierte, sektenhafte Glaubensgemeinschaft aus WWF, Greenpeace, Cleantech, Energie Schweiz. Mit von der Partie sind aber auch staatsnahe Betriebe wie SBB, Post oder selbst Swisscom sowie opportunistische Privatfirmen.»

«Düstere Erkenntnis» eines Atompredigers

Auf dem Höhepunkt seines Sermons karrt Borner sogar Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus heran und kommt – offenbar in Anlehnung an die «Dialektik der Aufklärung» von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno – zur «düsteren Erkenntnis», durch die Abkehr vom Atom und die Hinwendung zu den neuen erneuerbaren Energien verkehre sich die Aufklärung in ihr Gegenteil.

Originalton Borner:

«Bewährte Lebensweisen werden angesichts der moralisch 'guten' Nachhaltigkeit gegenüber der 'bösen' Wirtschaftlichkeit zu Sünden erklärt. Anderslautende wissenschaftliche Erkenntnisse sind ketzerisch. Wie war das doch schon mit Galileo Galilei! Wie 'unfehlbare' Religionsführer haben auch Diktatoren die Wissenschaft schon immer unter das Joch ihrer Ideologien wie des Nationalsozialismus oder des Kommunismus gezwängt. Aber jetzt soll ausgerechnet in der schweizerischen direkten Demokratie ein quasireligiöser Ökologismus die Freiheit von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur persönlichen Lebensgestaltung aushebeln? Wer die Nachhaltigkeitsbibel liest, kommt um die düstere Erkenntnis nicht herum, dass mit diesem neuen Glauben die Aufklärung (vordergründig) demokratisch in ihr Gegenteil verkehrt wird. Angesagt ist Bekehrung. Dafür ist fast jedes Mittel recht.»

Ein früherer Axpo-Manager ist auch dabei

Als Vize-Präsident des liberalen CC-Netzwerkes amtet ausgerechnet Emanuel Höhener, ein früherer Manager des staatlichen Axpo-Konzerns. Von 2000 bis 2007 war er CEO der Axpo-Tochter «Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg» (EGL) und ist damit mitverantwortlich für die damalige, ruinöse Hunter-Strategie der Axpo im Ausland.

Im Schön-Sprech des CC-Netzwerks kommt das so daher: «Seine letzte Tätigkeit im Angestelltenverhältnis war als CEO einer der führenden europäischen Energiehandelsfirmen-Gruppe, welche auch einen beträchtlichen Kraftwerkpark und Hochspannungsnetze im Portfolio hatte.»

Höhener gehörte zudem von 2002 - 2008 dem Verwaltungsrat des Bündner Stromkonzerns «Repower» an und trägt folglich auch da eine Mit-Verantwortung für dessen Finanz-Debakel (siehe Infosperber: «Die Verwaltungsräte haben versagt»).

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

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16 Meinungen

Je deutlicher die Wirtschaftlichkeit von Atomstrom den Bach runter geht, umso verzweifelter und haltloser werden die Argumente der Atomprediger. Insofern ist zu hoffen, dass sich die Parlamentarier nicht von profitgetriebenen Stromkonzernlobbisten so einfach übertölpeln lassen.
Simon Gisler, am 26. August 2016 um 12:03 Uhr
Besten Dank, Kurt Marti, für Ihre guten Kommentare. Wie dumm hält die planwirtschaftliche Atom-Lobby uns Bürgerinnen und Bürger eigentlich? Wie hat dieser «Wirtschaftsprofessor» Borner seinen Titel erworben? Wer über den Schweizer Zaun schaut, der weiss von den riesigen Umweltschäden beim Uranerz-Abbau meist in Regionen der indigenen Bevölkerung, Folgen: Leukämie, Totgeburten usw. Bei der nachhaltigen Entsorgung des Atommülls verschliessen wir ebenfalls unsere Augen!
Willi Herrmann, am 26. August 2016 um 12:09 Uhr
Wenn sich die alternden Atomfreunde auch nur ein kleines bisschen für die Preisentwicklung von Strom aus neuen Erneuerbaren interessieren würden (und das sollten sie, genauso wie die Wasserkraftfans hierzulande, übrigens), dann wäre ihnen nicht entgangen, dass gerade mal wieder ein neuer Tiefstpreisrekord aufgestellt wurde und es wird nicht der letzte gewesen sein. Unter rund 2.5 Euro Cents pro kWh ist aktuell das beste Gebot (Solarstrom in Chile, für Ungläubige: http://bizzenergytoday.com/chile_solarer_niedrigpreis_rekord). Das ist rund 20% des Preises von Strom aus dem in England zur Diskussion stehenden AKW — ohne Vollrisikoprämie, ohne Folgekosten. Mit solchen Preisen von Sonnenstrom wird der Einwand recht hinfällig, dass die neuen erneuerbaren Energien nicht beliebig abgerufen werden können — ganz abgesehen davon, dass AKW allzu oft nicht ausgeschaltet werden können und dann spektakulär in die Luft fliegen. Eine ziemlich aktuelle Zusammenstellung von besten Preisen von sauberem Strom in einigen Weltregionen gibt es hier: http://bit.ly/naechste-sackgasse . Bye, bye AKW. Man braucht keine ETH Professoren zu befragen, zu verunglimpfen sowieso nicht. Google gibt jederzeit einfach Auskunft.
Peter Vogelsanger, am 26. August 2016 um 12:34 Uhr
Originalton Borner..... ist das wirklich original???? Schwer fassbar, dass jemand, der ernst genommen werden möchte, so schreibt. Argumente braucht der Ex-Wirtschaftsprofessor nicht, hingegen bedient er sich primitivsten Diffamierungen. Er merkt nicht einmal, dass solches kontraproduktiv sein muss...
Urs Lachenmeier, am 26. August 2016 um 19:59 Uhr
Sehr schön formuliert, Kurt Marti, gratuliere. Aber auch ein Kompliment an Silvio Borner. Der von ihm zitierte Text ist dermassen abgedreht, dass er satirisch nicht mehr zu toppen ist. Oder meint er das etwa ernst? Ich kann's, wie Urs Lachenmeier, kaum glauben.
Markus Mauchle, am 26. August 2016 um 23:36 Uhr
Wie ignorant muss man heute noch unterwegs sein, um auf eine Technologie zu setzen die uns einen über Jahrtausende radioaktiv strahlenden Dreck produziert, für den wir keine sichere Entsorgungsmethode haben?
Da scheint mir das Faktum, dass z.B. die elektrischen Bahnen in Holland heute schon zu 50% (und ab 2018 zu 100%) auf Windenergie fahren viel positiver und einiges realistischer als das, was die ewiggestrigen Reaktoren, pardon Redaktoren, und Professoren absondern.
René Werner, am 27. August 2016 um 09:40 Uhr
Der Herr Saurer von diesem lustigen Netzwerk ist mir schon durch unfachmännische Aussagen zur Photovoltaik aufgefallen. - Ich gebe das jeweils meinen Studis zum Lesen, das regt das Denken an...!
Er kann den Strompreis ja selber rechnen (Details bei Häberlin: «Photovoltaik» VDE-Verlag 1. Auflage 2007 S. 493). Bei Kosten von 1'200 sFr. pro kWp (kostenoptimierte Anlage in der CH), einem Ertrag von 1'000 kWh/ kWp und einer Amortisation von 5,73% (25 Jahre Lebensdauer und 3 % Verzinsung - d.h. man verdient Geld!) gibt das 6,84 Rappen/ kWh dann noch 2 Rappen/ kWh für Wartung und Rückstellungen und wir sind bei unter 9 Rappen/ kWh. - In strahlungsstarken Regionen (Voralpen, Alpen, Wüstenregionen etc.) und sehr grossen kostenoptimierten Anlagen (siehe oben) geht der Strompreis runter bis unter 3cent €/kWh. In Zukunft wird's noch günstiger wenn die Anlagen noch länger leben und noch günstiger sind - auch in der Schweiz! - Da kann der arme Professor Gunzinger jetzt wirklich nichts dafür!
Wenn diese Leute von diesem lustigen Netzwerk so an ihre AKWs glauben, sollen sie doch ihre Pensionskasse leeren, eine Firma gründen und AKWs bauen. Irgendeinen Staat (wohl nicht die Schweiz) werden Sie ja wohl finden dafür. Das wäre dann glaubwürdig!
Urs Muntwyler, am 29. August 2016 um 10:03 Uhr
Bei den Pöblern und Argumentenresistenten der Atomfreunde geht es nicht um Fakten. Denn die meisten von ihnen haben ja eine Ausbildung und berufliche Erfahrung, die ihnen Wirtschaftlichkeitsrechnungen und seriöse Preisvergleiche ermöglichen würden. Es geht vielmehr um einen «religiösen Glauben», den sie gegenüber den Ungläubigen verteidigen und rechtfertigen müssen.
Heini Glauser, am 29. August 2016 um 12:49 Uhr
Die Realität zu den Kosten der «Energiewende» sollte man auch nicht gerade durch die rosarote Brille sehen. Nebst den Kosten kann man auch die Arbeits- und Flächenproduktivität der «Erneuerbaren Energien» betrachten. Die ist bescheiden. Wird leider ziemlich wahrscheinlich tief bleiben. Das liegt einzig an der Technik. Daran ändern Meinungen, Mehrheiten und Politik nicht viel. Es gibt nicht nur Gunzinger und andere besonders medienpräsente Wissenschaftler, ich empfehle das Video «Gerd Ganteför: Deutschlands Energiewende und ihre Kosten», Physiker an der Uni Konstanz.
https://www.youtube.com/watch?v=7UxhtWoexQU

Pro Photovoltaik gibt es auch interessante Positionen:
https://www.youtube.com/watch?v=2QPksJ3WQ4k

AKWs sind auch nicht die einzige Alternative. Hocheffiziente Gas- und Dampfkraftwerke sind für eine Übergangszeit durchaus fortschrittlich, kostengünstig und schnell realisierbar. Das Kraftwerk Irsching erreichte 60% Wirkungsgrad. Leider führte die «Energiewende» zur vorzeitigen Betriebsstilllegung. Ohne Betrachtung eines Versorgung-Backups sind reine Kostenvergleiche bei der Produktion nicht zielführend.

Letztlich ist Realismus die beste Einstellung.
Alessandro Meier, am 29. August 2016 um 14:12 Uhr
Alessandro Meier hat recht, die erneuerbaren Energien nicht mehr durch die rosarote Brille zu betrachten. Jedoch ist der Hinweis auf die verstaubte Brille (veraltetes Videos von Gerd Gant aus dem 2011) definitiv nicht der richtige Ansatz. Ausser man will sich von trivialer Zahlen-Physik und träfen Sprüchen berieseln lassen.
Deshalb ist auch die Schuldzuweisung an die Energiewende (erneuerbare Energien) für Fehlinvestitionen der alten Energiebranche in Gaskraftwerke Bestätigung, dass die alten Stromunternehmen die von ihnen gewünschte Marktfreiheit nicht beherrschen. Ein klarer Hinweis dass man diesen liberalen Freunden besser auf die Finger schaut und sich vor deren Lobbisten hütet.
Simon Gisler, am 29. August 2016 um 22:35 Uhr
"Die thermische Vernetzung (Fernwärmenetze, Anergienetze, etc.) ist entscheidend für eine erfolgreiche Dezentralisierung der Energieversorgung» in Thermische Vernetzung | 2016 | Nr. 2, Inretis Energie- und Gebäudetechnik
Hans-Peter Dürr, dt. Physiker: «Ein Wissen, das nicht in die Zukunft reicht, ist kein Wissen.»
Willi Herrmann, am 30. August 2016 um 04:44 Uhr
Es ist nur schade, dass die Menschen, welche den Artikel und die nachfolgenden Kommentare lesen sollten, es nicht tun oder nur mit Zorn und Diffamierung darauf reagieren werden.

Aber vielleicht wäre eine Initiative hilfreich, welche verlangt, dass alle Atomkraftwerke ohne Begrenzung der Schadenssumme PRIVAT versichert werden müssen, wenn sie ihre Betriebsbewilligung behalten wollen. Denn jedem Verfechter der freien Marktwirtschaft muss es doch ein Gräuel sein, dass der Staat (und somit wir alle) das Risiko einer Reaktorkatastrophe durch Unfall oder Terroranschlag übernimmt. Im Grunde genommen handelt es sich hier um eine unzulässige Subventionierung. Wenn sich allerdings keine Versicherung finden lässt, welche hier einsteigt (und auch im Stande wäre, den zu erwartenden Schaden zu decken), dann käme es zur marktwirtschaftlich richtigen Abschaltung, ohne dass der Staat für seine Einmischung ins freie Unternehmertum mit hohen finanziellen Forderungen rechnen muss (die in der heutigen Diskussion über die Energiewende immer wieder auftauchen).
Alfred Gutmann, am 30. August 2016 um 12:12 Uhr
Es gäbe noch eine andere interessante Variante, wie mit dem Versicherungsmanko und, als Folge davon, der versteckten Subvention umgegangen werden könnte. Wenn Private die Versicherungsdeckung nicht übernehmen können (und das ist wohl so, jedenfalls wollen sie es nicht übernehmen, eine Billion Franken ist auch kein Pappenstiel), dann sollten doch diejenigen die eigentlich fällige Versicherungsprämie erhalten, welche den ungedeckten allfälligen Schaden zu tragen haben: die Bevölkerung. Das Ziel muss es sein, die Risikokosten zu internalisieren und damit den Fehlanreiz zu beseitigen, der für die AKW-Betreiber besteht, (externalisierte) Risiken einzugehen. Da die Beseitigung dieses Fehlanreizes das primäre Ziel ist, könnte die Prämie gleichmässig pro Kopf auf die Bevölkerung der praktisch grösstmöglichen Jurisdiktion (in unserem Fall die Schweiz) verteilt werden. Die korrekte Einführung des Systems würde wohl das Ende der AKW bedeuten. Allerdings wäre es dann, im Gegensatz zu einem Verbot, hoffentlich allgemein einleuchtend, dass die AKW Betreiber keine Entschädigung zu gut haben. Obschon logisch und einfach, hat interessanterweise Anton Gunzinger genau dies öffentlich vorgeschlagen, nicht in seinem Buch (Irrtum vorbehalten) aber jedenfalls in Vorträgen — als bisher einziger, nach meiner Wahrnehmung.
Peter Vogelsanger, am 30. August 2016 um 14:50 Uhr
@Peter Vogelsanger
Auch Ihre Variante ist nicht ohne Reiz, allerdings wahrscheinlich noch schwerer realisierbar:

- solange keine Versicherung ein glaubwürdiges Angebot macht, wäre die Höhe der zu verteilenden Prämie ein kaum zu lösendes Streitobjekt und die AKW würden munter weiter produzieren bis die wirtschaftliche Nutzungdauer ihrer Anlagen überschritten wird - mit allen Risiken, die wir gerne eliminiert hätten.

- gerade in der Schweiz wäre die Verteilung auf die Bevölkerung sofort als kommunistische Idee abqualifiziert und damit chancenlos.

- der Zwang zu einer privatwirtschaftlichen Versicherung, die keiner übernehmen kann, würde auch die immer wieder behauptete absolute Sicherheit der AKW als absurd entlarven und vielleicht doch eine grössere Anzahl von Bürgern dazu bringen, einmal über die Gefahr eines Terroranschlages auf ein AKW nachzudenken (in einem Land, wo 70% der Bevölkerung bereit wären, grössere Einschränkungen unserer bürgerlichen Rechte zur Terrorismusabwehr in Kauf zu nehmen).
Alfred Gutmann, am 30. August 2016 um 22:16 Uhr
Sage nur eins: Wenn Solarstrom 7 Rp. kWh kostet, dann können wir KEV-Subventionen ja sofort streichen. Auch wenn der Atomstrom mit rund 5 Rp. pro kWh natürlich immer noch viel günstiger und bei jeder Witterung abrufbar ist, vor allem auch im Winter, wenn man ihn am meisten braucht.
Alexander Baur, am 23. Januar 2017 um 17:03 Uhr
Wie kommen Sie zu diesem Schluss, Herr Baur? Wenn wir bei uns Photovoltaik wollen, erst recht mit den Anforderungen bezüglich Landschaftsschutz und unserem Hang für kleine Anlagen — nicht zuletzt als Folge des Landschaftsschutzes —, braucht es eben Förderung und das könnte noch länger so bleiben, es sei denn, fossiler und AKW-Strom wird massiv behindert oder mittels Abgaben verteuert. Ob wir sehr viel Landschaftsschutz und sehr viel einheimische PV haben sollen, ist eine andere Frage.
Peter Vogelsanger, am 23. Januar 2017 um 20:45 Uhr

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