Die Amerikaner, die Spanier, die Franzosen: alle rufen nach mehr Jobs. Doch die Jobs werden nicht kommen. Das wissen die Politiker.
Wir brauchen Jobs! Das sagen alle. Und wer als Politiker gewählt oder wiedergewählt werden will, verspricht Jobs. Wider besseres Wissen!
Das Tragische ist, dass die Ökonomen es wissen und die Politiker es zumindest wissen könnten: Es wird nicht mehr Jobs geben – oder doch nur sehr vorübergehend, lokal beschränkt, zeitlich limitiert.
Das Meccano ist einfach
Die Arbeiter fürchteten beim Auftauchen der ersten Maschinen im 19. Jahrhundert, dass dadurch Arbeitsplätze verloren gehen. Dann kam Henry Ford und sagte: Wir werden Autos so billig produzieren, dass sich auch die Arbeiter ein Auto leisten können. Das sich gegenseitige Hochschaukeln konnte beginnen – und es funktionierte. Mit Hilfe der Maschinen konnte die Produktivität der Arbeitsstunden massiv erhöht werden. Die Produkte wurden – relativ – billiger und wurden erschwinglich. Sie wurden deshalb mehr und mehr auch von breiten Schichten gekauft, was wieder neue Arbeitsplätze schaffte. Die Spirale ging nach oben, scheinbar unaufhörlich. Stichwort: Wachstum.
Dann kam die Mode und die Werbung
Irgendeinmal hatten – etwas vereinfacht gesagt – Alle alles. Das Wachstum wäre somit zum Stillstand gekommen, wäre da nicht die Mode und die Werbung erfunden worden. Jetzt hiess es nicht mehr nur: alles haben. Jetzt musste alles auch schon wieder ganz schnell ersetzt werden, durch Neues, durch Modisches, durch Produkte mit mehr Prestige. Die Spirale nach oben konnte nochmals «gerettet» werden.
Und heute? Im Kampf um Profit auf dem «freien Markt» galt es mehr und mehr, Marktanteile zu gewinnen. Und wie macht man das? Man verlegt die Produktion in ein Billiglohn-Land, um die Produkte billiger zu machen. Textilien, elektronische Geräte wie TV, Cameras, Handys: alles wird heute im Fernen Osten produziert. Sogar die westeuropäischen Autos werden im «Osten», in Tschechien, in der Slowakei, in Rumänien produziert. Und die Masse jubelt.
Ins Stocken geraten
Durch den Export der Arbeitsplätze in Billiglohn-Länder geriet die Produktion in den (reichen) Konsumländern selber aber ins Stocken. Arbeitsplätze gingen verloren. Und was macht man? Die Politiker, die Ökonomen und die Unternehmer sagen ihren Arbeitern, dass das Land im Vergleich mit anderen Ländern nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Wieder wettbewerbsfähig zu werden, gehe aber nur auf dem Weg über billigere Produkte. Und die Produkte billiger zu machen gehe nur über die Reduktion der Lohnkosten, im Westen also vor allem auf dem Weg über (wieder) längere Arbeitszeiten. Durch Erhöhung der Arbeitsstunden pro Woche und durch längere Arbeitszeiten im Life Cycle – sprich: durch eine spätere Pensionierung.
Ein totaler Leerlauf
Was volkswirtschaftlich, auf ein einzelnes Land bezogen, noch eine Weile stimmte, ist weltwirtschaftlich zum Irrsinn geworden. Wir kaufen immer mehr und immer billiger Waren aus den Billiglohnländern im Osten. Und wir fordern unsere Regierungen auf, endlich wieder mehr Jobs zu schaffen. Und wie schafft der Staat Jobs? Indem er Staatsangestellte schafft. Und wie zahlt er deren Löhne? Mit Schuldenmachen. Und wer bezahlt die Schulden? Am Schluss vermutlich wieder die Chinesen, um sicherzustellen, dass ihre besten Kunden, wir Westler, wieder Geld haben, um ihre Produkte zu kaufen...
So wird versucht, die Aufwärtsspirale, diesmal auf globaler Ebene, nochmals zu verlängern.
Ehrlich sein mit sich selbst
Nur: Die Globalisierung geht so rasend schnell, dass auch dies kein Weg für die Ewigkeit ist. Die Spirale nach oben wird zum Ende kommen. Und damit auch die Chance, mehr Jobs schaffen zu können.
Um ehrlich mit uns selbst zu sein: Wir kommen nicht darum herum, daran zu denken, wie wir ein System schaffen können, das ohne Wachstum auskommt.
Der Wettbewerb, zwischen kleinen Firmen, zwischen grossen Firmen, zwischen Ländern, zwischen Kontinenten: der Wettbewerb ist der Motor des Wachstums. Nein, er war der Motor des Wachstums! Eine echt globalisierte Welt kann nur überleben, wenn wir lernen, miteinander zu leben, nicht gegeneinander, nicht im sogenannt systembedingten und gleichzeitig systemerhaltenden Wettbewerb.
Und gäbe es eine Welt-Regierung eines Welt-Bundesstaates, sie müsste schleunigst die Arbeitszeiten gesetzlich verkürzen. Denn wäre die Arbeit auch nur halbwegs ehrlich verteilt: Das, was wir zum Leben brauchen, können wir dank sehr hoher Produktivität mit all unserer Technik in der halben Arbeitszeit schaffen. Es braucht nicht mehr Jobs. Wir müssen die Arbeit, die getan werden muss, besser verteilen. Dann haben auch die Jungen wieder eine Chance.
Die Verdränger vom Dienst in Davos
Am WEF wollte man über solche Themen diskutieren. Aber ans WEF gehen die Top-Manager der grossen Konzerne. Sie machen dort ihre «Kontakte», sprich: ihre Geschäfte. Und dies in der Annahme, dass die Aufwärtsspirale unaufhaltsam weitergehen kann.
Es gibt nur zwei Varianten: Entweder sie belügen sich selbst. Oder sie strotzen vor Dummheit.
Keine
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