Grundversicherungskosten 2012: Stationäre Spitalmedikamente unter «Medikamente» gezählt. Quelle BAG © is
Medikamentenkosten Kantone © Helsana
Antibiotika-Bezüge Kantone © Helsana
Prozent-Abweichungen © Helsana

Medikamente verschlingen einen Viertel der Prämien

Urs P. Gasche / 03. Jan 2015 - Der Anteil der Arzneimittel an den Kosten der Grundversicherung bleibt in der Schweiz europaweit am höchsten.

Neue Arzneien gegen Krebs und zur Unterdrückung des Immunsystems sind verantwortlich dafür, dass die Medikamentenkosten in der Schweiz trotz diverser Preissenkungen noch immer den hohen Anteil von einem Viertel der Grundversicherungskosten ausmachen. Das geht aus dem neuen Arzneimittelreport hervor, den die führende Krankenkasse Helsana am 24. November 2014 veröffentlicht hat. Helsana liess ihre eigenen Zahlen von der Universität Basel auf die ganze Schweiz gewichtet hochrechnen.

In den drei Jahren von 2010 bis 2013 stiegen die Kassenausgaben für Krebsmedikamente um 34 Prozent und die Ausgaben für Immunsuppressiva sogar um 78 Prozent. Unter den zehn teuersten Einzelpräparaten fanden sich im Jahr 2013 sieben Biologika, welche vorwiegend in der Onkologie, in der Rheumatologie und bei anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden.

Spitalmedikamente kommen dazu

Alle ambulant abgegebenen Medikamente zusammen kosteten 2013 die Grundversicherung 6,123 Milliarden Franken. Das entspricht 22 Prozent aller Ausgaben. Das BAG stützt sich auf eine etwas andere Zeitdefinition und kommt für 2013 auf Medikamentenkosten von 5,825 Milliarden Franken und einen Anteil von 21 Prozent der Grundversicherungskosten. Ob 21 oder 22 Prozent: Insgesamt schlagen Medikamente für rund einen Viertel aller Kassenausgaben zu Buche, wenn man die in Spitälern stationär abgegebenen Medikamente dazu rechnet. Josef Hunkeler, früherer Medikamentenspezialist beim Preisüberwacher, schätzt die in Pauschalen enthaltenen Grundversicherungskosten für Spitalmedikamente auf über 900 Millionen Franken jährlich. Das BAG veröffentlicht dazu keine Zahlen. Die Grafik oben gibt die entsprechend verteilten Kosten des Jahres 2012 wieder.

In Holland können die Kassen verhandeln

In Europa ist kein Land bekannt, in dem die Krankenkassen einen so hohen Anteil für Medikamente ausgeben müssen. In der Schweiz ist der Anteil in den Jahren seit 2000 praktisch unverändert geblieben. Besonders günstige Preise konnten holländische Kassen aushandeln: Nach deren eigenen Informationen gaben sie im Jahr 2011 pro Kopf der Bevölkerung für Medikamente ein Drittel weniger aus als die Kassen in der Schweiz – zu einem Eurokurs von 1.32 gerechnet.

Die Pharmaindustrie ihrerseits vergleicht in den verschiedenen Ländern jeweils nicht, was die Kassen tatsächlich zahlen, sondern die offiziellen Listenpreise ab Fabrik und kommt deshalb auf andere Resultate.

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Siehe

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Unterschiedliche Antibiotika-Verschreibungen pro Bevölkerung je nach Kanton im Jahr 2013 (weiss = Durchschnitt)

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Unterschiedliche Medikamentenkosten pro Bevölkerung je nach Kanton im Jahr 2013 (weiss = Durchschnitt)

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Zum Lesen der Grafiken: Abweichungen in Prozent des Durchschnitts (weiss = Durchschnitt):

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor vertritt Patientinnen und Prämienzahlende in der Eidgenössischen Arzneimittelkommission.

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4 Meinungen

Es wäre interessant zu wissen, wie hoch - zusammen geläppert - die Zusatzspesen für jedes Rezept und Beratung für Apothekertaxen gesamtschweizerisch sind. Ich meine, auch da müsste allerhand an Ausgaben zusammen kommen. Verdient denn eine Apotheke nicht schon genug an der Marge? Diese Zusatzspesen stören mich jedes Mal, umso mehr, als sie gar nicht erhoben werden (können), wenn man Selbstzahler ist und die Apothekenrechnung selber an die Kasse einsendet. Irgendwie unlogisch, denn gerade bei Selbstzahlern wäre doch eine Kontrolle/Beratung der Medis nötiger.
Regula Stern, am 04. Januar 2015 um 00:53 Uhr
Frau Stern, da haben Sie vollkommen recht. Speziell zu den Kosten durch Medikamente. Die setzen sich zusammen aus MENGE mal Preis.
Dazu sollte jeder Arzt Fr. 100 zahlen für den Satz:"lassen Sie, ich verschreibe ihnen dann, das zahlt dann die Kasse..» Warum haben unsere Ärzte wegen anderer politischer Tätigkeiten nicht Zeit für MEZIS? (nachlesen 2009 www.vua.ch /www.mezis.de).
oder wissenschaftlicher Dienst Ciba-Geigy:» 70 % der Erkrankungen werden als ernährungsbdedingt eingestuft, Zivilisationskrankheiten durch Vitalstoffmangel/DGE-Zufuhrempfehlungen Steinzeitalter
Oder: Europ.Health Forum Gastein, Dr. Fidler Weltbank: es wird zuviel
therapiert, diagnostiziert usw. ....so sind die Probleme schon aus Kostengründen NICHT zu lösen. Also es geht noch vielmehr um die MENGE als um den Preis.
Mit diesen Fakten dringt man aber zu Herrn Berset nicht durch. Da wird er abgeschirmt, da heisst es NEIN!
Elisabeth Schmidlin, am 05. Januar 2015 um 15:57 Uhr
Ich habe vor Jahren eine Zusammenstellung der Fragen rund um den Medikamentenmarkt gemacht, welcher auch heute noch weitgehend aktuell ist.

Allein die Preise und die Gesamtkosten sind weiter gestiegen, die grundlegende Fragestellung bleibt aber erhalten. In diesem Papier gibt es auch Erläuterungen zu den Apothekentaxen so wie zu den anderen kostentreibenden Faktoren des Systems wie z.B. der generalisierten Rezeptpflicht, welche in jüngsten Berset-Vorschlag durch mögliche Direktabgabe von verschreibungspflichtigen Medikamente durch Apotheker etwas gelockert werden soll.

http://www.preisueberwacher.admin.ch/themen/00008/00011/index.html?lang=de&download=NHzLpZeg7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCDdH94gmym162epYbg2c_JjKbNoKSn6A--
Josef Hunkeler, am 06. Januar 2015 um 09:21 Uhr
Man sollte ein «Zwei-Kassen-System» einführen. Die eine Krankenkasse, bei der ich mitmache, finanziert keine Chemo, keine Organtransplantationen und Psychopharmaka gibt es höchstens ein halbes Jahr pro Konsument. Ritalin nein, Schlafmittel höchsten eine Woche usw.

Es geht nicht mal in erster Linie um's Geld sparen, sondern darum, dass man ruhigen Gewissens die Prämien zahlen kann ohne dass man davon ausgehen muss, dass jemand z. Bsp. damit gefoltert wird.

Ich will diese staatlich autorisierten Mengeles, die lebendigen Körpern Organe rausreissen, nicht mehr unterstützen.
Olivier Bregy, am 06. Januar 2015 um 21:37 Uhr

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