PouletimDreck

Liebevoll umsorgt im Werbe-Prospekt, tot im Dreck in der Produktionshalle © frifag/tif

Geflügel-Haltung: Werbung und Wirklichkeit

Kurt Marti /  Undercover-Videos, die dem Verein «Tier im Fokus» zugespielt wurden, zeigen erschreckende Bilder aus der Schweizer Poulet-Mast.

Die Geflügelproduzentin Frifag Märwil AG, die unter anderem die Migros beliefert, legt laut Eigenwerbung «grossen Wert auf die besonders tier- und umweltgerechte Geflügelhaltung» und produziert gemäss dem «fortschrittlichen Tierhaltungskonzept BTS (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme)».

Alle Mastbetriebe, welche die Frifag beliefern, erfüllen laut Frifag-Werbung «die hohen Anforderungen des Tierschutzes an die Aufzucht von Mastgeflügel in höchstem Masse». BTS-Betriebe profitieren von speziellen Direktzahlungen aus der Bundeskasse.

Auf der Internetseite der Frifag findet man schöne Fotos und Videos, die bei der Konsumentin und dem Konsument fast familiäre Gefühle wecken, beispielsweise:


«Bestens umsorgt, besonders tierfreundlich gehalten» (Quelle: Frifag)

Auch auf der Werbeplattform der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande, die jährlich mit einem Millionenregen aus der Bundeskasse alimentiert wird, herrscht Schönfärberei bezüglich der Poulethaltung, beispielsweise:


Subventionierte Proviande-Werbung lässt die Hühner tanzen (Quelle: Proviande)

Ein ganz anderes Bild der Pouletmast zeigen Undercover-Aufnahmen, die der Verein Tier im Fokus TIF am Montag publizierte. Die Aufnahmen zeigen Tausende von Hühnern in einer Halle im Berner Seeland und mitten unter ihnen liegen tote Hühner im Dreck:


In der Halle eines Frifag-Lieferanten: Totes Huhn liegt im Dreck (Quelle: Tier im Fokus)


In dieser Halle des Frifag-Lieferanten wurden die Aufnahmen gemacht (Quelle: Tier im Fokus)

Der Verein TIF schreibt auf seiner Internetseite: «Die Aufnahmen zeigen krasse Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Zahlreiche Tiere sind tot, manche bereits stark verwest. Die Stiftung für das Tier im Recht hat beim Kantonstierarzt und bei der Polizei eine Meldung eingereicht.» Laut TIF sind die Zustände beim Frifag-Zulieferer kein Einzelfall: «Die Massentierhaltung ist in der Schweiz längst angekommen. In Mastanlagen mit bis zu 18’000 Hühnern werden pro Quadratmeter 17 Tiere eingepfercht.»

Gegenüber «20 Minuten online» erklärte der zuständige Berner Kantonstierarzt Reto Wyss, der betroffene Betrieb sei kontrolliert worden und sei «in der Vergangenheit nicht negativ aufgefallen.» Wie «20 Minuten online» weiter berichtete, prüft der Besitzer des Mastbetriebes gegen Tier im Fokus eine Klage wegen Hausfriedensbruch und Rufschädigung. Der Frifag-Geschäftsleiter Andi Schmal bezeichnete den Film als «effekthascherisch und suggestiv».

Verschärfung der Tierschutzgesetzgebung

Die Zustände in der Tierhaltung sind nicht nur in der Geflügelproduktion schockierend, sondern auch in der Schweinehaltung, wie TIF bereits früher mit Filmaufnahmen dokumentierte. Die tierquälerischen Zustände in Schweizer Ställen zeigen, dass einerseits die Tierschutz-Vorschriften und andererseits die Kontrollen zu wenig streng sind. Eine entsprechende Verschärfung der Tierschutz-Gesetzgebung und der Kontrollen drängt sich auf. Ebenfalls eine vermehrte Lenkung der Direktzahlungen in Richtung der biologischen Tierhaltung.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

Kuh

Landwirtschaft

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