Kommentar

SNB-Jordan liess sich von CS-Gamblern kalt erwischen

Lukas Hässig © zvg

Lukas Hässig /  170 Milliarden brauchte CS an drei entscheidenden März-Tagen. Notenbank-Chef öffnet Schleuse und setzt Glaubwürdigkeit aufs Spiel.

Die Dramatik der CS-Rettung tritt erst jetzt in voller Tragweite zutage. Von Donnerstag, 16. März, bis Montag, 20. März, also an drei Arbeitstagen, benötigte der Paradeplatz-Multi 168 Milliarden Not-Cash. Sonst wäre er kollabiert. Sang- und klanglos, nach 167 Jahren.

An Sicherheiten hatte die CS für die vielen Kredite fast nichts zu bieten. Laut dem neuen Blog Macrocontroller.ch sollen es rund 50 Milliarden gewesen sein. [Red. Für Kredite von der Notenbank müssen Banken im gleichen Wert Aktiva, die nicht sofort flüssig gemacht werden können, als Sicherheiten bieten. 50 Milliarden waren zu wenig.]

SNB-Boss Thomas Jordan hatte die Pistole auf der Brust. Geld oder Crash – weltweit. «Die SNB blinzelte und gab nach – zu Recht!», schreibt der Blogger, der laut Impressum «wissenschaftlicher Mitarbeiter der SNB im Bereich Devisenanlagen» war.

Das «Blinzeln» des obersten Zentralbankers der Eidgenossenschaft hat verheerende Folgen – nicht nur für die Republik mit kleiner Fläche und eindrücklicher Währung. «Eine Notenbank (nicht nur die SNB) wird mit dem virtuellen Revolver auf der Brust den Kredit trotzdem gewähren!» Das sei die Botschaft, welche Jordan & Co. mit der gigantischen Liquidität – gesprochen in höchster Bedrängnis – an alle Banker und Investoren ausgesendet habe.

Der GAU für die Zentralbanker. Sie leben von einem: ihrer Glaubwürdigkeit. Diese haben sie nun verspielt – CS-Rettung sei Dank. Statt wie von Too Big To Fail vorgesehen, die Bank fallenzulassen, retteten sie diese mit Notrecht, mit Not-Milliarden, mit allem, was der Lender of Last Resort hat.

Für Jordan eine Katastrophe. Er, der die mit Abstand wichtigste Institution Helvetiens seit über 11 Jahren präsidiert, hat versagt. Er liess sich erwischen von ein paar CS-Gamblern, die sich jahrelang die Taschen vollstopfen liessen und nun über alle Berge sind – oder jetzt bei New UBS, der neuen Too Big to Rescue-Bank der Schweiz.

Jordans persönliche Pleite kann nicht dramatisch genug gezeichnet werden. Nie darf der Chef einer Zentralbank in die Knie gehen und das letzte Hemd seiner Institution hergeben, um eine unterstellte Geschäftsbank vor dem Kollaps zu retten. Das ist ein No-go, ein Verstoss gegen alles, was den Hütern der Währungen, den Bewahrern des Geldwertes, heilig ist.

Jordan konnte im März nicht mehr anders. Die CS war ein maroder Laden, der die Welt in den Abgrund reissen konnte, wie aus dem Finanzstabilitätsbericht der SNB von gestern hervorgeht. Doch warum hat Jordan nicht im Oktober 2022 Tacheles gesprochen? Warum hat er damals nicht die CS-Chefs entmachtet und die Bank unter staatliche Lenkung gesetzt?

Der wahre Bank-run fand damals statt. Jordan liess ihn nicht nur gewähren, sondern er legte die Hände in den Schoss. Im März war es dann zu spät; da war er zur Geisel der CS-Masters of Boni geworden.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor ist Redaktor und Herausgeber des Online-Portals Inside-Paradeplatz.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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