oelpest

Weite Teile des Regenwalds in Ecuador sind mit öligem Schlick verseucht © ARD

Ölpest vergiftet Ureinwohner in Ecuador

Red. /  Ölkatastrophe im Regenwald: Seit 20 Jahren kämpfen Indios um Entschädigung. Doch der US-Ölkonzern Chevron will nicht zahlen.

Verseuchtes Wasser, vergiftete Böden, kranke und verzweifelte Menschen: Weite Dschungelgebiete im Nordosten von Ecuador sind Schauplatz eines gewaltigen Umweltskandals, wie eine Reportage des ARD-Magazins «Weltspiegel» zeigt. Jahrzehntelang hat der US-Konzern Texaco im Regenwald Öl gefördert – ohne Rücksicht auf Natur und Menschen. Der Bohrschlamm, reich an Salz, Schwermetallen und Giften, wurde einfach in die Flüsse des Urwalds geleitet, die Ölrückstände in der unberührten Natur abgeladen und nur mit einer dünnen Erdschicht zugedeckt.
Inzwischen sind die Förderanlagen abgebaut, doch der giftige Abfall ist geblieben. Für die Menschen, die in diesem Gebiet leben, eine Tragödie. Die unversehrte Natur des Regenwalds ist zerstört und mit stinkendem Giftmüll der Ölindustrie verseucht. Und: Das Drama im Regenwald dauert bereits seit vielen Jahren an – weit entfernt vom Fokus der News-Medien in Europa und der Schweiz.

10 mal mehr Krebstote als in der Hauptstadt
Ein einheimischer Führer begleitet den ARD-Reporter in ein altes Fischerdorf. Dort baden und waschen die Leute im verdreckten Fluss, trinken das ölverseuchte Wasser und essen den vergifteten Fisch. Tiere und Menschen werden krank, viele sterben. Einzelne Indiostämme wurden nahezu dezimiert. In der vorwiegend von Indios bewohnten Gegend hat die Zahl der Krebserkrankungen und Todesfälle dramatisch zugenommen. Das bestätigt die Ärztin einer Krankenstation gegenüber dem Korrespondenten der ARD: «In dieser Region gibt es 10 mal mehr Krebstote als in Quito, der Hauptstadt von Ecuador.»
Das Schlimmste jedoch: Die Verursacher dieses Umweltskandals wollen dafür keine Verantwortung übernehmen. Seit mehr als 20 Jahren warten die Menschen um Lago Agrio auf eine Entschädigung des US-Ölriesen Chevron – vormals Texaco. Der «Weltspiegel» der ARD dokumentiert den bislang grössten Umweltprozess, einen langen, fast aussichtslosen Kampf, der noch nicht zu Ende ist.
Chevron wehrt Milliardenzahlung ab
Zwei Jahrzehnte kämpften die Urwaldbewohner mit ihrem Anwalt Steven Donzinger um Schadenersatz von Chevron. Dann endlich der historische Sieg: Im November 2013 verurteilte das höchste Gericht Ecuadors den US-Ölkonzern zur Zahlung von 9,5 Milliarden US-Dollar.
Doch der Texaco-Nachfolger weigert sich, zu zahlen. Der Prozess sei nicht rechtsstaatlich geführt und Richter bestochen worden, behauptet der Konzern. Die Kläger aus Ecuador seien Verschwörer – «eine Betrügerbande, die Chevron melken wollten», tönt es aus der Zentrale in Houston. Zudem beruft sich Chevron darauf, schon mit einer 40 Millionen Dollar teuren Reinigungsaktion die Folgeschäden beseitigt zu haben. Und: Chevron habe in Ecuador «alles sauber hinterlassen».
Kurzerhand drehte der Ölriese den Spiess um und reichte in New York gegen den Anwalt der Betroffenen eine Klage ein. Mit Erfolg. Das US-Gericht bewahrt den Ölmulti vorerst vor einer Milliardenstrafe: Steven Donzinger habe im Verfahren gelogen und betrogen, mit dem Ziel Chevron haftbar zu machen, urteilte ein New Yorker Richter in erster Instanz.
David gegen Goliath
Für Menschenrechtler und Umweltaktivisten ist die Auseinandersetzung mit Chevron ein Präzedenzfall für den Umgang von Grosskonzernen mit Entwicklungsländern. Die Kläger brauchen viel Ausdauer und Mut, wenn sie sich mit einem mächtigen Ölmulti wie Chevron anlegen. Gekämpft wird mit harten Bandagen. «Meine Wohnung wurde von Privatdetektiven überwacht, sie haben mich und meine Familie verfolgt, ich fühlte mich bedroht, meine Gespräche wurden abgehört», erzählt Anwalt Steven Donzinger dem ARD-Reporter.
Ähnliches erlebte auch der Dokumentarfilmer Joe Berlinger. Sein Film «Crude» aus dem Jahre 2009 erzählt die Geschichte der Urwald-Tragödie um Lago Agrio, vom Leid der Menschen, die an Krebs erkrankt sind und vom Prozess gegen Chevron. Berlinger wurde von Chevron in Grund und Boden geklagt und musste sein gesamtes Drehmaterial ausliefern – ein Schlag für die in den USA hoch gehaltene Pressefreiheit.
Leben und Land zerstört
Das ARD-Team hat zwei Frauen aus Berlingers Dokumentarfilm noch einmal vor Ort besucht: Maria Garofaldo und ihre Tochter Silvia. Beide haben Jahre der Chemotherapie hinter sich. Erst vor kurzem sind bei Maria neue Metastasen festgestellt worden. Aber die meisten Sorgen macht sie sich um ihre Tochter Silvia. Sie hat Leberkrebs und wegen der Chemo- und Strahlentherapie ihr ungeborenes Kind verloren. Ihr Leben, ihr Land ist von den Ölkonzernen zerstört. Sie brachten nur Leid und Elend. Und bis heute will dafür niemand die Verantwortung übernehmen.

Es lohnt sich, die Dokumentation mit Bildern und Zeugenaussagen anzusehen: «Weltspiegel» vom 11.5.2014

Weiterführende Informationen


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2 Meinungen

  • am 15.05.2014 um 15:26 Uhr
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    Da zahlen ganze Bevölkerungsgruppen auf grausame Weise für unsere Erdölsucht und wir bequemen uns nicht einmal, die Richtung etwas zu ändern. Die Post baut ihre Dienste ab, so dass wir Pakete vermehrt mit dem Privatauto holen müssen. Die SBB pfeifen auf Kundschaft mit Krücken oder Kinderwagen und Lebensmittelläden verschwinden. Das wird einfach so hingenommen. Aber eine gesperrte Strasse oder Staus erregen die Gemüter. Nun soll die Polizei zu viert ausrücken müssen, wenn einem Chauffeur erklärt werden muss, dass Verbotsschilder auch für ihn gelten.

    0
  • am 15.05.2014 um 22:26 Uhr
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    Mobilität wird subventioniert, Arbeit und Wohnen wird besteuert….
    Sobald wir ins Auto sitzen oder in den Zug steigen werden wir Subventionsempfänger.
    Für den Arbeitsweg können (sehr hohe) Steuerabzüge gemacht werden. Der Staat fördert auch hier die überbordende Mobilität. Diese geht (subventioniert…) zu Lasten der dörflichen Strukturen. Migration innerhalb des Landes, Zersiedelung, Resourcenhunger sind die Folgen.
    Unsre kleine Gemeinde bezahlt für jährlich 550’000 an die Strassen und auch noch 300’000 an den ÖV (alles netto). «Wohnen» wird nicht subventioniert, wir dürfen aber einen Eigenmietwert (virtuelles Einkommen) versteuern, von einem steuerbaren «Eigenfahrwert» des Autos habe ich noch nie etwas gehört….
    Für meine PV-Anlage (Sonnenstrom) müssen wir Abwassergebühren bezahlen. Mein Auto kann ich aber regelmässig betanken, ohne Gebührenpflicht z.G. der ARA… Die Welt ist aus den Fugen, Meloni! 😉

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