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Die Axpo verliert zwei weitere Mitglieder der Konzernleitung: Hans Schulz (l.) und Manfred Thumann © axpo

Kapitäne verlassen das Axpo-Schiff

Hanspeter Guggenbühl /  Nach Axpo-Chef Heinz Karrer werden zwei weitere wichtige Mitglieder der Geschäftsleitung den Stromkonzern Axpo verlassen.

In einem Jahr muss die Axpo Holding drei ihrer fünf Geschäftsleitungs-Mitglieder ersetzen: Heinz Karrer vertauscht – wie schon seit längerem bekannt – den Chefsessel bei Axpo mit dem Präsidentenamt bei Economiesuisse. Gestern teilte die Axpo mit, dass auch Manfred Thumann und Hans Schulz das Unternehmen im August respektive September 2014 verlassen werden. Zurück in der fünfköpfigen Konzernleitung bleiben damit nur noch Finanzchef Martin Schwab sowie Andrew Walo, Chef der kleinen Axpo-Tochter CKW (Centralschweizerische Kraftwerke AG).
Rückzug ins Privatleben
Der Vollblut-Techniker Thumann leitet die Axpo AG (vormals Nordostschweizerische Kraftwerke) und damit die grosse Tochter unter dem Axpo-Dach. Er ist verantwortlich für die Produktion im grössten Schweizer Stromunternehmen und gilt innerhalb der Axpo-Leitung als Schwergewicht. Einige Insider betrachteten ihn als Kronprinzen für die Nachfolge von Heinz Karrer. Doch Thumann zieht es laut Medienmitteilung der Axpo jetzt vor, sich zu seinem 60. Geburtstag frühpensionieren zu lassen und das Leben zu geniessen.
Ebenfalls ins Private zieht es den 54-jährigen Hans Schulz: Statt im Axpo-Schiff weiter zu steuern, plant er mit seiner Frau eine mehrjährige Weltumsegelung. Schulz war Leiter der Stromhändlerin und Axpo-Tochter EGL, bevor diese in die Axpo integriert wurde. Danach wurde (oder blieb er) Leiter des Handelsgeschäftes, das die Axpo in den letzten Jahren immerhin besser bewältigte als die Konkurrentin Alpiq.
Axpo in der Umbruchphase
Die Stromwirtschaft und mit ihr die Axpo befinden sich in einer Umbruchphase, die bei der Axpo mit einem Machtverlust einhergehen kann. Denn mit der Öffnung des Strommarktes musste die Axpo bereits ihr Übertragungsnetz und damit einen wichtigen Geschäftsbereich an die Swissgrid abtreten. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie verliert die Axpo langfristig auch ihr wichtigstes Geschäftsfeld (die Axpo produziert heute mehr als die Hälfte ihres Stroms in Kernkraftwerken). Damit bleibt ihr vorderhand vor allem der Betrieb von grossen Wasserkraftwerken sowie der nationale und internationale Stromhandel. Denn die dezentrale Produktion von Strom aus erneuerbarer Energie gehört nicht zu den Kernkompetenzen des zentral ausgerichteten Unternehmens.
In dieser Situation stellt der gleichzeitige Abgang von Karrer, Thumann und Schulz, die mehrere Jahre zusammen das Leitungsteam der Axpo bildeten, einen Aderlass dar, der mit einem Verlust an Erfahrung und Know-how verbunden ist. Andererseits kann die weitgehende Erneuerung der Konzernleitung auch eine Chance darstellen, um mit unverbrauchten Leuten und frischem Wind den altgedienten staatlichen Stromkonzern neu zu positionieren. Leicht wird diese Aufgabe nicht sein.


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3 Meinungen

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    am 3.09.2013 um 12:12 Uhr
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    Bei diesen fast gleichzeitigen Rücktritten kam mir spontan das Sprichwort «…. verlassen das sinkende Schiff» in den Sinn.
    Die AKW Beznau sind Hochrisiko-Anlagen in die nun weitere 700 Mio. Franken gesteckt werden. Für deren Abbruch und Entsorgung fehlen noch Milliarden, die durch den Weiterbetrieb nicht finanziert werden können.
    Und mit dem Pumpspeicherkraftwerk Linthal 2015 baut die AXPO an einer milliardenschweren Fehlinvestition.
    Was ist also für «erfolgreiche Manager» besser als ein rechtzeitiger Abgang?

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    am 3.09.2013 um 15:17 Uhr
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    Herr Glauser, die gleichen Gedanken kamen mir auch. Besser sich jetzt vom Acker machen als später – wenn die … am dampfen ist und die Verantwortlichen gesucht werden…

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    am 14.10.2013 um 00:36 Uhr
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    @Herr Dietschi: Leider wurden die verantwortlichen Oberen in der Schweiz noch nie zur Verantwortung gezogen. [Boot voll Politik (Hr.Rothmund, (WWII)); Mord an Bundesanwalt Dubois (1957); Polizeikrawalle Zürich (1968); Swissair-Pleite; Nötigung der Nationalbank zum Goldverkauf durch SVP-Blocher (2000); UBS Pleite (2008); Asbesturteil Bundesgericht (2013) etc.]
    Hierzuland wird höchstens die Putzfrau vergast oder der Auszubildende gehängt… lol

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