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Das Innere einer Kakaofrucht. © Wikimedia Commons, CC

Ghana: Kinderarbeit im Kakaoanbau hat zugenommen

Daniela Gschweng /  Die Hersteller, die die Lage längst verbessern wollten, haben ihr Ziel haushoch verfehlt.

Eigentlich sollte der Report schon länger erscheinen, jetzt ist er da: Eine repräsentative Studie der Universität von Chicago über Kinderarbeit im Kakaoanbau in Ghana und der Elfenbeinküste belegt, dass es keine Fortschritte bei ihrer Bekämpfung gibt.

Im Kakaoanbau der beiden Länder arbeiten 1,56 Millionen Kinder, die meisten verrichten eine als gefährlich eingeschätzte Arbeit. Sie müssen beispielsweise schwere Lasten tragen oder mit Pestiziden hantieren. 45 Prozent der Kinder in Kakaoanbaugebieten arbeiteten in der Saison 2018/2019 im Kakaoanbau. Im Vergleich zur Saison 2008/2009 hat sich der Anteil damit sogar um 14 Prozentpunkte erhöht.

Selbstverpflichtung der Hersteller ist schon 19 Jahre alt

Sehr euphemistisch formuliert heisst das im Report: Der Anteil der Kinder von 5 bis 17 Jahren, die gefährliche Arbeiten verrichten, hätte sich nicht weiter erhöht, während die Kakaoproduktion Ghanas und der Elfenbeinküste im untersuchten Zeitraum um 62 Prozent gewachsen sei. Keine Verschlechterung sei unter den herrschenden Umständen also auch eine Verbesserung.

Schon 2001 hatten Hersteller wie Mars, Hershey und Nestlé im Rahmen einer Selbstverpflichtung angekündigt, zumindest die schlimmsten Formen der Kinderarbeit im Kakaoanbau bis 2015 um 70 Prozent zu reduzieren. Nicht zuletzt, um einer gesetzlichen Regelung in den USA zuvorzukommen. Später wurde der Termin auf 2020 verschoben.

Die vom US-Arbeitsministerium beauftragte Studie wurde lange von den Herstellerländern blockiert, da sie Nachteile durch Sanktionen befürchten. Zwei Drittel des weltweit angebauten Kakaos kommen aus Westafrika, sein Anbau ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Nachdem Teile der noch nicht veröffentlichten Studie bekannt geworden waren, verlangten sie eine Prüfung durch unabhängige Experten.

Lichtblick: nicht alles ist sinnlos

Trotz der eher düsteren Gesamtbilanz enthält die Studie auch einige Lichtblicke: Der Anteil der Kinder, die regelmässig eine Schule besuchen, ist während der untersuchten Zeit in allen Altersgruppen gestiegen, was die Forschenden den Aktivitäten von NGOs und der beiden Landesregierungen zuschreiben, etwa beim Bau von Schulen und der Einstellung von Lehrern. Tendenziell gingen die Kinder nun in die Schule und erst danach auf den Plantagen arbeiten.


Der Anteil der Kinder aus Ghana und der Elfenbeinküste, die eine Schule besuchen, ist in den untersuchten zehn Jahren gestiegen. (Univ. of Chicago, NORC)

Es gibt auch einzelne Anzeichen dafür, dass Gegemassnahmen fruchten und der Anteil der Kinderarbeit punktuell sinkt. Einen signifikanten Effekt hatten Massnahmen allerdings nur, wenn in einem Gebiet mehrere davon durchgeführt wurden. Bisher tröpfelt die Hilfe auch eher, als dass sie fliesst, während die Branche Milliarden umsetzt.

Ein paar Cent, die einen Unterschied machen

Die 30 Gramm Kakao, die für eine Tafel Schokolade benötigt werden, brächten den Bauern etwa sieben Cent, erklärte Friedel Hütz-Adams von der deutschen Südwind-Stiftung im Juni gegenüber der deutschen «Tagesschau». Einige Cent mehr würden Konsumentinnen und Konsumenten im Portemonnaie kaum bemerken, die Kakaoanbauer aber schon, so diese paar Cent denn auch wirklich in Westafrika landen würden – was, wie wir vom Beispiel der Textilindustrie her wissen, kaum der Fall sein wird.

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Siehe dazu auch

«Afrika fordert schon längst Konzernverantwortung» (auf Infosperber)
«Schmutziges Kobalt: Apple, Google und Tesla auf der Anklagebank» (auf Infosperber)
«Nestlé und Starbucks profitieren in Guatemala von Kinderarbeit» (auf Infosperber)


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

AfrikaHilfe

Afrika: Ausbeutung und Hilfe

Die Industriestaaten profitieren von Hungerlöhnen und Kinderarbeit. An Korruption sind sie oft beteiligt.

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