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Die Route der Trans Adriatic Pipeline (TAP) © tap

Axpo minimiert ihre Pipeline-Beteiligung

Hanspeter Guggenbühl /  Der Stromkonzern Axpo reduziert seine Beteiligung am Pipeline-Projekt TAP von 42,5 auf auf mickrige 5 Prozent.

Die geplante Trans Adriatic Pipeline (TAP) soll ab 2019 Gas von Aserbaidschan am kaspischen Meer nach Süditalien transportieren. Gefördert wird das Erdgas vom Shah-Deniz-Konsortium. Der Nordostschweizer Staatskonzern Axpo initiierte dieses Projekt vor zehn Jahren und war bislang mit 42,5 Prozent daran beteiligt; die übrigen Aktien hielten die norwegische Statoil (42,5%) und die deutsche E.On (15%).

Ende Juni 2013 fiel der ersehnte Entscheid: Das TAP-Projekt siegte gegenüber dem nördlich verlaufenden Konkurrenz-Projekt «Nabucco», und die Axpo jubelte: «Mit dem Entscheid zugunsten von TAP hat sich das Shah-Deniz-Konsortium für die kürzeste und damit günstigste Transportroute entschieden.» Trotzdem hatte die Axpo schon früher angekündigt, sie wolle ihre Beteiligung an der TAP vermindern auf eine Grössenordnung von noch 15 Prozent, weil das Pipeline-Geschäft nicht zu ihren Kernkompetenzen gehöre.

Verkaufspreis ist geheim

Gestern fiel der Entscheid: Die Axpo reduziert ihre Beteiligung an der «günstigsten Transportroute» von 42,5 auf nur noch 5 Prozent und damit stärker als angekündigt. Gleichzeitig reservierte sich die Axpo einen langfristigen Gasbezug von einer Milliarde Kubikmeter pro Jahr, was einem Anteil von fünf Prozent an der geplanten Transportkapazität im Endausbau entspricht. Ihre andern Miteigentümer verminderten ihr Engagement weniger stark: die Statoil auf 20, die E.On auf 9 Prozent des Aktienkapitals. Die Mehrheit der Aktien besitzen neu die Öl- und Gaskonzerne BP (20%), Socar (20%) und Total (10%) sowie der belgische Gasnetzbetreiber Fluxys (16%).

Die Gesellschaft TAP verfügte per Ende September 2012, also vor dem Varianten-Entscheid, über ein Grundkapital von 127 Millionen Franken. Über die jetzt erzielten Verkaufspreise der TAP-Aktien haben die an der Transaktion beteiligten Firmen nicht nur Schweigen, sondern, wie die Axpo schreibt, «Stillschweigen» vereinbart. Damit bleibt auch offen, weshalb die Axpo den Grossteil ihrer Beteiligung an diesem hochgelobten Projekt abgestossen hat.

Zwei mögliche Rückzugs-Motive

Zwei Motive sind möglich: Entweder war das Kaufangebot der neuen Mitbesitzer derart lukrativ, dass der Axpo der schnelle finanzielle Gewinn näher lag als die Teilhabe an der langfristigen Investition. Oder der Staatskonzern scheut das Risiko, das der Bau der schätzungsweise drei bis vier Milliarden Franken teuren Pipeline nach sich zieht. Näher liegt die zweite These. Denn das Geschäft mit Gas- und Gaskraftwerken ist flau, seit die Rezession in Europa die Strompreise in den Keller trieb.


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