Frauen verdienen so oder so weniger

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Barbara Marti /  Teilzeit-Arbeit wird lohnmässig nicht diskriminiert. Aber Frauen verdienen – unabhängig vom Arbeitspensum – weniger als Männer.

Das Forschungsteam des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) hat die Bruttostundenlöhne von Frauen und Männern getrennt analysiert. Das Ergebnis: Innerhalb des gleichen Geschlechtes ist der Lohnunterschied zwischen den Vollzeit- und den Teilzeit-Beschäftigten vernachlässigbar klein.

  • Frauen: Teilzeit arbeitende Frauen verdienen im Durchschnitt 11,4 Euro brutto pro Stunde und Vollzeit arbeitende Frauen 11,9 Euro.
  • Männer: Teilzeit arbeitende Männer verdienen brutto 14,6 Euro und Vollzeit arbeitende Männer verdienen 15,3 Euro pro Stunde.

Die Wifo-Studie widerlegt das Vorurteil, dass Teilzeitarbeit schlechter bezahlt ist als Vollzeitarbeit.
Ein deutlicher Lohnunterschied komme nur zustande, wenn man die Löhne von Frauen und Männern nicht getrennt analysiere, heisst es in der Studie. Der Grund dafür sei, dass Frauen – unabhängig vom Arbeitspensum – weniger verdienen als Männer. Teilzeitarbeit sei jedoch nicht verantwortlich für die Lohnkluft zwischen Frauen und Männern.
Laut René Böheim von der Universität Linz, Co-Autor der Studie, ändert der nur minime Unterschied beim Lohn nichts an den sozialen Risiken der Teilzeitarbeit. Dazu gehören niedrige Pensionen und damit drohende Armutsgefahr im Alter. Auch die Karrierechancen sind für Teilzeitarbeitende in der Realität nach wie vor schlechter.
45 Prozent aller unselbstständig beschäftigten Frauen in Österreich arbeiten Teilzeit. Das liegt weit über dem EU-Durchschnitt von 33 Prozent. Von den unselbstständig beschäftigten Männern in Österreich arbeiten nur knapp acht Prozent Teilzeit.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Informations-Plattform «FrauenSicht».

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Eine Meinung zu

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    am 18. Apr 2014 um 08:00 Uhr
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    B. Marti stellt mit Recht gewaltige Differenz bei Männern und Frauen bei den Vollzeitpensen fest. Dort kommt tatsächlich ein bedeutender Unterschied zum Vorschein, der dann, so bei Pensionen, sich für Frauen langfristig nachteilig auswirkt. Im Gegensatz zu Frau Marti habe ich mich aber nicht feministisch engagiert, sondern, wenn auch eher als Beobachter und einmal als Referent (wurde dafür postwendend von feministischer Direktorin als Lehrerfortbildner entlassen) an analogen Männerkongressen teilgenommen. Dort trafen sich Männer, die theoretisch mehr verdienen als Unterschichtfrauen, die aber nichtsdestoweniger als Zahlväter und Unterhaltszahler ihrerseits netto mit weit unter dem heute von Schweizer Gewerkschaften geforderten Mindestlohn leben müssen. Zahlreiche getrennte und geschiedene Kollegen sind auf diese Weise, nicht mal immer selbst verschuldet, ans Existenzminimum und darunter abgestiegen, wobei sich viele schämten und schämen, öffentlich darüber zu jammern. Dazu war dann der Männerkongress, in einem Fall dummerweise «Antifeminismus-Kongress» genannt, da. Nebst Polemik gegen Feministinnen mahnten Besonnene, so Markus Theunert, das gegenseitige Aufrechnen der Geschlechter und entsprechende Vorwürfe bleiben zu lassen. Das konstitutive Gejammer betr. die Stellung der Frauen blendet aber regelmässig ein nicht kleines Ausmass von Männerelend aus, das sich in der entsprechenden Selbstmordrate, dem Fall in Alkoholismus und der klar niedrigeren Lebenserwartung ausdrückt.

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