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Prämierter Showgarten an der Giardino © Giardina 2012

Als Grünfink an der Gartenmesse: Fast nur Frust

Beatrix Mühlethaler /  Die Gartenmesse Giardina 2012 steht unter dem Motto «Leben im Garten». An Vögel hat man dabei kaum gedacht.

Die am Mittwoch eröffnete Gartenmesse Giardina 2012 verspricht Grosses: das «Leben im Garten» in «all seinen Facetten zu offenbaren». Hey, da muss ich als neugieriger Grünfink hin! Das ist mal eine Abwechslung zu den realen Gärten, die uns Vögeln so wenig bieten. Über die vielen Menschen hinweg, die zur Messe strömen, fliege ich direkt in die Haupt-Ausstellungshalle.
Wow, da haben sie richtige Gärten hineingepflanzt! Ich setz mich mal auf den nächsten Baum. Schön bunt, dieser Tulpengarten da unten. Aber wenn ich mich umschaue, sehe ich vor allem gestylte Flächen: Wege und Plätze aus allerlei Bodenplatten in beige, grau, rötlich, gelblich, mal rau mal glatt. Daneben Holzdielen, gediegen, aber doch schon etwas rissig.
Ich fliege runter, vielleicht finde ich etwas Fressbares in den Spalten. Nein, sapperlot, da pickt es sich ganz anders als auf Holz. Sieht nur aus wie Holz, ist aber Stein. Vielleicht lässt sich im Kies daneben ein Krümelchen finden? Komisch, da kann ich kein Steinchen bewegen, um nach etwas Naschbarem zu suchen. Der Kies muss irgendwie verklebt sein, mit Beton wahrscheinlich.
Ich kann mir vorstellen, dass das den heutigen Menschen gefällt: alles so schön sauber hier. Erde hat es nur noch in schmalen Rabatten. Da müssen sie nicht mehr viel arbeiten und können sich in den Canapées räkeln, die hier überall herumstehen. Die sind ja riesig! Sehen aber nicht aus wie Möbel für draussen, mit all diesen Polstern und Textilbezügen.

Immerhin, «Leben im Garten» hat es auch: Offenbar mögen die Menschen beim Sitzplatz gerne Wasser. Da sprudelt es aus einem Gebilde, das einem Felsbrocken ähnlich sieht. Das Wasser plätschert in eine Rinne und verschwindet in einem Loch. Nebenan fliesst Wasser über eine breite Stahlplatte in eine grosse Stahlwanne.
Es geht nichts über ein Bad, finde ich. Also rein ins Nass! Ich wähle den nachtblau beleuchteten Pool, der sieht edel aus. Aber Obacht! Zum Glück habe ich es gerade noch rechtzeitig gemerkt: Überall steile glatte Wände. Da kommt kein Grünfink mehr raus! Kein Wunder, hat es hier ausser mir keinen anderen Vogel; zumindest keinen wie mich mit echten Federn. Was hier unbeweglich herumsteht, sind alles Vögel aus Stahl, Draht oder Stein, ganz lustig.
Ich fliege weiter und schaue mich um: Hat es denn nirgends ein anständiges Vogelbad? Schliesslich finde ich eines, ein richtig klassisches aus einem Stein mit einer Mulde. Genau, da sitzen auch schon zwei Vögel am Rand. Oha, mit denen lässt sich aber nicht zwitschern; die sind aus Metall. Dann flieg ich mal weiter.

Ich flattere an riesigen Stahlgebilden vorbei, mit denen sich offenbar grillen lässt, fliege über Leuchtkörper, grosse Steinstelen und schmucke Blumendekorationen – nichts für mich. Schliesslich entdecke ich doch noch eine Oase in dieser Halle voller Traumwelten für Freizeit-Menschen. Einige mögen offenbar diesen anderen Stil, den sie Naturgarten nennen.
Ich setze mich auf die Mauer, die dieses Naturrevier umschliesst und staune: Da stehen sogar dürre Karden aus dem Vorjahr, deren Samen wir Finken so gerne schnabulieren. Im Spalier könnte ich ein Nest bauen, in den Ritzen der Steinmauer für die Jungen Futter suchen. Oder auch im Laub, das in der Ecke am Boden liegt. Am flachen Teichufer liesse sich wunderbar plantschen. Aber in vier Tagen ist alles vorbei. Höchste Zeit, draussen eine Bleibe zu suchen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Die freie Journalistin ist im Naturschutz aktiv und macht im Auftrag einer Gemeinde Beratung für naturnahe Umgebungsgestaltung

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