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Seinen Einsatz für den Naturschutz musste Ralph Manz teuer bezahlen. © Franziska Scheidegger

WWF gefährdet seine Glaubwürdigkeit

Kurt Marti /  WWF-Geschäftsleiter Ralph Manz stoppte in Saas-Fee die illegalen Arbeiten für einen Mountainbike-Trail und wurde vom WWF entlassen.

Der Oberwalliser WWF-Geschäftsleiter Ralph Manz erfährt anfangs August 2009, dass in Saas-Fee illegal an einem Downhill-Trail für Mountainbiker gebaut wird. Der Mountainbike-Trail soll von der Bergstation Plattjen hinab ins Dorf führen. Insgesamt sechs Kilometer durch unberührte Bergwiesen, einen Lärchenschutzwald und ein Jagdbanngebiet.

Auftraggeber ist der Mountainbike-Club Saastal/Saas-Fee. Dessen Präsident Beat Anthamatten ist der Inbegriff des Walliser Filzes: Er ist gleichzeitig Vizepräsident der Gemeinde Saas-Fee, Verwaltungsrat der Bergbahnen Saas-Fee, Präsident von Saastal/Saas-Fee Tourismus, Präsident der kommunalen Verkehrskommission und Mitglied des Öko-Teams Saas-Fee.

Interessenkonflikte zu Hauf

Zudem betreibt der CVP-Vertreter Anthamatten das Ferienart Resort & SPA und ist ein Kunde der Weinkellerei Chanton, welche der Familie der WWF-Präsidentin Marlis Chanton gehört. Anthamatten seinerseits sponsorte regelmässig das Klimafest des WWF Oberwallis. Zu den WWF-Sponsoren gehörte auch die Lonza AG, die Aletsch Arena Bettmeralp, die Synthes Raron GmbH und diverse Ingenieurbüros.

Mitte August zieht WWF-Geschäftsleiter Manz die Notbremse: Er meldet die illegalen Bauarbeiten der kantonalen Baupolizei und gibt einer Journalistin der Sonntagszeitung einen Tipp. Am 16. August 2009 erscheint ein kurzer Artikel in der Sonntagszeitung. Dann greifen die lokalen Medien und Schweiz Aktuell des Schweizer Fernsehens den Fall auf. Am 17. August fordert der Rechtsdienst des kantonalen Baudepartementes Anthamatten auf, die Bauarbeiten sofort einzustellen und keine Arbeiten mehr auszuführen, solange er nicht über eine entsprechende Baubewilligung verfüge.

Anthamatten: «Manchmal braucht es illegale Mittel»

Gegenüber Schweiz Aktuell erklärte Anthamatten freimütig: «Nachhaltiger Tourismus hat nicht nur damit zu tun, etwas zu verhindern, sondern auch ein optimales Angebot zu schaffen. Und wenn das in diesem Zeitraum gemacht werden muss, dann muss man manchmal zu Mitteln greifen, die illegal sind.»

Anthamatten wusste also sehr wohl, was er tat. Das kantonale Baudepartement hatte ihn bereits anfangs Juli vorgewarnt. Man habe erfahren, «dass mit gewissen Arbeiten bereits begonnen worden sei, obwohl noch keine Bewilligung des Staatsrates vorliegt. Wir fordern Sie auf, keine Arbeiten vorzunehmen, bevor der Staatsrat über das Genehmigungsgesuch entschieden hat.»

Dann erinnert das Baudepartement Anthamatten und die Gemeinde Saas-Fee blauäugig daran, dass die Gemeindebehörde ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen und die Arbeiten einzustellen habe. Nötigenfalls werde das Baudepartement die erforderlichen Massnahmen anordnen. Schliesslich nahm die Geschichte den für das Wallis üblichen Verlauf: Die Gemeinde nahm ihre Aufsichtspflicht nicht wahr, weil Vizepräsident Anthamatten sich selbst hätte stoppen und büssen müssen und das Baudepartement in Sitten vertraute auf die Gemeindeautonomie und verzichtete auf eigene Kontrollen.

Das Kantonsgericht gab Ralph Manz Recht

Das Baugesuch des Mountainbike-Clubs war unvollständig, insbesondere fehlte ein Rodungsgesuch. Auch die Frist für Einsprachen hatte die Gemeinde Saas-Fee gesetzeswidrig auf 10 Tage reduziert. Vorgeschrieben sind 30 Tage. Nachdem der Mountainbike-Club ein revidiertes Baugesuch einreichte, gab der Walliser Staatsrat im Mai 2010 grünes Licht. Eine Rodungsbewilligung hielt er für überflüssig. WWF-Geschäftsleiter Manz erhob gegen die Baubewilligung mit Erfolg Beschwerde: Im Dezember 2010 gab ihm das Kantonsgericht Recht: Gemäss bisheriger Rechtssprechung des Bundesgerichtes erfordert der Mountainbike-Trail eine Rodungsbewilligung.

WWF-Präsidentin pfeift Geschäftsführer zurück

Manz hatte sich erfolgreich im Interesse des Naturschutzes durchgesetzt. Rundherum erntete er dafür Anerkennung. Ein Kantonsbeamter war gar der Meinung, dass Manz für diesen Einsatz den Walliser Umweltpreis verdient hätte, wenn es einen solchen gäbe. Doch beim WWF sahen das nicht alle so. Nachdem der Fall in den Medien erschien, wurde Manz von seiner eigenen Walliser WWF-Präsidentin Marlis Chanton kritisiert. Laut Manz hat Chanton zuerst telefonisch und dann im Vorstand des WWF Oberwallis erklärt, es sei nicht die Aufgabe des WWF, mit solchen Fällen in die Öffentlichkeit zu gehen.

Auf Anfrage von Infosperber erklärte Chanton, es sei «selbstverständlich Aufgabe des WWF, illegale Bautätigkeiten öffentlich zu machen.» Sie habe nur kritisiert, dass Manz sie und den Vorstand nicht über die geplante Medienarbeit informiert habe. Ein damaliges Vorstandsmitglied teilt diese Einschätzung von Chanton nicht. Es sei im Vorstand sehr wohl zu hitzigen Diskussionen gekommen, ob der WWF mit solchen Fällen in die Öffentlichkeit gehen solle oder nicht. Chanton sei klar der Meinung gewesen, dass dies nicht die Aufgabe des WWF sei. In dieser Haltung sei Chanton vom WWF Schweiz unterstützt worden.

Statt «Maschinengewehr» die sanfte Verführung

Dann begann für den erfolgreichen Umweltschützer Manz der sukzessive Abschied von der WWF-Bühne. Bereits einen Monat später fand eine WWF-interne Supervisions-Sitzung mit Manz, Chanton und Catherine Martinson statt, der Leiterin Regionalarbeit des WWF, welche auch in der fünfköpfigen Geschäftsleitung des WWF Schweiz sitzt. Im Schreiben zur Supervision gab Martinson den WWF-Tarif unverblümt bekannt: «Der WWF würde es sehr begrüssen, wenn er die Zusammenarbeit fortsetzen könnte», schrieb sie einleitend, fügte jedoch bei: «Eine Trennung ist für den WWF Schweiz aber auch kein Tabu.»

Martinson warf Ralph Manz mangelnde Arbeitsleistung und Effizienz vor. Im krassen Widerspruch zu den Mitarbeitergesprächen und der sehr guten Zielerreichung der letzten drei Jahre. Zusammenfassend steht dort für das Jahr 2009/2010: «Gesamthaft kann gesagt werden, dass die Zielerreichung sehr gut ist. Die Zieldefinition ist damit realistisch. Ralph arbeitet zielorientiert.»

Manz arbeitete seit 2002 für den WWF. An einer weiteren Sitzung gab laut Manz auch der Chef des WWF Schweiz, Hans-Peter Fricker, den WWF-Tarif durch. Dabei habe Fricker erklärt, der WWF werde im Wallis als «Maschinengewehr» wahrgenommen. Die Aufgabe des WWF sei es jedoch, die Leute zum Umweltschutz zu verführen.

WWF-Studie mit Anthamatten, aber ohne Manz

Exakt in dieser Zeit lancierte der WWF Schweiz zusammen mit dem Schweizerischen Versicherungsverband, der Hotelleriesuisse, dem Kanton Wallis und der Gemeinde Saas-Fee eine Studie zum Klimawandel. Sozusagen ein ökologisches Verführungsprogramm, in dem seitenlang über die Gefährdung der Gebirgsflora spekuliert wird. Eine econcept-Studie mit ziemlich mageren Ergebnissen.

In der Begleitgruppe – man darf drei Mal raten – sass niemand anders als Beat Anthamatten. Ralph Manz, welcher die Gebirgsflora effektiv gegen Anthamattens illegale Eingriffe schützte, hatte freilich in der Begleitgruppe keinen Platz. Da schickte der WWF Schweiz in echt kolonialistischer Manier seine Leute aus der Zürcher Zentrale.

Nach zweieinhalb Jahren noch keine Bussen

Weniger gut als die Kooperation mit dem WWF funktioniert in Saas-Fee der Vollzug der Strafbestimmungen des kantonalen Strassengesetzes, welches u.a. für den Bau von Mountainbike-Trails gültig ist. Für Widerhandlungen gegen das Gesetz sind Bussen bis zu 100 000 Franken vorgesehen. Die Gemeinde ist das Vollzugsorgan. Auf Anfrage von Infosperber liess Gemeindepräsident Felix Zurbriggen ausrichten, der Gemeinderat werde «an der nächsten Sitzung über die Thematik beraten».

Das wird aber auch höchste Zeit, denn gemäss dem kantonalen Strassengesetz gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Das wäre bereits Ende Juni 2012 der Fall. Übrigens legt die Gemeinde Saas-Fee grossen Wert darauf zu betonen, dass der Entscheid für die Traktandierung noch vor der Infosperber-Anfrage gefallen war. Staunen muss man auch über die passive Haltung des Kantons, denn laut Strassengesetz muss das kantonale Baudepartement intervenieren, wenn die Gemeinde ihre Pflichten nicht wahrnimmt.

Breite Proteste gegen die Entlassung

Im Jahr 2010 wird Manz mit weiteren Supervisionen und Mitarbeitergesprächen durch den WWF Schweiz eingedeckt. Der WWF Schweiz verlangt von ihm die Erfüllung von insgesamt fünf Massnahmen. Zwei davon erfüllt Manz problemlos. Die restlichen drei kann er unmöglich einhalten, weil sie nicht in seiner Entscheidungskompetenz liegen. Zum Beispiel verweigert sich laut Manz die Präsidentin Marlis Chanton einer weiteren Supervision, welche der WWF Schweiz verlangt. Perfiderweise wird Manz vorgeworfen, er habe diese Massnahme nicht erfüllt.

Im Januar 2011 erhalten Chanton und Martinson Unterstützung von Mieke Eberhardt, Ex-Leiterin Human Resources beim WWF Schweiz, welche Manz auffordert, gleich selbst die Kündigung einzureichen. Die Entlassungsdrohungen belasten ihn so stark, dass ihn der Arzt krankschreibt. Im August 2011 erhält Manz die Kündigung auf Ende November. Gegen den breiten Protest von Personen aus Politik und Medien, gegen die WWF-interne Personalkommission, gegen die Ombudsstelle des WWF, gegen den Protestbrief der 23 regionalen GeschäftsleiterInnen des WWF Schweiz und gegen den Brief des Vorstandes des WWF Oberwallis (ohne WWF-Präsidentin Chanton).

Diskussion an der WWF-Generalversammlung verweigert

Selbst der Walliser Alt-Staatsrat Thomas Burgener schrieb an den WWF Schweiz: «Ralph Manz war und ist ein ausgezeichneter Vertreter im Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt. Für das Oberwallis, seine Natur und Landschaft und auch für den WWF wäre eine Kündigung ein grosser Verlust.» Die Proteste interessierten die WWF-Zentrale in Zürich nicht. An der Generalversammlung des WWF Wallis erklärte Martinson den verblüfften WWF-Mitgliedern, dass es sich hier um eine Personalfrage handle und verweigerte die Diskussion.

Ende Oktober 2011 appellierte Manz mit einem 14-seitigen Schreiben an die Vernunft von WWF-Chef Fricker. Ansonsten sei er gezwungen, eine Klage beim Arbeitsgericht einzureichen. Auf Anfrage von Infosperber wollte sich Fricker nicht zum Konflikt äussern. Der Appell an die Vernunft verhallte in Zürich. Die Entlassung wurde Ende November definitiv. Am 17. Januar findet ein Schlichtungstreffen mit dem WWF statt. Falls keine Einigung erreicht wird, kommt der Fall vor das Walliser Arbeitsgericht. Hier hat Manz gute Chancen, eine Entschädigung zu erhalten. Denn dort will er seine Trümpfe präsentieren. Weitere pikante Details möchte er noch nicht in die Öffentlichkeit tragen.

WWF zelebriert die Kooperation mit der Wirtschaft

Es ist für die Entwicklung des WWF bezeichnend, dass WWF-Chef Fricker den Oberwalliser Geschäftsleiter fallen liess. Vor zwanzig Jahren mussten sich die WWF-Mitarbeiter im Wallis noch vor gewalttätigen Übergriffen fürchten, heute kommt die Gefahr aus der WWF-Zentrale in Zürich.

Manz passte nicht mehr in das Konzept des heutigen WWF. Seit Stiftungsratspräsident Robert Schenker und Geschäftsleiter Fricker im Jahr 2004 das Zepter übernahmen, zelebriert man beim WWF noch verstärkt die Kooperation mit der Wirtschaft. Im Stiftungsrat und in der Geschäftsleitung wimmelt es von ehemaligen Bankern, Marketingleuten, Vermögensverwaltern, Unternehmens- und Finanzberatern.

WWF-Präsident Schenker war Banker

WWF-Präsident Schenker war bis 1998 für den Schweizerischen Bankverein tätig, zuletzt als Direktions-Vorsitzender. Seit 1998 arbeitet Schenker als unabhängiger Finanz- und Unternehmensberater. Von 1998 bis 2009 war Schenker Verwaltungsrat der Partners Group Holding AG, einer international tätigen Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft, welche sich auf alternative Anlagen spezialisiert hat, beispielsweise Hedge-Fonds. In den Geschäftsberichten der Partners Group wird das hohe Lied des Profits gesungen.

Als Schenker 2009 aus dem Verwaltungsrat zurücktrat, war der gescheiterte UBS-Chef Peter Wuffli sein Nachfolger bei der Partners Group. Wie Schenker war Wuffli früher für den Bankverein tätig. Die Partners Group agiert weltweit und hat ihren Sitz im steuergünstigen Baar im Kanton Zug. Schenker selbst wohnt im ebenfalls steuergünstigen Herrliberg.

Aktuell ist Schenker Verwaltungsratspräsident der Corporate Management Selection C.M.S. AG, welche spezialisiert ist auf die Selektion von Spezialisten und Führungskräften für die Bank- und Finanzbranche, sowie auf Eignungstests und Persönlichkeitsanalysen. Ebenfalls im WWF-Stiftungsrat sitzt Tina Felber, Leiterin Marketing und Kommunikation bei der Siemens Schweiz AG.

Billigflieger und Erdöl-Lobbyist im Stiftungsrat des WWF International

In der Geschäftsleitung des WWF Schweiz sitzen neben FDP-Mitglied Fricker auch Thomas Vellacott, ein ehemaliger Mitarbeiter der Citibank und der McKinsey & Company, Gian-Reto Raselli, ein ehemaliger Mitarbeiter der Zürcher Kantonalbank, sowie Markus Schwingruber, ein ehemaliger Senior Consultant des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG.

Im Stiftungsrat des WWF International sitzen unter anderen Antony Burgmans, Verwaltungsrat des Erdölmultis und Umweltsünders BP, und Alvaro de Souza, Verwaltungsratspräsident der brasilianischen Fluggesellschaft GOL Airlines, dem achtgrössten Billigflieger der Welt.

Schonkultur für die ökologischen Bremser

Im WWF-Mitglieder-Magazin überwiegt das FDP-Motto der Freiwilligkeit. Über verfehlte Strukturen und über die Namen der politisch Verantwortlichen liest man im WWF-Magazin auffallend wenig. Die ökologischen Bremser aus den Parteien der FDP, CVP und SVP, sowie die wirtschaftlichen Akteure geniessen im Panda-Magazin eine Schonkur. Dass Umweltschutz nicht ohne Kooperation mit der Wirtschaft geht, ist wohl allen klar. Aber offenbar hat der WWF den Kooperations-Bogen doch etwas überspannt. Kein Wunder, dass in den letzten Monaten gleich zwei Fernsehbeiträge diese fragwürdige Kooperation des WWF mit den Grosskonzernen in den Entwicklungsländern anprangerten (siehe Links unten).

Der neue Oberwalliser Geschäftsleiter wohnt in Zürich

Der WWF hat den Vater zweier Söhne in Ausbildung auf die Strasse gestellt. Wohl wissend, dass er im Wallis keine Stelle finden wird. Nachhaltiges Verhalten sieht anders aus. Wie Hohn tönen da Frickers schöngeistige Worte als Zuhörer in der Sternstunde Philosophie des Schweizer Fernsehens: «Ich möchte gerne noch die soziale Kompetenz in Bezug auf die Zukunft des Menschen ansprechen. Was mir immer so gefällt, ist ein Motto, das es in der tibetanischen Kultur gibt: Wenn du eine Entscheidung triffst, dann denk an die Konsequenzen der 7. Generation nach dir.»

Die Stelle von Ralph Manz hat übrigens seit Anfang Januar 2012 ein langjähriger WWF-Mann übernommen. Er wohnt in Zürich!


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Mitglied des Beirates der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) bis am 4. Januar 2012

Zum Infosperber-Dossier:

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Der WWF in der Kritik

Der WWF baut immer mehr auf Dialog, nicht auf Konfrontation. Seine Verträge mit Konzernen hält der WWF geheim.

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9 Meinungen

  • am 6.01.2012 um 20:11 Uhr
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    Der WWF ist leider bekannt für solche Aktionen. Einerseits eine unverantwortliche Personalpolitik und für die Verwicklung mit der Wirtschaft. Darum soll sich sehr gut überlegen, wer für eine Umwelt- oder Menschenrechtsorganisation arbeiten will: Denn solche verraten nicht selten Mitarbeiter, wenns dann brenzlig wird, um ihren eigenen Sitz zu bewahren. Andererseits sind die WWF Stellen auch nicht auf Lebzeit, das muss auch verstanden werden.

    0
  • am 6.01.2012 um 22:44 Uhr
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    Stellungnahme des WWF:
    Der Artikel vermittelt den Eindruck, der WWF habe Ralph Manz gekündigt, weil dieser sich kompromisslos für die Umwelt eingesetzt habe. Mit Verlaub: Diese These ist Unsinn. Die Kündigung steht in keinem Zusammenhang mit dem geschilderten Fall (illegale Arbeiten für einen Mountainbike-Trail). Sollte Ralph Manz dies unbedingt wünschen, legen wir die eigentlichen Kündigungsgründe offen.

    Dass die These vom tapferen Umweltkämpfer und der bösen WWF-Zentrale haltlos ist, zeigt ein anderer zentraler Punkt. Es ist falsch, dass „WWF-Geschäftsleiter Manz gegen die Baubewilligung mit Erfolg Einsprache“ erhob. Ehre wem Ehre gebührt: Die Einsprache stammte aus der Feder einer Walliser Anwältin, und sie erfolgte im gemeinsamen Auftrag der Sektion Oberwallis und des WWF Schweiz! Der WWF war in diesem Streitfall sehr hartnäckig und brachte ihn vor den Staatsrat und anschliessend vors kantonale Verwaltungsgericht, welches ihm schliesslich Recht gab. Warum sollte der WWF also ein Interesse daran haben, den Fall in irgendeiner Form zu vernebeln? Und warum soll er den Geschäftsführer entlassen, wenn es in der Sache gar keine Differenz gibt?

    Der WWF setzt sich im Wallis und auch der „Üsserschwyz“ seit Jahren mit all seiner Kraft für Umweltanliegen ein. Das wird auch der neue Geschäftsführer des WWF Oberwallis tun, obwohl er – welch ein Verbrechen! – aus dem Kanton Zürich stammt. Da der Artikelschreiber auch sonst gerne Feindbilder pflegt, wimmelt es im Stiftungsrat und in der Geschäftsleitung des WWF Schweiz angeblich nur so von Bankern und Vermögensverwaltern. Selbst der Umstand, dass der heutige Finanzchef des WWF Schweiz früher einmal beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG arbeitete, muss dafür als „Beweis“ herhalten. Das ist etwa so, wie wenn man einem Wirt vorwirft, dass er das Wirtepatent gemacht hat.

    Aber es stimmt: Der WWF kooperiert mit Firmen, und er versucht auch Banken zu einem umweltfreundlicheren Handeln zu bringen. Denn wir sind überzeugt: Wenn wir unsere Umweltziele erreichen wollen, müssen wir den Markt bewegen, und zwar im grossen Stil. Denn die Unternehmen sind oft ein wichtiger Teil der Umweltprobleme. Der WWF kooperiert deshalb mit Firmen und erarbeitet gemeinsam Lösungen, ohne sich deswegen kaufen zu lassen. Denn wo die Kooperation nicht hilft, da scheuen wir weder öffentliche Kritik noch die direkte Konfrontation.

    Das gilt weiterhin auch fürs Wallis. Doch der Autor des Artikels blendet lieber aus, was nicht sein Bild passt. Dazu ein kleines Beispiel: Dass im angeblich von Bankern und Finanzleuten beherrschten WWF-Stiftungsrat zwei Umweltforscherinnen und -dozentinnen, ein ehemaliger SP-Stadtpräsident und die Leiterin einer Stiftung im Bereich Nachhaltigkeit sitzen, passt leider nicht zu seiner These. Also lässt der Autor diese Fakten einfach unerwähnt. Glaubwürdiger Journalismus sieht anders aus.
    Fredi Lüthin, WWF Schweiz

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  • am 7.01.2012 um 09:08 Uhr
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    Wer meint, man könne grüne Politik betreiben, ohne gesellschaftskritische Fragen zu stellen, ist beim WWF weiterhin und bei der GLP neuerdings gut aufgehoben. Viel Erfolg!

    0
  • am 7.01.2012 um 13:02 Uhr
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    Sehr geehrter Herr Lüthin

    Besten Dank für Ihre Stellungnahme. Dazu habe ich folgende Bemerkungen:

    Mein Artikel zeigt deutlich auf, dass ein Zusammenhang zwischen der Entlassung von Ralph Manz und den illegalen Arbeiten für den Mountainbike-Trail besteht. Im Artikel stehen aber auch die Kündigungsgründe des WWF Schweiz, nämlich die angeblich mangelnde Arbeitsleistung und Effizienz. Diese Kündigungsgründe werden durch die Resultate der Mitarbeitergespräche klar widerlegt.

    Die Einsprache vom 24. August 2009 gegen die öffentliche Auflage des Projektes hat Ralph Manz selbst verfasst und unterschrieben. Mit der «Einsprache» meinen Sie offenbar die Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 5. Juli 2010, welche von der Anwältin in intensiver Absprache mit Ralph Manz verfasst wurde.

    Als WWF-Mediensprecher sollten Sie eigentlich den Unterschied zwischen einer Einsprache und einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde kennen. Im Notfall wäre Ralph Manz gerne bereit, Ihnen entsprechende Nachhilfe zu erteilen. Hätte sich Ralph Manz nicht mit den illegalen Bauarbeiten am Mountainbike-Trail in Saas-Fee befasst und wäre er nicht in die Öffentlichkeit gegangen, wäre es weder zu einer Einsprache noch zu einer Beschwerde noch zu einem Erfolg für die Natur gekommen.

    Sie fragen: «Warum sollte der WWF also ein Interesse daran haben, den Fall in irgendeiner Form zu vernebeln?» Diese Frage wird im Artikel beantwortet. Es gab drei Interessenkonflikte: 1. Beat Anthamatten ist Kunde der Weinkellerei Chanton; 2. Beat Anthamattens Hotel Ferienart Ferienart Resort & SPA war dreimal Sponsor des WWF-Klimafestes; 3. Beat Anthamatten war Mitglied der Begleitgruppe einer Studie über den Klimawandel im Saastal, welche vom WWF initiiert wurde.

    Im WWF-Stiftungsrat und in der Geschäftsleitung wimmelt es nicht nur «angeblich», sondern tatsächlich von ehemaligen Bankern, Vermögensverwaltern, Marketingleuten, Unternehmens- und Finanzberatern. Davon kann sich jeder und jede auf der Homepage des WWF Schweiz leicht überzeugen. Auch ein Blick auf die Homepage des WWF International lohnt sich diesbezüglich. Über die Käuflichkeit des WWF geben die verlinkten Fernsehbeiträge von SF und ARD reichlich Aufschluss.

    Im Artikel steht, dass der neue Geschäftsleiter des WWF Oberwallis in Zürich wohnt, nicht wie Sie schreiben «aus dem Kanton Zürich stammt». Das ist ein Unterschied. Von einem «Verbrechen» ist im Artikel auch nirgends die Rede. Vielmehr ist implizit die mangelnde Sensibilität der WWF-Zentrale angesprochen. Wenn Sie schon den «glaubwürdigen Journalismus» postulieren, wäre es sicher geboten, wenn Sie mit dem guten Beispiel voranschreiten.

    Kurt Marti, Mitglied der Redaktionsleitung infosperber

    0
  • am 7.01.2012 um 19:32 Uhr
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    Ich bin fassungslos: Da wird eine illegale Machenschaft auf Kosten der Natur aufgedeckt und vor den Kadi gezerrt und jetzt streitet man sich wer denn die Sache «zuerst» gesehen hat. Weil es der der «falsche» war, wird er in die Wüste geschickt. Ich wähne mich wirklich im falschen Film.

    Und die korrupten Verantwortlichen des Tourismus- und Wirtschaftsfilzes, welche die Nonchalance hatten, sich über alles was Recht ist hinwegzusetzen? Ich hoffe nur, dass diese nicht am Schluss als lachende Dritte profitieren….

    0
  • am 8.01.2012 um 21:50 Uhr
    Permalink

    $sehr geehrter Herr Marti
    ich möchte nur zu einem Punkt nochmals kurz Stellung nehmen, weil Sie leider die Dinge durcheinanderbringen – obwohl der Artikel ja von Ihnen selber stammt. Die von uns als falsch bezeichnete Aussage «WWF-Geschäftsleiter Manz erhob gegen die Baubewilligung mit Erfolg Einsprache» bezieht sich in ihrem Text offensichtlich auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde, denn einen Satz vorher sind Sie in Ihrem Text bereits im Mai 2010 angelangt. Wir brauchen also keinen Nachhilfeunterricht und es gilt weiterhin exakt das, was wir in unserer Stellungnahme des WWF geschrieben haben.

    0
  • am 8.01.2012 um 23:09 Uhr
    Permalink

    Was bleibt ist der Verlust an Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit. Ich kann zum Beispiel nicht das Verhalten von Firma A im Land B kritisieren, wenn im Stiftungsrat meiner Organisation ein Vertreter der Firma C sitzt, die sich im Land D ebenso verhält wie A in B oder Beziehungen unterhält zu A.
    Bereits schon der Anschein von Befangenheit schadet. Einbindung der Wirtschaft kann auch dazu führen, dass man dieser als Feigenblatt dient. Dem WWF fehlt es offenbar an diesbezüglicher Sensibilität. Ich bin deshalb letzten Sommer nach jahrzehntelanger Mitgliedschaft beim WWF ausgetreten.

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  • am 9.01.2012 um 16:23 Uhr
    Permalink

    Ist nicht das erste Mal, dass man den Überbringer der schlechten Nachricht köpft. Kein Wunder, bei dem Filz!

    Stefan Bellwalder

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  • am 10.01.2012 um 10:19 Uhr
    Permalink

    Der Artikel erinnert an eine alte Geschichte aus Zürich. Die damalige WWF-Regionalgruppe Oberland wurde durch die Zürcher Sektion ausgebremst, da die Regionalgruppenaktivisten zu wenig dezent und – huch – auch noch armeekritisch aufgetreten waren. Ein paar Spendenstopp-Drohungen von Armeekaderleuten hatte ihre Wirkung nicht verfehlt.

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