Zur Axpo: Im Clinch zwischen Überfluss und Mangel

Hanspeter Guggenbühl © bm

Hanspeter Guggenbühl /  Umweltverbände fordern eine erneuerbare dezentrale Stromversorgung. Die Axpo ist dafür der falsche Partner.

In der Schweiz dürfen keine neuen AKW mehr gebaut werden. Das haben Bundesrat und Parlament angekündigt. Wenn die alten Atommeiler nach 50 Jahren Laufzeit pensioniert werden, muss die Schweiz innerhalb von 25 Jahren 40 Prozent ihres im Inland erzeugten Stroms einsparen oder ersetzen. Bei der besonders atomlastigen Marktführerin Axpo sind es sogar 60 Prozent. Eine unlösbare Aufgabe?

Der isolierte Blick aufs Inland vernachlässigt den wachsenden Aussenhandel: Schon heute importiert und exportiert die Stromdrehscheibe Schweiz je 25 Prozent mehr Elektrizität, als im Inland produziert wird. Ebenfalls zugenommen hat die Zahl der Kraftwerke von Schweizer Elektrizitätsunternehmungen im Ausland. Die Axpo etwa erzeugt im In- und Ausland zusammen 75 Prozent mehr Strom, als Haushalte und Wirtschaft in ihren inländischen Versorgungsgebieten verbrauchen. Doch dieser Überfluss wandelt sich langfristig zum Mangel, wenn die alten AKW nicht ersetzt werden können und der Stromverbrauch gemäss Szenarien der Stromwirtschaft weiter wächst.

In dieser Situation entwarf die Axpo eine neue Strategie ohne Atomstrom. Auch diese baut auf europäische Arbeitsteilung: Strom aus neuen Windkraftwerken in der Nordsee sowie aus bestehenden, schlecht ausgelasteten Gaskraftwerken in Italien sollen bis 2030 einen Teil des wegfallenden Atomstroms ersetzen. Zusätzlich plant die Axpo einige neue Gaskraftwerke sowie die vermehrte Verstromung von erneuerbarer Energie im Inland. Als Ausgleich für den wachsenden Importüberschuss bietet sie den umliegenden Staaten mehr Spitzenstrom an, etwa aus ihrem neuen Pumpspeicher-Kraftwerk im glarnerischen Linthal.

Diese Strategie birgt Chancen, aber auch Risiken. Denn die weiträumige Arbeitsteilung funktioniert nur, wenn das europäische Stromnetz aus- und umgebaut wird. Umweltverbände und Cleantech-Branchen hingegen fordern die Axpo auf, mehr erneuerbare Energie dezentral und im Inland zu nutzen.

Diese Forderung ist gut und schön. Sie kollidiert aber mit dem Gewässer- und Landschaftsschutz. Vor allem aber richtet sie sich an die falsche Adresse. Denn die Axpo ist ein zentralistisch ausgerichteter, international vernetzter Stromkonzern. Wer die Schweiz vermehrt dezentral versorgen will, muss der Axpo Marktanteil abjagen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

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