Sperberauge

Zum Glück gibt es den «TA-Leser»

Kurt Marti © Christian Schnur

Kurt Marti /  Es brauchte die kritische Frage eines Lesers, damit die Redaktion des Tagesanzeigers über die Bücher ging.

Lange hat es gedauert, aber jetzt kommt der «Tagesanzeiger» (TA) im Zusammenhang mit der angeblichen Krise der Wasserkraft zum Schluss: «So schlimm ist die Lage nicht.» Allerdings brauchte es dazu erst den Anstoss eines «TA-Lesers», der neugierig fragte: «Ist die Rentabilität von Wasserkraftwerken wirklich so schlecht, wie die Stromkonzerne behaupten?»

Völlig richtig bemerkt der «Tagesanzeiger» zunächst: «Es gibt Aussagen, die verwandeln sich in Allgemeinwissen, einfach weil sie oft wiederholt werden. Die Sache mit der Wasserkraft gehört dazu.» Tatsächlich hat auch der «Tagesanzeiger» – wie auch die meisten Schweizer Medien – bisher die Behauptungen der Strombranche kritiklos nachgeplappert und sie in «Allgemeinwissen» verwandelt. Beispielsweise im letzten März machte der TA sogar Vorschläge unter dem Titel: «Wie die Wasserkraft wieder rentabel wird».

Jetzt belegt der TA seine These, dass die Lage der Wasserkraft gar nicht so schlimm ist, mit den Zahlen einer ETH-Studie. Gegenüber dem TA kommt der Studienautor Thomas Geissmann zum Schluss: «Wir gehen davon aus, dass die Wasserkraft auch unter der momentanen Marktsituation ihre variablen Kosten decken kann, denn mit Ausnahme einiger Pumpspeicher sind diese in der Regel tief.»

Infosperber hat diese ETH-Studie und deren Folgerungen bereits vor anderthalb Jahren im Februar 2015 präsentiert («ETH-Studie: Pumpspeicherwerke sind Kostentreiber»). Auch in anderen Artikeln hat Infosperber in den letzten Jahren auf das PR-Märchen von der unrentablen Wasserkraft hingewiesen. Die Karawane der meisten Schweizer Medien ist bisher mit geschlossenen Augen daran vorbeigezogen. Dank dem aufmerksamen «TA-Leser» wurde diese Ignoranz zum Glück gebrochen.

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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

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Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

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